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Elon Musks "Hitlergruß" - Geschichte Kursiv

Staffel 0, Folge 00 22.01.2025 00:11:47

Am 20. Januar 2025 hat Elon Musk im Rahmen der Amtseinführung von Donald Trump mehrmals eine komische Geste gezeigt, die sehr an den “Hitlergruß” erinnerte. Was ist das für ein Gruß, wo kommt er her, und was ist dran an den Vorwürfen gegen Elon Musk?

Und ich möchte nur sagen, dass ich es für mich nicht machen kann. Danke. Mein Herz geht auf dich raus. Ich bin Jens, und normalerweise bereiten wir uns hier auf das Abitur und Glasarbeit mit Fachgeschichte vor. Aber dieser Hitlergrusen-Anführungszeichen von Elon Musk hat für so viel Aufschrei und Entsetzen gesorgt, dass wir uns heute einmal diesem Thema widmen wollen. In Deutschland kennen wir den Hitlergrus vor allem als eine Geste, die eben im Dritten Reich verbreitet war. Aber wo kommt die eigentlich her? Entgegen der landläufigen Meinungen, also entgegen dem, was die meisten Leute glauben, war der Saluto Romano, also der sogenannte römische Gruß, kein typischer militärischer Gruß im antiken Rom. Das ist zumindest nicht belegbar. Es gibt zwar gewisse Hinweise, die Trajanssäule in Rom, die enthält so Darstellungen, aus denen man das geschlossen hat, dass das ein militärischer Gruß sei, aber das ist nicht fix belegt. Stattdessen muss man eigentlich sagen, dass diese Geste mit dem ausgestreckten, oh ho, mit den Armen, wie man das aus dem NS kennt, oder aus dem italienischen Faschismus kennt, dass die wahrscheinlich was modernes ist. Man vermutet, dass als grus unter den antiken Römern eher so eine lässige Geste verbreitet war, wo man eben den Armen erhebt, die er handöffnet, aber das war nicht so dieses Stramm militärische, wie wir das aus dem Faschismus kennen. Dieser römische Gruß, wie wir ihn heute uns vorstellen, oder wie er heute auch in Deutschland verboten ist, der ist in seiner modernen Form erst um ungefähr 1919 von einer Gruppe in Italien verwendet worden. Benito Mussolini hat ihn dann 1922 übernommen und 1922 auch zu einem Staatsakt in Italien gemacht. Das heißt, es wurde in Italien zu einer offiziellen Art, sich führergemäß sozusagen zu begrüßen, sich also so zu begrüßen, wie das im Faschismus sich gehöre. Einer der glühendsten Verehrer Mussolinis und des Italienischen Faschismus war der Österreicher Adolf Hitler und der kopierte diesen Gruß und viele andere Elemente von Mussolinis faschistischer Ideologie und Bewegung. 1925 wurde der Gruß dann in der NS-Bewegung zu einem etablierten Verhalten und ab 1926 wurde das in der NS-DRP zur Pflicht. Das heißt, Parteiengehörige hatten sich so zu grüßen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der sogenannte Hitler-Gruß dann schnell zu einer Norm in Deutschland, obwohl es dafür kein offizielles Gesetz gab, zumindest nicht zu anfangen. Das heißt, wer sich als jemand bekennen wollte, der Hitler-Gut fand und diese neue nationale Bewegung, wie Hitler das gerne nannte, gut fand, der konnte den Hitler-Gruß zeigen, um zu signalisieren, dass er politisch hinter diesem Vorhaben steht. Das Ganze hat natürlich auch gewisse Elemente der Sozialkontrolle, denn in dem Moment, wo ich eine Gesellschaft habe, in der sich viele Leute so grüßen und damit ein Bekenntnis zur Herrschaft von Hitler abgeben, in diesem Moment werden ja auch Leute sichtbar, die den Gruß verweigern, die werden dann verdächtig riskieren, dass man sie genau beobachtet, dass man sie denunziert und dieser Hitler-Gruß ist. Also letztlich auch ein Werkzeug, mit dem ich die Menschen diszipliniere, mit dem ich die Menschen ein Stück weit kontrollieren kann und zur Konformität zwingen kann. Das schafft natürlich eine Atmosphäre des Misstrauens und der sich beobachtet fühlens und schwächt aber dadurch automatisch die Kritiker, weil die eben verstärkt versuchen, unterhalb des Radars zu bleiben, nicht sichtbar zu werden, sich dann vielleicht auch anpassen. Mit dem Ende des Dritten Reichs im Jahr 1945 wurde Hitler natürlich zu Personen on grata und der Hitler-Gruß verschwand im Wesentlichen aus dem öffentlichen Leben. Heute ist der Hitler-Gruß und das Zeichen des Hitler-Grußes auch in Deutschland verboten. Im Paragraf 86a zur Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger oder terroristischer Organisationen, da steht drin, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer im Inland Kennzeichen einer der folgenden Parteien und Vereinigungen verbreitet oder veröffentlicht in einer Versammlung oder in einem von ihm verbreiteten Inhalt verwendet. Das heißt, wenn ich zum Beispiel den Hitler-Gruß zeige, sei das nun in der Öffentlichkeit oder in einem YouTube-Video, dann bin ich, wenn ich das in Deutschland tue, damit strafbar und kann bis zu drei Jahre in den Knast wandern dafür. Dieses Verbot des Zeigens des Hitler-Grußes, das macht natürlich Sinn, wenn man bedenkt, dass damit Leute ausdrücken, dass sie einverstanden sind mit den terroristischen Aktionen und dem rassistischen Weltbild eines Adolf Hitler und seiner Bewegung, dass man einverstanden ist mit einem der größten Menschheitsverbrechen der Geschichte, dem Holocaust und dass man eben nicht will, dass Leute das zeigen und dass sie sich strafbar machen, wenn sie das zeigen. Das ist etwas, was in Deutschland ganz viel Sinn macht, weil eben nach 1945 die Erinnerung an den Nationalsozialismus extrem präsent war, weil sehr viele Mitläufer und Täter noch in der deutschen Gesellschaft existierten und man wollte dem eben einen Riegel vorschieben, dass so eine Bewegung in Deutschland nicht mehr sozusagen neuen Auftrieb bekommen kann. Deswegen sind ihre Symbole und eben dazu gehört auch der Hitler-Gruß in Deutschland illegal. Das gilt auch für Italien und Österreich, wo das Zeichen zeigen dieses römischen Grußes, dieses faschistischen Grußes verboten ist und strafrechtlich verfolgt werden kann. Das ist auch kein Zufall, dass es Italien, Österreich und Deutschland sind, sondern es hat natürlich damit zu tun, dass diese drei Staaten eben faschistische Regimes erdulden mussten. Das heißt nach 1945 hatte man in Deutschland, wo es noch NS-Schergen gab, Mitläufer ohne Ende gab, aber auch viele Täter gab. Da hatte man ein großes Interesse daran zu verhindern, dass diese Gruppen wieder in irgendeiner Weise sich organisieren und sozusagen eine neue nationalsozialistische Partei gründen oder sowas. Und um das zu verhindern, hat man ihre Symbole und dazu gehört eben auch der Hitler-Gruß verboten. In anderen Staaten, wo es keinen faschistischen Diktator gab, keine faschistische Diktatur und keine faschistischen Verbrechen, da macht es natürlich auch keinen Sinn den Hitler-Gruß zu verbieten, weil den dort ja auch niemand gibt oder niemand in der Regel zeigt. Das heißt, wenn in den USA das Zeichen von Hakenkreuzen und Hitler-Gruß total legal ist, dann liegt das nicht daran, dass die Amerikaner den toll finden, sondern liegt natürlich daran, zum einen, dass die von Meinungsfreiheit ein anderes Verständnis haben, aber insbesondere daran, dass in den USA nie ein faschistisches Regime existiert hat, dass man hätte im Nachhinein kriminalisieren müssen. Letztlich ist also der Umgang mit dem Zeichen des Hitler-Grußes in Deutschland ein Beispiel für Erinnerungskultur. Man will in Deutschland eben die Erinnerung an den Nationalsozialismus nicht dadurch wachhalten, dass man seine Symbole wieder aufleben lässt, indem man zum Beispiel den Hitler-Gruß zeigt. Das ist natürlich was, was man überhaupt nicht will. Stattdessen setzt man bei der Erinnerungskultur auf eine ganz andere Form des Erinnerns an den Nationalsozialismus, eben in Form von zum Beispiel Gedenkfeiern und Erinnern an die Opfer, aber eben nicht in der Form, dass man an die Praxis und das Auftreten der Täter erinnert. Kommen wir nun von hier aus zurück zu Elon Musk. Ob denn wirklich ein Hitler-Gruß gezeigt hat und dabei sozusagen, dass vor dieser Leinwand des Nationalsozialismus oder des römischen Grußes das gezeigt hat. Das ist was, was man natürlich nicht wirklich entscheiden kann, weil man kann ja Elon Musk nicht in den Kopf gucken. Aber man kann natürlich schon sagen, dass die Geste, so wie er sie gezeigt hat, wie ein äußerst imbrünstig durchgeführter Hitler-Gruß aussieht, wer sich da die Videos mal anschaut, der stutzt schon, sagen wir mal vorsichtig. Aber man kann dazu sehr unterschiedlichen Einschätzungen kommen und ich ziehe hier aus einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen. Die Historikerin Claire Orbin, die mit dem Nationalsozialismus in den USA zu tun hat, die schreibt, dass dieser Hitler-Gruß, so wie er durchgeführt wurde, ganz eindeutig ein klassischer Hitler-Gruß war. Auch verschiedene andere Personen, zum Beispiel die Faschismusforscherin Ruth Ben-Giatt, hat das als ein Nazi-Gruß bezeichnet. Andere Leute sind da ein bisschen skeptischer. Zum Beispiel gibt es eine Historiker, Aaron Erster, der sagt, dass es wahrscheinlich nicht eine bewusste gezielte Durchführung eines Hitler-Grußes, er nennt es eine ungeschickte Geste eines autistischen Mannes, der Geste quasi sagen will, dass sein Herz für sie schlägt. Musk hat auch 21 erklärt, er sei leider unter dem Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus, sodass man auch sagen kann, vielleicht kann man hier eine Entschuldigung finden. Die Anti-Defamation liegt, das ist eine Bürgerrechtsgruppe, die sagt, es wirkt eher wie eine ungeschickte Geste, nicht wie ein absichtlicher Hitler-Gruß. Man kann sich nun darüber streiten, wie man das am Ende deutet. Es ist aber eigentlich ganz einfach, dass es in den USA nämlich eben nicht strafbar ist, diesen Gruß zu zeigen. Das heißt, rein rechtlich ist das Ganze eigentlich schon abgefrügstückt, es spielt keine Rolle. Die Amerikaner haben ein ganz anderes Verständnis von Meinungsfreiheit, als wir das in Deutschland haben, denn dort geht man davon aus, dass sozusagen die Mehrheit das schon richten wird. Wenn jemand eine besonders radikale, besonders grenzwertige Meinung äußert, dann ist das in den USA nicht strafbar, sondern dann wird man halt von der Masse ignoriert, das sozusagen der Gedanke, aber man kann dafür nicht vor Gericht gebracht verurteilt werden. Das ist in Deutschland ganz grundsätzlich anders, aber diese Haltung zum Thema Meinungsfreiheit in den USA ist eine sehr, sehr, sehr kategorische. Da kann man verzapfen, was man will, dafür wird man in der Regel nicht vor Gericht gestellt. Der sogenannte römische Gruß, der mag einzelne Wurzeln in der Antike haben, aber in erster Linie handelt es sich um einen Gruß, der von den faschistischen Regimes in Italien und Deutschland instrumentalisiert und vereinnahmt wurde. Rechtlich wie gesellschaftlich wird er heute in Europa geächtet, ähnlich wie zum Beispiel das Hakenkreuz und andere verfassungsfeindliche Symbole und Gesten. Der Vorfall um Elon Musk vom 20. Januar 2025, der zeigt, wie sensibel dieses Thema natürlich und sinnvollerweise auch heute noch ist und wie wichtig es ist, sich der historischen Kontexte solcher Symbole bewusst zu sein. Man kann nämlich auch natürlich diesen Elon Musk Vorfall ganz einfach damit erklären und so ein bisschen so erklären, das ja einige der zitierten Forscher, dass man sagen kann, der Musk, der hat halt keine Ahnung von diesem historischen Zusammenhängen und hat deswegen da irgendwas Unbeholfenes gemacht, ohne zu wissen, wie das nachher ankommt. Damit beenden wir die heutige Folge. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu. Untertitel im Auftrag des ZDF, 2020