← Alle Episoden

Hochmoderne - Leistungskurs Geschichte 7

Staffel 1, Folge 07 10.04.2024 00:14:03
Fachbegriffe: HochmoderneUrbanisierungMassenkulturMobilitätBeschleunigungModernisierungsverliererMassenorganisationPolitisierungFrauenbewegung

Wie verändert die Industrialisierung die Gesellschaft des 20. Jahrhunderts?

In dieser Folge spreche ich über:

  • Hochmoderne

  • Urbanisierung

  • Massenkultur

  • Mobilität

  • Beschleunigung

  • Modernisierungsverlierer

  • Massenorganisation

  • Politisierung

  • Frauenbewegung

Willkommen bei Geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fachgeschichte vorzubereiten. Heute geht es um die Erscheinungsform der Moderne, um die Jahrhundertwende und die ambivalenten Erfahrung der Menschen damit. Das ist ein relativ komplexes Thema, das eine Reihe von Themen behandelt, die eher in der Soziologie als in der Geschichte zu Hause sind oder zumindest in die Richtung tendieren. Vieles davon hört man im Geschichtsunterricht der Kursstufe zum ersten Mal und im Baden-Württemberg ist das auch ein Thema, das in erster Linie im Leistungskurs behandelt wird.

Hochmoderne

Die sogenannte Moderne beschreibt ungefähr die Zeit zwischen 1900 und 1970. Damit ist gemeint, dass das ein Zeitalter ist, indem die Industrialisierung schon die wesentlichen Aspekte des Lebens der Menschen in Europa verändert hat und im Grunde die industrialisierte Welt schon die ist, die die Menschen hineingeboren werden, die sich dann aber noch immer weiter industrialisiert. Dazu gehören eine ganze Reihe von unterschiedlichen Entwicklungen, die sich da noch beobachten lassen. Eine der wichtigsten davon ist die

Urbanisierung

Urbanisierung wird wörtlich übersetzt. Die Verstetterung, der Stand vom Dateinischen Urbs, die Stadt ist der Prozess, in dem die Menschen zunehmend in den Städten und weniger auf dem Land leben. Das ist ein Prozess, der im Prinzip schon seit der frühen Neuzeit allmählich eingesetzt hat, dass die Menschen nicht mehr alle als Bauern leben. Wir haben auch schon über die Agrarrevolution gesprochen in der vergangenen Folge. Das heißt, die Zahl der Menschen, die überhaupt auf dem Land arbeiten müssen als Bauern, um die Nahrungsmittelversorgung sicherzustellen, die nimmt ab, weil die Nahrungsmittelversorgung eben effizienter wird, weil die Landwirtschaft effizienter wird. Und damit haben wir mehr Menschen, die in die Städte abwandern. Und das ist eben die Urbanisierung mit all ihren Folgen. Dazu gehört der Pauperismus in den Städten. Dazu gehört die Entstehung einer Klassengesellschaft. Auch das haben wir schon angesprochen in anderen Folgen. Eine weitere Folge der Hochmoderne und ihrer Veränderung ist die Entstehung der sogenannten

Massenkultur

Massenkultur. Darunter versteht man im Grunde die Idee, dass Kultur jetzt von breiten Massen getragen und rezipiert wird. Während also Kultur im Mittelalter zum Beispiel, vor allem bei bestimmten Ritualen, bei Hof verortet wird oder aber in den Klöstern in Form von literarischer Kultur, findet es in der Neuzeit und insbesondere in der Hochmoderne dann eben auf Massenbasis statt. Das heißt, große Zahlen von Menschen haben die Möglichkeit über Radio, Fernsehen, Kino und so weiter an kulturellen Ereignissen und an kulturellen Veranstaltungen teilzuhaben und können auf diese Art eine ganz anderes Maß an nationaler Kultur, sozusagen oder persönlicher Kultur entwickeln, die auch über das eigene Land hinausstrahlt. Wenn man sich zum Beispiel die amerikanische Kultur anschaut, die in Europa ja bis heute eine ganz große Vorbildfunktion erfüllt, sei das jetzt in Form von Sneakern oder anderen Klamotten, sei das in Form von Musik, von Film und so weiter, dann ist das eine Form von Massenkultur, die die ganze Welt mit beeinflusst und das ist das, was mit der Massenkultur eben gemeint ist. Es ist eine Form von Kultur, die die Massen anspricht und auch von den Massen rezipiert werden kann. Der nächste Punkt, der hier wichtig ist, ist die

Mobilität

Mobilität. Die Menschen sind aufgrund der zugenommenen Infrastrukturmöglichkeiten, also aufgrund der leichteren Möglichkeit zu reisen und sich woanders hin zu begeben, in der Lage, sich stärker in der Welt herum zu bewegen. Das ist die geografische Mobilität. Zugleich haben wir aber auch eine höhere soziale Mobilität, das heißt die Menschen können eher auf und absteigen, weil eben sozialer Status nicht mehr von der Geburt so stark abhängig ist, sondern weil er ganz viel mit Geld zu tun hat. Das bedeutet, dass jemand, der Glück hat in Form von einem erfolgreichen Unternehmen, das er gegründet und aufgebaut hat, der kann durchaus sehr stark sozial mobil sein im Sinne eines Aufstiegs und jemand umgekehrt, der viel Geld geerbt hat, kann das auch verpulvern und dann ist es weg und dann ist das ein sozialer Abstieg. Das ist in der Hochmoderne deutlich einfacher in beide Richtungen natürlich, als das im Mittelalter oder in der Früh 19 noch war. Dann haben wir den Aspekt der

Beschleunigung

Beschleunigung des Lebens. Die Beschleunigung meint so ein Stück weit, dass die meisten Dinge, die mit Zeit verbunden sind, jetzt schneller ablaufen. Sei das eben Reisen, sei das aber auch die Möglichkeit, bestimmte Prozesse zu beschleunigen. Zum Beispiel Nahrungsaufnahme. Es gibt die Erfindung des Fastfoods in der Hochmoderne, das Speeddating, das Powernappen und viele andere Dinge, die darauf hinlaufen, dass man sich eben nicht auf eine Sache konzentriert und die in Ruhe macht, sondern dass man Dinge beschleunigt und die Zeit als ein knappes Gut empfindet, dass man sparen sollte. Das heißt, die Leute, die Menschen, neigen stärker dazu, sich selbst zeitlich zu begrenzen und ihre Dinge möglichst effizient, möglichst alles gleichzeitig zu machen usw. In dem ganzen Prozess haben wir natürlich auch Verlierer und wenn euch das mit der Beschleunigung schon so ein bisschen so vorkam, als wäre das eine Form von Verlieren, dann gibt es auch noch die Kategorie von anderen

Modernisierungsverlierer

Modernisierungsverlierer. Das sind Leute, die aufgrund der Modernisierung ihrer Welt dabei zu kurz kommen, die ihre Jobs verlieren, die in deren Gegend zum Beispiel es nicht mehr attraktiv ist zu leben, weil da bestimmte Jobs eben nicht mehr verfügbar sind, die jetzt zum Standard gehören oder die erwünschenswert wären. Und diese Modernisierungsverlierer, das sind dann frustrierte Menschen, die sich häufig natürlich auch leicht politisch und extrem zu wenden können. Das können ganz unterschiedliche Gruppen sein und die gibt es auch zu unterschiedlichen Zeiten. Zum Beispiel die sogenannten Maschinenstürmer, die sich gegen die Maschinisierung ihrer Arbeit wehren, die also im Prinzip die Industrialisierung ablehnen, weil sie ihnen die Jobs wegnimmt. Aber auch andere Reaktionsformen, zum Beispiel der stark wachsende Antisemitismus im Kaiserreich, der lässt sich so erklären, dass da Modernisierungsverlierer feststellen, die wirtschaftlich abgehängt sind und dann als Reaktion darauf einen scheinbaren jüdischen Weltverschwörungsplan erkennen, von dem sie glauben, dass der daran Schuld sei. Damit kommen wir auch schon in die Kategorie der radikalen Organisationen, die sich dann unter anderem über den Antisemitismus aber auch über andere Themen identifizieren. Und das sind die sogenannten

Massenorganisation

Massenorganisationen. Das sind in der Regel in nicht demokratischen Sinne organisierte Organisationen, die eine große Zahl von Menschen ansprechen sollen, um die Macht der Straße, die Macht der Mehrheit zu entwickeln für eine bestimmte Gruppe. Und da lassen sich so Organisationen wie zum Beispiel die SA drin sehen, die von der NSDAP instrumentalisiert wird als eine Gruppe, die einerseits Gewalt auf die Straße bringen kann, um den politischen Gegner zu schaden, die aber andererseits eben auch die Massen begeistern und euphorisieren kann. Und diese Art der Massenorganisation ist auch ein typisches Merkmal der Hochmoderne, die eben auch nicht nur in der rechten Szene üblich ist, sondern die KPD, die kommunistische Partei, hat ähnliche Organisationen. Und die Kämpfe zwischen diesen verschiedenen Massenorganisationen, die sind ein klassisches Beispiel für hochmoderne Machtverteilungskämpfe. Diese Verbreitung der häufig politisch geprägten Massenorganisationen, die ist auch Teil der sogenannten

Politisierung

Politisierung des Lebens. Politisierung ist letztlich ein Begriff, der geht auf Max Weber zurück, der darauf abzielt, dass etwas politisch aufgeladen wird, was eigentlich persönlich politisch sein müsste. So kann zum Beispiel eine bestimmte Tätigkeit, ein bestimmtes Unternehmen, aber auch eine bestimmte Gruppe, wie die Armee oder die Studenten schafft oder sowas, sich politisieren. Das heißt, die wird politischer und interessiert sich für Politik und vertritt auch bestimmte politische Ziele, häufig nicht nur ihre persönlichen Interessen, ihre individuellen Interessen, zum Beispiel Studenten, bestimmte studentische Belange, sondern darüber hinaus auch alles andere. Das heißt, wenn sich zum Beispiel Studenten dafür einsetzen, dass das 1,5-Grad-Ziel eingehalten wird in Form der Fridays for Future Demonstration, dann ist das ein Beispiel für Politisierung, also für ein politisches Bewusstsein und politisches Äußerungsbedürfnis einer Gruppe, die eigentlich nicht per se politisch sein müsste, die es aber eben aus eigenem Antrieb heraus wird. Zum Schluss gehe ich noch kurz auf die

Frauenbewegung

Frauenbewegung ein. Die Frauenbewegung ist auch eine klassische Bewegung der Hochmoderne, die sich darin zeigt, dass Frauen selbst für ihre Rechte kämpfen und insbesondere geht es darum, die Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen und ein Stück weit auch die Rolle der Frauen in der Gesellschaft zu hinterfragen, die ja in Europa doch eine relativ stark häuslich dominierte Rolle ist. Das heißt, die Frauenbewegung ist letztlich ein Versuch, diese Rollenfragen zu klären oder aufzubrechen und da bestimmte Unfährnisse, Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Man spricht ja im Wesentlichen von drei Wellen. Die sogenannte erste Welle dreht sich vor allem um die Frage des Frauenwahlrechts. Das ist dann Anfang des 20. Jahrhunderts insbesondere. Im November 1918 mit der Revolution und der Weimarer Republik ist das Frauenwahlrecht in Deutschland verfassungsrechtlich festgesetzt und damit ist eigentlich auch die Rolle der Frau in der Gesellschaft natürlich neu zu besprechen, weil wenn ich jemanden als vollwertigen Mitbürger ansehe und wählen lasse, dann muss ich ja eigentlich auch andere Fragen zum Thema Beruf, zum Thema Bildung, zum Thema Rolle im Haus und so weiter klären, aber das passiert in der Zeit noch nicht in der Tiefe, sondern da geht es erstmal um das Wahlrecht. Die sogenannte zweite Welle dreht sich dann um die 1960er, 70er Jahre, die 68er Revolution hat da auch ein bisschen was mit zu tun und da geht es dann vor allem um die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft. Da wird dann allmählich staatlich auch die Gleichstellung der Frau umgesetzt. Das heißt, wir haben rechtliche Maßnahmen, die dahin gehen, dass Frauen zum Beispiel keine Genehmigung ihres Ehemanns mehr brauchen, wenn sie arbeiten gehen wollen, wenn sie einen Job ergreifen wollen oder dass Frauen auch als Lehrer tätig sein dürfen, wenn sie verheiratet sind. Auch das ist was, was bis dahin festgelegt war, dass verheiratete Frauen nicht Lehrer sein durften und Lehrerinnen, wenn sie verheirateten, ihren Job aufgeben mussten. Die dritte Welle, die spüren wir im Grunde bis heute in der aktuellen Diskussion, da geht es dann um wieder andere Fragen, wie zum Beispiel, was eigentlich mit Männlichkeit gemeint ist, das Begriff der sogenannten toxischen Männlichkeit ist da aufgekommen, was zum Beispiel so klassisch männliches Verhalten sein soll, dass nach Ansicht eben der Kritiker ein sei, dass nicht gleichberechtigungsorientiert, nicht fair, nicht angemessen sei. Da gibt es auch diesen Begriff des Man’s Planing und solche Phänomene, die sich ja auch wissenschaftlich teilweise belegen lassen. Ich bin vielleicht auch ein gutes Beispiel dafür mit diesem Podcast. Diese Idee des Gender Mainstreaming steckt auch dahinter, dass sozusagen Geschlechter vielleicht gar nicht per se biologisch nur festzulegen sind, sondern dass Geschlechter vielleicht eben auch einen ganz hohen sozialen Anteil haben und vieles von diesem konstruierten sozialen Geschlecht ein Stück weit auch über Erziehung und so weiter bedingt ist und dann möglicherweise auch nicht so sein sollte, wie es ist, weil es eben doch an manchen Stellen immer noch unfair ist. Und da spielt dann auch die Schwulen und Lesben Bewegung, die LWG TQ, glaube ich, Bewegung eine Rolle, die dann im Prinzip eben auf der nächsten Ebene auch diese Geschlechterrollen infrage stellt, diese tradierten Vorstellungen davon, was typisch männlich und weiblich sei. Damit haben wir den Blog Erscheinungsform der Moderne behandelt. Es ging heute um die Fachbegriffe Hochmoderne, um die Urbanisierung, die Verstetterung. Es ging um die Massenkultur und die Mobilität, sowohl die soziale als auch die geografische der Menschen. Es ging um die Beschleunigung des Lebens und um die dabei entstehenden Modernisierungsverlierer und deren Reaktion auf die Moderne. Wir haben über Massenorganisationen gesprochen und was die kennzeichnet und inwiefern die politisch sind und daraus resultiert auch über die Politisierung der Gesellschaft und nicht zuletzt die Frauenbewegung als einen Sonderfall der Politisierung. Diese Begriffe sind Teil des Bildungsplans für das erste Halbjahr der Kursstufe in Geschichte. Bitte denkt daran, dass ich dann immer von dem Bildungsplan von Baden-Württemberg spreche, weil nicht da selbst Geschichte unterrichtet. Die Bildungspläne sind sich zwar ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, dann werft bitte zu Sicherheit noch einen Blick auf euren eigenen Bildungsplan, damit ihr immer gut vorbereitet seid. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann lasst gerne einen Kommentar da, abonniert den Podcast, teilt ihn mit Freunden, teilt ihn mit Bekannten, die sich ebenso wie ihr auf die Klassen arbeiten oder das Abitur vorbereiten. Für mich ist das eine große Motivation, wenn ich sehe, dass Leute die Podcast hören. Und ich freue mich darüber. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.