"Machtergreifung" - Leistungskurs Geschichte 19
Die “Machtergreifung” der Nationalsozialisten war letztlich eine ganz normale, “demokratische” Machtübernahme - und zugleich eine Serie skrupelloser Verfassungsbrüche. Wir sprechen heute über:
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“Machtergreifung” oder “Machtübernahme”,
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die NSDAP,
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Pseudolegalität,
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“Gleichschaltung”,
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Diktatur,
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Massenmobilisierung,
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Massenorganisation,
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Massenkultur und Propaganda,
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Vierjahresplan,
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Aufrüstung,
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“sozialer Volksstaat”.
Willkommen bei geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassen arbeiten und das Abitur im Fachgeschichte vorzubereiten. Wir sprechen heute über den Machtgewinn der Nationalen Sozialisten im Jahr 1933 und in den Folgejahren.
Machtergreifung oder “Machtübernahme”
Die Machtergreifung ist der Fachbegriff oder einer der Fachbegriffe für die Übernahme der Macht durch Hitler im Jahr 1933. Früher hat man von der Machtergreifung gesprochen, weil das ein Begriff ist, den die Nationalen Sozialisten selbst ganz cool fanden, weil das so klingt, als hätte man die Macht sozusagen gegen den Willen der alten Herrscher ergriffen, als hätte man so eine Art Revolution durchgeführt, die sozusagen von der Macht vertrieben. Das ist natürlich historisch gesehen eigentlich falsch, denn streng genommen hat die NSDAP durch Wahlen und ganz normale demokratische Prozesse die Macht in Deutschland erhalten.
die NSDAP
Sie hat eine Regierung unter einer Koalition mit der DNVP und dem Stahlhelm geschlossen, das heißt eine Koalition mit rechtsnationalistischen Parteien und hat dann diese Regierungsmacht genutzt, um dann durch weitere Gewaltmaßnahmen und Terror die Demokratie nach und nach auszuhöhlen. Dieser Begriff der Machtergreifung, der suggeriert also einen revolutionären Moment, den es eigentlich nie gab, sondern stattdessen war das eigentlich eine Machtübernahme, manchmal sagt man auch eine Machtübergabe, je nachdem auf wen man den Fokus legen möchte. In jedem Fall ist das eigentlich nicht Hitlers ursprünglicher Plan gewesen. 1923 hat Hitler versucht durch einen Putsch, den er von München aus begonnen hat, die Herrschaft in Deutschland an sich zu reißen. Das ist aber total schief gegangen im Prinzip, weil dieser Putsch am nächsten Morgen schon niedergeschlagen, die Polizei hat dann die demonstrale Nationalsozialisten niedergeschossen und verhaftet. Hitler ist daraufhin ins Gefängnis gekommen und hatte dann viel Zeit, um meinen Kampf zu schreiben. Diese rechtliche Aufarbeitung des Hitler Putsches, die war zwar nicht so richtig demokratisch sauber, rechtsstaatlich sauber, aber immerhin ist er im Gefängnis gelandet, anstatt in die Regierung zu kommen. Das ist eben 1933 anders, da schließt er eine Koalition mit rechten Parteien und wird Reichskanzler und gemeinsam mit seinem guten Gehilfen Hindenburg, der zu dieser Zeit Reichspräsident ist, also sozusagen das eigentliche Staatsoberhaupt in der damaligen Verfassung der Weimar Republik, damit wird er im Prinzip zum Reichskanzler und kann dann die Demokratie in wenigen Monaten zu einem Führerstaat umwandeln, im Prinzip zu einer
Diktatur
machen. Das funktioniert, indem er einige Gesetze verabschiedet oder verabschieden lässt, die ihm zunehmend mehr Macht sichern und indem er auf der anderen Seite die anderen Parteien in erster Weise durch Gewalt und so weiter einschüchtert, sodass letztlich die anderen Parteien ihm keinen Widerstand mehr leisten, zumindest die meisten. Wir haben drei Daten, die dafür wichtig sind. Das sind der 1. Februar, der 28. Februar und der 24. März, alle im Jahr 1933 und daran sieht man schon, wie schnell das geht. Am 1. Februar 1933 wird der Reichstag aufgelöst, denn durch einen aufgelösten Reichstag kann der Reichspräsident in diesem Falle Hindenburg Notverordnungen erlassen und mit diesen Notverordnungen kann man dann Gesetze machen, die eben am Parlament und an der Volksmehrheit sozusagen vorbei gehen. Am 28. Februar wird die sogenannte Reichstagsbrandverordnung erlassen. Die Reichstagsbrandverordnung heißt, sobald sie eben auf den Reichstagsbrand folgt, wer den gelegt hat, ist bis heute nicht geklärt. Die Nationalsozialisten werden dafür einen kommunistischen Attentäter verurteilen, aber ob das der wirklich war und wieder die Zusammenhänge sind, das ist bis heute unklar. In jedem Fall wird die Reichstagsbrandverordnung zum ersten Schritt in die Diktatur oder zum ersten großen Schritt in die Diktatur, denn sie setzt im Prinzip die Grundrechte aus. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und so weiter sind damit erledigt und damit kann die nationalsozialistische Regierung jetzt mit Gewalt sogar einigermaßen legal oder zumindest ein Anführungszeichen legal gegen ihre innenpolitischen Gegner vorgehen. Am 24. März folgt darauf das Ermächtigungsgesetz, eine Verfassungsänderung, die im Prinzip darauf hinausläuft, dass Hitler Gesetze ohne parlamentarische Kontrolle erlassen kann. Im Prinzip macht sie ihn damit zum Alleinhärscher in Deutschland. Dieses Ermächtigungsgesetz, das braucht aber eine Zweidrittelmehrheit in dem Parlament und dieses Parlament, das hat den Nachteil, dass es eben nicht mit Zweidrittelmehrheit von rechtsnationalistischen Parteien, die mit der NSRP gemeinsame Sache machen wollen, zusammengesetzt ist, sondern dass dann auch andere Parteien sind, die Widerstand leisten könnten, zum Beispiel die kommunistische Partei, die KPD, aber auch die SPD, die sozialdemokratische Partei und auch das Zentrum, die heutige CDU. Im Umgang mit diesem Problem erweisen sich die Nationalsozialisten als recht kreativ. Zum einen stellt man eine große Zahl von SA, die SA ist so eine Art paramilitärische Schlägergruppe, die stellt man am Reichstag auf und bedroht damit die Abgeordneten ganz direkt. Zum Zweiten hat man die KPD schon vorher im Prinzip großteils verhaftet oder für illegal erklärt, so dass die KPD in der Abstimmung gar nicht teilnehmen kann. Und das führt eigentlich zu einem Problem, weil dadurch, die genug Abgeordnete da sind, dass man jetzt in der Lage wäre, da eine Zweidrittelmehrheit draus zu machen. Was also passiert ist, dass die Parteien dazu gezwungen werden oder die Rechten machen es natürlich freiwillig, die Verfassung so zu ändern oder die Geschäftsordnung des Reichstags so zu ändern, dass auch wenn Leute nicht da sind, dann gelten die als anwesend. Und das ist natürlich quatsch, aber das ist eine Änderung der Geschäftsordnung, die dann eine Zweidrittelmehrheit möglich macht. Und alle Parteien außer der SPD stimmen dann nachher beim Ermächtigungsgesetz mit dieser Wehrhaftigkeit der SPD, um sich eben dann nicht zu beteiligen an dieser Machtübergabe an Hitler, ist wahrscheinlich der mutigste Moment in der deutschen parlamentarischen Geschichte. Und der Abgeordnete Otto Wels von der SPD, der hat damals eine Rede gehalten, die ganz berühmt geworden ist. Ich will da nur ein ganz kurzes Zitat draus einspielen. Dieses Zitat von Otto Wels, das haben die meisten von euch bestimmt schon mal gehört, es ist einer der mutigsten Momente der deutschen parlamentarischen Geschichte. Sich im Angesicht drohender körperlicher Gewalt und in der sicheren Erwartung, dass die Mehrheit der Abgeordneten trotzdem ein Ermächtigungsgesetz verabschieden werden, so gegen diesen kommenden Diktator zu wehren, das ist in meinen Augen eine absolut unfassbare Leistung des menschlichen Mutes. Diese Machtergreifung, die wird im NS-Jagant dann schnell zur sogenannten nationalen Revolution, das heißt, man rückt die eigene Politik in die Nähe zum Beispiel der französischen Revolution und will damit natürlich so ein Volksbewegungscharakter ausdrücken. Eigentlich ist es aber, wenn man so will, eigentlich ein Putsch von oben. Es ist eine Minderheit von Leuten. Die NSDRP hat nie eine Mehrheit in Deutschland, zumindest in den einigermaßen freien Wahlen, die dazu führen würde, dass die NSDRP eben von einer Massenbewegung, von einer Bewegung der Mehrheit sprechen könnte. Der Historiker Wähler hat von einer sogenannten totalitären Revolution gesprochen, also einer Revolution, die sozusagen einen bestimmten Anspruch hat, der enttodalitäres System zu erzeugen und das bezieht aber auch auf Russland und andere Staaten, das ist eher so eine Genre-Gattung bei ihm. Letztlich kann man eigentlich sagen, dass das eben die sogenannte Machtübernahme eigentlich ist, also ein eigentlich demokratischer Machtübernahmeprozess, weil die Leute den Hitler einfach oder rechte Parteien einfach mit einer großen Mehrheit gewählt haben. Die Partei, die dahinter steckt, die NSDRP, die hat einen ganz erstaunlichen Namen. Wir haben letztes Mal schon darüber gesprochen, dass der Nationalsozialismus an sich schon widersprüchlich ist und wenn wir uns die NSDRP, die Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei mal auf der Zunge zergehen lassen, dann haben wir hier eine nationale, also irgendwie rechte, Arbeiterpartei, also irgendwie das, was wir mit Links- oder Kommunismus assoziieren. Sie ist außerdem deutsch, was wir dann doch wieder eher mit so den völkischen Parteien assoziieren und der Begriff sozialistisch wiederum, der geht ja ebenfalls wieder in Richtung Kommunismus, Arbeiterpartei und so weiter. Also irgendwie bedient man da ganz verschiedene Milieus, hat dann ein ganz merkwürdiges Amerikam aus unterschiedlichen ideellen Vorstellungen, wo es denn mit dieser Partei hingehen soll. Diesen Ansatz, den Hitler wählt, um an die Macht zu kommen und sich die Macht dann als Diktator zu sichern, den bezeichnen man als
Pseudolegalität
oder man spricht von der Pseudolegalität der NS Herrschaft. Pseudolegalität, das bedeutet natürlich, dass es eben nicht legal ist, wie er es macht, aber das er so tut, als ob. Das heißt, wenn wir uns zum Beispiel dieses Ermächtigungsgesetz anschauen, aber auch die Reichstagsbrandverordnung anschauen, dann passieren immer wieder Verfassungsbrüche auf dem Weg, dahin diese Gesetze oder diese Verordnung durchzusetzen. Und das sind natürlich auch eigentlich illegale Gesetze, die er dann macht, wenn er eben die Grundrechte außer Kraft setzt. Aber indem er möglichst den Reichspräsidenten diese und Gesetze unterschreiben lässt, indem er zum Beispiel das Parlament über das Ermächtigungsgesetz abstimmen lässt, erscheint es zunächst mal legal, denn dass ein paar hundert SA Männer im Raum stehen und die Abgeordneten bedrohen, das wird eben nicht dazu gesagt und damit erscheint es legal, auch wenn es natürlich in der Praxis eigentlich unter Druck passiert ist und dann niemanden freies Mandat hatte. In der Folge dieser Machtergreifung in großen Anführungszeichen erfolgt die
Gleichschaltung
der Gesellschaft. Jetzt muss man also erst mal alle möglichen Organisationen der Zivilgesellschaft, die sich möglicherweise wehren könnten gegen die Machtergreifung Anführungszeichen, in den Griff bekommen und kalt stellen. Die Nationalsozialisten nennen das eben die Gleichschaltung und das Ziel ist eben, all diese Organisationen auf die NS Ideologie, auf die NS Politik auszurichten. Das betrifft zum Beispiel andere Parteien, die dann der Reihe nach verboten werden. Es betrifft aber auch sowas wie das Vereinswesen in Deutschland, es betrifft sowas wie Verbände, Gewerkschaften und so weiter und natürlich ganz wichtig auch die Medien. Denn wenn natürlich in der Zeitung weiterhin gegen den Nationalsozialismus Stimmung macht, dann ist das gefährlich für den Nationalsozialismus. Also verbietet man solche Zeitungen oder man setzt eben Leute ein, die parteitreu sind und diese Zeitung dann auf Linie bringen. Letztlich ist diese Gleichschaltung also ein Versuch, alle Lebensbereiche im Land in den Griff zu bekommen und zu kontrollieren. Inwiefern das erfolgreich ist, kann man sich streiten, zum Beispiel in der Kirche bleiben kritische Stimmen bis zum Ende des Nationalsozialismus immer vorhanden, aber in weiten Teilen der Gesellschaft haben die Nationalsozialisten damit doch durchaus Erfolg und er richten so nach und nach eine Diktatur, die nicht nur innerhalb der Politik, sondern auch weiterüber hinaus eine große Macht entwickelt. Der Nationalsozialismus ist eine Massenbewegung und da unterscheiden wir drei verschiedene Begriffe, die Massenmobilisierung, die Massenorganisation und die Massenkultur und mit diesen drei Begriffen sollte man was anfangen können. Der Begriff
Massenmobilisierung
beschreibt zunächst mal ganz allgemein den Versuch durch zum Beispiel das hervorrufen bestimmter Emotionen, den Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen bei einer großen Gruppe von Menschen und die dann zu steuern, um sie zum eigenen Nutzen zu verwenden in Anführungszeichen. Das heißt zum Beispiel, wenn man sich Propaganda-Regende anschaut, dann wird eben hier versucht über das Aufbauen eines gemeinsamen Feindbildes, sei das jetzt derweil sei er Vertrag, sei das jetzt das in Anführungszeichen Welt Judentum oder worüber auch immer die Nationalsozialisten sonst so sprechen, eben ein gemeinschaftliches Gefühl, eine gemeinschaftliche Emotion, zum Beispiel das Hasse ist der Angst oder sowas in der Art der Bedrohung zu schaffen und dadurch kann man dann letztlich die Massen mobilisieren, eben die Massen von Menschen mobilisieren, um sie in den eigenen Dienst zu stellen, um sie zum Wählen für die eigene Partei zu motivieren und so weiter. Diese Massen, die kann man dann aber auch weiter organisieren und solche
Massenorganisation
sind dann eben so eine Art Vereine, die deutschlandweit im Prinzip existieren und unglaublich viele Mitglieder anziehen. Dazu gehören zum Beispiel die HJ, die Hitlerjugend, die so gut wie alle Jugendlichen im deutschen Reich erfasst. Dazu gehört der BDM, der Bund Deutscher Mädel, das Poundant zur HJ für die Mädchen und dazu gehört aber auch die SA, die Sturmabteilung, so eine Straßenschlägergruppe, die im Prinzip unzählige Leute anzieht, die dann auf den Straßen in der Weimarer Republik zunächst mal die Kommunisten bekämpfen und dann später eben bei der Herstellung der Diktatur unterstützen, indem sie zum Beispiel Abgeordnete bedrohen und so weiter. Diese Massenorganisationen, die zeichnen sich also dadurch aus, dass sie ganz stark auf die Ideologie des Nationalsozialismus zugeschnitten sind und eine riesige Zahl von Menschen ansprechen und anziehen sollen in Gemeinschaftsgefühl schaffen und dadurch den Menschen Strukturen Orientierung geben. Um diese Massen dann bei der Stange zu halten, entsteht die sogenannte
Massenkultur und Propaganda
. Dieser Begriff, der ist so ein bisschen zwiespältig. Früher hat man von Trivialkultur besprochen, das heißt, da geht es um so ein bisschen den Gedanken, dass das so ein Kultur für die Massen sei, so ein bisschen eine einfache Form von Kultur und da spricht man eigentlich von allem möglichen, was mit einerseits mit Waren, aber auch mit Dienstleistungen, mit Aktivitäten zur Unterhaltung und so weiter zu tun hat, die sich eben auf eine große Zahl von Menschen richten. Im Prinzip kann man heute bei ganz, ganz vielen Dingen von Massenkultur sprechen, sei das jetzt das iPhone, sei das jetzt Instagram oder sonst was, all das sind Phänomene von Massenkultur. Im Nationalsozialismus ist das gerade ersten Phänomen, das so richtig angekommen ist, das über die Weimarer Republik hinweg so entstanden ist. Da haben wir zum Beispiel die Zeitung, die schon ein bisschen länger existiert als ein Beispiel, aber vor allem das Radio ist in der Zeit des Nationalsozialismus eins der Mittel um Massenkultur zu genießen oder zu verbreiten und auf der anderen Seite das Kino ist eine Technologie, die gerade ganz groß im Buhmen ist. Die deutsche Wochenschau, also das erste Nachrichtenformat, das läuft eben im Kino, weil die meisten Leute noch kein Fernsehgerät zu Hause sich leisten können, die ganz große Mehrheit ist noch nicht kann und diese Kinofilme, die werden dann auch zunehmend eben auf Kriegsthemen und auf ideologische Themen, die mit dem Nationalsozialismus zu tun haben, hinaus gearbeitet. Das heißt, wir haben plötzlich Spielfilme, die zum Beispiel den Führerkult auf Hitler darstellen oder beschönigen. Das heißt, wir bekommen Filme, die direkt in die Ideologie des Nationalsozialismus passen. Wir haben darüber hinaus dann ganz stark propagandistisches Element, diese Massenkultur, sei das jetzt im Radio oder im Kino, die bedient propagandistische Ziele der Nationalsozialisten, sei das Antisemitische. Da gibt es zum Beispiel die Filme Jutsüß und der ewige Jude. Das sind zwei Filme, die eben antisemitische Stereotype befeuern und versuchen dadurch diesen Rassengedanken der Nationalsozialisten in den Menschen zu verankern. Wir haben aber auch nationalistische Propaganda, zum Beispiel den Film Bismarck, der diese deutsche Geschichte des deutschen Imperiums, sozusagen des deutschen Imperialismus, feiert. Darüber hinaus haben wir aber auch ganz viele Versuche, die Propaganda der Nationalsozialisten über so unterschwellige, eher sprachliche Elemente einzuschleifen. Zum Beispiel spricht man immer vom Führer statt vom Reichskanzler oder so was. Man spricht von Terror statt von Luftangriffen auf deutsche Städte. Man nennt Partisanen, nicht Partisanen, sondern man nennt sie Banden oder Banditen, die angeblich da eben die deutsche Armee stören. Man setzt den Begriff fanatisch positiv. Das heißt, wer fanatisch kämpft und deswegen im Krieg stirbt, der ist ein positiver Held des Nationalsozialismus. Über solche sprachlichen Verschiebungen wird ebenfalls Propaganda betrieben. Wer mal Orwells 1984 gelesen hat, erinnert sich daran, dass da auch ganz viel über Sprache gemacht wird. Im Prinzip kann man vielleicht hier so ein bisschen ein Vorbild dafür sehen. Insgesamt haben wir hier eine Propaganda, die in dieser Massenkultur stattfindet, die so ein diffuses Gefühl der Volksgemeinschaft schaffen soll, die also im Prinzip immer in verschiedenen Bereichen so ein bisschen diese NS-Ideologie in die Leute hinein impft und auf diese Weise nach und nach eben doch so eine gewisse Unterstützung des Regimes befeuert. In Hitlers erste Jahre gehört außerdem der sogenannte
Vierjahresplan
. Im Grunde ist das ein Versuch, Deutschland militärisch wieder mächtiger zu machen, denn Deutschland ist ja durch den Versaillervertrag relativ stark militärisch eingeschränkt. Und der Vier-Jahres-Plan ist ein Versuch, das erinnert uns an die Sowjetunion, durch eine Art planwirtschaftlichen Ansatz von staatlicher Seite, die Kriegsfähigkeit Deutschlands wieder sicherzustellen. Wir haben ja immer noch die Bestimmung des Versaillervertrags, die zum Beispiel die Größe der Armee in Deutschland begrenzen. Und auf diese Art mit dem Vier-Jahres-Plan versucht man eben die
Aufrüstung
wirtschaftlich möglich zu machen. Hitler spricht davon, dass Deutschland überbevolkert sei und sich auf eigener Grundlage nicht ernähren könne. Man müsse deswegen die Wirtschaft von oben steuern und versuchen eben einen Krieg mit Russland vorzubereiten, weil man da ja Lebensraum erobern müsste und so. Das kennen wir schon aus der vergangenen Folge aus der Ideologie des Nationalsozialismus. Diese Aufrüstung ist eigentlich kein neues Ding, denn in der Weimar Republik wird es schon so gemacht, dass man schrittweise die Bestimmung des Versaillervertrags so ein bisschen unterminiert. Einer der Personen, die da ganz zentral sind, ist der General Gröner, der nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg zum obersten Chef der Armee aufsteigt und eben da solche Pläne pflegt, aber auch andere Figuren aus der Metärführung spielen eine große Rolle. Ungefähr um 1935 intensiviert die NS-Führung diese Bemühungen, die wie gesagt schon seit Weimar so langsam anlaufen und führen zum Beispiel eine Wehrpflicht ein, um dadurch die Zahl der Soldaten zu erhöhen oder der Reservisten zu erhöhen. Auch die HJ und die SA sind ja im Prinzip Organisationen, die sowas wie eine frühe Wehrausbildung fördern sollen. Das heißt, hier haben wir auch so eine verdeckte Militarisierung der Gesellschaft. Letztlich organisiert die vier-Jahres-Plan-Behörde das Material für die Rüstung und die Massenorganisation organisieren und gemeinsam mit der Armee eben die Personen dafür. Insgesamt ist das Ganze aber ein wirtschaftlich ganz gefährliches Ding, denn diese extreme Rüstung oder diese extreme Aufrüstung, die beträgt 1938 schon 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von Deutschland. Das heißt, ein Fünftel der Wirtschaftsleistung in Deutschland geht für Rüstung darauf. Das ist eine unfassbare Zahl. Wenn man sich heute das anguckt, gibt es in der NATO das sogenannte 2-Prozent-Ziel. 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sollen in die Rüstung gesteckt werden. Das ist ein Zehntel von dem, was Deutschland 1938 in die Rüstung steckt. Da werden die Maßstäbe deutlich mit welcher Energie und mit was für einen finanziellen Aufwand, auch mit was für finanziellen Opfern diese Aufrüstung betrieben wird. Letztlich baut Deutschland also zum einen eine große Infanterie auf, eine große Armee auf, aber auch eine enorme Luftwaffe und eine Seestreit macht alles parallel. All das kostet ein unheimliches Geld und das Geld kann man eigentlich nur über Kredite reinbekommen. Das heißt, man leidt sich dieses Geld und die Staatsverschuldung steigt ganz rapide an. Es gibt Historiker, die argumentieren, dass diese massive Staatsverschuldung letzten Endes auch den Krieg dann unausweichlich macht. Denn die Nationalsozialisten haben im Prinzip dann ab spätestens 1938-39 eigentlich keine Möglichkeit mehr, diese krassen Kredite zurückzuzahlen. Sie müssen also das Geld irgendwo anders hernehmen. Und die einzige Möglichkeit, die Sie dafür sehen, ist, in einem Krieg zu beginnen und sozusagen die Verliererstaaten danach auszupressen. Das ist eine These, ob die richtig ist, sein Mann dahingestellt. Der Historiker Götz Ali hat diese Wirtschaftspolitik des Nationalsozialismus als
“sozialer Volksstaat”
bezeichnet. Das ist also ein Staat, der sich durchaus um das eigene Volk und dessen Wohl ergehen bemüht. Aber das Ganze wird finanziert vor allem durch Krieg und Mord. Das heißt, letztlich ist dieser soziale Volksstaat des Nationalsozialismus einer, der durchaus das eigene Volk im Blick hat und dem gewisse Wohltaten zukommen lassen will, der aber diese Wohltaten eben daher bezieht, dass er eine Minderheit ermordet und enteignet, zum Beispiel eben die Juden und dass er einen Rassekrieg gegen Russland lostritt, aus dem er zum Beispiel die Ernährung der Bevölkerung sichern will. Insgesamt ist es also ein zutiefst verbrecherisches Regime, das zum Wohl der eigenen Bevölkerung oder dessen, was aus der Sicht des Regimes die eigene Bevölkerung sein sollte, andere Gruppen oder andere Völker unterjocht und ausbeutet. Wir haben heute über den Machterwerb des Nationalsozialismus gesprochen und dabei die Begriffe Machtergreifungen, NSDAP, Pseudolegalität, Gleichschaltung, Diktatur, Massenmobilisierung, Massenorganisation und Massenkultur, den Vierjahresplan und die Aufrüstung und den sogenannten sozialen Volksstaat sowie die Propaganda und den Personenkult angeschaut. Das ist die erste Hälfte dieses Themas. Nächstes Mal werden wir uns die Herrschaftspraxis des Nationalsozialismus insbesondere im Hinblick auf die Gegner genauer anschauen. Diese Begriffe sind Teil des Bildungsplans für das zweite Halbjahr der Kursstufe in Geschichte. Bitte denkt daran, dass sich dabei immer dem Bildungsplan von Baden-Württembergfolge da unterrichtig nämlich Selbstgeschichte. Die Bildungspläne sind sich alle ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, dann werft zur Sicherheit einen Blick in euren eigenen Bildungsplan, damit ihr immer gut vorbereitet seid. Wenn euch die Folge gefolfen oder gefallen hat, dann lasst mir gerne einen Kommentar oder ein Abo da, teilt den Podcast mit Freunden und Bekannten. Für mich ist es eine große Motivation zu sehen, dass Leute die Podcasts hören. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mit treu. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.