Sowjetkommunismus - Leistungskurs Geschichte 13
Was ist die Idee hinter dem Kommunismus? Warum fasziniert er im 20. Jahrhundert so viele Menschen? Wir sprechen über:
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Klassenkampf
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Kaderpartei
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Antipluralismus und Antiindividualismus
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Diktatur des Proletariats
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klassenlose Gesellschaft
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sozialistische Revolution
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Sozialistischer Realismus
Wir kommen bei geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassen arbeiten und das Abitur im Fachgeschichte vorzubereiten. Heute sprechen wir über das zweite System, das im Rahmen des System vergleichs in dem zweiten Halbjahr der Kursstufe besprochen wird, der sogenannte Sovjetkommunismus. Da steckt schon das Wort Kommunismus und das Wort Sowjet drin und damit klingelt bei euch wahrscheinlich das Wort Sowjetunion irgendwie im Hinterkopf. Und das ist auch gar nicht falsch, denn der Sowjet, das ist eigentlich das russische Wort für einen Rat und die Idee eines Räte-Kommunismus, die ist so ein bisschen ein Handy-Adion, da steckt zweimal das Gleiche drin. Sowjets Räte sind also im Prinzip die Gremien, über die der Kommunismus organisiert werden soll. Das geht zurück auf Karl Marx Theorie vom Kommunismus und dessen Kernelemente, die schauen wir uns heute mal an. Zunächst mal nimmt der Kommunismus an, dass die Menschen sich in einer Klassengesellschaft befinden, das heißt, es gibt unterschiedliche Klassen von Menschen, in denen man nicht reingeboren, aber in denen man irgendwie schon reingeboren wird, die sozusagen vorgeben, auf welcher Seite der Weltmann steht. Entweder ist man Teil des Proletariats, also der Arbeiterschaft oder der bourgeoisie der Wohlhabenden, der Unternehmer könnte man vielleicht sagen. Die Idee ist also, dass jemand bei seiner Geburt entweder als Arbeiterkind zur Welt kommt, dann ist er Teil des Proletariats oder er kommt als Kind eines Unternehmers oder eines wohlhabenden Menschen, wie auch immer zu zur Welt, dann ist er Teil der bourgeoisie. Und diese beiden Klassen, die bekämpfen sich, weil sie sozusagen in einem direkten Konflikt miteinander stehen, die bourgeoisie beutet nach Ansicht des Kommunismus, des Proletariats aus.
Klassenkampf
Das Ganze funktioniert so, dass der Fabrikbesitzer ja im Prinzip die einzige Möglichkeit hat, Geld zu schäffeln und reich zu werden, indem er eben was produzieren kann. Dazu braucht man Maschinen, wir befinden uns ja im industriellisierten Zeitalter, also brauche ich dafür eine Fabrik, woanders kann ich das gar nicht. Damit ist der Proletariat alleine, nicht in der Lage irgendwie Geld zu verdienen, das kann er nur als Arbeiter in einer Fabrik, weil er sich ja auch nicht leisten kann, eigene Fabrik aufzubauen, lässt er sich also von einem Angehörigen der bourgeoisie einem Unternehmer anstellen und arbeitet dann für den mit Maschinen, die dem Unternehmer gehören, nicht ihm selber und produziert dadurch Waren, die dann dem Unternehmer gehören, die er dann verkaufen kann. Dadurch kann der Unternehmer die Waren dann teuer verkaufen, die andere für ihn hergestellt haben. Und wenn er nicht dumm im Rechnen ist, dann kann er natürlich dem Arbeiter weniger Geld zahlen, als er verdient mit dessen Arbeitskraft. Er beutet ihn also gewissermaßen aus. Diese Beobachtung, die eben schon bei Marx in ersten Schriften zum Kommunismus angelegt ist, die führt dann dazu, dass die Proletariat sich irgendwann dagegen wehren, weil sie das irgendwann merken, wie unfair das ist, und das ist dann der sogenannte Klassenkampf. Da kämpft dann die Klasse der Proletariat gegen die bourgeoisie. Und damit haben wir eben diese Grundvoraussetzung des Kommunismus, dass es einen Kampf zwischen der einen und der anderen Klasse gibt. Und dieser Kampf, der mündet dann, so hofft das zumindest der Kommunismus, in die
Diktatur des Proletariats
also in eine Phase, in der das Proletariat die Arbeiter die Macht an sich reißen. Während in der Phase davor, im Kapitalismus, der Staat im Prinzip auf der Seite der bourgeoisie stand und die unterstützt hat und in der Unterdrückung der Arbeiter, kommen jetzt die Arbeiter an die Macht, an die Politische und können jetzt über den Staat sich gegen die bourgeoisie wehren. Die benutzen jetzt den Staat sozusagen, den der ihnen jetzt selbst untersteht, um diesen Klassenkampf von ihrer Seite weiterzuführen, um die bourgeoisie dann zu entmachten und diese Produktionsmittel, die Fabriken und die Maschinen usw. zu verstaatlichen und dadurch dann niemanden mehr zu haben, dem das alles gehört, sondern es gehört im Prinzip allen. Und dann können die Arbeiter in Räten, also in so einer Art demokratischem Prozess, können die untereinander klären, wer wo was arbeitet, wer dafür was bekommt. Und dann ist das alles fair und friedefreude Eierkuchen. Das ist zumindest so die Idee hinter dem Kommunismus. Dahinter steckt dann der Gedanke, dass man am Ende eine
klassenlose Gesellschaft
bekommt, in der keine bourgeoisie und kein Proletariat mehr in dem Sinne existieren, sondern alle sind im letzter Instanzarbeiter. Und all diese Arbeiter verdienen fair das, was eben der Sowjet der Rat für sie für richtig hält und das ist dann das faire System. Das bedeutet aber natürlich, wenn man sich das jetzt anguckt aus der Sicht des Menschen, dass wenn der Mensch feststellt, dass er sich unfair behandelt fühlt vom Sowjet, vom Rat oder von der Gemeinschaft, dann hat er natürlich Unrecht, weil ja sonst jeder meckern könnte. Das heißt, letztlich muss sich dem Einzelnen verbieten seine Meinung zu sagen, zu dem was er unfair findet und muss stattdessen immer die Mehrheitsmeinung akzeptieren. Und das wird dann die Grundidee, dass die Mehrheitsmeinung der Partei oder des Rates oder wie immer wichtiger ist als meine eigene. Ich kann vielleicht einfach nicht so weit sehen, wie der Rat das kann. Ich bin vielleicht dazu befangen in meiner eigenen Meinung. Dieses Verhalten nennt man
Antipluralismus und Antiindividualismus
Es ist also das genaue Gegenstück zu dem, was wir bei der liberalen Demokratie gesehen haben, in Form des Pluralismus, dass ich verschiedenste Meinungen zulasse. Jetzt lasse ich nur noch die Meinung der Mehrheit zu, insbesondere die Meinung der Mehrheit einer Partei oder eines Sowjets. Damit habe ich natürlich einen ersten Schritt in Richtung einer diktatorischen Struktur. Ich habe natürlich keine Meinungsmehrheit mehr und ich sage dem Einzelnen, dessen Meinung abweicht von der der anderen, dass er sich eben der Mehrheit zu beugen hat. Und damit bin ich eben in einem Anti-Pluralistischen System. Damit verbunden ist auch ein gewisser Anti-Individualismus. Der Einzelne soll sich nicht so wichtig nehmen. Wichtiger ist, dass es der Mehrheit gut geht und die Mehrheit die entscheidet ja auch gemeinsam. Und wenn ich nicht Teil dieser Mehrheit bin, dann habe ich vielleicht einfach falsch gedacht und muss mich selber ändern und nicht die anderen davon überzeugen, was ich so glaube. Damit haben wir also einen genau entgegengesetzten Ansatz, sowohl im Menschenbild als auch in den politischen Folgen, im Vergleich zur liberalen Demokratie. Der Kommunismus tickt eigentlich genau andersrum, obwohl er sich auch für demokratisch hält, weil er ja sagt, die Mehrheit entscheidet ja auch bei uns in Form des Rates und so weiter. Die Idee im Kommunismus ist nur, dass der Einzelne sich dann radikal zurückzunehmen hat und sich der Mehrheitsmeinung zu beugen hat, wohin gegen das umgekehrt in der Demokratie gerade nicht so ist, sondern da darf ich meine eigene Meinung nehmen und versuchen alle anderen davon zu überzeugen. Und ich darf sie auch weiterhin erzählen, auch wenn die anderen anderer Meinung sind. So weit jetzt mal zur Theorie des Kommunismus. Jetzt kommen wir in die praktische Umsetzung und die beginnt in Russland im Jahr 1917 mit der
sozialistischen Revolution
Da ist insbesondere der Name Lenin relevant, der später von Stalin ersetzt wird, der dann den Stalinismus erfindet und damit den Kommunismus in eine ganz neue radikale brutale Richtung ablängt. Aber Lenins Sozialismus ist zunächst mal eine Revolution von 1917 eben, ein Versuch diesen Kommunismus in Russland umzusetzen, der dort mit radikaler Gewalt verfolgt wird. Die Kommunisten in Russland, die sogenannten Bolsheviki, die kämpfen einen blutigen Bürgerkrieg, die ermorden ziemlich brutal die Zahnfamilie mit Mann und Maus und Kindern. Das ist eine ziemlich schreckliche Geschichte und etablieren dann eine eigene Herrschaft in Russland und das machen sie vor allem indem sie eine sogenannte
Kaderpartei
aufbauen. Unter Kader versteht man so eine Art Reserve an Leuten, die systemtreu sind. Die Kader-Partei, die kommunistische Partei, die KPD, die soll dann im Prinzip Leute anziehen, die zur neuen Elite gehören wollen, zu einer kommunistischen Elite gehören wollen, die werden auch ganz besonders ausgebildet und gefördert und diese Kader, die werden dann in wichtige Machtzentren der Gesellschaft installiert. Auf gut Deutsch, die kommen auf die Jobs, die jeder haben will. Zum Beispiel werden die Bürgermeister, die werden Fabrikleiter, die werden Universitätsprofessoren und vieles mehr. Das heißt, die kommen in all diese Jobs, die in einer Gesellschaft über Erfolg und Misserfolg entscheiden und über politische Meinungsbildungsprozesse entscheiden. Das heißt, die Partei, die KPD, die kommunistische Partei, die baut so eine Art Nebenstaat auf. Wir haben einerseits die offiziellen staatlichen Organe, Beamte, die bestimmte Jobs erledigen und wir haben neben denen immer noch die Parteistruktur, wo die Kader großgezogen werden und installiert werden, die den Willen der Partei in den Staat übertragen. Und das wird unter Stalin zu einem ganz professionellen System. Unter Stalin wird eigentlich die Partei mächtiger als der Staat und die Partei bestimmt eigentlich nahezu alles im Leben der Menschen. Deswegen ist auch Stalin eben nicht sowjetischer Regierungschef oder so was, sondern er ist nur Chef der kommunistischen Partei und hat aber als dieser eine gigantische Macht, die die alle anderen Regierungs- oder Amtsträger in der Sowjetunion weit übersteigt. Zuletzt werfen wir noch einen Blick in die Kunstgeschichte und schauen uns den
Sozialistischer Realismus
an. Das ist eine Kunstrichtung, die ist uns heute ziemlich fremd, aber wenn man in Moscow durch die Metro läuft, dann kann man die noch sehen. Und im Prinzip ist das sozialistische Realismus eine Kunstart, die eben ganz stark, das Ding heißt ja Realismus, abweicht von irgendwelchen impressionistisch-expressionistischen wilden Farben oder sowas Dingen, die Gefühle ausdrücken sollen stattdessen ganz nüchtern in Anführungszeichen, die Realität in Anführungszeichen betrachten soll. Da steckt dann immer der Gedanke dahinter, dass das so ein Stück weit auch ein Propagandakunst ist, das also versucht wird, das sozialistische Menschen- und Weltbild über diese Kunst zu vermitteln. Und deswegen sieht man dann da häufig die Helden des sozialistischen Alltagsarbeiter, Bauern, Soldaten, Parteikämpfer, sowas in der Art. Und in der Regel sieht man eben einen positiven, einen optimistischen Blick in die sozialistische Zukunft, wo man also hinwillen mit diesem Sozialismus, was das für ein paradiesisches Land werden soll, wenn der Kommunismus erst mal sich durchgesetzt hat und so weiter. Das ist natürlich eine Propagandakunstletztende Ende, die aber in Russland in der Zeit von ungefähr 1920 bis 1950 weit bestimmend ist im Hinblick auf die künstlerische Tätigkeit. Da werden eben Künstler, die davon abweichen, die zum Beispiel nicht realistisch zeichnen, die werden unterdrückt und stattdessen wird der sozialistische Realismus und die Künstler, die ihn vertreten, gefördert durch staatliche Mittel, durch Gelder und so weiter. Welche historischen Konsequenzen hat dieser Sowjet-Kommunismus? Das kann man heute kaum erfassen, würde ich sagen. Wenn man sich anschaut, dass Russland 1917 kommunistisch geworden ist, der Stalinismus dann den Kommunismus des frühen 20. Jahrhunderts ganz massiv prägt, auch nach China exportiert, wo bis heute eine kommunistische Partei, die aus dem Stalinismus ein Stück weit geprägt ist, herrscht. Wenn man dann den Weltkrieg sich anschaut, den Zweiten Weltkrieg, der ganz massiv durch die Konflikte zwischen Sowjet Russland und dem deutschen nationalistischen Deutschen Reich entstehen. Wir haben die Expansion des Kommunismus in Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg, die Stabilisierung ganz vieler Staaten in Osteuropa und letztlich den Kalten Krieg und den Zusammenbruch der Sowjetunion 1989. Da haben wir im Prinzip alle großen Spielfelder des 20. Jahrhunderts, die eigentlich nur daraus oder nicht nur aber auch daraus resultieren, dass in Russland der Sowjet-Kommunismus das erste Mal in Realität umgesetzt wird im Jahr 1917. Wir haben also einen ganz gigantischen Effekt auf die Weltgeschichte, der hier erkennbar wird und der im Grunde unsere Welt bis heute ganz stark prägt, wenn wir eben zum Beispiel nach China schauen. Wir haben heute über die Begriffe Kommunismus-Klassengesellschaft, Klassenkampf, Diktatur des Proletariats, Klassenlosegesellschaft, Anti-Pluralismus und Anti-Individualismus gesprochen. Wir haben über die sozialistische Revolution in Russland die Entdehung einer Kaderpartei und die Kunstrichtung des sozialistischen Realismus gesprochen. Diese Begriffe sind Teil des Bildungsplans für das zweite Halbjahr der Kursstufe in Geschichte. Wenn ich das so sage, dann denke ich an Baden-Württemberg, weil der dortige Bildungsplan, der ist nachdem ich selbst Geschichte unterrichte, die Bildungspläne sind sich überall ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, dann schaut noch mal in euren eigenen Bildungsplan, damit ihr gut vorbereitet seid. Wenn euch die Folge geholfen hat, dann lasst gerne ein Abo da und teilt ein Podcast mit Freunden und Bekannten. Für mich ist es eine große Motivation zu sehen, dass Leute die Podcast anhören. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt