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Industrialisierung - Leistungskurs Geschichte 2

Staffel 1, Folge 02 05.04.2024 00:21:05
Fachbegriffe: IndustrialisierungFrühindustrialisierungHochindustrialisierungAgrarrevolutionVerkehrsrevolutionKommunikationsrevolutionSektorTake offSchrittmacherindustrieWirtschaftsliberalismus

Wie verändert die Industrialisierung Europa und die Welt?

In dieser Folge spreche ich über:

  • Industrialisierung

  • Frühindustrialisierung

  • Hochindustrialisierung

  • Agrarrevolution

  • Verkehrsrevolution

  • Kommunikationsrevolution

  • Sektor

  • Take off

  • Schrittmacherindustrie

  • Wirtschaftsliberalismus

Hallo zusammen und willkommen zurück. Heute geht es um die Voraussetzungen und den Verlauf der Industrialisierung in Europa. Die Industrialisierung hieß früher lange industrielle Revolution.

Industrialisierung

Um diesen Begriff ranken sich ganze Streitigkeiten unter Historikern. Und der Begriff Industrial Revolution, der suggeriert so ein bisschen diese ruckartige, schnelle, plötzliche Veränderungen während Industrialisierung eher auf einen allmählich stattfindenden Prozess verweist. Und dieser Unterschied, der ist auch der Grund, weshalb man heute von Industrialisierung spricht, weil es ja doch 100, 200 Jahre sind, über die wir hier reden, in denen sich allmähliche Prozesse abspielen, die natürlich für jemanden, der von 1800 bis 1900 gelebt hat, einen gigantischen Unterschied im Leben zeigen, die aber letztlich dann eben doch allmähliche Prozesse sind und nicht eine Revolution in dem Sinne, dass von heute auf morgen sich was ganz massiv ändert oder was mit Gewalt stattfindet oder sowas. Die Industrialisierung wird im Allgemeinen unterteilt in die früh und die hohe Industrialisierung, aber das kommt darauf an, bei wem man danach liest.

Frühindustrialisierung

Die früh Industrialisierung ist dann eine Zeit, in der sich so die ersten Maschinen durchsetzen. Maschinen ist da aber noch nicht so zu verstehen, in unserem Sinne, dass da eine riesige Fabrik steht, die mit Strom oder mit Kohle oder was auch immer befeuert wird, sondern das sind Geräte, die von Hand betrieben werden oder mit dem Fuß betrieben werden. Vielleicht hat der eine oder andere von euch schon mal eine Nähmaschine bei der Oma stehen sehen, in dem man diesen Pedal hat, wo man drauf tritt und dadurch treibt man die Maschine an oder man kurbelt es mit der Hand an. Das ist, was in der Früh Industrialisierung den Großteil der Geräte ausmacht. Wasserkraft ist natürlich auch schon ein Faktor. Müllräder sind zum Beispiel eine Möglichkeit mit externen Energiequellen Arbeit zu verrichten, aber der Großteil der Früh Industrialisierung ist noch durch Handarbeit gezeichnet. Die Früh Industrialisierung spielt sich zunächst mal vor allem in England ab. Da sind wir schon im 18. Jahrhundert bei den ersten Schritten der Industrialisierung. Das findet dort vor allem in der Taxistilindustrie statt. Das heißt, in der Stoffherstellung und Verarbeitung entstehen erste Fabriken. Das Ganze wird von der Heimarbeit, da wird Stoffherstellung in erster Linie zur Selbstversorgung betrieben. Das heißt, die Leute nähen oder weben für sich selbst Sachen. Das wandert dann zunehmend dahin ab, dass man das Zeug verkauft, damit ein Zugewinnen macht und schließlich professionalisiert sich das in Form von Fabriken. Das ist jetzt die super kurz Fassung. Ich bitte alle Historiker, entschuldigung. Jedenfalls ist das die Früh Industrialisierung und die findet in dieser Form vor allem in England statt und deswegen ist auch die Taxistilindustrie in England eins der Markenzeichen der Industrialisierung. Deutschland wird sehr viel später erst eine Rolle spielen, wenn dann plötzlich Dampfmaschinen, Eisenbahnen und sowas mitkommen. Bis dahin bleibt Deutschland im Hinblick auf die Industrialisierung ein kleiner Player und England der große Vorreiter.

Agrarrevolution

Ein weiterer Aspekt in dem England Vorreiter ist die sogenannte Agrarevolution. Die Agrarevolution bezeichnet den Prozess, in dem die Landwirtschaft industrialisiert wird. Das heißt, von der kleinen Parzellenwirtschaft in der Bauern von Hand im Wesentlichen ihr Feld bestellen, kommen wir hier zu einer industriellen Landwirtschaft. Das heißt, mit Traktoren, mit Landarbeitsgeräten, die viel größer werden, die maschinell betrieben werden und dadurch auch die Möglichkeit haben, viel mehr Leute zu versorgen. Die Agrarevolution ist letztlich das Ende des Hungers in Europa, denn sie ermöglicht den Bauern solche Massen an Lebensmittel zu produzieren aufgrund neuer Möglichkeit, neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und vor allem auch neuer Maschinen, dass es möglich wird, die Landwirtschaft mit weniger Arbeitskräften sehr viel effizienter herdurchzuführen. Und auf diese Art wird es möglich, die Menschen in Europa im Wesentlichen zu versorgen, ohne das große Hungerkatastrophendrohen, abgesehen von ganz massiven Ernte, Einbrüchen oder Kriegsjahren. Aber im Grunde hat man hier schon die Möglichkeit geschaffen, den Hunger in Europa zu beenden. Das war zuvor eines der zentralen Dinge, die die Menschen im Alltag fürchten mussten. Eine Missernte konnte den Zusammenbruch im Prinzip des dörflichen Lebens bedeuten und das war nun eigentlich beendet. Beim Thema der Hochindustrialisierung spricht man in der Regel von Deutschland. Der Grund dafür ist, dass wir die eben hier auch gehabt haben und deshalb kann man dann einen lokalen Bezug machen.

Hochindustrialisierung

Und der Hochindustrialisierung verstehen wir dann vor allem den Boom der Eisenbahn ab den 1860er Jahren ungefähr, der vor allem abhebt, als das Kaiserreich gegründet wird. Deutschland also ein zusammenhängendes großes Reich wird und dadurch möglich wird Eisenbahnstrecken über lange Distanzen mit relativ beherrschbaren bürokratischem Aufwand zu bauen. Und dadurch entsteht ein ganz massiver Boom in der Schwerindustrie, der dazu führt, dass in Deutschland Stahl und vor allem Eisenbahnproduktion zu einem gigantischen Wirtschaftsausschwung führt. Und diese hochindustrielle Phase ist dann natürlich gezeichnet von Dampfmaschinen, von Stahlverarbeitung, von riesigen Fabriken, in denen diese Sachen hergestellt werden, vom Boom des Ruhrpots und so weiter. Das heißt, wir haben bei der Hochindustrialisierung ein ganz klassisches Bild von Industrialisierung, so wie wir das uns vorstellen. Im Zusammenhang mit dem Aufkommen der Eisenbahn spricht dann auch die Forschung gerne von einer Verkehrsrevolution, also von einer Veränderung der Möglichkeit durch Verkehrsmittel in der Welt herumzukommen.

Verkehrsrevolution

Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit vor der Erfindung der Eisenbahn, die muss man sich so vorstellen, dass das ein Pferdewagen letztlich war und der Pferdewagen, der ist an auch nicht im Galopp durch die Gegend gefetzt, sondern das ging dann ganz gemütlich. Und das bedeutet, wenn man sich ausrechnet, dass man mit ungefähr 10, 15 Stundenkilometern reisen konnte, wenn man schnell war, dann brauchte man zum Beispiel, um von Berlin nach Hamburg zu kommen, einige Tage. Jetzt haben wir plötzlich die Eisenbahn, die mit einem atemberaubenden Tempo von sagen mal 50 Stundenkilometern durch die Gegend braust. Und wir haben die Möglichkeit, diese Strecke in wenigen Stunden zu bewältigen. Das ist eine Veränderung der Verkehrswege, die auch die Zeitgenossen als revolutionär empfunden haben und die sogar manchen Leuten Krankheiten bereitet hat. Im frühen 20. Jahrhundert ist in Deutschland die Neurasthenie ein beliebtes Krankheitsbild, das ist der falsche Ausdruck, ein verbreitetes Krankheitsbild, eine Krankheit, die dadurch entsteht, dass man das Gefühl hat, das Leben sei einem zu schnell. Es ist eine Art Nervenkrankheit, eine psychische Krankheit, wenn man so will, die den Menschen in seiner überlasteten Situation, weil die Welt zu schnell erscheint, zu unberechenbar erscheint, überfordert und deswegen psychische Krankheiten eben oder psychosomatische Folgeschäden dann verursacht.

Kommunikationsrevolution

Neben der Agrar- und der Verkehrsrevolution gibt es dann auch die sogenannte Kommunikationsrevolution. Denn wenn wir uns vorstellen, wie lange ein Brief im 18. Jahrhundert brauchte, um von Spanien in die Kolonien nach Amerika zu gelangen, dann kann man hier von Wochen bis Monaten ausgehen. Und nun wird im 19. Jahrhundert die Telegraphie erfunden, also die Übermittlung von Signalen durch Leitungen, durch Kabel, durch Kupferkabel im Wesentlichen und damit wird es möglich, über unglaublich große Distanzen ganz problemlos Daten zu übermitteln. Dann muss man sich auf ein Protokoll einigen, das geht über, ich kenne vielleicht das Mause-Alphabet, so ungefähr funktioniert das, Strom an, Strom aus, Strom an, damit habe ich ein bestimmtes Symbol. Und auf diese Art und Weise habe ich jetzt die Möglichkeit, über riesige Distanzen Nachrichten sofort zu übermitteln. Das heißt, es ist möglich, dass ich ein Kabel durch den Atlantik lege und dann kann ich von Spanien aus in die Kolonien in Südamerika innerhalb von Sekundenbruchteilen Nachrichten übermitteln. Wenn es also notwendig wird, über den neuen Krieg zu informieren oder politische Veränderungen oder wirtschaftliche Aspekte zu diskutieren, wenn ich mit meiner Dependance als großes Unternehmen an einem anderen Ende der Welt irgendwas abstimmen will, dann kann ich das über diese neue Möglichkeit über den Telegrafen innerhalb von kürzester Zeit machen. Und das ist eine revolutionäre Neuerung, da ist noch gar nicht mitgedacht, dass wir später Telefon bekommen werden, dass man eines Tages gar als Internet bekommen wird. Ja, in diesem Sinne hält die Kommunikationsrevolution eigentlich bis heute an, denn auch dieser Podcast ist eine revolutionäre Erfindung, die vor 50 Jahren vollkommen irre gewesen wäre. Die Vorstellung, dass irgendein Typ in seinem kleinen Kämmerlein was aufnehmen kann und die ganze Welt kann das wenige Stunden später überall auf der Welt anhören. Die Industrialisierung ist ein Wirtschafts- geschichtliches Thema und in der Wirtschaft spricht man in der Regel über drei verschiedene

Sektor

Sektoren. Diese drei Sektoren sind die Landwirtschaft, die Industrie und die Dienstleistungen. Und diese drei Sektoren sind dann sozusagen eine Möglichkeit, die Wirtschaft zu gliedern und über verschiedene Entwicklungen zu informieren. Wenn ich zum Beispiel ermittle, wie viele Leute in einem bestimmten Sektor tätig sind, dann kann ich da Entwicklungen im Rahmen der Industrialisierung feststellen. Schau ich im Anfang der Industrialisierung um das Jahr 17, 1800 herum. Welche Anzahl von Menschen in welchem Sektor tätig waren, ist die ganz große Mehrheit der Menschen in der Landwirtschaft tätig. Das ändert sich aber mit der Zeit. Wir bekommen einen Boom in der Industrie. Ganz viele Leute übernehmen Industrie-Jobs, gehen die Fabriken. Das werden wir beim Thema Migration und beim Thema Kommunismus und Kapitalismus und so weiter nochmal anschauen. Letztlich haben wir da also eine Migration der Menschen von einem Sektor und einem anderen. Und dadurch entsteht natürlich wirtschaftliche Veränderungen, entsteht aber auch Wirtschaftswachstum, weil natürlich diese Sektoren, die Arbeitskräfte verlieren, vielleicht nicht mehr diese Zahl der Arbeitskräfte brauchen, die also letztlich an ihrem Anteil an der Arbeitszeit der Menschen abnehmen. Das kann man eben an der Agrarevolution sehr schön zeigen. Da wird es nicht mehr nötig sein, dass fast jeder Mensch in der Landwirtschaft tätig ist, weil es möglich ist, die Menschen mit weit weniger Arbeitskräften zu versorgen, weil man mit Landmaschinen und so weiter große Mengen an Lebensmitteln auch mit weniger Leuten herstellen kann. Es gibt heute eine Tendenz, auch einen vierten Sektor noch anzunehmen. Und zwar ist das dann der IT-Sektor oder ein Spezialfachwissensektor. Da kann man so ein bisschen darüber streiten, ob das nicht eine Dienstleistung ist eigentlich, wenn jemand zum Beispiel was programmiert oder so. Aber das wird heute gerne als ein vierter Sektor empfunden, weil das eben ein so bedeutender Teil der Dienstleistungsbranche geworden ist, dass das eigentlich quasi einen eigenen Sektor darstellt. Aber das ist letztlich ja alles nur eine Kategorisierung. Diese Sektorengeschichte ist ein Versuch, Wirtschaft fassbarer und erklärbarer und analysierbarer zu machen. Das heißt, letztlich ein Konstrukt, das von Wissenschaftlern aufgesetzt wird, das aber natürlich nicht zwingend die Realität abbildet, sondern es ist ein Modell, das vielleicht besser ist als ein anderes. Und ob es nur drei oder vier Sektoren ist, da könnt ihr euch dann mit eurem Lehrer darüber gerne streiten. In solchen Momenten, in denen dann ein bestimmter Sektor ganz massiv an Wachstum gewinnt, eben zum Beispiel die Industrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland, in Form der Eisenbahnen vor allem, dann spricht man von einem

Take off

Take-off Moment. Take-off ist Englisch, kennt ihr vom Flugzeug, ja, das Abheben, das ist sozusagen der Moment, in dem die Wirtschaftsleistung in Anführungszeichen abhebt und ganz massiv, ganz schnell steigt. Und dieser Take-off, der wird häufig durch bestimmte Schlüsselerfindungen vorbereitet, eben wenn zum Beispiel eine neue Technologie erfunden und erprobt wird und festgestellt, dass die funktioniert. Und dann dauert es noch ein kleines bisschen, bis diese Technologie tatsächlich auch im Massenmarkt ankommt, bis die Nachfrage da ist, bis die Leute wissen, was es gibt und dann kann ein Take-off stattfinden. Und dieser Take-off ist dann in der Regel der Moment, in dem eine bestimmte Branche ganz massiv boomt. Dieser sogenannte Boom, den Begriff kennt ihr sicherlich auch, ist eine Phase, in der dann die Wirtschaft ganz massiv schnell läuft. Das heißt, viele Leute produzieren die Waren, die Preise fallen dann auch für diese Waren, weil sie in solch großen Mengen und immer effizienter hergestellt werden können. Und dieser Boom ist dann eine Phase des wirtschaftlichen Florierens. In der deutschen Industrialisierung spricht man dann oft von einer besonderen Rolle der Eisenbahn, einer sogenannten

Schrittmacherindustrie

Schrittmacherindustrie. Was bedeutet das? Ein Schrittmacher, das kennt ihr aus der Medizin, das ist ein Ding, das das System am Laufen hält. Ja, ein Herzschrittmacher tut genau das. Und auch ein Schrittmacher in der Industrialisierung tut nichts anderes, als das ganze System zu beeinflussen. Das kann man an der Eisenbahn ganz exemplarisch zeigen. Eine Eisenbahn besteht in erster Linie aus Eisen und Stahl. Das heißt, wenn ich eine Eisenbahn baue, dann befördere ich dadurch die Eisen- und Stahlindustrie in meinem Land. Diese Industrien müssen mehr produzieren, das schafft Arbeitsplätze, schafft Arbeit, schafft Wohlstand. Gleichzeitig muss die Eisen- und Stahlindustrie ja irgendwie das Zeug zu meiner Eisenbahnfabrik bekommen. Und das tut sie eben auch über die Eisenbahn. Das heißt, die Eisen- und Stahlindustrie, die Fabriken, die Eisen- und Stahl herstellen, auch die benutzen Eisenbahnen, kaufen Eisenbahnen und befeuern dadurch wieder den Eisenbahnenbau. Für Eisenbahnen braucht man Motoren, das heißt, letztlich wird im Maschinenbau eingekauft, das heißt, große Fabriken, die große Maschinen herstellen, die braucht man, um die Eisenbahn herzustellen, das heißt, man kauft da Wagons, man kauft da Lokomotiven, man kauft da die unterschiedlichsten Teile und gleichzeitig braucht der Maschinenbau auch wieder Eisen- und Stahl, um letztlich dort einzukaufen und Maschinen zu produzieren. Um Dampfmaschinen zu betreiben, um Eisen- und Stahl einzuschmelzen, brauche ich aber gleichzeitig auch jede Menge Kohle, um dieses Zeug heiß zu machen und einzuschmelzen. Das heißt, ich kaufe beim Bergbau riesige Mengen an Kohle ein, wenn ich Eisen- und Stahlindustrieler bin oder wenn ich Maschinen baue. Das heißt, der Bergbau profitiert durch ganz, ganz viel Nachfrage, auch vom Eisenbahnboom. Und der Bergbau wiederum muss auch seine schweren Güter, die Kohle zum Beispiel durch die Gegend transportieren und das funktioniert, indem das Zeug in Eisenbahnen umverpackt wird. Das heißt, ich brauche schon wieder mehr Eisenbahnen. Es müssen aber auch Schienen gebaut werden, Tunnel gebaut werden, Bahnhöfe gebaut werden, Brücken gebaut werden. Das heißt, der Bergbau ist nicht der einzige Sektor, der da außerdem noch profitiert, sondern auch die ganze Bauwirtschaft. Also alles, was Sachen baut im wahrsten Sinne des Wortes, Schienen bauen kann und so weiter, Häuser, Bahnen verbauen kann, kann ebenfalls mit Arbeit versorgt werden. Diese Branchen, die profitieren alle auch davon. Das heißt, all diese zahlreichen Branchen der Schwerindustrie letztlich, wenn man so will, die profitieren vom Eisenbahnboom und befeuern ihn gleichzeitig selbst. Andere Branchen, zum Beispiel die Landwirtschaft profitieren zwar von dem Boom, in dem sie nun auch die Eisenbahn verwenden können, aber sie pushen ihn auch weiter, indem sie selbst die Eisenbahnen benutzen, dadurch Transporte buchen sozusagen bei der Bahn und dadurch wieder Geld in die Kassen der Eisenbahnunternehmen spülen, die dann weiter investieren können. Und in diesem Sinne ist die Eisenbahn, also der Schrittmacher dieser ganzen wirtschaftlichen Verflechtungen, denn nur die Eisenbahnbranche selbst kann all das befeuern. Wenn die Eisenbahnbranche wegfiele, wenn die noch nicht erfunden wäre, dann passiert all das nicht und letztlich haben wir eben nicht diesen Take-off, den wir durch die Eisenbahn bekommen. Eine ganz wichtige politische Folge dieser Industrialisierung ist das Aufkommen des

Wirtschaftsliberalismus

Wirtschaftsliberalismus. Liberalismus kennen wir aus der Politik, wenn wir in Geschichte ein bisschen aufgepasst haben. Als Grundlage dazu stimmt das lateinlich Wort Libertas die Freiheit und der Wirtschaftsliberalismus, der überträgt quasi die Idee der Freiheit auf die Wirtschaft und suggeriert, dass wenn man einen Markt, also eine Industrie oder wie immer, völlig in Ruhe lässt und machen lässt, dass dann die Wirtschaft am besten funktioniere. Das geht ein Stück weit zurück auf den englischen Wirtschaftswissenschaftler Adam Smith, der im Grunde die Idee hatte, dass, wenn man merkte, ganz einfach für sich funktionieren lässt, dass dann Angebot und Nachfrage sich gegenseitig ganz automatisch ausgleichen. Das kann man sich zum Beispiel so vorstellen, dass wenn jemand ein Produkt herstellt, dass viele Leute kaufen wollen, dass er dann mehr davon herstellen wird, also sein Angebot vergrößert wird, um die große Nachfrage zu befriedigen. Dann werden auch andere Leute das produzieren, dann wird es dadurch etwas günstiger, weil es Wettbewerb gibt und dann irgendwann ist die Nachfrage befriedigt und der Markt normalisiert sich wieder und dann ist es für allen geholfen. Die Idee ist also, dass Wohlstand dadurch entsteht, dass man die Leute einfach wirtschaften lässt, weil jeder sein eigenes Interesse hat, reich werden, Geld verdienen, also arbeitet jeder möglichst gut an Produkten, die andere Leute kaufen wollen und dadurch gleichen sich Angebote und Nachfrage beständig gegenseitig aus und wir haben ständig Wirtschaftswachs, wir haben ständig neue Produkte, die Probleme lösen, die die Menschen lösen wollen. Das ist ein Prinzip, ein fester Glaube daran, dass der Markt, wenn man ihn in Ruhe lässt, wunderbar funktioniert. Das hat natürlich seine Grenzen, denn schon im 19. Jahrhundert sieht man, dass große Unternehmen, die von sehr reichen Mächtigen in der Regel von Männern geführt werden, dass die eine unglaublich große Marktmacht bekommen können. Das ist bis heute ein Problem, dass solche Monopole oder Kartelle entstehen. Kartelle sind dann Absprachen zwischen mehreren solchen großen Pläern und ein Monopolis, wenn es nur noch einen davon gibt. Die führen dann natürlich dazu, dass dann eben an dem Angebot und Nachfrage nicht mehr funktionieren. Ein Monopolist kann zum Beispiel die Preise diktieren, er kann seinen Zulieferern besonders schwierige Lieferbedingungen diktieren, indem er ja der einzige Abnehmer ist, ist letztlich der einzige mögliche Kunde für die und dann kann er natürlich die Preise drücken und auf diese Weise wird natürlich der Markt verzerrt. Er kann auch den Preis erhöhen. Wenn ich als einziger Anbieter ein Produkt verkaufe, dann habe ich die Möglichkeit dafür, jeden beliebigen Preis zu verlangen. Wenn die Leute das Produkt brauchen, dann werden sie ihn bezahlen. Das heißt, diese Idee des Wirtschafts Liberalismus, die funktioniert so lange wie der Markt in Ruhe ist. Sobald der Markt aber von einzelnen beherrscht wird, ist das nicht mehr funktional. Und auf der Umkehrseite ist es auch schwierig, weil der Wirtschafts Liberalismus gerne auch auf Arbeitsverhältnisse oder das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer übertragen wird. Wenn ich aber nun sage, der Markt regelt das schon, der Arbeitnehmer, der schlecht bezahlt wird, der kann jetzt einem anderen Arbeitgeber gehen, der besser bezahlt, dann ist es aber denkbar, dass sich natürlich mehrere Arbeitgeber absprechen, zum Beispiel in der Stahlbranche und miteinander vereinbaren, dass man einem Arbeitnehmer eben nicht mehr bezahlt als einen bestimmten Betrag. Der mag zwar zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel sein, aber dieser Hummerlohn, der wird dann bei allen diesen Anbietern, bei diesen Fabriken bezahlt und dann kann ich als Arbeiter eben nicht mir einen anderen Job suchen, weil es bringt ja nicht, ich kriege ja überall das gleiche Geld. Letztlich hebeln also Machtverhältnisse, diese Angebot und Nachfrage, unsichtbare Hand des Marktes, wie Adams mit das nennt, häufig aus. Und diese Aushebelung, die führt dazu, dass der Wirtschaftsliberalismus eben nicht unengeschränkt funktioniert, sondern in vielen Fällen mit staatlichen Eingriffen ein Stück weit zur Raison gebracht werden muss. Das war sein wilder Ritt durch die Geschichte Industrialisierung entlang der Begriffe des Bildungsplans in der Kursstufe für das Fachgeschichte. Wir haben heute die Begriffe Industrialisierung früh und hoch Industrialisierung abgearbeitet. Wir haben über die drei Revolutionen, die Agrarrevolution, die Verkehrsrevolution und die Kommunikationsrevolution gesprochen, über die Sektoren und was ein Take-off sein soll. Wir haben darüber gesprochen, wie eine Schrittmacherindustrie aussieht und was der Wirtschaftsliberalismus ist. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann lasst gerne ein Like da, abonniert den Podcast und teilt ihn mit euren Freunden und Bekannten, die sich auch in Geschichte für eine Klausur oder das Abitur vorbereiten. Für mich ist das eine riesige Motivation, wenn ich sehe, dass Leute die Podcast hören. Ich freue mich darüber sehr und euch hilft es ja hoffentlich auch ein Stück weiter. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.