Protest in der DDR - Geschichte Leistungskurs 32
Heute sprechen wir im Leistungskurs Geschichte über
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den Aufstand des 17. Juni 1953,
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den Ungarnaufstand und den Prager Frühling,
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die “Republikflucht” und den Mauerbau.
Die Systeme des globalen Osten und Westen im kaltem Krieg unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht, aber sie unterscheiden sich ganz besonders darin, wie sie mit ihrer Zivilgesellschaft und mit Protest umgehen, und dieser Umgang mit dem Protest im Osten, den schauen wir uns heute näher an. Willkommen bei geschichtsterer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassen arbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vorzubereiten. Heute sprechen wir über den Umgang mit Protest im Ostblock, insbesondere in den von der Sowjetunion dominierten Staaten Ungarn Czechoslovakai und DDR. Und wir beginnen mit der DDR. Da wird am 17. Juni 1953 der sogenannte Aufstand des 17. Junis, so heißt er in der Geschichtsschreibung, unternommen.
den Aufstand des 17. Juni 1953
Und dieser Aufstand richtet sich zunächst eigentlich gegen bestimmte Arbeitsnormen. Und dazu muss man verstehen, dass im Kommunismus und im sozialistischen System grundsätzlich die Normen, was ein Arbeiter am Tag zu leisten hat, vom Staat vorgegeben wird, das ist diese sogenannte Planwirtschaft. Und diese Arbeitsnormen können verändert werden, je nachdem, was die aktuelle Politik für erforderlich hält, sagen wir mal so. Und die Erhöhung der Arbeitsnormen sorgt natürlich immer dafür, dass die Arbeiter unzufrieden sind, weil sie mehr arbeiten müssen und dann in der Regel fürs gleiche Geld. Und eine Erhöhung der Arbeitsnormen sorgt dafür, dass es einen Arbeiteraufstand in Ostberlin gibt, am 16. Juni und innerhalb kürzester Zeit, weitet er sich aus zu einem allgemeinen Protest gegen die Regierung der SED. Und deswegen sprechen wir vom Aufstand des 17. Juni, weil es am folgetag eben dann schon eine Massentemonstration ist mit 100.000ern von Menschen. Die Sowjetunion reagiert auf diesen Aufstand in ihrem Satellitenstaat DDR, indem sie sowjetische Truppen diese Leute niederschlagen lässt, so die Aufstände niederschlagen lässt. Das heißt, da werden Panzer und Soldaten aufgefahren, die diese Demonstrationen auseinander treiben und dabei auch auf Leute schießen. Es gibt 55 Tote und etliche Verhaftungen. Und dieses Muster der gewaltsamen Unterdrückung, das zeigt den Menschen in der DDR, wie die Sowjetunion mit ihren in Anführungszeichen Verbündeten hier umgeht. Die verschärfte Repression, die in der Folge dann stattfindet und der Ausbau der Stasi, die treiben die Leute noch zusätzlich gegen die, oder bringen die Leute noch zusätzlich gegen die SED-Herrschaft, gegen den Sozialismus in der DDR auf, gegen die Sowjetunion auf. Und in der Folge des 17. Juni 1953 haben wir ganz stark wachsende Fluchtbewegungen in den Westen. Das heißt, die Menschen packen ihre Sachen und ziehen in den Westen nach Westdeutschland oder andere westeuropäische Staaten, um eben vor der Repression in der DDR und in diesem sowjetischen System zu flüchten. Ein ganz ähnliches Vorgehen haben wir sowohl in Ungarn als auch in der Tschechisch-Slovakie.
den Ungarnaufstand und den Prager Frühling
In 1956, drei Jahre nach der DDR, gibt es den sogenannten Ungarnaufstand, der aus ähnlichen Motiven herausbeginnt, auch eben aus in erster Linie Unzufriedenheit mit dem sowjetischen System. Und dieser Ungarnaufstand, der verläuft auch ganz ähnlich. Wir haben Demonstrationen, die sich zu massen Demonstrationen ausweiten. Wir haben dann zunehmend Reformwünsche und das ganze Ende damit, dass die Sowjetunion Panzer schickt und 3.000 Menschen erschießt und jede Menge Leute wiederum in zur Flucht in den Westen motiviert letzten Endes. Und nochmal das Gleiche haben wir mit dem Prager Frühling 1968, das ist jetzt nochmal 12 Jahre in die Zukunft. Da haben wir im Grunde auch eine grundsätzliche Unzufriedenheit mit dem sowjetischen System. Auch dort kommt es zu Reformversuchen unter dem ersten Sekretär der Kommunistischen Partei, der einen Sozialismus mit menschlichem Anklitz anstrebt. Das heißt, er will nicht weg vom sozialistischen System, sondern er will das sozialistische System so reformieren, dass man es besser aushält in Anführungszeichen, dass es freiheitlicher wird, dass es zum Beispiel Pressefreiheit gibt, dass es gewisse wirtschaftliche Freiheiten gibt und so weiter. Aber dieser Versuch, den Sozialismus menschlicher zu machen, wird von der Sowjetunion als Bedrohung empfunden, weil es ja das eigene System infrage stellt und deswegen wiederum mit Waffengewalt niedergeschlagen ist, erfolgt eine sogenannte Normalisierung. Auf gut Deutsch werden die Reformen von Dubcek zurückgenommen und auch hier haben wir wieder eine riesige Enttäuschung in der Bevölkerung über die Nichtreformierbarkeit des Sozialismus, die hier erkennbar wird und eine große politisch gesellschaftliche Resignation, die letztlich dazu führt, dass viele Menschen in den Westen flüchten. Wir haben jetzt schon mehrfach gehört, dass Menschen aufgrund der Erfahrungen, der Niederschlagung dieser Ereignisse in den Westen flüchten.
die “Republikflucht” und den Mauerbau
Das ist in der DDR ein besonders großes Problem, weil in der DDR gibt es ja einen deutschen Nachbarstaat, der im Grunde für die Nationalidentität ein ganz ähnlicher Staat ist. Das heißt, die man aus der DDR kann, relativ problemlos, sich kulturell in der BRD trüben einfügen und einfinden und dort sein Leben weiter gestalten und die BRD, die macht das den Leuten auch ganz gezielt leicht. Also die Flüchtlinge aus der DDR, die in die BRD kommen, die gelten dort sofort als Staatsbürger, die werden dort sofort aufgenommen und unterstützt, um dort eben Fuß zu fassen. Und dieses Vorgehen führt dazu, dass in der DDR insbesondere gut ausgebildete junge Menschen in großen Zahlen in die BRD flüchten. Das bedeutet, dass man in der DDR Leute mit viel finanziellen Mitteln und viel Aufwand ausbildet, über Jahre hinweg dazu bringt, einen sinnvollen Beruf zu lernen und dann hauen die, wenn die 20 sind, so ist die Denke der SED-Führung, dann hauen die in den Westen ab. Und das kann ja wohl nicht sein, Ende Zitate der DDR-Führung. Und was macht man jetzt dagegen? Man entscheidet sich dazu, einen Weg zu finden, dieses Vorgehen, diese Flucht aus der DDR zu einem Kriminalfall zu machen, also zu kriminalisieren, zu einer Straftat zu machen. Und man erfindet den Straftatbestand der Republikflucht. Das heißt, wenn ein Bürger aus der DDR in die Bundesrepublik flieht, dann ist das eine Straftat, für die er in der DDR ins Gefängnis kommen kann. Jetzt ist es natürlich, so wer in der BRD angekommen ist, der wird nicht an die DDR ausgeliefert, der ist dann weg. Aber wer es versucht und scheitert, den kann man dann ins Gefängnis stecken und das macht die DDR auch in großem Stil. Und da geht man gegen vor, gegen diesen Straftatbestand, indem man die Leute dazu zu zwingen versucht, im Land zu bleiben. Und das macht man einmal durch Propaganda, aber viel effektiver macht man es, indem man Familienangehörige unterdrückt. Das heißt, wenn jemand aus der Familie sich in die BRD abgesetzt hat, dann werden dessen Familienangehörige in der DDR terrorisiert, dann werden die verhört, eventuell werden die von bestimmten beruflichen Möglichkeiten ausgeschlossen, vom Studium ausgeschlossen und so weiter, sodass es für Leute, die in die BRD flüchten möchten, ein moralisches Dilemma wird, sich zu überlegen, ob man sich das traut und vielleicht seiner Familie den entsprechenden Schaden zumuten kann oder will. 1961 macht die DDR dann noch mal ernst, und beschließt die Republikfurcht durch physische Mittel zu unterbinden und damit beginnt der Mauerbau. 1961 ist ein ganz krasser Höhepunkt in den Fluchtbewegungen aus der DDR in die BRD und die DDR entscheidet sich dazu, die sogenannte Berliner Mauer zu bauen. Allerdings ist das was was peinlich ist, denn man muss sich überlegen, dass die DDR hier ihre eigenen Bürger im eigenen Land einsperren muss, weil die sonst nicht da bleiben wollen, weil sie denen da sonst zu ätzend wissen, sie lieber in die BRD wollen. Das ist aus Prestigies Sicht natürlich eine Katastrophe für die DDR. Und die DDR, die leugnet bis in letzte Minute, dass sie vor hat, eine Mauer zwischen sich und die BRD zu bauen. Von Ulbricht gibt es dieses, Walter Ulbricht ist damals der Chef der KPD, gibt es dieses Zitat, niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen, wenige Monate bevor die Berliner Mauer gebaut wird. Und wir wissen heute, dass Ulbricht den sowjetischen Parteichef Nikita Khrushchev ziemlich lange bearbeitet hat, bis der endlich zugestimmt hat, dass diese Mauer gebaut werden darf. Denn Ulbricht hat das Problem gesehen, dass die Leute eben weglaufen, aber Khrushchev hatte Hemmungen, die Leute einzusperren und damit auch natürlich zu zeigen, dass das sowjetische System eben nicht so attraktiv ist, wie man immer getan hat. Was passiert also? Im Sommer 1961 werden, wird in einer Nacht- und Nebelaktion die Grenze zwischen der BRD oder DDR abgeriegelt. Die DDR spricht von einem antifaschistischen Schutzwahl. Und dieser sogenannte antifaschistische Schutzwahl, der soll natürlich suggerieren, dass man sich sozusagen vor Leuten aus der BRD schützen will, die illegal über die Grenze in die DDR kommen wollen könnten, um da irgendwelche schlimmen Dinge zu tun. Aber das ist natürlich völliger Blödsinn. Es geht darum, die eigenen Leute im Land einzusperren. Die Berliner Mauer ist ein Beispiel für die Unterdrückung der Menschen in den sowjetischen Staaten wie kaum ein anderes. Sie ist ein ganz erhebliches Symbol in deutschen Geschichte für eben diesen unterdrückerischen Charakter des DDR-Regimes und der sowjetischen Herrschaft und ist in diesem Sinne geschichtspulturell eigentlich der zentrale Mythos der Nachkriegszeit. Geschichte ist eine Waffe. Der 17. Juni 1953 führt zwar nicht zum Ende der sowjetischen Herrschaft in der DDR, aber er wird zu dem zentralen Symbol des Widerstands gegen die sowjetische Unterdrückung. Und in der BRD nimmt man diesen Symbolcharakter auf und gießt das in einen offiziellen Gedenktag. Der Tag der deutschen Einheit wird auf den 17. Juni festgelegt. Es gibt nun also einen Gedenktag, der die Menschen in Westeuropa, in Westdeutschland daran erinnern soll, dass es drüben auf der anderen Seite der deutsch-deutschen Grenze Menschen gibt, die von der Sowjetunion oder vom sowjetischen System gewaltsam unterdrückt werden. Und der Tag der Deutschen Einheit erinnert jedes Jahr daran, dass man selbst das gerechtere, das bessere, das menschlichere Deutschland darstellt. Dieses Selbstverständnis der BRD, das zeigt sich ganz klar in diesem Tag der deutschen Einheit, der datiert wird auf den Aufstand des 17. Juni und insbesondere auf die Niederschlagung des Aufstandes und dadurch eben Bezug darauf nimmt, dass auf der anderen Seite der Grenze ein Unrechtsregime herrscht. Wir haben heute über die Protestbewegungen in Osteuropa den Ungarnaufstand, den Prager Frühling und den Aufstand des 17. Juni 1953 gesprochen. Wir haben den Straftatbestand der Republik Flucht kennengelernt und uns über den Mauerbau 1961 unterhalten. Diese Begriffe sind Teil des Bildungsplans für das dritte Halbjahr der Kursstufe in Geschichte. Bitte denkt daran, dass ich dabei immer den Bildungsplan von Baden-Württemberg folge, weil ich da selbst Geschichte unterrichte. Die Bildungspläne sind sich überall ähnlich, aber wenn ihr in einem anderen Bundesland lernt, werft einen Blick auf euren eigenen Bildungsplan, damit ihr nichts vergesst. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, lasst gerne ein Kommentar da, abonniert den Podcast und teilt ihn mit Freunden und Bekannten. Für mich ist jeder Hörer eine große Motivation. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mit treu.