Japan und die Meiji-Restauration - Leistungskurs Geschichte 10
Hättest du gewusst, dass Japan zu den kolonialen Großmächten des 20. Jahrhunderts gehört? Wie wird aus einem Land, das sich 200 Jahr lang der ganzen Welt verschlossen hat, in wenigen Jahrzehnten eine asiatische Großmacht?
Wir sprechen heute über:
-
Ungleiche Verträge
-
Meiji-Restauration
-
Verfassungsstaat
-
Aufrüstung
-
Imperialismus
-
Kaiserkult
-
Großmacht
Willkommen bei geschichtsleber.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassenarbeiten und das Habitur im Fachgeschichte vorzubereiten. Heute reden wir über die Modernisierung Japans um das Jahr 1900 herum. Das ist ein Thema, das in Baden-Württemberg vor allem in der Kursstufe im Leistungsfachgeschichte unterrichtet wird. Das macht aber auch für Leute im Basisfach durchaus Sinn, sich damit auseinanderzusetzen, weil das nochmal ein anderes Schlaglicht auf das Thema Imperialismus und Kolonialismus wirft.
Japan war bis zum Jahr 1854 abgeschottet vom Rest der Welt. Seit 1637 hat sich das Land auf die Fahnen geschrieben keine ausländische Einmischung mehr zuzulassen, nicht nur mehr Ausländer ins Land zu lassen. Und bis 1854 hat das auch im Wesentlichen geklappt, doch 1854 marschieren die USA eines der falsche Ausdruck, aber melden sich die USA an und zwingen Japan aufgrund ihrer schlichten, militärischen Überlegenheit dazu, ihr Land für Händler aus den USA zu öffnen und so im Prinzip den Wirtschaftsraum der USA zu vergrößern. Diese Verträge, die werden von den Japanern als äußerst ungerecht und unfair angesehen, sie werden ihnen gewissermaßen aufoktroiert und deswegen spricht man da auch von den ungleichen Verträgen.
Ungleiche Verträge
ungleichen im Sinne von ungerecht oder unfair, nicht auf Augenhöhe befindlichen Verträgen sozusagen. Für Japan ist diese Konfrontation mit den USA und der metärischen Überlegenheit der USA ein Erweckungsmoment. Man stellt fest, dass man im Vergleich zu den industrialisierten Staaten der Welt offensichtlich weit abgehängt ist und die japanischen Eliten ziehen daraus die Schlussfolgerung, dass man offensichtlich ein bisschen was nachzuholen hat. Diese Erkenntnis der eigenen militärischen und wirtschaftlichen Unterlegenheit, die führt zunächst mal zu einem intensiven Machtkampf zwischen konservativen und liberalen Kräften in Japan, die ganz unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wo der Weg hingehen soll. Und am Ende setzen sich letztlich beide Gruppen in gewisser Weise ein Stück weit durch und in Japan bricht die Zeit der sogenannten
Meiji-Restauration
an. Ich hoffe, ich spreche das richtig aus. Die Meiji-Restauration heißt ungefähr übersetzt die Wiederherstellung der erleuchteten Regierung und ist ein Programm, das von 1868 bis 1912 unter dem Kaisermazuhito stattfindet. Masuhito strebt zunächst mal eine innenpolitische Machtkonsolidierung an, will also in seinem eigenen Land versuchen, die Ordnung soweit aufrecht zu erhalten, dass er selbst fest im Sattel sitzt, will aber auch außenpolitische Souveränität erreichen. Das heißt, er will eben diese ungleichen Verträge beenden und will mit anderen Staaten auf Augenhöhe verhandeln können. Und dazu wird eine ganz radikale, ganz schnelle und ganz stark gelenkte Modernisierung in Japan angestoßen. Zum einen wird die Verfassung modernisiert. Es entsteht ein moderner
Verfassungsstaat
. Wir haben in Japan davor eigentlich ein ziemlich klassisch so feudal angehauchtes System, so ein bisschen mittelalterlich angehauchtes System. Und das wird von heute auf morgen nicht ganz aber fast auf den Kopf gestellt und es entsteht eine moderne Verfassung, die so ähnlich aussieht wie die konstitutionellen Monarchien in Europa. Das heißt, so nach vielleicht britischem Vorbild wird das angegangen. Das heißt, wir haben eine Verfassung, die eine Monarchie enthält und bindet an sich. Aber zugleich ist der Monarch als Kaiser ein sehr, sehr respektierter, sehr hoch angesehener Mann, der so nennt den Teno. Die Rolle dieses Kaisers ist aber vergleichbar mit dem, was in Großbritannien zum Beispiel in der Verfassung steht, eine überwiegend repräsentative. Gleichzeitig wird es militärmassiv
Aufrüstung
und modernisiert, um eben auch militärisch auf Augenhöhe mit westlichen Partnern mit den USA verhandeln zu können. Das heißt, man modernisiert das Armee in großem Stil und rüstet eben da ganz gewaltig auf. Wenn wir uns die Wirtschaft anschauen, dann stellen wir fest, dass hier eine ganz zentralstaatliche, planwirtschaftliche Modernisierung stattfindet. Das heißt, hier wird ganz von oben vom Staat selbst die Wirtschaft auf den Kopf gestellt. Da ist nichts mit Angeboten Nachfrage im ersten Moment, sondern da wird radikal von oben gelenkt. Man nennt diese Form der Wirtschaftskontrolle auch Dirigismus. Der Dirigent, den kennt man aus der Musik. Das ist einer, der das anführt und die anderen haben zu folgen. Dieser Dirigismus, der soll dazu führen, dass Japan möglichst schnell auf einen europäischen Standard kommt im Hinblick auf seine Wirtschaft. Da wird zum Beispiel die naturalien Steuer. Das heißt, dass die Bauern eben Teile ihrer Ernte abgeben als Steuer, wird ersetzt durch eine Geldsteuer. Die Bauern werden befreit und sind jetzt unabhängig. Es wird eine freie Berufswahl eingeführt, die es bis dahin in Japan nicht gab. Es wird eine Gewerbefreiheit eingeführt, so dass jeder ein Unternehmen gründen kann. Die Schulpflicht wird eingeführt, so dass alle Japaner unter dem bestimmten Alter eben zur Schule gehen müssen. Es werden Eisenbahnen gebaut, um die Wirtschaft voranzubringen und so weiter. Wir haben also eine riesige Wettle von Investitionen in moderne Technologie, in moderne, moderne gesellschaftliche Funktionen und vieles andere, so dass in Japan auf schnellster Zeit ein modernes System entstehen soll. Um dieses moderne System auch tatsächlich hinzubekommen, rekrutiert man auch, wenn auch nicht so richtig gerne ausländische europäische Fachleute als Ausbilder für die eigenen Leute, als Experten für bestimmte wirtschaftliche Fragen, als Experten für technische Aspekte. Aber diese Ausländer werden eigentlich nur übergangsweise nach Japan gebracht. Das heißt, es ist immer ein ganz fixer Teil des Plans, dass die wiedergehen, wenn die Aufgabe sozusagen vollendet ist. Stattdessen will man die eine eigene Elite herausbilden, die dann eine ähnliche Rolle einnehmen soll wie jetzt am Anfang diese europäischen Fachleute. Das heißt, man bildet ganz gezielt eine Elite aus. Die junge Leute, die man im Ausland studieren lässt, um dort diese Expertenrolle sozusagen sich anzueignen und dann im eigenen Land sie zur Anwendung zu bringen, um das eigene Land dann zu modernisieren. Dieses Vorgehen, das ist auch erfolgreich. Es gibt eine große Zahl von japanischen Studenten an europäischen Universitäten und amerikanischen Universitäten und letztlich kommen die fast alle zurück nach Japan und helfen dann da bei der Modernisierung des Landes.
Diese ungleichen Verträge, die sind ja ein typisches Beispiel für Kolonialpolitik, dass man einen kolonialen Partner in Anführungszeichen, den man aber weit überlegen ist im Hinblick auf Militär und Wirtschaft, so ein bisschen einen Vertrag aufzwingt, eine Art Handelsbeziehung aufzwingt. Und das ist durchaus typisch für koloniale Beziehungen und deswegen gucken wir uns jetzt mal kurz an, was eigentlich Kolonialismus ist und was dagegen Imperialismus ist. Im Prinzip ist das eine die Fortsetzung des anderen. Der Kolonialismus, den setzt man üblicherweise so um 1680 um an und dauert ungefähr 200 Jahre bis ungefähr 1880. Nun hört man um 1880 natürlich nicht plötzlich auf, Kolonien beherrschen zu wollen, sondern stattdessen bekommt das eine neue Richtung und deswegen beginnt hier in den Epochen der Geschichte üblicherweise der
Imperialismus
, also eine andere Form des Umgangs mit den Kolonien. Der war trotzdem nicht weniger dominant ist. Der Kolonialismus, also die erste 200 Jahre ungefähr, ist vor allem eine Geschichte der Wirtschaftsbeziehungen. Im Kolonialismus geht es in erster Linie darum, die Gebiete, die man findet, ein Stück weit auszubeuten und da wirtschaftliche Gewinne draus zu ziehen. Das Ganze findet aber weit geschehen informell statt. Da gibt es keine offiziellen Staatsgründungen oder sowas. Da gibt es auch wenig formalisierte Beziehungen zu den Leuten, die schon da sind. Es gibt ab und zu so einen Kaufvertrag, wo man jemandem was abkauft, ein Stück Land abkaufte, sowas, eben dem Häupting des lokalen Stamms oder so. Aber das ist im Großen und Ganzen eine sehr informelle Angelegenheit. Und die Großmächte, die da mitspielen, das sind vor allem diese klassischen Großmächte, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Portugal. Wohingegen im Imperialismus ist viel mehr um Militär als um Wirtschaft. Es geht also um eine militärische Vorherrschaft auf der Welt und um strategisch wichtige Positionen an bestimmten Orten in der Welt. Der Imperialismus, der führt dann auch eine viel stärker formalisierte Regelung ein. Da ist viel stärker formalisiert und festgelegt, wer wo welche Kolonien besitzen darf. Da werden dann auch Verträge zum Austausch von Kolonien, zum Verkauf von Kolonien untereinander ausgehandelt. Und es sind eine Reihe von neuen Mitspielern am Tisch. Das sind vor allem Deutschland, Italien, die USA. Und Überraschung, Japan. Nun ist das auf den ersten Blick ein bisschen irritierend. Denn üblicherweise hat man ja europäische
Großmacht
en vor Augen, wenn man über den Imperialismus oder den Kolonialismus spricht. Und wie so spielt da jetzt eine einzige Nation am anderen Ende der Welt mit bei der Verteilung dieser Kolonien in der Welt. Japan hat sich eben sehr schnell modernisiert und spielt jetzt auch im Kolonialismus mit den Großmächten Europas mit. Und Japans koloniale Erfolge, die können sich zumindest auf der Landkarte wirklich sehen lassen. Japan beherrscht erhebliche Teile des asiatischen Raums. Dazu gehören zum Beispiel ganz erhebliche Teile von China, insbesondere um den Zweiten Weltkrieg herum. Er obert Japan hier große Gebiete, die es schnell wieder verliert. Das verdient ja auch den Zweiten Weltkrieg. Dazu gehört aber auch zum Beispiel Korea, Burma, Singapur, die Philippinen, Malaysia und Borneo. Das heißt im Südostasiatischen Raum hat Japan eine enorme Vormachtstellung. Und man muss dazusagen, dass Japan auch mit einer ganz vergleichbaren Brutalität teilweise noch viel brutaler vorgeht, als dass die europäischen Großmächte tun. Da ist zum Beispiel das Massaker von Nanking zu nennen. Ich will jetzt nicht im Detail darauf eingehen, aber wer das interessiert, da gibt es eine ganz großartige, wenn auch grauenhafte, Folge von Tatortgeschichte, True Crime meets History. Das kann ich sehr empfehlen.
Wir haben heute über die Modernisierung Japans geredet, die beginnt mit den ungleichen Verträgen und dann in der sogenannten Meiji-Restauration durchgeführt wird, in der Japan zum Verfassungsstaat wird, in dem der
Kaiserkult
in der Verfassung festgeschrieben wird und die Aufrüstung des japanischen Militärs erfolgt. Wir haben über den Imperialismus gesprochen und was der Unterschied zwischen Imperialismus und Kolonialismus ist und über den Großmachtschanspruch Japans, der bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs einiges Leid über Südostasien bringt.
Diese Begriffe sind Teil des Bildungsplans für das erste Halbjahr der Kursstufe in Geschichte, insbesondere im Leistungskurs. Bitte denkt daran, dass ich dabei immer an den Bildungsplan von Baden-Württemberg denke. Die Bildungspläne sind sich zwar ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, dann schaut zu Sicherheit noch mal in euren eigenen Bildungsplanen. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann lasst gerne einen Kommentar da, abonniert den Podcast und teilt ihn mit euren Freunden, die sich gerade selbst auf die Klassenarbeiten oder Savitur vorbereiten. Für mich ist jeder Hörer eine große Motivation. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.