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Zweiter Weltkrieg - Leistungskurs Geschichte 23

Staffel 1, Folge 23 11.05.2024 00:14:49
Fachbegriffe: VernichtungskriegWeltanschauungskriegWehrmachtSS und"totaler Krieg"

Der Zweite Weltkrieg 1939-1945 ist eine der prägendsten historischen Epochen für die deutsche Geschichte. Wir sprechen über die Begriffe:

  • Vernichtungskrieg,

  • Weltanschauungskrieg,

  • Wehrmacht,

  • SS und

  • “totaler Krieg”.

Die Engländer behaupten, das deutsche Volk hat sein Vertrauen zum Führer verloren. Glaubt ihr mit dem Führer und mit uns an den endgültigen, totalen Sieg der deutschen Waffen? Die Engländer behaupten, das deutsche Volk wehrt sich gegen die totalen Kriegsmaßnahmen der Regierung.Es will nicht den totalen Krieg, sagen die Engländer, sondern die Kapitulation. Ich frage euch, wollt ihr den totalen Krieg?

totaler Krieg

Josef Goebbels, der Propagandaminister des NS-Regimes, hält diese berühmt-berüchtigte Rede, die sogenannte Sportpalast-Rede, im Frühjahr 1943, als der Krieg für Deutschland schon so gut wie verloren ist. Heute sprechen wir über den Zweiten Weltkrieg und seine furchtbaren Ergebnisse für Deutschland und die ganze Welt.Willkommen bei geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassenarbeit und das Abitur im Fach Geschichte vorzubereiten. Heute geht es um den Zweiten Weltkrieg. Der Zweite Weltkrieg, der ist im Prinzip ein ganz zentrales Thema der NS-Ideologie und ist schon angelegt in Hitlers Mein Kampf, das er über zehn Jahre vor Beginn des Zweiten Weltkrieges verfasst hat. Und da spricht er vom Lebensraum im Osten, den seiner Meinung nach die in Anführungszeichen arische Rasse, die Deutschen bräuchten, um sich zu entfalten, weil Deutschland eben überbesiedelt sei. Dieser Grundgedanke, dass man im Osten Europas Lebensraum erobern müsse für Deutschland, dieser expansionistische Gedanke, der steht im Zentrum von Hitlers Ideologie und der Idee der Nationalsozialisten und ist im Grunde der erste Baustein, der später in den Zweiten Weltkrieg führen wird. Gleichzeitig denkt Hitler neben diesem Lebensraumkonzept auch immer in den Kategorien der Rasse und da insbesondere hält er auch die jüdische Bevölkerung für eine Rasse und der Kampf gegen den in Anführungszeichen jüdischen Bolschewismus, einen widersprüchlichen Mashup aus seinem Antisemitismus und seinem Antikommunismus, eigentlich ist das sehr, sehr widersprüchlich in sich, weil Judentum bei ihm auch immer mit so dem in Anführungszeichen Finanzjudentum und so einer Schicht der extrem reichen jüdischen Menschen in Anführungszeichen assoziiert wird.dieser Mischmasch aus, auf der einen Seite kommunistisch und andererseits kapitalistisch und dann auch irgendwie jüdisch. Dieser Mischmasch ist so sein Feindbild, auch wenn das in sich völlig inkohärent ist. Diese Idee, die führt letztlich dazu, dass Hitler von Anfang an in Richtung Kriegsvorbereitung arbeitet, also seit er an der Macht ist, wird im Grunde nach und nach auf den Krieg hingearbeitet, die Wehrpflicht wieder eingeführt und die Armeeausrüstung verbessert, die Wehrmacht weiter aufgebaut.

Wehrmacht

All diese Schritte, die sind ganz klare Zeichen dafür, dass Hitler von relativ früh an, spätestens ab ungefähr 1936, auf einen Weltkrieg, oder auf einen Krieg, Weltkrieg kann er so nicht kalkulieren, hinarbeitet. Am 1. September 1939 beginnt dann dieser Weltkrieg damit, dass Deutschland den Verteidigungsfall ausruft gegen Polen, das angeblich einen Überfall auf einen Sender an der Grenze durchgeführt habe. Das ist heute nachweislich ein Fake gewesen, letztlich ein Versuch durch eine False-Flag-Aktion. Einen Verteidigungskrieg anzuzetteln, der kein Verteidigungskrieg war, sondern faktisch ein Überfall auf das Nachbarland. Der war ja auch im Hitler-Stalin-Pakt angelegt und die Aufteilung Polens zwischen den beiden Großmächten war ja auch schon abgemacht. Innerhalb eines Monats wurde Polen eingenommen. Es gibt da Fotos, auf denen man die polnische Armee mit Pferden gegen deutsche Panzer anreiten sieht. Polen war in keiner Weise vorbereitet auf diesen Krieg und hatte auch keine Chance. Und deshalb ist nach einem Monat der Krieg vorbei, Polen aufgeteilt und die Sowjetunion bekommt eben im Wesentlichen die östliche Hälfte und Deutschland die westliche Hälfte. Man spricht hier von einem Blitzkrieg eben, weil es…so schnell geht. Oder die Nazis sprechen davon, das ist ihr Propagandaslang, dieser Blitzkrieg. Die polnischen Eliten, das heißt insbesondere Politiker, Intellektuelle und so weiter, werden gezielt ermordet auf beiden Seiten der Aufteilung. Bekannt ist da vor allem das Massaker von Katyn, das die Sowjetunion begeht. Aber es gibt eben auch auf deutscher Seite zahlreiche Massaker an Intellektuellen und anderen Eliten. Und das Ziel ist es im Grunde, die Führungsschicht der polnischen Bevölkerung auszulöschen, sodass im Grunde die politischen Führer nicht mehr existieren, sodass man im Grunde das Land so relativ leicht beherrschen kann, weil es eben keine Führungsfiguren gibt. Und da werden auch schon die ersten Anzeichen dessen sichtbar, was später als Vernichtungskrieg dann bezeichnet wird.

Vernichtungskrieg

Also das Ziel der Auslöschung der Eliten und eigentlich der ganzen lokalen Kultur und letztlich das Ziel der Versklavung der in Anführungszeichen rassisch minderwertigen Bevölkerung vor Ort. Im Grunde geht es also darum, diese in Anführungszeichen slawischen Menschen, die man für Untermenschen in Anführungszeichen hält, zu versklaven und sozusagen gefügig zu machen.1940 beginnt dann der Westfeldzug. Wir haben schon in der vergangenen Folge gehört, dass Großbritannien und Frankreich Polens Unabhängigkeit garantiert haben. Das heißt, dieser Überfall erzwingt die beiden Staaten im Westen zu einer Kriegserklärung. Und zunächst mal bleibt es da an der Grenze recht statisch. Aber im Mai 1940 überfällt Deutschland im Grunde Belgien, Dänemark, die Niederlande und Frankreich. Das heißt, man überfällt im Grunde die Staaten, von denen man weiß, Belgien und die Niederlande, die sind auf dem Weg nach Frankreich sehr hilfreich. Denn Frankreich ist an der deutschen Grenze, an der unmittelbar deutschen Grenze gut aufgestellt und verteidigt da relativ sicher. Aber wenn man durch Belgien und die Niederlande durchmarschiert, dann ist da eben keine so große französische Befestigung. Und auf diese Weise kann man das umgehen und in kürzester Zeit Frankreich besiegen. Das ist zwar ein ganz eklatanter Völkerrechtsbruch, man überfällt ja da zwei Staaten, die eigentlich nichts mit diesem Krieg zu tun haben, aber das ist Hitler egal, taktisch ist es für ihn ein Erfolg. Er schlägt Frankreich in kürzester Zeit, nach wenigen Wochen, ich glaube es sind sechs Wochen, ist Paris erobert und besiegt und Frankreich wird geteilt in ein formal unabhängiges Regime im Süden, das sogenannte Vichy-Regime, das aber im Wesentlichen nach der Pfeife Hitler-Deutschlands tanzt und ein besetztes Nordfrankreich. Nach diesem Sieg ist Hitler der Star in Deutschland.sozusagen die Schmach des Ersten Weltkriegs wieder gut gemacht und die Bevölkerung steht geschlossen wie selten hinter ihm. Im Grunde ist er da auf dem Höhepunkt seiner Macht. Und aus irgendwelchen Gründen, die natürlich vor allem ideologisch zu suchen sind, überfällt er im Juni 1941 auf dem Höhepunkt seiner Macht ausgerechnet die Sowjetunion, mit der er ja den Hitler-Stalin-Pakt vereinbart hat. Das heißt, er bricht dieses Bündnis ganz offen und überfällt eben die Sowjetunion in der Operation Barbarossa. Das ist so der Codenamen für diese Aktion und greift von heute auf morgen da an. Es gibt Warnungen der sowjetischen Geheimdienste an Stalin, der das aber nicht ernst nimmt, der das nicht glaubt. Und dieser Überfall trifft deswegen die Rote Armee vollkommen überraschend. Die sind komplett aus der Bahn geworfen und Deutschland schafft es in kürzester Zeit, riesige Gebiete zu erobern. Man marschiert bis kurz vor Moskau und dann bricht der Winter langsam herein und dann wird es schwierig, denn darauf sind die Deutschen nicht vorbereitet. Der Widerstand der Roten Armee wird dann auch intensiver, man wehrt sich mit größerem Erfolg und der Effekt ist, dass Deutschland stecken bleibt und dann dreht sich das Kriegsglück relativ schnell. Im Winter 1942-1943 kommt es zur Schlacht von Stalingrad. Das ist für beide Diktatoren, für Stalin genauso wie für Hitler, eine Propagandaaktion im Grunde. Denn hier kämpft man ja um die Stadt, die den Namen des sowjetischen Diktators trägt. Und es gewinnt aber eben die Rote Armee hier die Oberhand. Und im Frühjahr 1943 ist die Schlacht verloren.Das Ziel dieses Krieges ist die Ausbeutung der eroberten Gebiete zugunsten der deutschen Kriegsziele und der deutschen Bevölkerung. Es geht also darum, zum einen, dass Deutsche diesen Lebensraum im Osten besiedeln sollen und dass die Einheimischen auf das Niveau eines Arbeitssklaven reduziert werden. Das kann man auch aus der Sprache der Nationalsozialisten ablesen. Man spricht da von den Untermenschen, wenn man über die Bewohner der slawischen Gebiete spricht. Man spricht über kulturschaffende Rassen, damit meint man die deutschen und kulturzersetzende Rassen, damit meint man eben zum Beispiel die slawische Rasse in Anführungszeichen. All das zeigt so ein bisschen diese ganz massive Wertung und vor allem Abwertung der unterworfenen Völker im sowjetischen und im generell osteuropäischen Raum. Dieser Krieg, der wird als Vernichtungs- und Weltanschauungskrieg geführt und bezeichnet.

Weltanschauungskrieg

Vernichtungskrieg bedeutet natürlich ganz klar, dass es darum geht, die sowjetischen, in Anführungszeichen, Untermenschen brutal zu ermorden im großen Stil. Vor allem die Soldaten und die Parteiangehörigen sind davon betroffen. Es gibt den sogenannten Kommissarbefehl, mit dem auch der Wehrmacht der Befehl erteilt wird, alle politischen Kommissare der Roten Armee zu ermorden. Das sind sozusagen Abgesandte der kommunistischen Partei, die in der Roten Armee politisch tätig waren. Das heißt, es ist ein direkter Befehl, bestimmte gegnerische…Soldaten umzubringen, einer der mit sämtlichen Konventionen zum Thema Krieg nicht vereinbar ist und damit ein Verbrechen darstellt. Es geht aber auch darum, die Partisanen zu bekämpfen, also Widerstandskämpfer vor Ort, die zum Beispiel sich aus der lokalen Bevölkerung versorgen, zu bekämpfen. Das macht man, indem man wiederum neue Kriegsverbrechen begeht, indem man Repressalerschießungen durchführt, also zum Beispiel in benachbarten Dörfern, von denen man glaubt, dass sie die Partisanen unterstützen, Zivilisten im großen Stil ermordet. Aber man bringt auch die Zivilisten selbst um, wenn sie sich der Besatzungsmacht in den Weg stellen oder sich der Kollaboration verweigern. Letztlich ist also das Ziel oder vielleicht auch die In-Kaufnahme der Vernichtung der Bevölkerung zur Durchsetzung des Sieges völlig eindeutig. Es geht also nicht darum, hier einen Krieg zu führen mit einem Gegner auf Augenhöhe, sondern man vernichtet den Gegner ganz gezielt. Auf der anderen Seite sprechen die Nationalsozialisten auch von einem Weltanschauungskrieg. Dahinter steckt die Vorstellung, dass man einen Krieg der Ideologien führt, dass also sozusagen die nationalsozialistische Ideologie gegen die kommunistische Ideologie hier einen Krieg führt, um die Frage, wer die richtige Weltanschauung hat. Und beide Positionen gehen natürlich dahin, dass man letztlich den Krieg mit einer besonderen Brutalität führt, eben weil der Gegner ein Stück weit entmenschlicht wird, ein Stück weit als ein Gegner angesehen wird, dem man das Lebensrecht abspricht. Und auf diese Weise brutalisiert sich dieser Krieg in hohem Maße. Mit dem Ende der Schlacht bei…Bei Stalingrad und der deutschen Niederlage wird erkennbar, dass der Zweite Weltkrieg für Deutschland im Grunde verloren ist. Aber die Nationalsozialisten wollen nicht klein beigeben, die wollen auch nicht kapitulieren, sondern sie wollen im Grunde bis zum letzten Mann versuchen, diesen Kampf durchzustehen. Und Goebbels spricht in diesem Zusammenhang dann eben in seiner berühmten Rede im Sportklast vom totalen Krieg. Was ist mit dem totalen Krieg gemeint? Die Idee ist, dass alle Bereiche der Gesellschaft mit in den Krieg einbezogen werden sollen, also auch der Zivilgesellschaft. Und das geht zum Beispiel, indem ich die Rüstungsproduktion ganz stark erhöhe und dafür die Produktion von Konsumgütern, zum Beispiel Lebensmitteln und so weiter, deutlich zurückfahre und damit den Lebensstandard der Menschen insgesamt senke. Zugunsten einer verbesserten Kriegswirtschaft. Das heißt natürlich letzten Endes, dass auch jeder Zivilist von dem Krieg unten drüber betroffen ist. Deswegen spricht man vom totalen Krieg, sozusagen einem Krieg, der alle berührt. Dieser totale Krieg, der ist letztlich eine erhebliche Verschärfung der kommenden Niederlage für Deutschland, eben weil bis zum letzten Mann sozusagen gekämpft wird. Das heißt, das Ergebnis dieses totalen Krieges ist es, dass am Ende weite Teile Deutschlands besetzt oder zerstört sind, dass es nochmal mehrere Millionen Gefallene auch auf deutscher Seite insbesondere gibt. Man sagt, ungefähr die Hälfte der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs für Deutschland entstehen in diesen letzten zwei Kriegsjahren eben aufgrund der gigantischen Schlacht, die da sozusagen noch im eigenen Land geführt wird. Aber es gibt auch noch viele weitere Todesopfer, zum Beispiel die Konzentrationslagerinsassen, die auf Todesmärschen nach Westen.getrieben werden, je weiter die Sowjetunion vorrückt und in Richtung dieser Konzentrationslager vorrücken kann.

SS

Im April 1945 kommt es dann zu den Selbstmorden im sogenannten Führerbunker in Berlin. Hitler bringt sich am 30. April, um wenig später auch Goebbels, und am 8. Mai 1945 kapituliert Deutschland. Das bedeutet noch nicht, dass hier an dieser Stelle der Zweite Weltkrieg vorbei ist. Die USA führen weiterhin im Pazifik einen brutalen Krieg gegen Japan, das mit Deutschland verbündet ist. Und der endet erst mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki im August und damit der Kapitulation Japans. Insgesamt produziert der Zweite Weltkrieg über 70 Millionen Tote. Das sind insbesondere 24 Millionen in der Sowjetunion, 20 Millionen in China, 8 Millionen Tote für Deutschland, 6 Millionen für Polen und 3 Millionen für Japan und noch viele mehr in anderen Staaten. Neben diesen ganz grundsätzlichen Verbrechen des Krieges ist natürlich auch der Holocaust und die Shoah ein ganz essentieller Teil des Zweiten Weltkriegs, den man inhaltlich kaum davon trennen kann. Den besprechen wir in der nächsten Folge. Wir haben heute über den Zweiten Weltkrieg als Vernichtungskrieg und Weltanschauungskrieg gesprochen und über den totalen Krieg, als welcher er insbesondere in Deutschland endet. Diese Begriffe sind Teil des Bildungsplans für das zweite Halbjahr der Kursstufe in Geschichte. Bitte denkt daran, dass ich dabei immer den Bildungsplan von Baden-Württemberg meine. Die Bildungspläne sind sich überall ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, dann werft ihr.einen Blick auf euren eigenen Bildungsplan, damit ihr immer gut vorbereitet seid. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann lasst mir gerne einen Kommentar da, abonniert den Podcast und teilt ihn mit euren Freunden, damit die sich auch gut auf Klassenarbeiten und das Abitur vorbereiten können. Für mich ist jeder Hörer eine große Motivation. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.