Versailler Vertrag - Geschichte Kursiv
In Geschichte Kursiv werfen wir einen Blick auf ein bedeutendes Thema der Geschichte. Heute: Der Versailler Vertrag und seine Folgen für Europa.
Willkommen bei Geschichte Kursiv. In dieser Serie werfen wir einen Blick auf ein bedeutendes Thema der Geschichte, heute der Versaia-Vertrag. Der Versaia-Vertrag ist der Friedensvertrag, mit dem der erste Weltkrieg zu Ende geht, zumindest offiziell. Schon im November 1918 hat sich das Deutsche Reich im Grunde für Kriegsunfähig erklärt und ein Waffenstillstand mit den Alliierten Vereinbart. Doch erst 1919 kommt es zum Schluss des offiziellen Friedensvertrags, dem sogenannten Versaia-Vertrag. Dieser Versaia-Vertrag, der beinhaltet eine ganze Reihe von Regelungen, ist ein riesiges Werk von Regelungen und bezieht sich auf ganz viele Staaten in Europa. Wenn man sich die Landkarte Europas aus dem Jahr 1914 und aus dem Jahr 1920 anschaut, dann ist das ein riesiger Unterschied. In Österreich-Ungarn, ein riesiges Reich zentral in Europa, ist zerfallen in viele kleine Staaten. In Österreich, die Czechoslovakie, in Ungarn, zum Teil hat es an Rumänien große Gebiete abtreten müssen und im Süden ist mit Jugoslawien ein riesiges Neues Reich entstanden. Weitere Gebiete wurden an Italien abgetreten. Damit ist in Prinzip Österreich-Ungarn Geschichte. Das Gleiche passiert im russischen Reich, das im Zuge der November-Revolution zerfällt und unter anderem in Weißrussland, die Ukraine, Polen, Litauen, Lettland und Estland, große Teile seines Gebiets im Westen verliert. Diese großen Verwerfungen in den Gebieten kommen nicht irgendwo her, sondern die haben natürlich auch mit dem Friedensvertrag eben dem Versaia-Vertrag zu tun. In Bezug auf Deutschland bringt dieser Versaia-Vertrag enorme Einschränkungen. Unter anderem verliert Deutschland 13% seines Staatsgebiet, dort leben 6,6 Millionen Menschen, das ist fast ein Zehntel der Bevölkerung des Deutschen Reichs. Diese Gebiete werden eben an die Nachbarstaaten abgetreten, darunter Frankreich, aber auch zum Beispiel Polen. Mit diesen Gebieten, die man verliert, verliert man auch erhebliche wirtschaftliche Reserven. Elsas Lotringen, das an Frankreich abgegeben werden muss, nachdem man es 40 Jahre vorher im Deutsch-Französischen Krieg erobert hatte, ist ein wirtschaftlich bedeutendes Kohle-Revier geworden. Westpräußen und Posen sind wirtschaftlich wichtige Industrie- und Agrargebiete und insofern ist es nicht nur ein großer Verlust an Menschen und ein Gebiet, sondern auch an Wirtschaftskraft. Dazu kommt, dass Deutschland alle seine Kolonien abgeben muss, Deutschland war nie eine große Kolonialmacht, aber doch ist das für das Prestige des Reichs ebenfalls fatal. Dazu kommt eine Abrüstung des Militärs auf nur 100.000 Soldaten, was im Jahr 1918-19 wie ein Witz erscheint, das ist eine winzige Zahl im Vergleich zu dem, was die Nachbarn so an Soldaten aufgestellt haben. Dazu kommt ein Verbot moderner Waffen, von Panzern und Luftwaffe zum Beispiel, aber auch U-Boten, das heißt im Prinzip eine komplette Unfähigkeit des deutschen Reichs militärisch zu antworten, sollte einer der Nachbarstaaten militärisch in Deutschland eingreifen wollen. Und das ist auch Absicht, denn natürlich will man sich von Seiten der Alliierten, das betrifft vor allem Frankreich, schützen vor einem Deutschland, das erneut erstarken könnte. Das heißt, für insbesondere Frankreich ist diese militärische Abrüstung Deutschlands ein Garant für die eigene Sicherheit. Neben diesen Regelungen, die Deutschlands Macht beschneiden sollen, kommen dazu Regelungen, die Reparationen regeln. Reparationen, da kommt das Wort Reparieren her, das sind Regelungen, die so eine Art Schadensersatzzahlungen beinhalten. Reparationen sind also letztlich Schadensersatzzahlungen an diejenigen, bei denen man im Krieg Schaden angerichtet hat. Und wenn man sich so einen Krieg vorstellt, wie den Ersten Weltkrieg, der mit jeder Menge moderner Technik geführt wird, dann sind die Schäden unfassbar und die Preise, die man da zahlen müsste, um das zu reparieren, sind eigentlich unbegrenzt. Und so ist das auch im Versaillervertrag tatsächlich anfangs geregelt. Da ist zwar festgelegt, dass Deutschland Reparationen zu bezahlen hat, aber die Höhe ist vorerst unbegrenzt. Das heißt, im Prinzip wartet man in Deutschland jetzt weiter darauf, was denn eigentlich konkret an Reparationen auf einen zukommt, aber alles, was man weiß, ist, dass es wahrscheinlich nicht witzig wird. Nicht zuletzt steht im Versaillervertrag der sogenannte Kriegsschuldartikel, der Artikel 231. Und dieser Artikel, der hält die Alleinschuld des Deutschen Reichs am Ersten Weltkrieg fest. Das heißt, hier wird im Prinzip suggeriert, dass Deutschland ganz alleine mit seinen Verbündeten diesen Krieg heraufbeschworen habe und die anderen dann für nichts könnten. Da steht ausdrücklich die alliierten und assoziierten Regierungen erklären und Deutschland erkennt auch an, dass Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Schäden und Verluste verantwortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen in Folge des ihnen durch Deutschland aufgezwungenen Angriffs erlitten haben. Und damit haben wir eine Alleinschuld Deutschlands, also eine Schuldzuweisung an Deutschland für diesen Ersten Weltkrieg, die historisch so eigentlich auch nicht gut zu halten ist, die aber natürlich den Siegermächten eben gerade diese Reparationszahlung und diese Einhegung der deutschen militärischen Macht erlaubt. In Deutschland sind die Reaktionen auf diesen Versaillervertrag natürlich katastrophal. Ganz Deutschland steht auf und schreit regelrecht vor Empörung auf, als dieser Versaillervertrag bekannt wird. Man spricht von einem Schandfrieden, einem Diktatfrieden, einem Gewaltfrieden. Insgesamt sind also die Reaktionen absolut ablehnend. Das kann ja auch keinen Wundern, denn letztlich ist dieser Vertrag ja auch eine ganz radikale Demütigung für Deutschland und damit eigentlich ein Politikum in Deutschland, das noch ganz lange nachwirken wird. Denn dieser Versaillervertrag, der befeuert natürlich in aller Heftigkeit die rechte Szene, die nationalistische Szene. Während in Deutschland die SPD und damit eigentlich eine gemäßigte bürgerliche Regierung an die Macht gekommen ist, haben jetzt die ultranationalen und ultrakonservativen Kräfte leichtes Spiel, diese Regierung schlecht zu machen, denn das sind die Namen der SPD-Politiker, die an der Regierung sind, die unter diesem Versaillervertrag unterzeichnet haben und damit kann man im Prinzip den liberalen, den demokratischen Parteien die Schuld an diesem furchtbaren Friedensvertrag, an dieser Demütigung in die Schuhe schieben. Das machen die nationalistischen und nationalen Kräfte auch, Hindenburg und Ludendorff, die beiden Anführer im Ersten Weltkrieg, sind da ganz fehlerführend mit dabei. Man erfindet die sogenannte Durchstoßlegende, der zufolge die liberalen Parteien angeblich dem siegreichen Deutschen her einen Dolch in den Rücken gerammt hätten und es verraten hätten und dann eben diesen Schandfrieden unterzeichnet hätten und damit Deutschland letztlich mehrfach verraten hätten. Das ist natürlich Blödsinn, aber es ist eine Argumentation, die in einem gedemütigten, frustrierten und ausgepressten Deutschland oder sich ausgepresst fühlenden Deutschland verfängt und große Zahlen von Menschen begeistert und umtreibt und mobilisieren kann. Auf diese Art ist im Prinzip schon im Jahr 1919 mit dem Versaillervertrag so ein bisschen die Krise der Weimar Republik in politischer Hinsicht und der Aufstieg der NSDAP und Hitlers angelegt. Aber das ist natürlich sehr deterministisch, das kann man in der Form eigentlich nicht festsetzen. Man kann aber durchaus sehen, dass hier schon zumindest der Boden bereitet wird, in dem man Deutschland einen so unerzitaden Friedensvertrag aufgenötigt hat, dass es eigentlich niemals damit einverstanden sein konnte. Wenn euch die Folge gefallen hat, dann lasst gerne einen Kommentar da und abonniert den Podcast. Tschüss zu hören und bleibt mit treu.