Ideologie des Nationalsozialismus - Leistungskurs Geschichte 18
Woran glaubten die Nationalsozialisten? Wir sprechen heute über:
-
Radikalnationalismus,
-
Rassismus,
-
Antisemitismus,
-
Führerprinzip,
-
“Volksgemeinschaft”,
-
Antiliberalismus,
-
Antiparlamentarismus,
-
Antiindividualismus,
-
“Lebensraum im Osten”
Willkommen bei geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurz weiter auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fachgeschichte vorzubereiten. Heute sprechen wir über die Ideologie des Nationalsozialismus. Eine Ideologie, da steckt das Wort Idee drin, ist im Prinzip so der grundsätzliche, gedankliche Unterbau unter einer politischen Bewegung. Das heißt, die Ideologie ist eine nicht unbedingt wissenschaftliche, meistens nicht wissenschaftliche, sondern so eine Welterklärungsidee, die im Prinzip die Grundannahme einer Bewegung darstellt und deren Praktiken, wie sie das versucht, umzusetzen. Diese Ideologie des Nationalsozialismus hat schon vom Namen her einen gewissen Widerspruch in sich. Dieses National, das drückt natürlich den Anspruch auf einen starken Nationalstaat aus und auf einen nationalen Gedanken. Der Sozialismus auf der anderen Seite ist ja eigentlich das, was wir in Russland als Kommunismus zum Beispiel auch kennen. Das heißt, der Sozialismus ist eigentlich eine Idee, bei der es um den Kampf der Arbeit gegen den ausbeuterischen Ansatz der Fabrikunternehmer geht. Das heißt, dieser Begriff Nationalsozialismus, der verbindet eigentlich zwei Bewegungen, die sich an sich relativ weit fremd sind. Der Sozialismus geht ja auch davon aus, dass Nationen, also einzelne Staaten gar nicht so wichtig sind und dass die sich eigentlich abschaffen werden und stattdessen der Weltsozialismus sozusagen, der Weltkommunismus irgendwann kommt, bei dem es dann keine Staaten mehr braucht, weil alle Arbeiter in allen Ländern sich gemeinsam organisieren. Das heißt, der Nationalsozialismus ist zunächst mal eine Bewegung, die auf der einen Seite dieses nationaler Element, auf der anderen Seite dieses Arbeiterschaftselement enthält. Und es prägt sich dann auch, also dieser Nationalismus, der prägt sich als ein ziemlich radikaler Nationalismus aus.
Radikalnationalismus
Dieser Begriff ist Radikal-Nationalismus, den haben wir schon mal besprochen, das ist ein Nationalismus, der das eigene Volk ganz toll findet und andere Unterlegen ansieht und dann so eine chauvinistische Art bekommt, also so eine Art des Überlegenheitsgefühls und damit verbunden auch das Anspruchs auf Herrschaft über fremde Territorien. Im Nationalsozialismus spielt dann aber auch der Rassismus dabei eine ganz große Rolle.
Rassismus
Rassismus, da stecke ich das Wort Rasse drin, das ist so eine Idee, dass bestimmte menschliche Rassen sich unterscheiden würden voneinander auf einer genetischen Ebene und dass diese verschiedenen Rassen auch verschieden viel wert sein. Und der Klassiker, das kennt man so ein bisschen aus der Pop-Wissenschaft und so, das ist dieses Bild des Arias, des blonden blauäugigen Deutschen, der so die besten Gene habe, zumindest ist das die nationalsozialistische Idee. Und das ist auch das, was in so nationalsozialistischer Propaganda in Propagandapostkarten und so weiter immer propagiert wird, auch in der Kunst des nationalsozialismus, dieses Bild des blonden blauäugigen deutschen Bauern und seiner blonden blauäugigen Frau, das ist dann so, die sich um die Kinder kümmert, das ist so dieses Prinzip von Naturnahmen leben, dass sich die nationalsozialisten so vorstellen als das Ideal. Dieser Rassismus des nationalsozialismus, der ist darüber hinaus eben so ein bisschen genetisch geprägt, das heißt, der geht davon aus, dass die Rasse des Menschen sich über eben Erblichkeit regelt und dass diese Rassen auch ganz unterschiedlich viel wert sein, unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen und so weiter. Und das wird dann an verschiedenen Aspekten festgemacht, da spielt natürlich die Hautfarbe eine Rolle, aber eben auch solche Sachen wie, dass man Gesichtsproportionen und Körperproportionen vermisst, dass man zum Beispiel an der Nasenlänge festmacht, ob jemand jetzt arisch ist oder nicht. Solche Sachen erscheinen uns heute völlig absurd und sind auch wissenschaftlich nicht belegbar, sind beim Nationalsozialismus ein Ansatz. Man kann im Nationalsozialismus noch keine Gene sequenzieren oder so was, wie man das heute kann. Man kann diese Gene noch nicht lesen. Man kann nur die Vererbung quasi versuchen, symptomatisch zu messen und dann daraus Schlüsse zu ziehen. Und das ist das, was die Nationalsozialisten immer auch machen mit ihrer Rassenlehre, die eben eine letztliche Scheinwissenschaft ist, die aber sich in Wissenschaftlichen Anschein gibt und die versucht dann eben bestimmte Rassen besser und schlechter einzustufen. In diesem Rassismus der Nationalsozialisten ist das Judentum ein ganz spezieller Faktor. Das Judentum kennen wir als eine Religion. Im Nationalsozialismus wird das Judentum als Rasse angesehen. Das heißt, da wird der Begriff der Rasse, dieser DNA bezogene Begriff, dieser genetische Begriff, der auch wissenschaftlich gesehen nicht genetisch ist, wird dann verwendet, um über eine Religion zu sprechen. Das ist an sich völlig paradox, aber das ist für die Nationalsozialisten erscheint das normal. Und dieser
Antisemitismus
Antisemitismus, der dann so biologisch geprägt ist, der wird dann zudem, was sehr gefährlich wird und nachher auch in den Holocaust mündet. Denn wenn ich argumentiere, dass eine bestimmte Volksgruppe ja biologisch, sozusagen genetisch schlechter ist als andere Volksgruppen, dann komme ich relativ schnell zu so einem Ansatz, das nennt sich dann Eugenik, zu dem Versuch, die Gene des Volks besser zu machen, reinzuhalten von solchen Einflüssen. Und dann kommen wir ganz schnell zu der Frage, wie, jetzt große Anführungszeichen, wie rote ich solche schlechten Gene aus, meinem Genpool des Volkes aus. Und da kommt nachher der Holocaust dann rein. Damit haben wir im Prinzip so diese Grundidee des Antisemitismus drin. Dann ist ein weiteres Element, dass den Nationalsozialismus ganz massiv kennzeichnet, ein
Führerprinzip
Führerprinzip. Das heißt der Gedanke, das kennen wir auch aus Italien schon, dass ein Führer besser sei als zum Beispiel eine parlamentarische Regierung, die von dem Parlament kontrolliert wird und von verschiedenen Meinungen profitiert, die quasi im Parlament diskutierend werden können. Die Idee ist stattdessen, ein Führer soll vorgeben, wo es hingeht, das ist effizienter, einfacher und so ein bisschen ist das ein Reflex auf die Krisen der Weimarer Zeit oder zumindest haben die Nationalsozialisten die Krisen der Weimarer Zeit ausgeschlachtet, um dieses Führerprinzip zu propagieren. Das heißt dahinter steckt dieser Gedanke, Hitler als alleiniger Führer ist ein kompetenterer Führer, als es ein Parlament ist. Und dieser
Antiparlamentarismus
Antiparlamentarismus, der ist eng gepaart mit einem
Antiliberalismus
Antiliberalismus, also mit einem nicht liberalen System, sondern einem, das ganz massiv von staatlicher Seite eingreift in, sei das jetzt die Wirtschaft, sei das jetzt das Privatleben der Menschen, in deren Meinungsfreiheit, in die Pressefreiheit. Das nennt sich Gleichschaltung, diese Herangehensweise, die eigentlich dann daraus resultiert, dass ich ein antiliberales Grundsystem habe. Dazu kommt auch noch ein
Antiindividualismus
Antiindividualismus. Individualismus bedeutet, dass der Einzelne, derjenige ist der vom Staat profitieren soll, das heißt jeder Einzelne soll sich möglichst weit entfalten und verwirklichen. Der Nationalsozialismus dreht das Ding genau rum und sagt, der Einzelne hat dem Kollektiv zu dienen, es geht also nicht darum, dass der Einzelne sich entfaltet, sondern der ist der Einzelne sich in den Dienst aller stellt und so ein kollektives Denken entwickelt. Das ist dem Sozialismus recht ähnlich an vielen Stellen. Das ganze System, den man dienen sollte durch diesen Einsatz, das ist die sogenannte
“Volksgemeinschaft”
“Volksgemeinschaft” und Volksgemeinschaft, das wird immer ein Anführungszeichen gesetzt durchaus zu Recht. Das ist ein Begriff für die, sozusagen die Gruppe aller Leute, die zum eigenen Volk, man könnte jetzt auch wieder mit der Rasse anfangen, gehören und diese Leute, die schließen dann, diese Leute sind eine Gruppe, von der man dann bestimmte Leute ausschließt, die nach einigen Auffassungen nicht dazugehören. Das können zum Beispiel Leute sein, die ausgründende sexuelle Orientierung nicht dazugepassen, das heißt zum Beispiel Homosexuelle. Man kann aber auch Leute ausschließen, die nach eigener Definition genetisch nicht dazugehören, das wären zum Beispiel Juden und man kann auch Leute ausschließen, die nach eigener Definition sich politisch sozusagen nicht eingliedern wollen, zum Beispiel oppositionelle, linke Leute, die eben nicht mit der NS-Politik übereinstimmen, das z.B. auch drückt es auch die Kirche nachher. All diese Dinge, die prägen den Nationalsozialismus in seiner Denkweise und in seiner Ausrichtung und vieles davon ist schon bei Adolf Hitler mein Kampf, dass er in 1923-24 in Folge der Haft nach dem Hitler-Putsch, dem gescheiterten Hitler-Putsch geschrieben hat. Vieles drückt sich da schon aus und ein weiterer letzter Punkt, der da wichtig ist, ist der Gedanke des
“Lebensraum im Osten”
“Lebensraum im Osten”. Da steckt wieder so ein Rassedenken dahinter, dass die Rassen in so einem, die menschlichen Rassen in so einem Wettkampf miteinander stünden, bei dem sie um verschiedene Faktoren unter anderem eben um Lebensraum kämpften. Dieser Kampf um Lebensraum, der wird aus Hitlers Sicht dann in Europa besonders deutlich, weil es da besonders eng ist und da müsste man als deutsches Volk jetzt also im Osten neuen Lebensraum erobern, um für seinen Volk genug Siedlungsraum und so was zu bekommen. Da ist so ein Überbevölkerungsgedank und sowas im Hintergrund. Dieser Lebensraum im Osten, der schlägt sich nachher nieder in Hitlers Operation Barbarossa in dem Überfall auf die Sowjetunion in den 40ern im Zweiten Weltkrieg. Im Prinzip steckt dahinter der Gedanke, dass man eben Ukraine, Weißrussland und Teile Westrusslands erobern müsse, um da Siedlungsland für Deutsche zu schaffen. Auch Polen spielt natürlich eine Rolle. Dieser ganze Gedanke des Lebensraums im Osten, der wirkt auf uns heute völlig irrational in dieser Gedanke, dass Deutschland überbevolkert sei, ist einem eigentlich nicht so nah. Es gibt ja immer noch große Gebiete in Deutschland, wo eben kein Mensch wohnt, da kaum jemand wohnt. Aber für Hitler ist das eine richtige Bedrohung. Es geht auch um Lebensmittelversorgung. Es ist schon klar, dass in der Ukraine zum Beispiel die sogenannte Kornkammer Europas existiert, dass da viel Getreide angebaut wird und so auch das spielt sicherlich eine Rolle. Aber all das sind Faktoren, die letztlich diesen kriegerischen Aspekt des Nationalsozialismus befeuern. Wir haben heute gesprochen über den Nationalsozialismus und dessen Eigenschaften oder dessen ideologische Elemente, den Radikalnationalismus, den Rassismus und den daraus resultierenden oder damit verbundenen Antisemitismus. Wir haben über das Führerprinzip gesprochen und die Volksgemeinschaft, die ihm untergeordnet sein soll, über Antileberalismus, Antiparlamentarismus und Antihindividualismus und über das Konzept des Lebensraums im Osten. Das sind Begriffe, die im Bildungsplan für das zweite Halbjahr der Kursstufe in Geschichte stehen. Bitte denkt daran, dass ich dabei den Bildungsplan von Baden-Württemberg meine, denn da unterricht ich selbst Geschichte. Und wenn ihr in einem anderen Bundesland seid, dann solltet ihr in euren eigenen Bildungsplan auch mal reinschauen, damit ihr wisst, ob euch irgendwelche Begriffe fehlen. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann lasst gerne ein Abo da und teilt den Podcast mit Freunden und Bekannten, die sich auch auf Klassen arbeiten oder das Abitur vorbereiten. Für mich ist das eine Motivation zu sehen, dass die Leute die Podcast anhören. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu. Copyright WDR 2020