Protest in der BRD - Geschichte Leistungskurs 33
Heute sprechen wir über
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die Wiederbewaffnung,
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die 68er-Bewegung und
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den Wertewandel.
und wir wissen mit welcher Gewalt der Staat darauf reagiert. Aber wie sieht es eigentlich in Westeuropa aus? Wie sieht es in Deutschland, in der BRD aus, im Umgang mit Protestbewegungen, mit zum Beispiel der 68er Bewegung oder der Frage der Wiederbewaffnung der Bundeswehr und den Protesten dagegen? Das schauen wir uns heute an.
die Wiederbewaffnung
Willkommen bei geschichtslehrer.net. Mit meinem Podcast möchte ich euch dabei helfen, euch verständlich und kurzweilig auf Klassen arbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vorzubereiten. In der letzten Folge haben wir darüber gesprochen, mit welcher Brutalität die Staaten des Warschauer-Pakts gegen Demonstrationen, gegen Aufstände und Systemkritiker agieren. Heute schauen wir uns an, wie das eigentlich in Westdeutschland aussieht. In Westdeutschland gibt es im Jahr 1955 die erste große Debatte zwischen der Zivilgesellschaft und der Politik. 1945 ist Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg entmilitarisiert worden. Das heißt, es gibt dort keine Armee mehr. Und in der Folge dessen hat sich die BRD immer mehr an den Westen angenähert. Im Kalten Krieg ist sie zu einem ganz direkten Verbündeten des Westens geworden. Die BRD ist auch Mitglied der NATO, der North Atlantic Treaty Organisation, sozusagen dem Gegenstück zum Warschauer-Pakt. Und in diesem Sinne ist sie also ein direkter Verbündeter des Westens im Kalten Krieg. Und deshalb gibt es auch 1955 dann die Entscheidung, dass Deutschland wieder eine Armee haben darf. Und unter Konrad Adenauer, dem damaligen CDU-Bundeskanzler, wird dann die Bundeswehr gegründet. Und das ist natürlich aus der Sicht des Ostens und insbesondere DDR eine große Provokation, weil man ja einen sozusagen direkt aneinandergrenzenden Staat hat hier, der sich jetzt wieder bewaffnet. Und da herrscht natürlich auch so ein gewisses Gefühl, dass man hier eine Wiederneuauflage, der wehrmacht hat. Also im Grunde ist hier das Gefühl da, dass mit der Wiedergründung einer Armee auch so ein Stück weit der Nationalsozialismus vielleicht zurückkehrt oder vielleicht sozusagen schlimme diktatorische Erinnerungen wach werden. Und diese Wahrnehmung der Bundeswehrgründung, die führt dazu, dass es eine Friedensbewegung der Zivilgesellschaft gibt, die sich gegen diese Gründung der Bundeswehr ausspricht. Und diese politische Debatte, die hier entsteht, um die Frage einer Militarisierung Deutschlands und auf der anderen Seite des Friedenswillens Deutschlands, diese Debatte ist der erste große Streitpunkt, in dem diskutiert wird in Deutschland darüber, was eigentlich das für ein Land sein soll, ob das jetzt ein friedliches, pacifistisches Land ohne Armee bleiben soll, so wie es zwischen 1945 und 1955 war, oder ob es Sinn macht, Deutschland wieder zu bewaffnen. Da entsteht übrigens in genau diesem Zusammenhang auch ein ganz zentraler historischer Mythos der Bundeswehr, nämlich der Mythos Stauffenberg. Denn mit Stauffenberg haben wir einen Offizier der Wehrmacht, der sozusagen als positives Vorbild dienen kann. Das ist zwar nicht uneingeschränkt, aber mit Stauffenberg haben wir jemanden, der ein Attentat auf Hitler verübt hat oder versucht hat zu verüben. Und damit haben wir einen Wehrmachtsoffizier, der sozusagen auf der guten Seite steht und der sozusagen als positives Vorbild für die Bundeswehr dann Einzug in die Geschichtsbücher und an vielen anderen Orten in der Geschichtskultur in Deutschland nimmt.
In den 60er Jahren nimmt auf der ganzen Welt das Thema Bürgerrechtsbewegungen an Fahrt auf. In den USA treibt der Vietnamkrieg die Menschen in tausendern auf die Straße ein gesellschaftlicher Wandel weg von den traditionellen Werten hin zu einem zunehmenden Maß an Individualismus und Freiheit. Prägt diese Zeit auch in Deutschland gibt es zunehmend Diskussionen, zum Beispiel über den Umgang mit der NS-Vergangenheit, über die Verbindung zwischen dem Staat und konservativen Eliten, die auch schon zur NS-Zeit Eliten waren und über die Frage einer autoritären oder anti-autoritären Erziehung, über den Umgang mit dem Imperialismus gibt es Diskussionen, über die Frage persönlicher Freiheit, über die Frage, wie demokratisch eigentlich die BRD ist. Und diese Diskussionen um wichtige Werte, die führen in die sogenannte
die 68er-Bewegung und
68er Bewegung, die vor allem die BRD und Westeuropa trifft. Die 68er Bewegung, die heißt so, weil sie eben im Jahr 1968 auf ihrem Höhepunkt ist und das ist eine Bewegung, die vor allem von Studenten getragen wird und da ist ganz zentral der SDS, der sozialistische deutsche Studentenbund für diese Demonstrationen verantwortlich oder treibt die voran. Es gibt dann einige wichtige Momente, in denen sich diese Standbewegung radikalisiert. Eine davon ist der Besuch des Schaars von Persien im Jahr 1967, gegen den man auf der Straße in Berlin insbesondere demonstriert und die Demonstranten werden dann auf übelste Weise von Polizisten und von prügelnden Anhängern des Schaars niedergemacht. Und dieses Vorgehen der Polizei, die eben die Studenten oder die Demonstranten nicht davor schützt, dass sie eben von irgendwelchen autoritären, handlanger zusammengeschlagen werden, die führt zu einer ganz deutlichen Radikalisierung der Bewegung. 1968 kommt es dann zu einem Attentat auf Rudi Dutschke, den sozusagen inoffiziellen Führer dieser Studentenbewegung, eine ganz prominente Figur und auch das wiederum treibt die Bewegung zum Teil in eine weitere Radikalisierung und nicht wenige von diesen Studenten, die werden später in der RAF, in der rote Armeefraktion, aufgehen und dort ihre radikalen Ansichten dann mit Gewalt und Terror in die Bundesrepublik tragen. Die 1968er Bewegung, die führt somit auf der einen Seite dazu, dass der Staat den Spiegel vorgehalten bekommt, wie eben seine Polizei zum Beispiel, aber auch seine Eliten zum Teil noch ticken, dass die teilweise eben noch recht Antiquierte, vielleicht sogar autoritäre Vorstellungen und Strukturen aufweisen. Das führt zu langfristigen Veränderungen in der Gesellschaft, aber auch in der Politik. Zum Beispiel, was eben den Umgang mit der Jugend, die Emanzipation der Jugend angeht, den Umgang mit einer kritischen Öffentlichkeit, mit geschlechter Rollen, aber auch sexual, moral, den Umgang zwischen den Generationen und viele mehr.
den Wertewandel
Die Veränderungen, die man hier erkennen kann, die bezeichnet man abstrakt mit dem Begriff Wertewandel. Im Grunde ist das also ein Prozess, der dafür steht, wie sich die Wertvorstellungen der Menschen über die Jahre hinweg verändern. Insgesamt ist es ein Wandel natürlich von eher traditionellen Werten, Autorität, Gehorsampflicht und sowas hinzu, in einem Zeichen modernen Werten, zum Beispiel Individualismus, Selbstverwirklichung und Gleichberechtigung. Dieser Wertewandel wird zum Beispiel vorangetrieben durch einen wachsenden Wohlstand, durch eine bessere Bildung, durch soziale Sicherheit, technologischen Fortschritt, durch Globalisierung und Migration, durch Wandel in der Demografie, durch die Emanzipation der Frauen, durch die Veränderung von Familienstrukturen, durch einen schwindenden Fokus auf materiellen Wohlstand und stattdessen auf Selbstverwirklichung und Lebensqualität und sowas. Insgesamt haben wir einen Wandel der Werte, der Wertvorstellungen der Menschen weg von einem traditionellen hin zu einem moderneren Wertesystem. Zu diesem Wertewandel gibt es natürlich auch eine Gegenbewegung und in der jüngsten Vergangenheit, insbesondere in den letzten 10 bis 15 Jahren, können wir das in Deutschland verstärkt beobachten. Da gibt es konservative Bewegungen, die eben doch traditionelle Werte, wie zum Beispiel eben Ordnung und Tradition und Nationalidentität und sowas in den Fokus stellen und diese Werte propagieren gegen einen von ihnen als negativ empfundenen Internationalismus oder einen von ihnen als negativ empfundenen Weg der Moderne. Und diese konservativen Gegenbewegungen, die verlangen eben oder fordern eben einen Rückgriff auf traditionelle Werte, um bestimmte Krisen, die sie erkennen oder zu erkennen meinen, dadurch in den Griff zu bekommen. Wenn wir nun vergleichen, wie der Umgang mit Protest in Ost und West aussieht, dann stellen wir fest, dass im Osten in der Regel der Umgang mit Protest so aussieht, dass die Sowjetunion ihre in Anführungszeichen Bruderstaaten durch militärische Gewalt dazu zwingt, im sowjetischen System nach russisch sowjetischem Vorbild zu verbleiben und eben jede Form von Abweichung mit Gewalt niederschlägt. Auf der anderen Seite haben wir in Westeuropa eben auch nicht nur ein rein liberales System, sondern wir haben auch in Westeuropa Beispiele dafür, dass versucht wird, Protestbewegungen mit Gewalt zu begegnen, aber in Westeuropa lernen die Staaten und insbesondere die BRDs dafür ein hervorragendes Beispiel, die zum Beispiel nach dem Scharbesuch eine öffentliche Debatte darüber beginnen kann, ob denn so ein Umgang mit Demonstranten in Deutschland möglich sein darf und da spielt dann natürlich eine freie Presse, eine ganz zentrale Rolle, die sowas kritisch hinterfragen und anprangern kann, was eben in Europa und in Ostdeutschland nicht möglich ist. Wenn wir uns vor Augen halten, dass die Protestbewegung insbesondere von 1968 eine ganz zentrale Diskussion angestoßen hat über die Frage, was der Staat darf und was er nicht darf, dann prägen die 68er, die deutsche Demokratie, das liberale System, in dem wir heute leben, vielleicht stärker als viele, viele andere Faktoren, die wir viel präsenter vor Augen haben. Denn diese Diskussion darum, was der Staat darf und was er nicht darf, die wird eben damals geführt und die wird damals entschieden und das liberale System, das wir heute in Deutschland und auch in Europa haben, das wird zu einem ganz erheblichen Teil in der 1968er Bewegung geprägt. Das ist uns heute nicht so richtig präsent. Wir haben viele andere Dinge viel klarer im Kopf, wenn wir über die deutsche Geschichte nachdenken, wenn wir nur darüber nachdenken, wie einflussreich zum Beispiel der Holocaust und die NS-Herrschaft auf unser Geschichtsbild sind. Aber die 1968er sind auch eine Bewegung, die ganz zentral dafür ist, wie unser Leben heute aussieht. Protest ist das Lebenselixier der Demokratie. Erst ein Protest kann der Regierung den Spiegel vorhalten, wenn die Menschen mit ihrer Politik nicht mehr einverstanden sind. Gesellschaftlicher Wandel zeigt sich dann, wenn Menschen auf die Straße gehen, um gegen Maßnahmen der Regierung zu präsentieren, weil die eben nicht mehr zeitgemäß sind, weil sie eben nicht angemessen sind. Und in diesem Sinne ist Protest eines der wichtigsten Werkzeuge der Demokratie, um sich weiterzuentwickeln und gesellschaftlichen Fortschritt zu ermöglichen. Wir haben heute über die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik, über die 1968er Bewegung und den Wertewandel gesprochen. Das sind Begriffe, die gehören zum Bildungsplan für das dritte Halbjahr der Kursstufe in Geschichte in Baden-Württemberg. Dort unterrichte ich selbst Geschichte, wenn ihr euch auf eure Klausuren und Klassenarbeiten vorbereitet, dann werft einen Blick in euren eigenen Bildungsplan, damit ihr auch alle Fachbegriffe kennt, die dort verlangt werden. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, lasst gerne einen Kommentar da, abonnier den Podcast und teilt ihn mit Freunden und Bekannten. Für mich ist jeder Hörer eine große Motivation. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.