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Die Revolution von 1848 - Leistungskurs Geschichte 3

Staffel 1, Folge 03 06.04.2024 00:12:35
Fachbegriffe: Vormärzpolitischer LiberalismusNationalbewegungLiberaleDemokratenNationalversammlungNationalstaatVerfassungMenschen- und BürgerrechteParlamentkonstitutionelle MonarchieRepublikallgemeines WahlrechtZensuswahlrechtGegenrevolution

Die “48er Revolution” ist der erste große Schritt in Richtung Demokratie in Deutschland - doch die Demokraten lassen sich vom preußischen Monarchen reinlegen. Was bleibt von der Revolution von 1848?

In dieser Folge erkläre ich euch die Fachbegriffe:

  • Vormärz

  • politischer Liberalismus

  • Nationalbewegung

  • Liberale

  • Demokraten

  • Nationalversammlung

  • Nationalstaat

  • Verfassung

  • Menschen- und Bürgerrechte

  • Parlament

  • konstitutionelle Monarchie

  • Republik

  • allgemeines Wahlrecht

  • Zensuswahlrecht

  • Gegenrevolution

Hallo und Willkommen zurück beim Podcast von geschichtslehrer.net. Ich bin Jens und ich stelle euch heute die europäischen Revolutionen von 48 49 vor. Genau gesagt, die Revolution von 1848 49. In dieser Revolution geht es um die Frage, ob man nicht die Monarchien in Europa abschaffen sollte und durch demokratische Verfassungen ersetzen sollte. Die sogenannte Märzrevolution, die so heißt, weil sie im März 1848 beginnt, prägt die Geschichte Europas wie kaum ein anderes Ereignis in dieser Zeit. In die 30 Jahre davor ungefähr geschaut stellt man fest, dass in Europa so eine Art Grabesstille herrscht in politischer Hinsicht. 1814 15 hat der Wiener Kongress ein Treffen von verschiedenen Monarchen und Histokraten dafür gesorgt, dass Napoleons liberales Erbe, also dessen Vermächtnis liberaler Verfassungen und so weiter, beerdigt werden soll. Mit der Niederlage Napoleons war im Prinzip auch seine politische Agenda, seine Verbreitung der französischen Revolution und ihrer Werte beendet und in Folge des Wiener Kongresses herrscht in Europa Stille. Im Prinzip ist politisch nichts mehr zu machen und diese Zeit nennt man deswegen, weil der März 48 dann der Revolutionsmonat wird, den

Vormärz

. Das ist natürlich in ihrer Name, weil die Zeitgenossen natürlich nie darüber nachgelacht haben, ob sie im Vormärz wohnen, dieser Begriff war für die völlig sinnlos, weil sie ja noch nicht wissen konnten, dass im März 1848 eine Revolution ausbrechen würde. Dieser sogenannte Vormärz, der ist schon geprägt von so einer gewissen Stimmung des Aufbruchs in einigen Gruppen. Da kennt man zum Beispiel das Hambacher Fest oder das Wartburg Fest. Das sind eigentlich keine Feste im klassischen Sinne, sondern das sind eigentlich politische Demonstrationen für verschiedene Ziele, aber im Zentrum stehen immer zwei Aspekte und zwar ist das eine der

politische Liberalismus

, also das Ziel liberale Verfassungen durchzusetzen, liberale Reformen anzustoßen. Liberal bedeutet in diesem Kontext zum Beispiel solche Dinge wie freie Berufswahl, solche Dinge wie Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und so was. Auf der anderen Seite spielt die

Nationalbewegung

eine große Rolle, das Ziel Deutschland zu einem großen Staat zusammenzulegen. Also im Prinzip die verschiedenen deutschen Territorien, dazu gehören große wie Bayern, aber auch sehr kleine, etwa Sachsenkurvurg, Gotá, solche Staaten, von denen man heute kaum mehr weiß, wo sie überhaupt liegen, die sind in der Zeit kleine Staaten und möchten sich aber gerne zu einem großen Zusammenschließen. Und dieser Nationalismus, der einen

Nationalstaat

anstrebt, der steht parallel zum Liberalismus, es geht ja eigentlich um unterschiedliche Ziele, aber die beiden Fraktionen, die können ganz gut miteinander, denn man hat ja einen gemeinsamen Gegner und das sind die alten Aristokraten, die in vielen deutschen kleinen Königreichen herrschen und da um ihre Fründe fürchten, wenn jetzt Deutschland zusammengelegt werden würde. Also schließt man sich ein Stück weit zusammen, arrangiert sich miteinander und hat da ein gemeinsames Ziel, nämlich eben die Abschaffung der alten Monarchie. 1848 kommt es dann tatsächlich im März zu einer Revolution, die beginnt in Frankreich und verbreitet sich in kürzester Zeit in ganz Europa wie ein Lauffeuer und im Rahmen dieser Revolution knickt dann tatsächlich auch der preußische König ein, im Prinzip der mächtigste Herrscher im deutschen Sprachraum und der wichtigste Gegenspieler der

Demokraten

und der

Liberale

n und er genehmigt ein Stück weit, ein Versuch, eine Verfassung zu finden, also eine gemeinsame deutsche Verfassung zu finden. Dazu trifft man sich in Frankfurt, in der Paulskirche und dazu werden

Nationalversammlung

svertreter gewählt, das heißt, das können die Leute in verschiedenen deutschen Territorien abstimmen, wen sie dort hinschicken möchten und dieser gewählte Vertreter, der gewährt dann nach Frankfurt und die Paulskirche und vertritt dort die Meinung seines, sozusagen seines Wahlkreises, ganz vergleichbar mit der heutigen Bundestagswahl. Und so fahren dann im Jahr 1848 viele Abgeordnete nach Frankfurt und es bildet sich die verfassungsgebende Versammlung einer Gruppe von Menschen, die gemeinsam darüber beraten, wie ein geeintes Deutschland aussehen könnte. Und da werden eine ganze Reihe von unterschiedlichen Fragen durchgespielt. Aber unter anderem wird über die

Verfassung

en dieses Staats gesprochen, dazu gleich noch mehr. Es werden die

Menschen- und Bürgerrechte

, man kann vielleicht sagen, bestätigt, denn in Frankreich sind sie ja schon seit langem publiziert gewesen, in den USA sind sie schon lange publiziert und jetzt werden sie auch im deutschen Raum noch mal publiziert und das ist im Prinzip eine Forderung, die ganz klassisch liberal ist. In diesem

Parlament

in Frankfurt wird dann über die Verfassungen diskutiert und da gibt es vor allem zwei Möglichkeiten. Man könnte Deutschland als eine

Republik

verfassen, also als einen vollständig liberalen Staat, in dem gewählt wird, in dem es keine Erdwohner hier gibt, in dem im Prinzip jeder alles oder jedes Amt erreichen kann. Der Begriff geht natürlich auf die Republik der Römer zurück, wobei die Republik, die man da in Deutschland vor Augen hat, natürlich inhaltlich nicht so viel mit der Römischen Republik zu tun hat. Aber das ist eine andere Geschichte. Die andere Möglichkeit, die man für eine Verfassung sieht, ist die sogenannte

konstitutionelle Monarchie

. Da steckt schon im Wort Monarchie drin, dass es weiterhin einen König geben soll, einen Monarchen. Und dieser Monarch herrscht als erbliches Amt von Generation zu Generation weiter. Und das Ding heißt dann konstitutionell, weil das Wort Konstitution bedeutet nichts anderes als Verfassung. Das heißt, es ist ein Staat, in dem es zwar einen König gibt, aber es gibt eine Verfassung, die dem König Grenzen auferlegt und im Prinzip festlegt, nach welchen Spielregeln der beteiligt sein darf. So eine konstitutionelle Monarchie kennt man heute noch aus England. Da gibt es einen Monarchen, der aber keine so große Rolle mehr spielt, der für die Tagespolitik faktisch unwichtig ist, der stattdessen eher eine repräsentative Rolle einnimmt. Und so eine Lösung hat man sich damals auch vorgestellt, wobei ich vermuten würde, dass die nicht so radikal den König von der Politik ausgeschlossen hat, wie das heute in England der Fall ist, wo er bestenfalls eine zeremoniale Rolle einnimmt. Die nächste Frage, mit der man sich in Frankfurt beschäftigt, ist die nach dem Wahlrecht. Wer soll in einem, wie auch immer gearteten, neuen Deutschland wählen dürfen? Es gibt einerseits die Möglichkeit, ein

allgemeines Wahlrecht

einzuführen. Ein allgemeines Wahlrecht bedeutet formal, das heißt ja schon so, dass jeder wählen darf, dass das also ganz allgemein gilt. Wo aber die Grenzen dieses jeder liegen, das kann man dann auch wieder trefflich diskutieren, das kann man heute übrigens genauso machen. In der Zeit von 1848 stellt sich zum Beispiel die Frage nach dem Mindestwahlalter. Wann ist man alt genug, um vernünftig wählen zu können, ist das mit 18, mit 21, mit 24, noch später oder noch früher. Dieses allgemeine Wahlrecht muss auch nicht zwingend die Frauen mit einschließen, denn bis dahin war das vollkommen undenkbar, dass man Frauen an der Politik beteiligt. Und auch 1848 spricht sich die große Mehrheit dafür aus, Frauen eben nicht in das allgemeine Wahlrecht einzubeziehen. Auf der anderen Seite, neben dem allgemeinen Wahlrecht, ist ein

Zensuswahlrecht

denkbar. Der Begriff Zensus, der kommt auch wieder aus dem datanischen. Zensus ist der Prozess, bei dem die Vermögensverhältnisse der römischen Bürger geschätzt wurden. Und dieses Zensuswahlrecht bedeutet also nichts anderes, als dass man auf einem gewissen Besitz erst wählen darf. Ein Zensuswahlrecht könnte zum Beispiel so aussehen, dass nur derjenige, der das Haus, in dem er wohnt, selbst besitzt oder der ein Stück Wohn-einer Eigentum besitzt, wählen darf. Oder nur jemand, der ein bestimmtes Vermögen besitzt. Das heißt, ein Zensuswahlrecht bevorteilt natürlich die Besitzenden gegenüber den Armen. Und dieser Trennung ist natürlich auch aus heutiger Sicht eine recht unsoziale, ist aber in dieser Zeit eine, die ganz offen diskutiert wird und den Leuten durchaus plausibel erscheint. Also das ist nichts, was ungewöhnlich oder, wie wir das heute empfinden würden, ungerecht oder so aussieht, sondern für die Zeit genau ist das, was durchaus vertretbar erscheint. Und damit haben wir im Wesentlichen die Diskussionen, die 1848 geführt werden, besprochen. Was natürlich dabei noch nicht mitgedacht ist, ist die Frage, wie man das eigentlich nachher durchsetzen möchte, was man da besprochen hat. Die Nationalversammlung einigt sich nach langer Zeit auf eine Verfassung. Und diese Verfassung, die ist gar nicht so unähnlich wie die, die wir nachher in der Weimarer Blick sehen werden. Aber sie wird nie Realität. Denn in dem Moment, in dem die Abgeordneten aus Frankfurt nach Berlin zum brössischen König fahren und dort versuchen, den König davon zu überzeugen, diese Verfassungen zu unterschreiben, die treffen dort auf eisige Ablehnung. Der König sagt sinngemäß etwas, was die Frankfurter Parlamentsarbeit mit der Gosse gleich setzt und lehnt ab. Und damit bleibt alles wie es war. Es bleibt bei vielen kleinen deutschen Fürstentümern. Es bleibt beim brössischen König, es bleibt bei Adeligen, die ihre ärblichen Titel behalten und ihre ärbliche Herrschaft behalten. Und im Grunde ist die 1848er, 49er Revolution damit gestorben. Die Seite der Aristokraten, der Könige und der alten Herrscher, die hat jetzt wieder Oberwasser, die hatte auch nun reichlich Zeit, während man sich in Frankfurt beraten hat, um sich wieder militärisch zu berappeln. Man hat seine Soldaten aufgerüstet, man hat Waffen gekauft, man hat die Truppen wieder scharf gemacht und schlägt jetzt die erneut aufflammende Revolutionbewegung im Keim nieder. Viele von den liberalen und demokratischen Vertretern wandern in die USA aus, um diesem, ihrer Meinung nach, jetzt verlorenen Land den Rücken zu kehren und in einem liberaleren Land weiterzuleben. Andere werden im Rahmen dieser sogenannten Konterrevolution oder

Gegenrevolution

hingerichtet. Dazu zählt einer der berühmtesten Vertreter der demokratischen Fraktionen. Das ist Robert Blum. Der wird standrechtlich erschossen und wird damit zur Märtyrer der liberalen Bewegung zu einem helden und verehrten Vorkämpfer der liberalen und der demokratischen und der nationalen Sache. Und auf ihn werden sich noch über Jahre viele berufen, die für diese Ziele kämpfen. Aber die liberalen und die demokratischen Bewegungen, die sind in Deutschland zu diesem Zeitpunkt kaltgestellt und sie werden auch nicht mehr ans Tageslicht kommen, bis 1871 die deutsche Einigung vollzogen wird, dann aber nicht unter demokratischen oder liberalen Gesichtspunkten, sondern in Form einer Revolution von oben, wie die Wissenschaft das nennt, in Form einer Einigung, die von den Aristokraten und den Königen organisiert und orchestriert wird und der Name, der da zentral werden wird. Das ist Bismarck, aber bis dahin haben wir noch ein bisschen Zeit. Heute haben wir über die europäischen Revolution von 48 49 gesprochen. Es ging um den Vormärz und den politischen Liberalismus und die Nationalbewegung, die sich in dieser Zeit entwickeln, Liberale und Demokraten, die gemeinsame Sache machen, um die alten Monarchien und die alte Ordnung auf den Kopf zu stellen. Wir haben über die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche geredet, über den Nationalstaat, der da angestrebt wird, über die verschiedenen Verfassungsvorschläge, über die konstitutionelle Monarchie und die Republik, die im Parlament besprochen werden, über die Frage allgemeines Wahlrecht oder Zensuswahlrecht und über die Gegenrevolution, die 1849 Postwänden erfolgt und Deutschland bis 1871 im Hinblick auf den Liberalismus in den Winterschlaf schickt. Bis dahin vielen Dank, dass ihr zugehört habt. Ich freue mich, wenn euch dieser Podcast gefallen hat. Lasst gerne ein Like da oder teilt den Podcast mit euren Freunden und Bekannten, die auch gerade aufs Abi oder auf die Klausuren lernen. Das macht mir Freude, wenn ich sehe, dass euch der Podcast was bringt und ihr den gerne hört. Ich danke euch und bis zum nächsten Mal.