Klausurfolge: Weimarer Republik
In dieser Folge fassen wir alle Kapitel zur Weimarer Republik zusammen. Sie eignet sich besonders gut zur Vorbereitung auf Klassenarbeiten zu diesem Thema.
Wer noch mehr wissen will, kann sich auch die Expertenfolge für den Leistungskurs zum gleichen Thema anhören - ihr findet sie im Archiv von geschichtslehrer.net.
Willkommen bei Geschichtslehrer.net. Ich bin Jens. Nachdem wir letztes Mal gesehen haben, wie die alte Welt im Ersten Weltkrieg untergegangen ist, schauen wir uns heute an, was auf den Trümmern entstanden ist. Die Weimarer Republik. Das war der erste Versuch, in Deutschland eine echte Demokratie hinzukriegen. Ein Experiment mit modernster Verfassung, aber unter denkbar schlechten Bedingungen. Wir klären heute, warum diese Demokratie am Ende gescheitert ist und warum sie trotzdem heute noch ganz viel mit unserem Leben in Freiheit zu tun hat. 1918 endet der Erste Weltkrieg. Und die zentrale Frage in den Köpfen aller Politiker ist, wie kann man einen solchen Krieg in Zukunft verhindern? Der US-Präsident Woodrow Wilson schlug dazu die 14 Punkte vor. Einen Plan für einen gerechten und dauerhaften Frieden und weil der in 14 Stichpunkten stattfand, waren das die 14 Punkte. Zu den wichtigsten Forderungen gehörten dabei eine offene Diplomatie statt Geheimverträgen, freie Schifffahrt, freie Handel, eine Begrenzung der militärischen Aufrüstung und die Gründung eines Völkerbundes. Eine Art Parlament zur friedlichen Konfliktlösung. Das kann man so ein bisschen heute mit den EU, mit den UN vergleichen. Zentral war dabei das Prinzip des Selbstbestimmungsrechts der Völker. Da steckt eigentlich schon drin, was gemeint ist. Selbstbestimmung der Völker bedeutet, dass jede ethnische Gruppe selbst bestimmen können soll, wo sie leben will. Denn Wilson meinte, dass die Menschen in einem Gebiet immer selber entscheiden sollten, zu welchem Staat oder welche Staatsform sie gehören wollen. Dass fremde Herrscher dagegen willkürlich Grenzen festlegen, war für ihn ein zentraler Grund, weshalb Kriege ausgebrochen sind. Und da hatte er auch nicht ganz unrecht gehabt, denn der Konflikt um Serbien, der zwischen Österreich und Serbien und Russland in den Ersten Weltkrieg geführt hatte, das war genau so ein Konflikt um die Frage der Selbstbestimmung der Völker. Dieses Prinzip führte jetzt nach dem Ersten Weltkrieg, als man es anwenden wollte, überall in Europa zu neuen Staaten und neuen Grenzen. Aber es hatte auch seine Grenzen, seine Limits, weil es nur in Europa und auch da längst nicht überall angewendet wurde. Und von den Kolonien brauchen wir da gar nicht erst reden. Gleichzeitig verlangte Wilson nach einer weltweiten Demokratisierung, denn er war, sagen wir mal, überzeugt davon, dass Demokratien keine Angriffskriege führen würden. Deshalb zielte seine Außenpolitik auf einen Demokratie-Export, also darauf, dass andere Staaten die Demokratie bräuchten und man sie ihnen bringen müsste. Das Problem dabei war natürlich, dass die anderen Siegermächte, besonders Frankreich, ganz andere Sachen im Kopf hatten. Die wollten stattdessen lieber Sicherheit vor Deutschland und auch Entschädigungen für die Zerstörung, die angerichtet worden waren im Krieg. Wilson’s idealistischer Traum von einer friedlicheren Welt traf also auf die knallharte Realität europäischer Machtpolitik. Das war ein Konflikt, der die gesamte Zwischenkriegszeit prägte. Am Ende des Ersten Weltkriegs brechen die großen Imperien, vor allem Deutschland, Österreich, Ungarn, Russland und auch das osmanische Reich zusammen und überall in Europa entstehen dadurch plötzlich sogenannte Nachfolgestaaten. Es gibt nun also neue Länder wie die Czechoslovakie oder ein wiedergeborenes Polen. Diese Staaten nennt man in der Geschichtsforschung junge Nationalstaaten. Die müssen sich ja auch erst mal finden, was für eine Flagge wollen wir, welche Sprache ist bei uns Ansprache, was für eine Verfassung wollen wir, welche Gesetze gibt es bei uns. Im Vergleich zu einem alten Nationalstaat, wie zum Beispiel Frankreich oder Großbritannien, die gab es schon seit Jahrhunderten, liegt darin für einen neuen Nationalstaat, einen jungen Nationalstaat, eine Menge Sprengstoff. Wilson selbstbestimmungsrecht der Völker, das klingt zwar erstmal super, ist in der Praxis aber fast nicht umzusetzen. Die Imperien, die waren ja keine Nationalstaaten mit einer einzigen ethnischen Gruppe gewesen, sondern das waren eben riesige Verbünde von ganz vielen verschiedenen Gruppen, sogenannte viel Völkerreiche. Man nennt diese Durchmischung dann multiethnische Reiche, also Reiche mit vielen verschiedenen Volksgruppen. Zum russischen Zarenreich zum Beispiel, im russischen Zarenreich gab es neben den Russen eben auch Millionen von ethnischen Polen und Finnen und Ukrainer und Tataren und Kasachen und viel mehr. In Österreich-Ungarn, das heißt ja schon so, da gab es neben den Österreichern etliche Millionen Ungarn, Tschechen, Slowaken, Slowen, Rumänen, Bosnia, Kroaten, Italiener und wahrscheinlich noch etliche mehr, die mir jetzt nicht einfallen. Viele von diesen ehemaligen Minderheiten bekamen nun ihre eigenen Nationalstaaten, aber das heißt ja noch lange nicht, dass die Angehörigen von so einer Ethnie automatisch jetzt in diesem Staat leben, denn wenn die nicht da wohnen, wozu völlig das neue Staatsgebiet hin kommt, dann wohnen die vielleicht weiterhin in Österreich oder in der Ukraine, obwohl sie eigentlich Rumänen sind oder oder oder. In jedem dieser vielen jungen Nationalstaaten gab es also eine ganze Reihe ethnische Minderheiten, also kleine Volkskrüppchen, die zum Beispiel eine andere Religion hatten oder eine andere Sprache, Sprachen oder eine andere Tradition hatten. Stellt euch mal vor, ihr seid plötzlich Bürger eines neuen Landes geworden, aber ihr sprecht eine ganz andere Sprache und ihr fühlt euch auch gar nicht zugehörig. Dieser Ansatz führt dann zu neuem Hass und Spannung. Das war für die neuen Demokratien keine besonders einfache Ausgangslage. In Deutschland wurde es 1919 dann ernst. In der Stadt Weimar, weit weg vom unruhigen, krisengeschüttelten Bürgerkriegsähnlich ausartenden Berlin, schrieben Klugeköpfe eine neue Reichsverfassung. Für diese Zeit, 1919, war das eine supermoderne Verfassung, ein revolutionärer Text. Frauenwahlrecht und Grundrechte und Kontrolle der Regierung und Volksentscheidel, da war eigentlich alles drin, was man heute für eine moderne Demokratie bräuchte. Und das war ja auch das Ziel. Die Verfassungsväter von Weimar wollten eine perfekte parlamentarische Demokratie bauen. Aber die hatte einen Konstruktionsfehler, den wir erst heute im Rückblick so richtig sehen. Der hat mit dem Reichspräsident zu tun, der sehr, sehr mächtig ist. Aber da kommen wir später noch dazu. Damit dieses demokratische System funktionierte, brauchte es demokratische Parteien, die das Land regieren und voranbringen wollten. Diese Parteien nennt man die Weimarer Koalition. So nennen wir heute das Bündnis aus SPD, der katholischen Zentrumspartei, die heute CDU heißt, und den liberalen Demokraten der DDP. Heute würde man sagen, wie es sind so mit der FDP ungefähr vergleichbar. Das waren die einzigen, die wirklich Interesse an einer funktionierenden Demokratie hatten. Andere Parteien lehnten die Demokratie offen ab und wollten eigentlich zurück zur Herrschaft eines starken Anführers, zum Beispiel seiner mit Schnurrbart und Seitenscheitel, aber zudem kommen wir erst viel später. Die Republik startete mit einem ganzen Rucksack voller Probleme. Das Größte war der Versaillervertrag. Dieser Versaillervertrag war der Friedensvertrag, mit dem der Erste Weltkrieg offiziell beendet worden war. Da stand zum Beispiel drin, dass Deutschland Reparationen an die anderen Staaten zahlen musste, dafür, dass Deutschland den Krieg angezettelt hatte. Die Summe dafür für diese Reparationen, die war erst mal ungedeckelt, das heißt, man konnte sich nicht sicher sein, wie hoch die Werten würden. Man konnte sich nur sicher sein, dass es Unsummen werden würden. Dann wurde Deutschland verboten, moderne Waffen für die Armee zu kaufen oder herzustellen. Deutschland wurde sowieso verboten, jede Form von einer nennenswerten Armee aufzustellen. Deutschland wurde verboten, eine Marine zu bauen und so weiter. Die Deutschen empfanden diesen Vertrag dann auch folgerichtig als Diktatfrieden, also als ein Frieden, der ihnen diktiert worden war, bei dem sie nicht mithatten, reden dürfen. Aber es war ja eigentlich kein Wunder, die hatten ja den Krieg verloren. Noch schlimmer fanden viele den Kriegsschuldartikel. Darin stand, sinngemäß Deutschland ist alleine Schuld am Weltkrieg. Das war für den Nationalstolz der damaligen Zeit ein ziemlicher Dämpfer und hat in Deutschland auch zu einem weitverbreiteten Revisionismus geführt. Also dem Gefühl, man müsste sich für diesen unmöglichen Friedensvertrag nochmal an Frankreich irgendwie rechen. Das haben die alten Eliten des Kaiserreichs auch ziemlich gnadenlos ausgenutzt. Mit diesen Eliten, da meint man, die, die im Kaiserreich so richtig mächtig und einflussreich gewesen waren. Diese generelle Richter, hohen Beamten, die noch im Kaiserreich Karriere gemacht hatten, die pflegten ein ziemlich tiefes antidemokratisches Denken. Sehr auch kein Wunder. Die waren ja auch im Kaiserreich zu Amt und würden gekommen und waren an antidemokratisches Denken gewöhnt. Die verbreiteten deshalb so Propagandalygen, um die Demokratie schlecht zu machen und in der Bevölkerung zu diskreditieren. Die berühmteste dieser Propagandalygen ist die Durchstoßlegende, von der ihr vielleicht schon mal gehört habt. Das ist die Behauptung, die deutschen Soldaten wären unbesiegt gewesen im Krieg und seien nur von den demokratischen Politikern, vor allem der SPD, an den Feind verraten worden. In den Augen dieser alten Eliten war die Weimarer Republik und auch ihre Demokratie eigentlich kein Fortschritt, sondern eher so eine Art Betriebsunfall der deutschen Geschichte, die man schnellstmöglich eigentlich beheben sollte. Erst kommt das Fressen und dann kommt die Moral. Das ist ein bekanntes Zitat von Berthold Brecht, das auch in die Zeit gehört. 1929 schlug die Weltwirtschaftskrise in den USA ein und dann auch in Europa wie eine Bombe. In kürzester Zeit gingen unzählige Firmen pleite. Fabriken machten dicht, Millionen Menschen wurden arbeitslos, Armutgriff um sich und die noch relativ jungen Sozialsysteme der Republik, die waren nicht so richtig in der Lage, die vielen arbeitslosen, zum Teil hungernden Menschen sinnvoll zu unterstützen. In solchen Krisenzeiten schlägt dann immer die Stunde der Extremisten, die vermeintlich einfache Erklärungen haben und Sündendocke für die Probleme finden. Das gilt vor allem für die NSDAP, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei und wenn man das abkürzt, dann kommt man eben bei NSDAP raus. Die NSDAP versprach den Leuten Arbeit und Brot und ein starkes Deutschland. In ihrer Erklärung waren die Juden oder das Finanzjudentum und irgendwelche obskuren jüdisch-demokratisch-kommunistischen Verschwörungen Schuld an der Weltwirtschaftskrise. Das war jetzt zwar eine ziemlich weltfremde Verschwörungstheorie, aber dieser rassistische Antisemitismus der NSDAP den kannten viele Menschen noch aus dem Kaiserreich. Der war da durchaus üblich gewesen. Viele fanden das ein bisschen komisch. Aber dieser Hitler war ein absolut herausragender Redner. Er war witzig, er war dramatisch, er war laut. Also die Reden waren wohl wirklich so, dass die Leute begeistert waren. Man kann sich das heute mitunter noch auf YouTube anhören, wie der sprechen kann. Das ist schon immer wieder beeindruckend und man versteht, wie viele Leute dann den toll fanden. Jedenfalls dieser Hitler war ein irrer Redner, der die Menschen bei riesigen Kundgebungen beeindrucken konnte. Für ihre Zeit war die NSDAP eine supermoderne Partei, die auf Medien und Propaganda und Populismus und technisch gesehen eigentlich auf Hightech-Wahlkampfstrategien setzte, Flugzeuge dafür einsetzte, um schnell von A nach B zu kommen und so viele Wahlkampfauftritte zu absolvieren wie kein anderer Politiker. Tja, und innerhalb weniger Jahre schossen so auch ihre Wahlergebnisse nach oben. 1933 wurde Hitler schließlich zum Reichskanzler ernannt. Er hatte zwar bei den Wahlen keine echte Mehrheit errungen, aber er überzeugte, die konservativen Parteien mit ihm eine Koalition zu bilden und ihn zum Reichskanzler zu machen. Er selbst nannte das später seine Machtergreifung. Und das klingt so, als hätten die Nationalsozialisten sich die Macht selber geholt. Aber eigentlich war das eher eine Machtübertragung durch die Konservativen und durch die alten Eliten aus Kaisers Zeiten, die sich vorgestellt haben, sie könnten Hitler für ihre Zwecke ausnutzen, mit seiner Hilfe an die Macht kommen und mindern auszubuten. Naja, das hat ja bekanntlich nicht so gut funktioniert. Kaum an der Macht zerstörte Hitler in wenigen Monaten die Institution der Demokratie in Deutschland und erschuf eine Diktatur, die von den ersten Wochen an ihre Gegner verhaftete, folterte und auch durchaus ab und zu mal ermordete. Das wird je später im Nationalsozialismus desto häufiger. Das traf am Anfang die Kommunisten, dann die Politiker aller anderen Parteien, aber auch eigentlich jeden anderen, der sich gegen die rücksichtslose, illegale Politik der NSDHP gewährt hat. Diese Zerstörung der Demokratie durch die Nationalsozialisten ist ein ziemlich grauenhaftes Beispiel dafür, dass Freiheit nie selbstverständlich ist, sondern dass die jeden Tag verteidigt werden muss. Nun könnte man sich ja fragen, warum ist die Demokratie in Deutschland gescheitert, aber in Frankreich nicht. Immerhin hat Frankreich unter der Weltwirtschaftskrise ja genauso gelitten wie Deutschland. Da könnte man auch denken, dass die Populisten und die Extremisten dort genauso leichtes Spiel gehabt hätten. Die Antwort liegt wahrscheinlich in der demokratischen Tradition. Die Deutschen hatten mit der Demokratie ja erst zehn Jahre Erfahrung und die waren auch ziemlich wackelig und krisengeladen gewesen. Kriegsniederlage, Versaillervertrag, Wirtschaftskrise, die Franzosen hatten dagegen seit der Revolution von 1789, fast schon 150 Jahre, eine viel größere demokratische Erfahrung. Wir nennen das eine gelernte Demokratie, also eine Demokratie, in der die Menschen schon viel Erfahrung mit demokratischen Abläufen haben und das normal finden. Dagegen nennen wir sowas wie in Deutschland, wo die Demokratie noch frisch und wenig eingeübt ist und noch ein bisschen fremd eine improvisierte Demokratie. Das heißt aber natürlich nicht, dass es in Frankreich jetzt keine rechtsextremen Versuche gegeben hätte, die Demokratie zu zerstören und eine Diktatur zu errichten. Am 6. Februar 1934, das ist der Cis Février, gab es in Paris schwere Unruhen. Da sind Faschisten aufmarschiert, die das Parlament stürmen wollten, so ein bisschen nach deutschem und italienischem Vorbild. Aber die Antwort der Bevölkerung darauf war ziemlich deutlich, denn die gründeten die Front populaire, die Volksfront aus allen demokratischen Kräften, von ganz links bis zur Mitte der Gesellschaft. Die hielten zusammen, um die Republik und die Demokratie zu beschützen. In Deutschland dagegen haben sich das Zentrum, die SPD, die Kommunisten, die DDP und andere bürgerliche Parteien, wiebei gegenseitig bekämpft, statt gemeinsam gegen Hitlers Nationalsozialisten zu stehen. In Frankreich hat die Demokratie überlebt, weil die Demokraten im entscheidenden Moment gegen die Extremisten zusammengehalten haben. Vielleicht kann man daraus ja auch was für heute lernen. Das war unser Deep Dive in die Weimarer Republik. Wir haben gesehen, eine gute Verfassung reicht nicht alleine aus, wenn die Menschen nicht dahinter stehen. Eine Demokratie braucht Menschen, die sich für die Freiheit einsetzen. Die Nationalsozialisten konnten ihre Diktatur vor allem deshalb errichten, weil Menschen ihnen zur Macht verholfen haben, anstatt sich den Rechtsextremen gemeinsam in den Weg zu stellen. Das Ergebnis war eine Diktatur, die ihre Bevölkerung terrorisierte, einen neuen Weltkrieg entfachte und Millionen Menschen gezielt ermordete. 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