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Migration - Leistungskurs Geschichte 9

Staffel 1, Folge 09 12.04.2024 00:10:32
Fachbegriffe: BinnenmigrationAuswanderungZuwanderungIntegration

Warum fliehen im frühen 19. Jahrhundert tausende Deutsche in die USA? Und was zieht im frühen 20. Jahrhundert Millionen von Menschen in die Städte des Ruhrgebiets?

Heute sprechen wir über:

  • Binnenmigration

  • Auswanderung

  • Zuwanderung

  • Integration

Willkommen bei Geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassen arbeiten und das Abitur im Fachgeschichte vorzubereiten. Migration ist eines der politischen Themen unserer Zeit. Nach der Flüchtlingskrise 2016 und bis heute ist in Europa Migration eines der zentralen Themen der Politik, insbesondere der Außenpolitik und das ist kein geschichtlich neues Thema. Wenn wir über Migration sprechen, dann gibt es verschiedene Varianten von Migration und verschiedene Fachbegriffe, über die wir Bescheid wissen sollten. Zunächst mal reden wir in dem, was wir heute so diskutieren, was wir an Zeitungsartikeln lesen, über die Migration aus Afrika nach Europa. Dann reden wir in der Regel von internationaler Migration, das heißt von Migration von einem Staat in einem anderen Staat. Es gibt aber auch andere Formen von Migration, die nennt man dann

Binnenmigration

, wenn die Menschen innerhalb eines Staates migrieren. Das Wort Migrieren stand von Lateinischem und dort sowas wie Wandern, ist also eine Wanderungsbewegung von einem Ort an einem anderen Ort, bei dem Menschen auf der Suche nach Arbeit oder auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen oder auf der Flucht vor bestimmten Ereignissen, vor Kriegen, vor Hungersnöten usw. unterwegs sind. In der Regel kann man sagen, insbesondere für das 19. Jahrhundert findet Binnenmigration vor allem immer dahin statt, wo es Arbeit gibt und deswegen ist Binnenmigration auch ein klassisches Thema für die Industrialisierung. Denn in der Industrialisierung haben wir die Entstehung großer Fabriken, haben wir die Entstehung von neuen Arbeitsfeldern, neuen Märkten und da, wo die entstehen und boomen, dahin zieht es die Menschen in der Regel auch vor allem von den Dörfern vom Land, die dann irgendwo hin reisen, wo sie hinkommen können und dann dort Arbeit suchen. Mit der Erfindung der Eisenbahn ist das natürlich auch einfacher geworden, von einem Ort zu einem anderen zu migrieren. Mit der Erfindung der Massenmedien ist es auch einfacher geworden zu erfahren, wo es Arbeit gibt und so rekrutieren Menschen im großen Stil von woanders her Arbeitskräfte, die sie in ihrer Fabrik brauchen, wenn die Ressourcen an Arbeitskräften dann eh schon erschöpft sind. Einer der größten Schmelztiegel der Industrie in Deutschland in der Zeit der Industrialisierung ist der Ruhrpot, das Ruhrgebiet, sagt man eigentlich, und im Ruhrgebiet entstehen in der Zeit des 19. Jahrhunderts von ungefähr 1850 bis 1900 gigantische Fabriken und die Städte wachsen ebenso schnell wie diese Fabriken und die Menschen, wo kommen die eigentlich her? Ein großer Teil von denen wird eben als Binnmigranten aus den deutschen Territorien in den Ruhrpot gelockt mit Versprechungen von Arbeitsplätzen, entsprechenden Löhnen und so weiter, aber nicht wenige wandern auch international ein, viele aus dem Zahnreich, das in der Zeit auch das polnische Gebiet umfasst, das heißt, es sind viele ethnische Polen, die aus dem Zahnreich in den Ruhrpot rekrutiert werden. Das macht man auch ganz gezielt eben, weil man Arbeitskräfte braucht, weil man auch nicht genug andere findet und dann rekrutiert man eben im Ausland und so kommen relativ viele Polen in den Ruhrpot und so kommt es auch, dass im Ruhrgebiet heute besonders viele Menschen mit polnischen Wurzeln in der mittlerweile vierten, fünften, sechsten Generation leben. Das kann man zum Beispiel an den Nachnamen gar nicht so selten erkennen. Wenn wir über Migration reden, dann können wir uns aber auch über die Richtung der Migration Gedanken machen. Dann spricht man entweder von

Auswanderung

oder von

Zuwanderung

. Auswanderung nennt sich mit dem Fachbegriff E-Migration, das lateinische X ist aus und Zuwanderung nennt sich mit dem lateinischen Wort Immigration in, ist dann hinein und so habe ich quasi mit E-Migration und Immigration. Achtung, die werden unterschiedlich geschrieben. Die Immigration hat 2M, die E-Migration hat nur 1M. Damit werden im Prinzip dann diese Prozesse nochmal genauer unterteilt. Wenn wir uns das aus deutscher Perspektive angucken, dann haben wir also auf der einen Seite Auswanderer, die woanders hingehen. Das betrifft vor allem die USA. Und wir haben Einwanderer, die haben wir gerade schon behandelt, in erster Linie zum Beispiel ins Ruhrgebiet ziehen, um dort in der Stahl und in der Kohleindustrie zu arbeiten. Das kann man auch an den Städten dort wunderschön ablesen, wenn man sich die Statistiken der Bewohner anschaut. Dann ist zum Beispiel 1907 ein gigantisches Wachstum in Städten wie zum Beispiel Bochum zu beobachten gewesen. Und das sind eben vor allem die Immigranten. Wenn wir uns die Auswanderung aus Deutschland anschauen, dann wundert uns das im ersten Moment, weil wir gerade nicht gesagt haben, da haben wir in der Industrieisierung einen großen Zuwachs an Arbeitsplätzen. Aber die Auswanderung in Deutschland findet vor allem vorher statt. Wenn wir uns zum Beispiel die Jahre 1815 bis ungefähr 1850 anschauen, die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, dann sind die geprägt von Missernten und Hungersnöten. Und in dieser Zeit kann man auch den Papyrismus wieder mit ansprechen. In dieser Zeit ist die Massenverarmung in Deutschland oder in dem, was später Deutschland werden wird, ein erhebliches Problem. Und davor fliehen viele Menschen an einen Ort, den sie für einen besseren halten, wo sie die Hoffnung haben, dass sie landwirtschaftlich mehr Erfolg haben werden, generell wirtschaftlich mehr Erfolg haben könnten. Das sind die USA vor allem. Und die Menschen, die haben ja auch eine leichtere Möglichkeit, in die USA zu kommen, denn das Dampfschiff ist erfunden worden und damit ist es möglich, in beherrschbarer Zeit und mit vergleichsweise beherrschbarer Risiko den Atlantik zu überqueren, was früher ja nur auf Segelschiffen und damit sehr viel schwieriger und gefährlicher möglich war. Zugleich haben wir 1848 mit der Niederschlagung der Märzrevolution oder 1849 eigentlich mit der Niederschlagung der Revolution, die 1848 begonnen hat, ein klassisches Beispiel für ein Ereignis, dass die Menschen in Deutschland, insbesondere die gebildeten Liberalen, demotiviert und demoralisiert. Und viele von diesen Leuten wandern eben dann auch in die USA aus, weil sie dort ein Land der Freiheit sehen, als dass sich die USA ja auch schon immer definieren und eben Deutschland ein Stück weit aufgeben, weil sie sagen, mit der Niederschlagung der Revolution, mit der Ablehnung der Kaiserkronen, durch den preußischen König, mit der Ablehnung der Frankfurter Verfassung ist in Deutschland eigentlich der liberale Traum für sie ausgeträumt. Und in der Folge wandern eben viele von diesen Leuten in die USA aus, das betrifft zum Beispiel Strüwe, einen der ganz großen Vertreter des Liberalen Deutschland in der 48. Revolution. Ein Problem, das immer in Verbindung mit Migration auftaucht, ist die Frage der

Integration

, also wie man die Menschen, die irgendwo hinzugewandert sind, in den Alltag oder in das Leben vor Ort integrieren kann, dass die eben nicht unter sich bleiben, dass die Migranten nicht so eine Art Ghetto-Bildung vollziehen, sondern dass die integriert werden können in die Gesellschaft vor Ort. Und diese Integration, die ist im 19. Jahrhundert noch in den absoluten Kinderschuhen, darüber denkt eigentlich niemand nach, das passiert so vor Ort irgendwie. Die Leute werden einfach hergekart, wohnen dann irgendwo und arbeiten irgendwo und dann werden die sich schon irgendwie hier eingewöhnen. Das ist so ein bisschen die Idee. Manchmal denkt man auch, die bleiben vielleicht nur ein paar Jahre für ihren Job und dann verschwinden die wieder, aber das tun sie natürlich nicht. Die meisten Migranten, die sich dann irgendwo sesshaft gemacht haben, dann dort leben und ihr Leben dort aufbauen, die wollen natürlich nicht wieder auswandern. Diese Integration vor Ort, die findet dann im Ruhrport zum Beispiel vor allem durch, ich will nicht sagen Zufall, aber eher unbeabsichtigt statt. Zum Beispiel dadurch, dass die Gruppen von Arbeitern häufig gemeinsam bezahlt werden. Das heißt, wenn eine Gruppe von Arbeitern ein bestimmtes Soll an Arbeit erledigt hat, zum Beispiel eine bestimmte Menge Kohle gefördert hat, dann werden alle Angehörigen dieser Arbeitsgruppe gleich bezahlt, abhängig eben von der Menge. Und das schafft natürlich ein Zusammengehörigkeitsgefühl, eine Art Schicksalsgemeinschaft, wenn man gemeinsam eben versucht, diese Menge möglichst groß zu bekommen, um möglichst viel Lohn zu erhalten, den dann aber alle sich untereinander aufteilen. Und das ist eine Form dann von eben unbewusster, aber doch funktionierender Integration, weil das natürlich letztlich eine Schicksalsgemeinschaft schmiedet, Freundschaften schafft und auf diese Art die Leute aneinander bindet und eben auch die ausländischen oder emigrierten Arbeiter integriert. Zugleich natürlich ist es so, dass die Gesellschaft im 19 Jahrhundert noch weniger sensibilisiert ist für Themen wie Immigration als heute. Und das heißt, dass die Menschen, die emigriert sind, häufig mit Vorurteilen und mit Benachteiligung, zum Beispiel bei der Bezahlung, konfrontiert waren. Das ist heute zumindest rechtlicher nicht mehr so richtig erlaubt oder wird auch gesellschaftlich geächtet, ist aber immer noch natürlich hier und da Realität. Aber im 19 Jahrhundert wird das noch sehr viel intensiver betrieben, wird das sehr viel schamloser betrieben. Heute haben wir über die Migration als Folge der Industrialisierung gesprochen und haben dabei die Fachbegriffe Binn, Migration, Auswanderung, Zuwanderung und Integration behandelt. Diese Begriffe sind Teil des Bildungsplans für das erste Halbjahr der Kursstufe in Geschichte. Bitte denkt daran, dass ich immer den Bildungsplan von Baden-Württemberg vor Augen habe, darunter richtig nämlich Selbstgeschichte. Die Bildungspläne sind sie überall ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, dann schaut zur Sicherheit noch mal in euren eigenen Bildungsplan, damit ihr jederzeit gut vorbereitet seid. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, lasst mir einen Kommentar da, abonniert den Podcast, teilt ihn mit Freunden und Bekannten, die sich ebenso wie ihr auf irgendwelche Prüfungen vorbereiten und für mich ist das eine große Motivation, wenn ich sehe, dass Leute die Podcast hören. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.