Holocaust und Shoa - Leistungskurs Geschichte 24
Wie kommt es um 1942-1945 zur industriellen Ermordung von sechs Millionen Menschen, und wer trägt die Schuld daran? Wir sprechen über die Begriffe:
-
Zwangsarbeit,
-
“Endlösung”,
-
Deportation,
-
Holocaust,
-
Shoa
-
und die Frage nach der Schuld.
Willkommen bei geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassen arbeiten und das Abitur im Fachgeschichte vorzubereiten. In der vergangenen Folge haben wir über den Zweiten Weltkrieg gesprochen, aber in mehrster Linie über die militärische Seite. Zugleich passieren aber beim Zweiten Weltkrieg auch eine ganze Reihe von fürchterlichen Menschheitsverbrechen nicht zuletzt der
Holocaust
und die sogenannte
Shoa
. Diese verbrechen wir uns heute etwas näher anschauen. Wir haben bereits so bergeredet, dass der Zweite Weltkrieg aus der Sicht der Deutschen ein Vernichtungs- und ein Weltanschauungskrieg ist. Ein Krieg sozusagen im ideologischen Sinne nicht um ein Territorium, sondern um die Vorherrschaft einer bestimmten Ideologie und zugleich ist es auch immer ein Rassengedanke, der dahinter steckt, also auch die Vorherrschaft eben einer gewissen Rasse aus Sicht der Nationalsozialisten natürlich der in Anführungszeichen arischen Rasse, zu der auch die Deutschen gehören in ihrer Ansicht. Dieser sogenannte Weltanschauungskrieg der führt dazu, dass man die unterwaufenden in Anführungszeichen Rassen oder Völker dann auch ausbeuten darf und möchte, eben weil man der Ansicht ist, man sei die überlegende, die kulturschaffende, die zivilisiertere Rasse. Und dieser Gedanke der führt dazu, dass man die in Anführungszeichen untermenschen der anderen Rassen für
Zwangsarbeit
einsetzen möchte. Diese Zwangsarbeit die trifft im Grunde alle die, die man da erwischt. Das heißt, das betrifft sowohl die Juden, die in den Konzentrationslagern ausgebeutet und ermordet werden, aber eben auch zur Zwangsarbeit verwendet werden. Es betrifft aber auch zahlreiche andere Menschen, eben Kriegsgefangene aus Russland und viele andere Zivilisten, die daran hauhaft werden kann und die man dann für deutsche Firmen schuften lässt. Und in Deutschland werden die teilweise also im Kernland eingesetzt, zum Beispiel in der Rüstungsindustrie, aber auch bei großen Konzernen, von denen es viele heute noch gibt, zum Beispiel VW, Bosch, Daimler, aber auch zum Beispiel die Keksfabrik Basen verwendet, Zwangsarbeiter aus dem Osten, um günstiger Arbeitskräfte zu kommen. Ein Stück weit lässt sich diese Zwangsarbeit auch als Teil des sogenannten totalen Kriegs ansehen, über den wir letztes Mal schon gesprochen haben. Wenn ich die Industrie in Deutschland immer mehr auf Kriegswirtschaft ausrichten möchte, wie das Gewürz 43 in der Sportpalastrede ankündigt, dann macht es natürlich auch Sinn, die Arbeitskräfte, die man zur Verfügung hatte, das sind eben zum Beispiel Kriegsgefangene oder unterworfene Zivilisten, dann auch einzusetzen für diese Kriegswirtschaft. Deutschland verwendet im Zweiten Weltkrieg im Grunde zwei getrennte Militärapparate, nämlich die SS und die Wehrmacht. Das sind eigentlich zwei völlig unterschiedliche Konstrukte, die aber nebeneinander gemeinsam den Zweiten Weltkrieg für Deutschland führen. Die Wehrmacht ist im Grunde die klassische Armee, die Deutschland schon seit dem Kaiserreich kennt. Das ist die ganz reguläre Armee, die allerdings seit der Herrschaft Hitler eben auf Hitler als den Anführer Verteidigung vereidigt wird. Das heißt, diese Wehrmacht ist auch ebenfalls schon ein Stück weit ein Werkzeug des Nationalsozialismus geworden und auch sie ist an schweren Kriegsverbrechen beteiligt. Aber die SS ist in dieser Hinsicht führend. Die SS, die sogenannte Schutzstaffel, die stammt ursprünglich aus der Leibgarde Hitlers oder war ursprünglich die Leibgarde Hitlers und sie wird zu einer Art Elite-Truppe der Nationalsozialisten, die ganz besonders selektiert und ausgebildet werden. Das sind weltanschaulich selektierte, trainierte, indoktrainierte Soldaten, die in hohem Maße brutalisiert werden, die zum Teil im Kriegseinsatz eingesetzt werden, aber auch in den Vernichtungslagern für die wesentlichen Gräueltasen des Nationalsozialismus verantwortlich sind. Besonders berüchtigt sind da die sogenannten SS-Totenkopfverbände, die so heißen, weil sie eben dieses Totenkopfomblem an ihrer Kleidung tragen und für ganz viele schwere Kriegsverbrechen verantwortlich sind. Auf der anderen Seite haben wir auch die sogenannte Waffen-SS, sozusagen den bewaffneten Arm, eben gerade die militärischen Flügel der SS, der seinerseits auch an ganz vielen Verbrechen beteiligt ist. Die SS spielt insbesondere dann eine große Rolle, wenn es ab 1942 an eine groß angelegte Vernichtung der Juden Europas geht. Die sogenannte Wannsee-Konferenz, die in Berlin im Jahr 1942 stattfindet, ist der organisatorische Auftakt dazu. Dort wird organisiert und geklärt, wie die sechs Millionen Juden im deutschen Einflussbereich in die Vernichtungslager gebracht werden sollen, wie sie umgebracht werden sollen und wie das ganze organisatorisch zuhandhaben ist. Dabei geht es darum insgesamt, wie gesagt, sechs Millionen Menschen umzubringen. Der große Teil davon lebt im sogenannten General-Gouverne-Mord, das entspricht ungefähr dem heutigen Polen. Und da werden die Betroffenen in die Vernichtungslager, das sind vor allem Auschwitz, Belgek, Sobyboa, Treblinka und Maidanec,
Deportation
deportiert und dort dann in der Regel vergast. Ab dem Jahr 1942 beginnen dann die in intensivierten Deportationen der Juden sowohl aus Deutschland als auch aus besetzten Gebieten in die Konstellations- und Vernichtungslager. Aber es trifft auch andere Gruppen, zum Beispiel die Sinti und Roma. Früher hat man Zigeuner dazugesagt und andere, die man nicht als zur Volksgemeinschaft gehörig ansieht, zum Beispiel homosexuelle, psychisch kranke, in Anführungszeichen Erdkranke, also all diese Menschen, die aus Sicht der Nationalsozialisten aus in Anführungszeichen rassenhygienischen Gründen ausgesondert werden müssen, die trifft da mit der Zeit eine Form der Deportation in entweder Konzentrations- oder Vernichtungslager. Insbesondere wenn es um behinderte Menschen geht, dann greift da auch die Aktion T4, die sogenannte Euthanasie. Euthanasie ist griechisch für ein schöner Tod und die Idee der Euthanasie ist es, abkrankten Nachwuchs zu verhindern, also im Grunde Erbkrankheiten gesellschaftlich auszusundern, indem man diese Menschen entweder zwangssterilisiert oder ermordet. Diese Aktion, die trifft vor allem Kinder, aber später auch Erwachsene und beginnt 39 und bereits 1941 wird sie wieder eingestellt, vor allem weil die Kirchen sehr öffentlichkeitswirksam dagegen protestieren. Da sind einige wenige Priester, die ganz besondere Rolle spielen dabei. Letztlich ist es ein Beispiel für die Vernichtung von in Anführungszeichen lebensunwertem Leben, zumindest dem, was der Nationalsozialismus dafür hält. Die Vernichtung der europäischen Juden, die etwa 6 Millionen Opfer fordert, die nennt man heute Holocaust oder Shoah. Diese beiden Begriffe, die haben eine unterschiedliche Stoßrichtung. Der Holocaust, das ist ein griechischer Begriff, der bezeichnet wörtlich so was wie eine Verbrennung oder heißt so was wie ausgebrannt, völlig verbrannt oder sowas. Man liest auch das Brand Opfer. Die Shoah dagegen ist hebräisch und bedeutet im Wesentlichen einfach Katastrophe. Diese beiden Begriffe, die stehen so ein bisschen im Konkurrenz zueinander. Der Begriff Holocaust, der kam sehr viel früher auf. Die Shoah ist ein Begriff der erst seit den ungefähr 70ern in der Öffentlichkeit ist. Das kommt insbesondere aus der gleichnamigen Fernsehserie. Wer ist nun an der Vernichtung dieser 6 Millionen Menschen schuld? Letztlich ist es schwierig zu beantworten, aber man kann sich interview überlegen, wer alles mit drin hängt.
“Endlösung”
Früher haben insbesondere diejenigen, die man versucht hat, zu bestrafen. Für diese Verbrechen gerne behauptet, dass der Befehl ja eben von Hitler kam und das war eben der Führer und da hatte man zu Gehorchen. Aber diese Erklärung greift natürlich zu kurz. Jeder, der organisatorisch dabei mithilft, ein solches Verbrechen durchzuführen, ist in gewisser Weise Teilschuld daran und trägt damit Verantwortung für Morde. Auch Firmen, die zum Beispiel im großen Stil Zyklon B geliefert haben, das Gas, das in den Gaskammern von Auschwitz eingesetzt wurde, die müssen sich doch zumindest sehr gewundert haben, wie groß die Anzahl an Ungeziefer in diesem Konzentrationslager ist, dass man so viel Giftgas da braucht. Und auch andere Firmen, die zum Beispiel die Zwangsarbeit in den Konzentrationslagern ausgenutzt haben, haben da natürlich irgendwie das System gestützt und unterstützt und am Laufen gehalten und damit auch eine Mitschuld an diesem Massenmord. Das gleiche kann man für all die Beamten sagen, die in verschiedenen Ministerien organisatorisch Unterstützung geleistet haben. Man kann die deutsche Bahn, die damals die Gereichsbahn im Verdacht haben, doch erheblich mitgewusst zu haben, was da los ist, wenn sie im großen Stil volle Züge von irgendwo nach Auschwitz rollen lassen, die dann leer zurückfahren. All diese Player und damit ein großer Teil der deutschen Bevölkerung hatten irgendwie damit zu tun, was im Holocaust abgelaufen ist. Und die vielgehörte Argumentation, man habe ja davon nichts gewusst, insbesondere in den 50er und 60er Jahren, war das der übliche Tenor, die kann man eigentlich nur verwerfen.
und die Frage nach der Schuld
Wir haben heute über die SS und die Wehrmacht gesprochen, über die sogenannte Endlösung der Judenfrage, die Deportation zahlreicher Menschen, den Begriff Holocaust und Shoah und damit alle möglichen Begriffe im Kontext eben der Vernichtung des Judentums, insbesondere durch die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg. Das sind alles Begriffe, die Teil des Bildungsplans für das zweite Halbjahr der Kursstufe in Geschichte sind. Wenn ich das so sage, dann denke ich an den Bildungsplan von Baden-Württemberg, weil ich da selbst Geschichte unterrichte. Die Bildungspläne sind sie überall ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, dann werft zu Sicherheit einen Blick auf euren eigenen Bildungsplan, damit ihr immer gut vorbereitet seid. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, lasst gerne ein Kommentar da, abonniert den Podcast und teilt ihr mit Freunden, die sich auch auf Klassenarbeiten oder das Abitur vorbereiten. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mit treu.