Soziale Frage - Leistungskurs Geschichte 5
Die Industrialisierung schafft einige wenige Gewinner und ein Millionenheer von Verlierern. Wie lässt sich diese “Soziale Frage” lösen?
In dieser Folge erkläre ich die Fachbegriffe:
- Klassengesellschaft
- Bourgeoisie
- Proletariat
- Soziale Frage
- Arbeiterbewegung
- Reform
- Revolution
- Sozialistenverfolgung
- staatliche Sozialpolitik
- bürgerliche Familie
- proletarische Familie
Willkommen beim Podcast von geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassen arbeiten und das Abitur im Fachgeschichte vorzubereiten. Heute reden wir über die Industrialisierung und vor allem über deren Auswirkungen auf die europäische Gesellschaft. Die Industrialisierung haben wir schon in einer vergangenen Folge behandelt. Wenn ihr da nochmal reinhören wollt, dann findet ihr die garantiert unter den anderen Folgen. Die Industrialisierung schafft eine neue Wirtschaftsordnung, in der die Fabrikarbeiter eine große Zahl von Menschen stellen und diese Fabrikarbeiter, die sind nicht mehr vergleichbar mit den Bauern des Mittelalters, sondern das ist eine ganz neue Gesellschaftsordnung.
Klassengesellschaft
Und die nennen dann die Wirtschafts- oder Sozialwissenschaften, die so nennen wir dieser Zeit eine Klassengesellschaft. Wie kommt man darauf? Die Idee ist immer der Rückbezug zum Mittelalter auf das vorher. Da spricht man von einer ständigen Gesellschaft. Stände waren, das kennt ihr vielleicht von so einem klassischen Holzschnitt aus der frühen Neuzeit, ein System, in dem der Mensch in einen Stand hinein geboren wird und in diesem Stand bleibt er auch und da wird dann auch eine göttliche Ordnung suggeriert, die das begründet. Das heißt, der Mensch wird geboren als Angehöriger des Bauernstandes und bleibt das Sein Leben lang oder er wird geboren als Angehöriger des Aals und bleibt das Sein Leben lang. Und damit definiert sich auch seine Aufgabe im Leben. Der Bauer hat eben zu arbeiten, um die anderen Menschen zu ernähren und der Adler hat eben Ritter zu werden und dann entsprechend im Krieg tätig zu sein und seinem Lähnzern zu dienen sozusagen. Dieses Prinzip der Ständegesellschaft löst sich natürlich mit Beginn der Industrialisierung oder hat sich eigentlich schon aufgelöst und ist dann im absoluten Niedergang. Und die Klassengesellschaft ist dann etwas anders gestrickt. Da kann man natürlich auf und absteigen. In der Klassengesellschaft gibt es dann eben verschiedene Klassen. Und das Prinzip dahinter ist, dass es sozusagen feste Gruppen gibt, in die man zwar reinkommt, die aber doch unter sich relativ abgeschottete Leben aufgrund zum Beispiel von Besitzverteilungen, die auch nicht so und Besitz verteilt sich ja nicht so leicht um, sondern der ist ja erstmal in einer bestimmten Familie zum Beispiel sozusagen fest vorhanden und wird dann da auch vererbt. Und das ist dann eben eine Klasse. Und dieses Konzept geht maßgeblich zurück auf Karl Marx und Friedrich Engels, auf das Kapital und die kommunistische sozusagen Basisliteratur, die kommunistischen Vordenker und die beiden Klassen, die hier dann in der Regel genannt werden oder auf denen das Büsstchen basiert, das sind die
Bourgeoisie
bourgeoisie und das proletariat. Unter bourgeoisie, das das französische Wort für Bürger, tun, da steckt dann so ein bisschen der Gedanke dahinter, das sind die Unternehmer, das sind die jenigen, die die Fabriken besitzen, das sind die Wohlhabenden, so ein bisschen die Oberschicht könnte man sagen. Und das
Proletariat
proletariat, da steckt das lateinische Wort proles dahinter, das ist so ein bisschen der Pöbel, das Wort proletenhaft kommt da auch her. Dahinter steckt so ein bisschen die Arbeiterklasse, die einfachen, weniger gebildeten Leute, die eben nicht über die Produktionsmittel verfügen, würde Marx das definieren. Für Marx ist sozusagen der Unterschied zwischen bourgeoisie und proletariat, ob der Mensch selbstständig im Besitz dessen ist, womit er seinen Unterhalt verdient, womit er Sachen produzieren kann, die er verkaufen kann und davon leben kann. Und die bourgeoisie, die besitzt eben diese Dinge, zum Beispiel eine Fabrik und ein proletariat besitzt eben nichts im Wesentlichen außer seiner Arbeitskraft und muss halt die verkaufen. Das ist im Prinzip der Grundgedanke der Klassengesellschaft und da ist natürlich schon eine große Unfährnis dahinter, denn wenn man sich überlegt, wenn man als Proletariat in der Welt unterwegs ist, dann besitzt man natürlich nicht viel und man kann ja auch nie selbstständig zum Beispiel eine Fabrik aus dem nichts aufbauen, denn man braucht ja unheimlich viel Geld, das man erst mal investieren muss in die Maschinen und so weiter. Das heißt, ein Proletariat wird in der Regel ein Proletariat bleiben und das Kind eines Proletarias wird in der Regel auch ein Proletariat werden. Das ist so ein bisschen Marx Gedanke, dass das unfair ist und dass das auch unmenschlich ist ein Stück weit. Und wie man diesen Widerspruch lösen kann, dass man eigentlich ein unfaires Wirtschaftssystem hat, indem das Erbe darüber entscheidet, was dann nachher aus einem wird, das nennt man dann später
Soziale Frage
die soziale Frage. Die soziale Frage beschreibt also, man könnte diese Frage formulieren als Frage, wie kann man diesen Wohlstand, der durch die Industrialisierung entsteht, fair verteilen? Die Industrialisierung schafft ja neuen Wohlstand, die macht die Leute reicher, gibt ihnen neue Dinge, die sie kaufen können, erhöht ihre materiellen Möglichkeiten, verbessert die Ernährung und all das. Und diesen Vorteil, den will man aber allen Leuten zukommen lassen, der soll ja nicht beschränkt sein auf die Bourgeoisie und gleichzeitig das Proletariat tief in die Armut stoßen. Ihr kennt vielleicht den Begriff Pauperismus von Natanisch-Pauper-Arm. Das ist ein Begriff für die Massenverarmung der Proletariat. Es gibt da Fotos, die in meinem Unterricht gezeigt werden, über oder von proletarischen Familien, die auf kleinstem Raum ganz beherrscheiden und ärmlich leben, oft noch ein Untermieter im Haus haben, der dann im Bett schläft, wenn die Eltern selbst auf der Arbeit sind oder sowas. Und diesen Pauperismus zu lösen, das ist der Kern eigentlich der sozialen Frage. Wie kriegt man den Wohlstand der Industrialisierung fair verteilt zwischen Arbeitern und Unternehmern? Da gibt es dann verschiedene Ansätze, wie man das lösen könnte. Und da gibt es auch verschiedene Player, die das versuchen zu lösen. Die Kirchen versuchen zum Beispiel über die kirchliche Daseinsvorsorge, Karitas und so weiter, den schlimmsten Notstand zu hin oder zu verhindern, aufzuheben. Die Unternehmer produzieren teilweise, oder nicht produzieren, sondern bauen teilweise selbst Wohnungen für ihre Arbeiter, die ein bisschen besser sein sollen. Sie zahlen den Kindern die Schule und sowas. Aber bei den Unternehmern hat man natürlich immer ein Abhängigkeitsverhältnis. Das heißt, das ist auch kein Verhältnis auf Augenhöhe, das hier entsteht, sondern das macht die Arbeiter nur noch abhängiger von ihrem Unternehmer, von ihrem Fabrikbesitzer, weil sie ja noch mehr um ihren Job fürchten müssen, wenn sie gekündigt würden. Dann würden die Kinder aus der fabrikeigenen Schule, den fabrikeigenen Kindergarten rauskommen. Dann müsste man selbst ausziehen aus dem fabrikeigenen Wohngelände und so weiter. Das heißt, da besteht so ein bisschen auch die Frage, in die fern das einfach nur ein verlängerte Arm der Ausbeutung ist, diese Wohltaten der Unternehmer. Dann versuchen natürlich auch die Staaten ein Stück weit das in den Griff zu kriegen. Das passiert nicht überall und nicht zu jeder Zeit. Aber politische Parteien kümmern sich darum und versuchen es auf die Agenda zu bringen. Arbeitsschutzgesetze, Sozialgesetze werden danach und nach entstehen. Ein wichtiger Player in diesem Zusammenhang ist aber
Arbeiterbewegung
die Arbeiterbewegung. Die Arbeiterbewegung beschreibt Zusammenschlüsse von Arbeitern, die sich eben zusammentun, um gemeinsam ihre Bedingungen zu verbessern. Man kann sich das so vorstellen, dass ein Proletariat im 19. Jahrhundert sich häufig machtlos vorgekommen sein muss. Wenn man sich vorstellt, der Arbeitgeber, der Fabrikbesitzer, verhält sich in irgendeiner Weise unfair und dann überlegt man, ob man zu einem Konkurrenten vielleicht in der Fabrik geht und dort anfängt. Aber in der Regel sprechen sich diese Unternehmer untereinander ab, wenn sie in der Nähe wohnen, über die Löhne, gucken so ein bisschen, dass das eben nicht so ist, dass man sich gegenseitig zu große Konkurrenz macht, denn das ist ja für alle unattraktiv. Wenn einer mehr Löhne anbietet, dann muss der andere nachziehen, sonst verliert er die Arbeiter. Also spricht man sich häufig ab und arrangiert so Regelungen, mit denen man die Proletariat ein bisschen in Schach halten kann. Und die Arbeiter drehen den Spieß dann um und gründen die Arbeiterbewegung, mit der sie sich wiederum abstimmen. Zum Beispiel, um gemeinsame Streiks zu organisieren, wenn eine Fabrik bestreikt wird, dann heißt das, die Arbeiter arbeiten nicht mehr und verlangen eben höhere Löhne zum Beispiel. Und diese Möglichkeit, sich abzustimmen und zu organisieren gegen Arbeitgeber, die wird natürlich wiederum von den Unterfabrik- und Besitzern bekämpft. Das heißt, da haben wir so einen Machtkampf, der teilweise sogar mit Waffen ausgetragen wird, aber in der Regel über über Streiks und Massenkündigungen und sowas stattfindet. Und die Arbeiterbewegung ist dann eben der Zusammenschluss der Arbeiter, die versuchen, sich gegen die Unternehmer gemeinsam zu wehren. Es gibt verschiedene Ansätze, wie man das machen kann und es gibt im Prinzip einen Konflikt zwischen dem, was später die Sozialdemokraten werden und dem, was später die Kommunisten werden. Es gibt die Frage, ob man
Reform
Reformen will oder ob man eine
Revolution
Revolution in der Wirtschaftsordnung anstrebt. Reformen würden bedeuten, dass man die bestehende Wirtschaftsordnung nicht antastet, dass man sie aber nach und nach verändert, dass man also durch Gesetzgebungsprozesse und so weiter versucht einzugreifen in diese als unfair empfundenen Mechanismen und durch diese Gesetze dann das Ganze etwas fairer macht, versucht das auszugleichen, was dazwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern an Spannungen und Unfairnissen vorliegt. Der Gedanke der Revolution ist dann eher das klassisch-kommunistische, was wir so im Kopf haben, wenn wir an Marx und Engels denken. Da steckt der Gedanke dahinter, dass das System komplett auf den Kopf gestellt wird, dass die Arbeitgeber einfach enteignet werden, verbrickt Besitzer, verbrickt Verlieren und die dann verstaatlicht werden und dann die Arbeiter sich selbst organisieren sollen. Das ist das klassisch-kommunistische System oder sozialistische System, bei dem man davon ausgeht, dass das einfach keine Bechance besteht, das jemals fair hinzubekommen, dass das einfach in sich ein defektes System ist und man das stürzen muss und den Kapitalismus quasi komplett beendet und durch den Kommunismus ersetzt, durch ein verstaatliches Wirtschaftssystem, in dem dann die Räte nennt sich das, der Arbeiter selbst entscheiden, wie die Sachen funktionieren oder organisiert werden und eben nicht mehr die Unternehmer, die Fabrikbesitzer, weil die gibt es dann ja nicht mehr, die Fabrik gehört ja niemandem mehr, die ist ja verstaatlicht. Diese Politik, die ist natürlich eine, die den Wohlhabenden und Unternehmern und so weiter sehr, sehr übel aufstößt, die wollen das natürlich nicht haben. Diese Revolution würde ja unmittelbar ihre Existenz bedrohen oder beenden und deswegen wehren sich auch diese Unternehmer sehr stark gegen jeden Versuch, solche Politik zu verbreiten. In den Fabriken wird man gekündigt, wenn man ein kommunistischer Agitator sein soll. Das heißt, da wird versucht die Sozialisten klein zu halten, durchaus verständlich aus Sicht der Unternehmer. In Kaiserreich, in Deutschland, setzt sich sogar das Wort
Sozialistenverfolgung
Sozialistenverfolgung dafür durch, oder so nennen wir das heute, da setzt sich aber eine Methode der Sozialistenverfolgung durch, eine staatliche Methode diese zu bekämpfen. Ich habe schon mal in einer vergangenen Folge über Otto von Bismarck kurz gesprochen, der eine Politik der Sozialistenverfolgung betreibt. Das heißt, da wird ganz gezielt Politik gemacht gegen die Sozialisten, gegen die sozialistischen Parteien. Da wird versucht, die zu bekämpfen, die Arbeiter davon abzuhalten, die zu wählen. Es werden sozialistische Versammlungen und Presseorgane verboten oder die Presse bezensiert. Auf diese Weise versucht man im Prinzip den Sozialisten den Wind aus den Segen zu nehmen, indem man versucht, die an den Rand der Gesellschaft zu drängen, die als illegale, als kriminelle hinzustellen und also was. Gleichzeitig bemerkt aber ja auch Bismarck und seine Regierung, dass da ein Problem besteht, dass das den Arbeitern nicht sehr gut geht, dass da der Paparismus immer noch existiert und so weiter. Und man versucht also auch dadurch den Sozialisten den Wind aus den Segen zu nehmen, indem man ein bisschen deren Politik kopiert. Das ist eine eigentlich total paradoxe, ganz widersprüchliche Politik, dass ich auf der einen Seite die Sozialisten bekämpfen, auf der anderen Seite deren Politik übernehme entheilen. Und natürlich eine Reformpolitik, keine Revolutionspolitik. Aber Bismarck führt die sogenannte
staatliche Sozialpolitik
staatliche Sozialpolitik durch oder für die Sozialgesetzgebung ein, da gibt es verschiedene Begriffe für. Und er etabliert erste Gesetze zum Arbeitsschutz, zum Verbot von Kinderarbeit, etabliert Gesetze zur Rente. Bis heute basiert übrigens unser Rentensystem in Deutschland auf, genau diesen Bismarck-Schneidensystem. Das heißt, da werden Gesetze eingeführt, die die Not der Arbeiter eben doch lindern, die also letztlich eigentlich sozialistisch geprägte Gesetze sind, die aber natürlich eigentlich zu gedacht sind, die sozialistischen Parteien zu bekämpfen, indem der Staat die Not der Arbeit lindert. Und durch diese Linderung der Not soll auch das Bedürfnis der Arbeiter reduziert werden, sich sozialistisch zu betätigen. Wenn es mir ja besser geht, dann brauche ich ja nicht eine radikale Partei wählen, weil dann geht es mir ja schon gut, dann habe ich keinen Anlass mehr zum Beispiel in der Revolution anzustreben. Ist ja logisch, ist aus Sicht Bismarcks total plausibel. Ob es funktioniert, kann man sich streiten, wenn man sich die Wahlergebnisse anschaut in der Kaiserzeit, dann sieht man, dass die SPD immer größere Anteile der Wahlstimmen im Kaiserreich bekommt, bis zum ersten Weltkrieg. Und dann kippt das Ding ja sowieso. Also letztlich ist es sehr fraglich, ob das wirklich eine effektive Lösung war, was Bismarck da gemacht hat, aber es hat natürlich den Lebensstandard der Arbeiter ein Stück weit gehoben. Nicht massiv, aber doch erkennbar. Und wie gesagt, unser heutiges Rentensystem basiert immer noch auf dem Bismarckschen Rentensystem, dieses Umlagesystem, das die jetzige Generation, die jetzt arbeitet für die jetzt Alten, zahlt und dann die nächste Generation, zahlt dann, wenn sie arbeitet, für die jetzt arbeitenden, die dann Rentner sind. Dieses Umlagesystem ist Bismarcks Rentensystem. Das ist 1 zu 1 bis heute im Prinzip so vorhanden, auch wenn sich die Parameter natürlich ständig ändern. Aber das Grundkonzept ist immer noch Bismarcks Rentensystem. Mit diesen Veränderungen in der Gesellschaft verändern sich auch die Familien und dafür gibt es die Begriffe
bürgerliche Familie
bürgerliche oder
proletarische Familie
proletarische Familie. In der bürgerlichen Familie haben wir eine klassische, sozusagen bourgeoise Familie. Das heißt, es sind Leute mit Hoheneinkommen, wo vielleicht jemand eine Fabrik besitzt. In der Regel ist das der Vater der Familie oder der der Patriar, ich nennt man die oft auch. Und diese bürgerlichen Familien, die wohnen in der Regel ganz schön. Das kann eine große Wohnung sein, das kann aber auch eine Villa sein, zum Beispiel. Die Frau arbeitet in der Regel natürlich nicht, sondern die bleibt zu Hause, kümmert sich um die Bildung und Erziehung der Kinder, um die Organisation des Hauspersonals und so weiter. Die Kinder lernen in der Regel ein Instrument, Bildung wird hochgehalten, Bücher sind im Haus vorhanden und man pflegt ein sehr klassisch bourgeoises Leben. Auf der anderen Seite haben wir proletarische Familien, in deren Realität natürlich ganz anders aussieht, die in sehr beengten Verhältnissen in Mietzkaserren, zum Beispiel wohnen, die häufig sogenannte Schlafgänger haben, die also dann im gleichen Bett schlafen, wenn die Familie eben nicht mehr schläft, die dann auch arbeiten müssen, also die Frauen insbesondere arbeiten müssen. Häufig bleibt an den proletarischen Frauen dann auch eine Doppelrolle hängen. Das kommt uns übrigens manchmal ein bisschen bekannt von nicht, dass quasi die Frauen sowohl in der Fabrik arbeiten als auch noch den Haushalt und die Kinder schmeißen müssen. Diese Doppelbelastung, die ist in der proletarischen Familie ganz normal. Dazu kommt natürlich ein Problem, dass Bildung in der Regel nicht hochgehalten wird, sondern stattdessen die Kinder schon relativ früh in eigenen Unterhalt verdienen müssen. Das heißt, viele Kinder in proletarischen Familien gehen einfach arbeiten in der Fabrik und verrichten dafür einen sehr viel geringeren Lohn ihrer Arbeiten. Die Frauen verdienen übrigens auch für die gleiche Arbeit wie ein Mann, die macht einen deutlich geringeren Lohn. Und diese sehr beengten und sehr armseligen Verhältnisse in den proletarischen Familien, die sorgen natürlich auch für Frustration und Verschärfen, diese politische Spaltung zwischen Revolutionsbewegungen und den bestehenden Verhältnissen natürlich noch weiter. Denn es ist natürlich leicht vorstellbar, dass man sich in Richtung Kommunismus radikalisiert, wenn man in solchen Verhältnissen aufwächst und diese Unfairness dieser Verhältnisse zu spüren, bekommt zu sehen, bekommt jeden Tag. Die Industrialisierung ist ein extrem komplexer Prozess und die einzelnen Begriffe, die wir heute angespielt haben, jeden von denen könnte man sich noch mal in einer extra Folge anschauen, vielleicht werden wir das auch mal noch tun. Aber für einen ersten Überblick über das Thema sind wir jetzt erstmal durch. Wir haben heute gesprochen über die Begriffe Klassengesellschaft und zu diesen Klassen gehört die Bourgeoisie und das Proletariat. Wir haben gesprochen über die soziale Frage, die sich aus dieser Spaltung der Gesellschaft entwickelt, über die Arbeiterbewegungen, über die Reform- und die Revolutionsansätze, um die soziale Frage zu lösen. Wir haben über die Sozialistenverfolgung auf der einen Seite und die staatliche Sozialpolitik auf der anderen Seite gesprochen und darüber, was das mit den bürgerlichen und den proletarischen Familien macht. Diese Begriffe sind Teil des Bildungsplans für das erste halb Jahr der Kursstufe in Geschichte. Bitte denkt daran, wenn ich das zu sage, ich immer den Bildungsplan von Baden-Württemberg vor Augen habe, weil ich da selber Geschichte unterrichte. Die Bildungspläne, die sind zwar alle ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, dann werft doch bitte zu Sicherheit noch einen Blick auf euren eigenen Bildungsplan, damit ihr immer gut vorbereitet seid. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann lasst gerne einen Kommentar da, abonniert den Podcast und teilt ihn mit Freunden und Bekannten, die sich ebenso auf Klassen arbeiten oder das Abitur vorbereiten. Für mich ist das eine große Motivation, wenn ich sehe, dass Leute die Podcast hören. Ich freue mich darüber. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mehr treu.