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NS-Herrschaft - Leistungskurs Geschichte 20

Staffel 1, Folge 20 26.04.2024 00:28:22
Fachbegriffe: TerrorKonzentrationslagerVerfolgung und Deportation"Euthanasie""Umvolkung"Rassendiktatur"Lebensraum im Osten"Massenloyalität undWiderstand

Wir sprechen heute über die Herrschaft der Nationalsozialisten und darüber, warum fast niemand ihnen Widerstand leistete. Wir reden über:

  • Terror,

  • Konzentrationslager,

  • Verfolgung und Deportation,

  • “Euthanasie”,

  • “Umvolkung”,

  • Rassendiktatur,

  • “Lebensraum im Osten”,

  • Massenloyalität und

  • Widerstand.

Hier ist das Transkript mit den eingefügten Fachbegriffen als Markdown-Zwischenüberschriften:

Heute geht es um die Herrschaftspraxis im Nationalsozialismus. Ein großes und kompliziertes Thema, das sich um den Terror der Nationalsozialisten, die Konzentrationslager, die Verfolgung Andersdenkender und die Herrschaft der arischen, anfangs zeichende Rasse im slavischen Raum dreht und um die Frage, wieso in Deutschland eigentlich kaum jemand Widerstand dagegen geleistet hat.

Es ist ein komplexes Thema und deswegen auch fast eine halbstündige Megafolge geworden, aber die lohnt sich bleibt dran. Willkommen bei Geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassen arbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vorzubereiten.

Terror

Heute sprechen wir über die Herrschaftspraxis im Nationalsozialismus. Die nationalsozialistische Herrschaftspraxis ist ganz eng mit der Methode des Terrors verknüpft. Terror ist lateinisch und bedeutet Schrecken und der Terror als Herrschaftspraxis zum ersten Mal so richtig in der Französischen Revolution zu Ehren gekommen in großen Anführungszeichen. Da spricht man sogar von einer Phase der Herrschaft, die nennt man Laterror, auch einfach der Schrecken und das bezeichnet die Herrschaft der Jakobiner. Und diese Phase der Französischen Revolution ist geprägt durch ganz massiven Massenterror in Form von willkürlichen oder scheinbar willkürlichen Verhaftungen und Hinrichtungen im großen Stil. Die Geoutine ist in dieser Phase erfunden oder zum ersten Mal im großen Stil eingesetzt worden. Die Nationalsozialisten verwenden selbst auch Terror als Herrschaftsinstrument. Terror bedeutet letztlich also, dass man die Bevölkerung durch Angst vor Bestrafung in Schach hält ein Stück weit. Und das funktioniert zum einen dadurch, dass man Angst schürt, indem man zum Beispiel die Grundrechte außer Kraft gesetzt hat, indem man zum Beispiel die Möglichkeit vor Gericht zu ziehen eingeschränkt hat, indem man zum Beispiel Straftatbestände in die Gesetze eingebaut hat, die sehr diffus sind und die man im Prinzip jedem, der einem nicht passt, sozusagen vorwerfen kann. Diese Art des Terrors ist natürlich zunächst mal ein Versuch, die Leute einzuschüchtern, damit sie auf Linie bleiben, damit sie Loyalität zeigen. Und auf der anderen Seite haben wir dann ein ganz ausdifferenziertes Terrorsystem im Hintergrund, das eben dann den Terror auch tatsächlich umsetzt in physische Gewalt.

Konzentrationslager

Dafür stehen ganz zentral die Konzentrationslager. Denn wer sozusagen als oppositioneller gegen das System agiert, sei er jetzt in einer feindseligen politischen Partei, zum Beispiel Angehörige der KPD, diese Menschen werden schon von Anfang an ab dem ungefähr März 1933 in Konzentrationslager eingesperrt. Das erste davon ist das Konzentrationslager Dachau. Und Dachau wird auch das Konzentrationslager mit einem gewissen Vorbildcharakter bleiben. Alle Kommandanten von später gegründeten Konzentrationslagern, auch die Kommandanten der Vernichtungslager im Osten, werden in Dachau ausgebildet und lernen da ihr Handwerkszeug. Dachau war ursprünglich für 5000 Heftlinge geplant, also im Prinzip ein Großgefängnis für kommunistische und sozialdemokratische Politiker und Anhänger, im Wesentlichen für politische Oppositionelle, die dann relativ willkürlich festgenommen wurden. Dieser Festnahmeprozess, den hat man dann schutzhaft genannt, so ein bisschen so, als müsste man die Leute vor anderen Schützen, die ihnen was Böses wollen, oder als müsste man die anderen Leute vor diesen bösen Sozialisten beschützen, so ein bisschen unklar. Letztlich ist es natürlich einfach eine willkürliche Verhaftung. Bis Kriegsende saßen in Dachau ungefähr 200.000 Heftlinge ein, von denen auch nicht wenige umgekommen sind. Dachau hat unter anderem auch eben Krematorien gehabt, in denen man umgekommene Heftlinge verbrannt hat. Das ist natürlich nicht in der Größenordnung wie das nachher in zum Beispiel Auschwitz-Birkenau der Fall ist, in den echten Vernichtungslagern, aber trotzdem sind das Städten, in denen die Leute strukturell gefoltert und zur Zwangsarbeit sozusagen gezwungen wurden. Insgesamt kann man sagen, dass diese Konzentrationslager für den Terror internationalisten einen ganz zentralen Aspekt darstellen. Sie werden in der zeitgenössischen Literatur eher als KL-Konzentrationslager als KZ-Konzentration, weiß ich nicht so genau, beschrieben. Ich weiß nicht, wieso wir heute zu KZ gekommen sind und der Aufbau dieser Lager, der findet eigentlich im ganzen deutschen Reich statt. Da gibt es ganz verschiedene, wobei man die innerhalb Deutschlands nicht so gut kennt. Da ist vor allem Dachau und Oranienburg, das bei Berlin liegt. Das sind so die zwei, von denen man vielleicht schon mal gehört hat. Viele andere sind so ein bisschen in Vergessenheit geraten einfach, weil man, wenn dann höchstens noch die um die Ecke kennt, wenn es da welche gibt. In der Frühphase sind diese Konzentrationslager eigentlich so ein Wildwuchs. Das heißt, die lokalen SS und SA und Polizei-Einheiten bauen so ein Konzentrationslager im Prinzip als ein improvisiertes Gefängnis auf. Später werden die dann unter eine einheitliche Verwaltung gestellt. Da wird die SS, die Schutzstaffel, dann so die Verwaltungsrolle übernehmen und diese KZs alle unter sich vereinen. Ungefähr ab 36 endet das, dass man vor allem oppositionelle Indikatsets sperrt. Da gibt es neue Gruppen, die man festnimmt. Das sind die sogenannten Volksfremden. Das sind zum Beispiel sogenannte Asoziale, also alle, die einem aus irgendwelchen weltanschaulichen oder gesellschaftspolitischen Gründen nicht so richtig reinpassen. Das sind aber auch Straftäter, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, alle möglichen Gruppen, von denen man das Gefühl hat, dass die nicht so richtig zur Volksgemeinschaft gehören oder die man aus anderen Gründen verfolgt. In dieser Zeit entstehen dann weitere Konzentrationslager. Erst ab 1940 werden diese Konzentrationslager so zu dem, was wir eigentlich so im Kopf ein Bild da haben, dass da im großen Stil Zwangsarbeit geleistet wird, dass da immer stärker brutal gearbeitet wird, dass auch immer mehr Leute umkommen in diesen Konzentrationslagern. Das ist erst ab ungefähr 1940 so richtig zu beobachten, dass sich das verschärft. Man kann vielleicht sagen, dass die Konzentrationslager die ursprünglich eigentlich so ein bisschen zur Stabilisierung des Systems eben Leute einsperren sollten, die das System destabilisieren könnten, eben zum Beispiel politische Gegner, dass die dann immer mehr zu einem Werkzeug der ideologischen Vernichtung der Gegner sozusagen und der physischen Vernichtung der Gegner werden. Und mit dem Ostfeldzug insbesondere 1942 mit der sogenannten Operation Barbarossa, als man den Krieg gegen die Sowjetunion beginnt, damit fallen den deutschen riesige Zahlen von Juden in die Hände, die eben in dem ehemaligen Polen und der ehemaligen und der westlichen Sowjetunion, die man dann erobert, leben. Und diese Menschen, die werden dann im Form der sogenannten Endlösung, wie das dann die Nationalistin nennen, werden in neu errichtete Vernichtungslager gebracht und dort im großen Stil umgebracht. Und das ist dann der Holocaust, aber dazu kommen wir mal in den Zweiten Weltkrieg reden. Wer sich für dieses Konzentrationslagersystem interessiert in dessen Geschichte, dem lege ich die Folge zu Theodor Aike mit CK nahe, die bei True Crime meets History vor einiger Zeit veröffentlicht wurde über Dachau. Das ist eine der eindrucksvollsten Folgen zum Thema Nationalsozialismus, die die beiden so zu bieten haben.

Verfolgung und Deportation

Zum Terror gehört natürlich auch seine gefühlten oder realen Gegner zu verfolgen und diese Verfolgung, die trifft Nationalsozialismus insbesondere die Juden in Deutschland. Das heißt, wir haben eine zunächst einmalig voranschreitende Ausgrenzung der Juden in der Öffentlichkeit. Die werden von SA-Truppen auf der Straße angerempelt, vielleicht mal verletzt, aber da ist noch nicht so dieser klassische, wie man das so kennt, dieser Mordplan, sozusagen dahinter. Wir haben eine große antisemitische Propaganda, das heißt, nationalsozialistische Zeitungen zeigen Juden Karikaturen, schimpfen über die angebliche Weltverschwörung des Judentums, bringen das Judentum immer mit dem sowjetischen Bolschewismus irgendwie in Verbindung. Das ist so eine diffuse Angst vor Juden, die da geschürt wird, die auch nicht unbedingt so erfolgreich ist diese Propaganda. Und die seltenen, oder die selten sind sie nicht, aber die Fälle, in denen Menschen tatsächlich gegen Juden brutal auf der Straße oder im Privatleben vorgehen, das sind eigentlich fast immer Fälle, in denen NS-Funktionäre ganz aktiv irgendwelche Aktionen planen und durchführen. Das heißt, das sind meistens von der Partei aus gehende oder zumindest gesteuerte Aktionen und nicht so dieser klassische Volkszahlen, der sich gegen die Juden richtet, wie die nationalsozialisten das dann aber gerne natürlich verkauft haben. Die nationalsozialisten werden eine Reihe von Gesetzen durchsetzen, die gegen die Juden in der Öffentlichkeit gedacht sind, um die weiter auszugrenzen und eben ihre Staatsbürgerecht und so weiter einzudämmen. Das ist 1933 zunächst das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und was so harmlos daherkommt, ist ein Gesetz, das letztlich Juden verbietet, als Beamte zu arbeiten, das heißt, die werden aus Verwaltungspositionen gestrichen. Das heißt, in Verwaltungspositionen, die auch mit einer gewissen Macht verbunden sind, da dürfen künftig keine Juden mehr arbeiten, das trifft zum Beispiel Lehrer, das trifft zum Beispiel Beamte auf dem Rathaus und so weiter, die dann von heute auf morgen eben aufgrund ihres Glaubens nicht mehr dort arbeiten dürfen. 1935 folgen die Nürnberger Rassengesetze und auch das sogenannte Reichsbürgergesetz, das sind zwei Gesetze, die im Prinzip die Juden als Staatsbürger zweiter Klasse deklarieren, mit denen man auf der einen Seite eben nicht auf derselben Höhe steht, was die Grundrechte angeht, die sowieso schon außer Kraftgesetz sind im Wesentlichen. Und zum anderen gibt es dann auch das Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre, das so ein Eheverbot zwischen Ariane und Juden regelt. Die Nürnberger Gesetze regeln ja so ein bisschen so den rassischen Stand der Juden, das ist ja auch natürlich eine pseudo-wissenschaftliche Art, da über so Mischlingskategorien und sowas nachzudenken, wer ist denn überhaupt Jude und so, weil das natürlich, weil es ja eine Religion ist, ganz schwierig ist, das irgendwie rassisch oder biologisch zu begründen. Und dieses Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre, das versucht dann eben diese sogenannte Rassenschande, also die Ehren zwischen Juden und in Anfangszeichen Ariane zu verbieten und unter Strafe zu stellen. Eine weitere Phase der Ausgrenzung, die dann immer radikaler wird, wird dann mit der Reichskristallnacht oder der Reichspogromnacht eingeläutet. Die Reichskristallnacht ist ein Begriff, der heute nicht mehr so en vogue ist aufgrund dieser leicht malerischen Beschreibung. Ja, Kristallnacht, das ist so dieses zerbrochene Glas der Fenster, da hat man sich das immer so vorgestellt. Heute sagt man eigentlich Reichspogromnacht am 9. November 1938. Das ist zufällig genau das Datum, an dem auch der Hitlerputsch stattgefunden hatte im Jahr 1923, sozusagen der 15. Geburtstag des Hitlerputsches und das ist auch kein Zufall, sondern ganz bewusst wird dieser Feiertag, den die Nationalsozialisten ganz besonders jedes Jahr feiern, wird genutzt, um ganz klar von der Parteizentrale aus gesteuert, das kann man im Geburtstaggebüchern ganz genau nachlesen, einen deutschlandweiten Pogrom gegen die Juden zu starten, bei dem wirklich mit einem hohen Maß an Gewalt gegen Juden überall vorgegangen wird, werden Synagogen angezündet, werden jüdische Familien nachts drangsaliert und so weiter. Das heißt, das ist eine von der Regierung gesteuerte Aktion, die in ganz vielen Teilen von Deutschland dann zu antisemitischen Ausschreitungen führt. 1939 spricht Hitler das erste Mal in der Öffentlichkeit im Reichstag, also vor ganz viel Publikum, über die Lösung der Judenfrage. Und da klingt schon die Endlösung durch, die wir später bei der Wannsee-Konferenz zum Thema Holocaust dann hören werden. Und er droht im Prinzip anderen Staaten Europas, wenn ein Kriegausbräche, den er ja die ganze Zeit schon provoziert durch seine Annexionspolitik, dann folge daraus die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa. Also im Prinzip droht er mit dem Holocaust, wenn ein Kriegausbräche auf gut Deutsch, wenn andere Staaten ihn an seiner Expansion in Europa hindern. Das ist ein Versuch natürlich, die anderen Staaten zu erpressen, der letztlich in die Hose gehen wird, das wissen wir auch schon. Im Prinzip ist das auch schon der Auftakt zu den Deportationen in östliche Vernichtungslager, der mit dem Zweiten Weltkrieg dann beginnt. Die Deportation der Begriff Deportare lateinisch heißt so was wie Abtransportieren, der beschreibt letztlich die Umsiedlung von Leuten durch Zwang. Das gibt es in der Sowjetunion ganz ähnlich, wenn bestimmte Volksgruppen irgendwohin deportiert werden, weil man der Meinung ist, die gehören woanders hin oder man möchte sie in dieser Gegend nicht Siedeln haben. Da gibt es die unterschiedlichsten Gründe, weshalb Stalin so was macht. Und so ähnlich ist das eben auch bei Hitler, der die Deportation durchführt, um die Juden aus dem in Anführungszeichen Kern Deutschland in Richtung Osten abzuschieben und dort dann in Vernichtungslager auch umbringen zu lassen, aber das folgt später.

“Euthanasie”

Die Nationalsozialisten sind insgesamt ziemlich besessen von der Idee, ihr deutsches Volk irgendwie genetisch zu optimieren und dazu gehören verschiedene Aspekte. Zum einen haben wir 1933 das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, das letztlich Zwangssterilisationen von Menschen, von denen man nicht will, dass sie sich fortpflanzen, erlaubt und ein Stück weit sogar befördert. Das sind zum Beispiel sogenannte asoziale grundsätzlich erbkranke Menschen, Menschen, die einen sogenannten angeborenen Schwachsinn haben, was auch immer man darunter verstehen soll, das ist durchaus bewusst, dass das so ein bisschen unklar ist. Das heißt hier kann ich Menschen zwangssterilisieren, die nach meinem Eindruck nicht Teil des Volkskörpers sein sollten. Das trifft zum Beispiel auch homosexuelle Männer, weil man eben diese Form von Abweichung von der Norm eben auch für irgendwie krankhaft hält. Und diese Menschen werden alle zwangssterilisiert, zum Teil durch Schemichelkastration, zum Teil aber auch durch operative Eingriffe. Und diese Zwangssterilisierung, die soll dann eben dazu führen, dass die sich nicht weiter fortpflanzen können, damit diese in Anführungszeichen Abweichungen von der Norm eben nicht mehr sich weiter fortpflanzen. Ob die sich wirklich fortpflanzen, ob die wirklich genetisch sind, das weiß man natürlich zu der Zeit noch nicht, weil es keine Möglichkeit gibt, das irgendwie zu überprüfen. Es gibt keine genetische Sequenzierung oder sowas, aber die Nationalsozialisten machen das trotzdem so. 1939 beginnt man dann sogar mit der Tötung behinderter Kinder und Jugendlicher, das ist eine ziemlich grauenvolle Geschichte. Die sogenannte Aktion T4, die so heißt, weil die Tiergartenstraße 4 in Berlin, der sitzt der Verwaltung dafür ist, die ist eine Großaktion, bei der im Prinzip Massenmord durchgeführt und geplant wird. Und das macht man, indem man diese Menschen, die körperlich oder geistig oder seelisch in irgendeiner Weise behindert sind, in ihren Pflegeheimen im Grunde in Lkw einsperrt, in denen eine kleine Vergasungsanlage eingebaut ist. Das sind sozusagen umgebauten Lkw, die entweder durch einfach Lkw-Abgase, später dann eben durch bestimmte extrahergestellte Mittel, die Menschen umbringen. Das bleibt dummerweise nicht unbekannt, die Leute kriegen das zum Teil mit und insbesondere die katholische, wie auch die evangelische Kirche, sprechen sich sehr deutlich dagegen aus, als das ruchbar wird. Und die Nationalsozialisten, die stellen dann tatsächlich auch diese Aktionen ein, weil ihnen bewusst ist, was für eine riesige PR-Katastrophe ihnen da droht, wenn rauskommt, dass sie im großen Stil Menschen umbringen. Das heißt, im Jahr 1940, 1941 ungefähr, ist das schon wieder beendet, diese Mordung der Behinderten, wobei das im Geheimen trotzdem noch weitergeht. Aber der sozusagen offizielle Ansatz, der sichtbar ist und der auch in der großen Masse der Menschen dann sich äußert, der wird dann eben nicht mehr durchgeführt. Das heißt, diese gezielte Massenverschleppung in bestimmte Heime, in denen die Menschen dann im großen Stil ermordet werden, die findet nicht mehr statt.

“Umvolkung”

Ein Propaganda-Begriff der Nationalsozialisten ist die sogenannte Umvolkung. Umvolkung, da steckt sowas wie Umzug und eben das Volk drin, ist die Idee, dass bestimmte Menschengruppen, die man für Deutsch hält, doch bitte wieder in Deutschland leben sollten. Das heißt, die im Zuge des Ersten Weltkriegs verloren in deutschen Gebiete, die dann in den Zeiten des Nationalismus zu Polen oder zu Sowjetunion gehören, die Menschen, die dort sind und die man für deutsche Minderheiten, in Anführungszeichen Volksdeutsche hält, die sollen doch bitte wieder auf deutschem Territorium leben. Und dazu gibt es ein Programm oder eine Parole, die heißt Heim ins Reich, diese 3940 nach Beginn des Weltkriegs oder nach Beginn des Kriegs gegen Polen, aber noch nicht während des Kriegs gegen die Sowjetunion stattfindet. Und diese Heim ins Reich Bewegung, die soll eben Volksdeutsche aus den Gebieten der Sowjetunion und Polens in die deutsch besetzten Gebiete zurückholen. Die Idee ist also, diese Menschen zu regermanisieren, also wieder deutsch zu kultivieren, sozusagen, die wieder deutscher zu machen, die in slavischer Umgebung aufgewachsen sind, ein Stück weit, so nennen die Nationalisten das. Und die Umsiedlung anderer Volksgruppen, die dann da nicht hinpassen, die werden dann wiederum woanders hin umgesiedelt, da wo man sie halt haben will, um so eine Art einheitliche ethnische Räume herzustellen. Das ist was, was wir aus dem Stein ist, muss schon kennen, was auch da eine menschliche Katastrophe hervorgerufen hat, so ähnlich sieht das auch da aus. Und dahinter steckt immer die Idee von so einem Großdeutschen Reich bis an den Ural quasi, also bis mitten nach Russland hinein, wenn man da so ein Großdeutsches Reich irgendwann zimmern, das dann quasi das Kern Deutschland durch zum Beispiel Landwirtschaft versorgen kann und so weiter. Und dahinter steckt dieser ganze Lebensraum im Ostengedanke, dazu kommen wir gleich noch. Die Umvolkung ist ein Begriff, der wie gesagt aus dem Nationalsozialismus rührt, der aber heute in so rechtspolulistischen, rechtsextremen Kreisen eine ganz zynische Umdeutung erfährt. Heute spricht man von Umvolkung in diesen Kreisen, um zu kritisieren, dass angeblich in Deutschland die vorhandene, in Anführungszeichen biodeutsche Bevölkerung reduziert werden oder sozusagen vermindert werden soll und stattdessen so andere Völker da angesiedelt werden sollen. Dahinter steckt natürlich eine Kritik am Multikulturalismus, also daran, dass verschiedene ethnische Gruppen in Deutschland leben. Und dieser Begriff des Bevölkerungsaustauschs oder des großen Austauschs geht zurück auf diesen NS-Begriff der Umvolkung und dass heute rechtsradikale Kreise sich dieses Begriffs bedienen. Das ist natürlich eine ganz zynische Umkehr dieses Begriffs, der ursprünglich eben von den Nationalsozialisten für ein Programm benutzt wurde, das genau umgekehrt Deutsche nach Deutschland holen sollte, auch wenn der Begriff des Volksdeutschen natürlich schwierig zu fassen.

Rassendiktatur

Es gibt da zum Beispiel, im Baltikum gibt es ein Beispiel für einen Versuch, viele deutsche Ethnien, die aus verschiedenen Teilen der Union Polens kamen, an einem Ort anzusiedeln und das ist total schief gegangen, weil es eben doch extrem unterschiedliche Volksgruppen mit ganz unterschiedlichen Kulturen und Vorstellungen vom Leben waren, die nicht gut zusammengepasst haben und die auch nicht zusammengewachsen sind. Alles in allem steckt aber hinter diesen Bemühungen immer der Gedanke, dass man Lebensraum im Osten bräuchte für die deutsche Rasse und was die Raude für die arische Rasse, die eben in Deutschland vorhanden sei. Diese Rassendiktatur, die ist also ein Versuch, die eigene Rasse zu den Herren in diesen fremden Territorien zu machen und dann sozusagen die arische Rasse dort zum Herrscher über ein untergebenes, slavisches Arbeitervolk, das sozusagen die Sklaven dann für die Deutschen arbeitet oder für die Arya arbeitet, zu machen.

“Lebensraum im Osten”

Dieser Gedanke des Lebensraums im Osten, da haben wir bei der Ideologie auch schon mal drüber gesprochen, der geht im Grunde zurück bis zu Hitlers Schriftmeinkampf und ist so ein Gedanke, dass die Völker immer so einen Krieg um Lebensraum führen und dass Deutschland im Grunde übervölkert sei, dass also da Siedlungsland für deutsche Siedler notwendig sein, dazu müssen wir eben das Großdeutsche Reich in Richtung Osten ausbreiten.

Massenloyalität

Bei all dem Wahnsinn, über den wir jetzt gesprochen haben, da fragt man sich ja, warum die Leute sich dann nicht beschwert haben. Man würde doch erwarten, dass in einer Bevölkerung mit etlichen Millionen Menschen, dass da doch einige dabei sind, die sich gegen so einen ganz krassen Systembruch, bei dem ihnen quasi alle Freiheiten von heute auf morgen genommen werden, werden sollten. Und erstaunlicherweise kann man das eben nicht so beobachten. Wenn man sich ein bisschen anguckt, wer denn so Widerstand geleistet hat, dann gibt es ein paar große Player, die so sehr berühmt geworden sind damit, aber das sind eben doch wenige Einzelne. Es sind eigentlich keine Massenbewegungen, die sich dagegen die Nationalsekretäristen stellen. Man spricht von der sogenannten Massenloyalität, also von der Loyalität einer großen Masse von Menschen zum System. Wie diese Loyalität dann aussieht, das ist eine andere Frage. Es gibt kaum echten Widerstand innerhalb von Deutschland. Das sind wirklich wenige Einzelfälle, denn man sieht es ja auch schon daran, dass eben der Nationalsozialismus nicht von ihnen beendet wird, sondern nur durch eine äußere Intervention durch eine feindliche Armee, die letztlich über Deutschland siegt. Die Russen und die Amerikaner, die Briten und die Franzosen, die Alliierten gewinnen den Zweiten Weltkrieg und das siegelt das Nationalsozialismus. Das heißt, es wird von außen im Grunde Deutschland entnazifiziert. Aber innerhalb des Landes gibt es eben keinen so massiven Widerstand. Es gibt Zeichen dafür und Hinweise dafür, dass es innerhalb Deutschlands eine große Maß an Unzufriedenheit, insbesondere mit ganz bestimmten Maßnahmen des Regimes gab. Das heißt, wenige Menschen haben sich ganz grundsätzlich mit dem Nationalsozialismus nicht anfreunden können, aber viele waren mit einzelnen Aspekten nicht zufrieden. Wir haben gerade schon über die Aktion T4, die Euthanasie gesprochen, gegen die sich zum Beispiel die Kirche gewandt hat und damit Erfolg hatte. Das sind aber eben einzelne Maßnahmen, um die es geht. Und dieses grundsätzlich totalitäre System haben die wenigsten Leute in irgendeiner Weise offen kritisiert.

Widerstand

Und da kommen jetzt zu der Frage, was ist denn eigentlich Widerstand? Wenn man sich so ein bisschen mit dem NS Widerstand beschäftigt, dann findet man da zum Beispiel die Arbeiterbewegung. Das heißt, die KPD, die Kommunisten, die SPD, die Sozialdemokraten, das sind so politische Teile der Arbeiterbewegung, die gegen den Nationalsozialismus weiterhin ankämpfen. Aber bis ungefähr 1936, drei Jahre in das Regime hinein, ist im Prinzip von der Arbeiterbewegung nicht mehr viel übrig. Da ist die im Wesentlichen gleichgeschaltet und mögliche, mögliche Gegner des Systems durch Spitzel und so weiter verraten. Und entweder in Konzentrationslager gesperrt oder so weit eingeschüchtert, dass sie den Mund halten. Es gibt ein paar wenige sehr berühmt gewordene Player in der Kirche. Zum Beispiel gibt es Bonnhöfer, es gibt von Galen, das sind einzelne Repräsentanten der Kirche, die sich gegen das Regime gestellt haben mit unterschiedlichem Erfolg. Es gibt einige Attentatsversuche auf Hitler selbst. Es gibt zum Beispiel das ELSA-Attentat, das 1939 beinah mit einem Schlag die komplette NS-Führungsriege ausgelöscht hätte. Das ist nur aufgrund einer leichten zeitlichen Verschiebung des Events, zu dem die alle kommen wollten, nicht passiert. Und es gibt das Attentat, das unter dem Namen Stauffenberg immer bekannt ist, das Attentat der Militärführung auf Hitler, das ebenfalls gescheitert ist. Und dann gibt es noch so einzelne Player der Zivilgesellschaft, zum Beispiel die berühmte weiße Rose, mit Sophie Scholl. Aber sonst ist mit Widerstand in Deutschland nicht so richtig viel zu sehen. Der Historiker Detlef Polkert hat versucht, diese Frage, was eigentlich Widerstand ist, mal so ein bisschen aufzudrösen und hat da so verschiedene Kategorien für aufgemacht. Und hat sich dann zum einen angeguckt, wie grundsätzlich ist denn eine Person gegen das System? Ist sie mit einzelnen Kleinigkeiten nicht einverstanden, hört sie zum Beispiel gerne Jazz, obwohl Jazz in Deutschland verboten ist. Das ist noch kein richtiger Widerstand für ihn, das ist so eine Form von Nonkonformität, wenn ich nicht einverstanden bin, wenn ich nicht mitmache bei einem bestimmten Punkt. Auf der anderen Seite hat er sich angeguckt, wie öffentlichkeitswirksam bin ich denn gegen das System? Also wenn ich Jazz höre, das kann ich in meinem stillen Camerlein machen, das kriegt kein Mensch mit, dann bin ich nicht öffentlichkeitswirksam. Wenn ich die NS-Führungsriege in die Luft jagen will, dann ist das maximal öffentlichkeitswirksam. Das heißt, diese zwei Achsen, so zu sagen, nimmt der Polkert und daran entscheidet er, was ist eigentlich Widerstand. Und für ihn ist nur, wenn jemand in beiden Seiten ziemlich weit ausschlägt, eine Form von Widerstand. Das heißt, zum Beispiel Elsa könnte man, weil er grundsätzlich das System ablehnt und weil er eben einen Bombenattentat plant, als ein klassischen Widerstandskämpfer ansehen. Bei anderen ist das deutlich schwieriger. Die meisten Menschen im Nationalsozialismus, die leisten also eben keinen Widerstand, sondern sie leisten eher sowas, das hat Brosat Resistenz genannt, oder eben Polkert nennt es Nonkonformismus. Das heißt, das ist eine Form von nicht einverstanden sein mit dem System und sich privat dem System ein Stück weit entziehen, indem man zum Beispiel eben bestimmte Dinge liest, die dem System verboten sind. Oder indem man zum Beispiel sich nicht für die Parteiideologie interessiert, indem man zum Beispiel nicht zu öffentlichen Auftritten Hitlers geht und so weiter. Aber es sind eben auch Versuche, so in so eine innere Immigration zu gehen, also für sich selbst zu bleiben und das System lässt man dabei aber in Ruhe. Die Gefahr für die Menschen, die das nicht tun, sondern die in offenen Widerstandssystemen treten, die ist extrem hoch. Wir haben schon darüber gesprochen, dass die Grundrechte im Grunde ausgeschaltet sind und dass es so eine Reihe von ziemlich diffusen Straftatbeständen gibt. Zum Beispiel die sogenannte Heimtücke und so eine Verfolgung von, dass man eher Leute aufgrund ihrer Personengruppe verfolgt als aufgrund bestimmter Handlungen. Dass man Sondergerichte erinnert und Sicherheitsverwahrung in Konzentrationslagern ermöglicht und sowas. All das schafft eine Atmosphäre der Einschüchterung, d.h. die Leute sollen auch Angst haben. Und diese Angst führt dazu, dass eine große Zahl von Menschen sich loyal zeigt. Und dieser Konformitätszwang, also der Zwang sich systemkonform zu zeigen, weil man Angst vor möglichen Konsequenzen hat, wenn man es nicht macht, der führt zu dieser öffentlich sichtbaren Massenloyalität, von der man nicht sagen kann, wie echt sie ist. Aber das ist auch gar nicht wichtig, denn das System wird schon dadurch stabilisiert. Insgesamt kann man aber sagen, ist von Widerstand gegen den NS Herrschaftsapparat ganz wenig zu merken im Dritten Reich. Wir haben heute die Begriffe Terror, Konzentrationslager, Verfolgung und Deportation, “Euthanasie”, “Umvolkung”, Rassendiktatur, “Lebensraum im Osten”, Massenloyalität und Widerstand besprochen. Diese Begriffe sind Teil des Bildungsplans für das zweite Halbjahr der Kursstufe in Geschichte. Wenn ich das so sage, dann denke ich an den Bildungsplan von Baden-Württemberg. Die Bildungspläne sind sich alle irgendwie ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, dann schaut zu sich halt euren eigenen Bildungsplan an, damit ihr immer gut vorbereitet seid. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann lasst gerne ein Kommentar da. Für mich ist das eine große Motivation, wenn ich höre, was ihr so über die Podcasts denkt. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu. Untertitel im Auftrag des ZDF, 2020