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Beginn des Kalten Krieges - Geschichte Leistungskurs 28

Staffel 1, Folge 28 28.05.2024 00:10:05
Fachbegriffe: Sozialismus und KapitalismusZentralverwaltungswirtschaft und MarktwirtschaftSystemkonfliktMachtkonfliktund den beginnenden Rüstungswettlauf

Woher kommt der Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion? Wir sprechen über:

  • Sozialismus und Kapitalismus,

  • Zentralverwaltungswirtschaft und Marktwirtschaft,

  • Systemkonflikt,

  • Machtkonflikt,

  • und den beginnenden Rüstungswettlauf.

Diese Folge deckt die erste Hälfte des Kapitels “Grundstrukturen des Kalten Krieges” ab.

One Communist on the faculty. Of one university is one Communist too many. Even if there were only one Communist in the State Department. Even if there were only one Communist in the State Department. There could still be one Communist too many. Jeder einzelne Kommunist ist einer zu viel. Das ist der Kern dieser Rede von Josef McCarthy aus dem Jahr 1952. Die Angst vor dem Kommunismus und der beginnende kalte Krieg. Das ist das Thema unserer heutigen Folge. Willkommen bei geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch fachlich fundiert und unterhaltsam auf das Abitur und Klassenarbeiten im Fach Geschichte vorzubereiten. Wir sprechen heute über die Grundstrukturen des kalten Krieges.

Sozialismus und Kapitalismus

Kommunismus und Kapitalismus sind Gegensätze zueinander. Der Kommunismus ist schon bei seiner Erfindung durch Karl Marx als der Gegensatz zum Kapitalismus angelegt. Es geht darum, ein gerechteres, menschlicheres System zu erfinden. Das ist Marx erklärtes Ziel, um zu vermeiden, dass der Wohlstand der Entfolge der Industrialisierung geschaffen wurde. Eben nur einer kleinen Schicht von wohlhabenden Fabrikbesitzern zugutekommt, während die große Mehrheit der Proletarier, der Arbeiter, Hunger leidet und arm bleibt. Es geht also darum, diesen Wohlstand fair zu verteilen. Das stellt sich vor, dass die Arbeiter eine Diktatur an sich reißen müssen, um diese alte Ordnung des Kapitalismus zu überwinden. In der Sowjetunion unter Stalin ist eine Weiterentwicklung dieses marxistisch angehauchten Kommunismus. Wir nennen das den Leninismus. Das ist sozusagen die von Lenin weitergedachte Version auf Russland adaptierte Version des kommunistischen Denkens. Im Kern sind die Ideen nach wie vor ähnlich. Es ist aber da von einer sehr starken Zentralverwaltungswirtschaft her ausgedacht.

Zentralverwaltungswirtschaft und Marktwirtschaft

Es geht vor allem darum, dass der Staat ganz massiv regelt, was in seinem Land produziert wird und was nicht und in welchem Umfang und in welcher Weise. Diese Zentralverwaltungswirtschaft ist im Grunde eine von der Regierung gelenkte Planwirtschaft. Auf der anderen Seite haben wir das amerikanische Modell mit einem relativ freien Spiel der Märkte des Kapitalismus. Dieser Gedanke, dass jeder seines Glückes schmied ist, ist das, was den amerikanischen Wirtschaftsraum auszeichnet. Das ist eine individualistische Herangehensweise, ganz im Gegensatz zu der kollektivistischen Herangehensweise der Sowjetunion oder des Kommunismus. Diese amerikanische Variante nennt man eine freie Marktwirtschaft oder eine liberale Marktwirtschaft, verbunden mit der liberalen Demokratie, die dort auch existiert. Ein kleines Begriffsproblem ist immer der Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus. Der Kommunismus ist in der Marxistischen Lehre die Endstufe dieser Herrschaftsform. Da ist sozusagen schon das Paradies gewissermaßen erreicht. Die Menschen haben alle verstanden, dass diese Herrschaftsform die richtige ist. Und man kann im Prinzip den Menschen freie Entscheidungen aller Art ermöglichen, denn sie sind jetzt ja vernünftig geworden, haben eingesehen, dass der Kommunismus die beste Lösung ist. Auf dem Weg dahin befindet man sich im Sozialismus. Das ist eine Phase, die darauf hinauslaufen soll, in den Kommunismus zu kommen. Aber man hat noch ein Stück Arbeit vor sich. Die Arbeiterschicht muss nach wie vor in Form einer Diktatur über weite Teile der Bevölkerung herrschen, weil die noch nicht so weit sind. Das ist im Prinzip die Unterscheidung zwischen Sozialismus und Kommunismus. Und wenn man es streng betrachten will, ist der Kommunismus eine reine Utopie. Da ist nie ein Staat bis heute hingekommen. Ob da jemals jemand hinkommt, das kann man mit seinem Menschenbild ausmachen. Wir haben also hier durch diesen Systemgegensatz zwischen Sozialismus und Kommunismus von Anfang an einen

Systemkonflikt

. Also einen Konflikt zwischen diesen beiden Systemen, die in sich inkompatibel und direkt gegeneinander gerichtet sind. Und diese Konflikte beziehen sich auf ganz unterschiedliche Bereiche, eben auf das Wirtschaftssystem, aber auch auf Fragen der Herrschaftsorganisation, auf die Rolle des Individuums, die Menschenrechte und vieles mehr. Im Zweiten Weltkrieg haben nun diese beiden Systeme in Form der USA und der Sowjetunion Seite an Seite gegen das Dritte Reich gekämpft und waren da verbündete, aber das ist eigentlich nur ein Zweckbündnis, um eben das Dritte Reich loszuwerden und einzuhägen. Auf der anderen Seite ist aber schon ganz früh, spätestens 1943, im Rahmen der Konferenz von Yalta, ganz klar erkennbar, dass da gewisse Bruchlinien existieren, über die man nicht hinwegkommen wird, weil eben die Gegensätze so massiv sind. Neben dem reinen Systemkonflikt, also dem, sozusagen ideologisch wirtschaftlichen Konflikt, haben wir auch einen unmittelbaren

Machtkonflikt

. Die USA haben das Ziel, die europäischen Staaten in ihren Wirtschaftsraum einzubinden, um ihre eigene wirtschaftliche Großmacht, die Amerikaner sind die mächtigste Volkswirtschaft der Welt in dieser Zeit, im Sinne der Wirtschaft, die wollen sie nutzen, diese Wirtschaftsmacht, um auch politische Macht daraus zu schlagen. Das geht am leichtesten, wenn man die europäischen Staaten durch Freihandel und durch die Verbreitung des Systems der liberalen Demokratie, sozusagen in den eigenen Hafen holt, also wenn die auch mit einem handeln und man selbst ist der größte Händler in diesem Welthandelssystem, dann ist diese Wirtschaftsmacht unmittelbar auch eine politische Macht. Die Sowjetunion hat ein eher anderes Ziel, die wollen ja gerade nicht mit den USA in Wettbewerb treten, schon allein, weil ihre ideologischen Vorstellungen dem widersprechen. Die Sowjetunion möchte wiederum in diesen unterworfen, das ist der falsche Ausruf, in den besetzten osteuropäischen Staaten, Volksdemokratien nach dem eigenen Modell zu errichten, also sozialistische Demokratien zu errichten, das heißt keine liberalen Demokratien, sondern solche, die eben wieder durch die Arbeiterklasse diktatorisch sozusagen verwaltet werden. Das Ganze soll nach einem sowjetischen Vorbild im Prinzip laufen, also nach dem eigenen Vorbild. Und natürlich steckt dahinter immer der Hintergedanke, dass man da letztlich eigentlich nur sozialistische Satellitenstaaten der Sowjetunion hochziehen will, die dann natürlich von der kommunistischen Partei aus Moskau gelenkt werden sollen. Das heißt, es geht der Sowjetunion ganz stark darum, die eigene internationale Isolation zu beenden und sich zu einer Großmacht auf dem europäischen Kontinent zu machen, im Gegenentwurf zu den USA. Es ist also ein Konflikt, der auch um Einfluss, um territoriale Macht-Sphären sich dreht, ein Konflikt um politische und wirtschaftliche Macht. In dieser Machtkonflikt, der ist im Prinzip untrennbar von dem Systemkonflikt, der eben auf ideologischer Seite da existiert. Dieser Konflikt, der verschärft sich dann hinein in einen

und den beginnenden Rüstungswettlauf

. Die Sowjetunion erkennt oder bemerkt natürlich 1945 auch die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Das ist ein Ereignis im August 1945, als die Amerikaner zwei Atombomben auf Japan abwerfen und damit die Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg erzwingen. Und damit wird sichtbar, was für eine katastrophale Wirkung diese neue Waffe der USA hat. Die Sowjetunion ist bereits auch in der Forschung ganz aktiv. Die haben da auch Spione im amerikanischen Atombaffenprogramm und sind auf dem besten Weg auch Atombaffen zu erreichen und zu testen. Und diese parallele Forschung an Atombomben, die führt natürlich zu einer immer deutlicheren gegenseitigen Aufrüstung. Denn beide Staaten wollen sich selbst absichern gegen einen möglichen Atomangriff der anderen Seite. Man kann diese Atomraketen nicht in der Zahl abschießen, wie sie geflogen kommen können. Das ist aus technischen Gründen anscheinend nicht möglich. Also macht man Folgen, dass man baut selber so viele Atomstrebsprengköpfe, dass für den anderen das Risiko extrem hoch wäre, einen Konflikt zu beginnen und man deswegen auf beiden Seiten lieber die Finger stillhält. Man nennt das die garantierte gegenseitige Vernichtung. Und mit diesem Gedanken des in Anführungszeichen Atomaren Gleichgewichtes kann man sich eine ganze Weile konfliktfrei, kann man nicht sagen, aber zumindest in Form eines nicht heißen Krieges miteinander arrangieren. Und deshalb nennen wir diesen Konflikt heute den Kalten Krieg. Wir haben heute über die Grundstrukturen des Kalten Krieges gesprochen, über den Sozialismus und den Kapitalismus, über den Systemkonflikt zwischen den beiden, über die Zentralverwaltungswirtschaft und die Marktwirtschaft. Wir haben über den Machtkonflikt zwischen den beiden Seiten gesprochen und über den Rüstungswettlauf, der zwischen ihnen in den Kalten Krieg münden wird. Das sind Begriffe, die sind Teil des Bildungsplans für das dritte Halbjahr der Kursstrufe in Geschichte. Damit meine ich den Bildungsplan von Baden-Württemberg, weil ich selbst dort Geschichte unterrichte. Die Bildungspläne sind sich überall ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, ein Blick in euren eigenen Bildungsplan, damit ihr immer gut vorbereitet seid. Wenn euch die Folge gefallen oder geholfen hat, lasst gerne einen Kommentar da, abonniert den Podcast und teilt ihn mit Freunden oder Bekannten, die sich auch auf Klassenarbeiten oder das Abitur vorbereiten. Für mich ist es eine große Motivation, zu sehen, dass Leute die Podcasts hören. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu. Copyright WDR 2021