Faschismus - Leistungskurs Geschichte 14
Heute geht es um die Wurzeln des Faschismus in Italien. Wieso findet der Faschismus so viele Anhänger? Und wie viel italienischer Faschismus steckt im Nationalsozialismus?
Wir sprechen über:
-
Radikalnationalismus
-
Mussolinis Partito Nazionale Fascista
-
Antiparlamentarismus
-
Antiindividualismus
-
“mare nostrum”
Willkommen bei geschichtslehrer.net mit meinem Podcast. Möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassen arbeiten und das Abitur im Fachgeschichte vorzubereiten. Heute sprechen wir über das dritte System, das wir im Rahmen unseres Systemes vergleichen, der F2 anschauen, das ist der Faschismus. Der Faschismus, der sagt wahrscheinlich jedem von euch warst, da hat man gleich Hitler vor Augen, aber eigentlich geht es gar nicht so sehr um Hitler, sondern zunächst geht es mal um den ideologischen Grundgedanken, um die Vorläufer zu dem, was nachher dann Hitler und die Nationalzulisten anrichten werden. Faschismus bezieht sich zunächst mal auf das lateinische Wort Fasches, das sind so die Routenbündeln, wenn man sich darunter nichts vorstellen kann, dann ist das quasi so ein Strauch, den man da so zusammenknotet. Diese Routenbündel waren in der antiken römischen Welt ein Zeichen der, man hat immer gesagt, der Amtsgewalt, also der Macht der Beamten, also insbesondere der Konsulen der Chefs der römischen Republik. Und der Faschismus, der bezieht sich eben nicht nur zufällig zurück auf die römische Antike und die römische Zeit, sondern der entsteht in Italien und deswegen ist natürlich Rom da irgendwie ein Vorbild des Antike Rom dann Vorbild. Deswegen ist auch eben Hitler nicht der erste faschistische Diktator, sondern das ist Benito Mussolini, der italienische Diktator, der ungefähr zeitgleich ein bisschen früher als Hitler beginnt mit seiner Herrschaft und ungefähr zeitgleich mit Hitler endet, weil sie eben auch im Zweiten Weltkrieg verbündet sind. Und dessen Ideologie schauen wir uns heute mal an.
Radikalnationalismus
Der Faschismus ist zunächst mal eine Ideologie, die radikal nationalistisch ist, die also das eigene Land, die eigene Ethnie, den eigenen Staat, die eigene Nation in den Mittelpunkt ihrer Ideologie stellt. Die Idee ist also, der eigene Staat ist irgendwie besser, ist überlegen gegenüber anderen und da kann man auch den Rückbezug auf die römische Zeit wieder, oder auf die frühe römische Zeit, antike römische Zeit wieder verstehen, weil das ja ein großes Imperium ist, das in der römischen Zeit über das Mittelmeer herrscht und der radikal nationalistismus, der Faschisten, der beruft sich ganz massiv auf diese Überlegenheit der italienischen Kultur und ist in diesem Sinne eben ein klassischer radikal nationalistismus. Zugleich ist der Faschismus einer, der ganz massiv auf das Kollektiv schaut, also auf das Wohlbefinden der Mehrheit nicht auf den Einzelnen. In dieser Hinsicht ist ja dem Kommunismus ein bisschen ähnlicher, ist eben auch
Antiparlamentarismus
antiparlamentarisch, also der Antiparlamentarismus spielt im Faschismus eine große Rolle, die Vermeidung von Abstimmungen über politische Ziele, über politische Agenten und so weiter, sondern stattdessen soll ein Einzelner bestimmen oder soll eine kleine Elite bestimmen, was politisch angesagt ist. Und auf der anderen Seite steht dann eben der
Antiindividualismus
Anti-Individualismus, also die Ablehnung der Bedeutung des Einzelnen und stattdessen die Wichtigkeit der Mehrheit gegenüber diesem Einzelnen. Das heißt, da hat man immer so ein Gemeinschaftsding, so ein Kollektivismus, der dahinter steckt, dass die große Zahl der Angehörigen der eigenen Nation, wenn man dann ausgrenzt und so weiter, ist ein anderes Thema, profitieren soll und nicht der Einzelne damit seiner Meinung, die anderen in Anführungszeichen nerven soll. In Italien entsteht da in diesem Zusammenhang die
Mussolinis Partito Nazionale Fascista
Partite und nationale Faschista unter Mussolini, das ist die erste faschistische Partei und sie heißt ja schon so, und Mussolini marschiert mit seinen Angehörigen, seinen sogenannten Schwarzhemden im Jahr 1922 nach Rom und versucht da in Form von so einer Art Putsch an die Macht zu kommen und es gelingt ihm auch, wobei nicht ganz klar ist, ob das ein echter Putsch ist oder ob er da viel Glück hat, weil der König ihn im Prinzip mit offenen Armen empfängt. Das ist so ein bisschen umstritten, wie das genau gelaufen ist. Auf jeden Fall etabliert Mussolini in der Folge ne faschistische Diktatur, während gleichzeitig der König Vittorio Emanuele noch existiert und weiterhin offiziell König bleibt. Das heißt, wir haben in Italien eigentlich ne Monarchie, die aber von ner faschistischen Diktatur eigentlich geschmissen wird und regiert wird. Der Faschismus zeichnet sich dann durch nen krassen Führerkult aus. Das heißt, die Idee, dass der Führer, Mussolini nennt sich selbst der Duce, das gleiche Wort auf Italienisch ist, dass der Führer so ne Art unantastbare Stellung in der Partei und im Staat haben soll, dass der im Prinzip in seiner großen Weisheit und Güte alles richtig regeln wird und so ne Art, eigentlich hat das mit der Monarchie wieder ähnliche Strukturen, so ne Art eben König dann, der für Volk und Vaterland und so weiter schon gut sorgen wird. In Italien ist das noch ein relativ experimentelles System, das dann zunehmend dem näher kommt, was wir heute als faschistisch betrachten. Zum Beispiel wird erst nach den ersten internen Machtkämpfen, in denen Mussolini echt so ein bisschen in Gefahr kommt, wird dann die Partei gleich geschaltet. Das heißt, da werden in der Partei sogenannte Extremisten politische Gegner, Mussolini ist dann kaltgestellt oder ermordet und auf diese Weise wird dann eben die Partei immer mehr auf Mussolini persönlich zugeschnitten. Das heißt, dieser Führerkult entwickelt sich ein Stück weit aus den Machtkämpfen in der Partei. Wir haben den ganz massiven Imperialismus im Faschismus in Italien, das heißt ein Großmachtstreben und das bezieht sich für Italien vor allem immer auf Abessinien, auf das heutige Libyen ungefähr in Nordafrika. Im Prinzip sprechen aber die Faschisten auch immer vom
“mare nostrum”
Marenostrum, so ähnlich wie die Römer das gemacht haben oder genauso wie die Römer das gemacht haben. Die antiken Römer haben nämlich mit Marenostrum, das Mittelmeer gemeint und Marenostrum heißt aber unser Meer, das heißt, da steckt schon dieser Machtanspruch drin, das um das Mittelmeer herum Italien die große Vormachtstellung haben sollte. Und das greifen die Faschisten eins zu eins so auf und machen das eben im Zeitteil des Imperialismus späten, wenn man auch so sagen muss, um die 1920er, 1930er und fordern eben postulieren ein italienisches Großmachtstreben und verlangen da so eine Art Großmachtstellung in Italien und im Mittelmeerraum für Italien. Ganz anders als der deutsche Faschismus ist der italienische am Anfang überhaupt nicht antisemitisch. Also der große Punkt, den man immer mit dem deutschen Faschismus in Verbindung bringt mit dem Hitler-Regime, ist natürlich der Holocaust und der Zweite Weltkrieg. Und der Holocaust als antisemitischer Vernichtungsfeldzug ist der falsche Ausdruck als antisemitische Vernichtungsaktion. Der ist was, was dem italienischen Faschismus zunächst ganz fremd ist. Von Mussolini gibt es auch Äußerungen, der hält den Antisemitismus eigentlich für völlig irre und völlig widersprüchlich eben zusammen mit dem Faschismus. Weil der Faschismus ja gerade dieses Gemeinschaftsding, diese Gleichheit aller betont und das macht ja dann keinen Sinn, wenn ich die Juden quasi aus der Gemeinschaft ausschließe. Also für ihn ist das eine Kategorie, die gar keinen Sinn macht, er nennt das absurd und lächerlich. Ab Mitte der 1930er Jahre, so bis 1938, kann man aber erkennen, dass Mussolini da die Linie ändert und zunehmend den deutschen Antisemitismus übernimmt, wahrscheinlich in Folge der Annäherung an Deutschland. Also Mussolini verbindet sich ja auch mit Hitler und diese beiden faschistischen Führer, die so unterschiedlich sie sich in vielen Dingen sind, die können eben doch ganz gut miteinander, weil sie eine ähnliche politische Agenda verfolgen und Italien und Mussolini übernehmen dann so ein bisschen diesen deutschen Antisemitismus. Aber der ist in Italien auch nicht so salonfähig oder nicht so verbreitet in der Bevölkerung, wie das in anderen Teilen Europas ist. Dadurch spielt der Antisemitismus in Italien im Faschismus eine vergleichsweise kleine Rolle. Aus Deutschland flüchten sogar Juden nach Italien, um eben vor dem dortigen Antisemitismus zu fliehen. Aber mittelfristig finden sie dort auch keinen Frieden, weil Italien dann auch zum Teil Deutsch besetzt wird und letztlich auch viele italienische Juden in den Konzentrationslagern landen oder öffentlich ermordet werden. Heute haben wir über den italienischen Faschismus gesprochen, über den radikalen Nationalismus, den Antiparlamentarismus, den Anti-Individualismus und die Partite Nationale Faschista. Wir haben über den Imperialismus und den Führerkult geredet und über den Begriff des Marenostrum. All diese Begriffe sind Teil des Bildungsplans für das zweite halb Jahr der Kursstufe in Geschichte. Denkt daran, dass ich dabei an Baden-Württemberg denke und da unterrichte ich Selbstgeschichte. Die Bildungspläne sind sich alle ähnlich. Aber wenn ihr in einem anderen Bundesland seid, dann schaut in euren eigenen Bildungsplan, damit ihr auch dort alle Begriffe mitnimmt, bevor ihr zum Abitur schreitet. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann lasst mir gerne einen Kommentar da, abonniert den Podcast und teilt ihn in euren Bekanntenkreis. Für mich ist es eine große Motivation, wenn ich sehe, dass Leute die Podcasts hören. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mit treu.