Wirtschaftskrisen der 1970er - Geschichte Leistungskurs 37
Vom Zweiten Weltkrieg bis in die 1970er Jahre ging es in Europa wirtschaftlich immer nur bergauf - die Ölkrise von 1973 macht dem “Boom” aber ein jähes Ende. Wir sprechen heute über:
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das Ende des “Golden Age”,
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die Ölkrise,
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Stagflation,
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Sockelarbeitslosigkeit,
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die Zwei-Drittel-Gesellschaft,
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den Neoliberalismus,
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den Strukturwandel und
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die Digitalisierung.
Hier ist das vollständige Transkript mit den eingefügten Markdown-Zwischenüberschriften:
Wenn wir im Unterricht über Industrialisierung reden, dann geht es meistens um Eisenbahnen, Fabriken, Schwerindustrie und also was. Menschen, die vorher von Hand Unterhosen genäht haben, sind plötzlich ihre Jobs los, weil neue Maschinen das viel besser und viel billiger können. Ziemlich 1900s Jahrhundert, aber eigentlich umfasst Industrialisierung ja alle möglichen Formen von technischem Fortschritt, im Grunde bis heute. Und auch heute noch brechen von jetzt darf gleich ganze Branchen zusammen, weil neue Erfindungen sie überflüssig machen,
den Strukturwandel
sowas nennt man sowas. Wenn die Strukturen der Wirtschaft sich ganz krass verändern. In den 1970er und 1980er Jahren erlebt Westeuropa große wirtschaftliche und gesellschaftliche Umbrüche. Einen Strukturwandel. Die Ölkrise, die Starkflation, die Sockelarbeitslosigkeit, aber auch die Digitalisierung, sind eng mit dieser Ära verbunden.
das Ende des “Golden Age”
Es ist das Ende des sogenannten Golden Age, einer zeitweit verbreiteten Wohlstands- und Wachstums- und großer Sicherheit, die in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg andauerte. Wir kommen bei geschichtslehrer.net Ich bin Jens und in diesem Podcast bereiten wir uns verständlich und kurzweilig auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fachgeschichte vor. Schönen, dass du dabei bist. Wir starten mit einem Blick zurück. Die Nachkriegszeit hat Westeuropa einen Golden Age gebracht, ein goldenes Zeitalter wirtschaftlichen Aufschwungs. Du kennst bestimmt schon das Wirtschaftswunder der 1950er, das sozusagen der Staat dieses goldenen Zeitalters ist, in dem es vielen Menschen wirtschaftlich ziemlich gut geht und nicht nur in der BRD, sondern auch in vielen Staaten Westeuropas und den USA. Man ist überzeugt und optimistisch, dass diese Staaten in der Lage sein werden, Krisen, die in der Zukunft vielleicht mal auftreten, souverän zu managen. Aber 1973 kommt die erste
die Ölkrise
als ein Vorbote für das Ende dieses Golden Age. Die Ölkrise von 1973 trifft Westeuropa und die USA ziemlich unvorbereitet. Auslöser ist denn der Ostkonflikt. Ja genau, dass der, der seit 23 widerständig in der Zeitung steht. Den gibt es tatsächlich schon ein paar Jahrzehnte länger und er ist auch 1973 eigentlich schon ein alter Hut. Darüber reden wir im vierten halb Jahr nochmal ausführlicher. Jedenfalls haben sich die mächtigen Ölförderstaaten 1960 in der OPEC zusammengeschlossen. Das sind vor allem arabische Staaten unter der Führung von Saudi Arabien. Gemeinsam können sie den vom Öl abhängigen Westen politisch unter Druck setzen. 1973 wird Israel von einigen seiner arabischen Nachbarstaaten angegriffen, kommt uns bekannt vor. Das damals ist der sogenannte Yom Kippur Krieg. Weil westliche Staaten, vor allem die USA, Israel finanziell und militärisch unterstützen, setzen die OPEC-Staaten nun ja Öl als politische Waffe ein. Eigentlich gegen Israel, aber letztlich auch gegen den Westen. Sie drosseln die Ölproduktion, sodass weniger Öl auf den Markt gelangt und lassen dadurch den Ölpreis explodieren. Plötzlich kosten Benzin und Heizöl ein Vielfaches des üblichen Preises. Das bedeutet für die Bürger und die Staaten im industrialisierten Westen, die davon total abhängig sind, enorme zusätzliche Kosten, mit denen die OPEC-Staaten politische Zugeständnisse im Nahostkonflikt erpressen wollen. In der BRD führt es unter anderem zu gesetzlich festgelegten autofreien Sonntagen, an denen man eben nicht autofahren darf, um den Benzinverbrauch der Bevölkerung zu verringern. Bilder von diesen leergefägten Autobahnen gehen dann durch die Presse. Diese leeren Straßen werden zum Symbol der Stagnation eines einbrechenden Wirtschaftswachstums. Die Ölkrise ist aber auch nur ein Teil der Krise. Von 1949 bis in die 70er Jahre hinein hatte das Bretton-Woods-System die Wirtschaften des Westens stabilisiert. Bretton-Woods war eine Währungsordnung, die so heißt, weil sie bei einer Konferenz im Städtchen Bretton-Woods erfunden wurde. Die Grundidee war, extreme Wirtschaftskrisen wie 1929 in Zukunft zu verhindern, weil die ja in Europa den Faschismus den Weg geignet hatten. Das kennen wir schon aus der Diskussion um den Kansianismus, der im Grunde auch nur ein Kind seiner Zeit, seiner Insosunterweimarer Zeit ist und eben diese Beobachtung zum Grundsatz seiner Wirtschaftsidee gemacht hat. Kans ist übrigens auch dabei bei Bretton-Woods. Nun wird also der US-Dollar zur Leitwährung der westlichen Welt. Die Währungen der Partnerländer orientieren sich am Wert des US-Dollar und die Staaten sind verpflichtet, ihre Währungen durch staatliche Eingriffe stabil zum US-Dollar zu halten. Kurz gesagt soll dieses System letzten Endes die Gefahr einer Inflation als einer Geldentwertung minimieren. Zwischen 1970 und 1973 zeigen sich aber immer mehr Schwächen dieses Systems und 1973 wird das System schließlich offiziell außer Kraft gesetzt. Mit einer Mischung aus der Ölkrise und den neuen freien Wechselkursen, die eben durch Bretton-Woods jetzt entfesselt sind, entsteht für Europa eine ziemlich giftige Mischung, und zwar die sogenannte
Stagflation
eine Kombination aus wirtschaftlicher Stagnation und Inflation, das ist also letztlich ein Kofferwort. Normalerweise entwickeln sich Inflation und Wirtschaftswachstum irgendwie im Verhältnis zueinander. In einer Phase der Stagnation müssten also eigentlich auch die Preise relativ stabil bleiben. In den 1970ern kommt zwar anders. Die Preise steigen auch aufgrund der Ölkrise, die Wirtschaft stagniert und Arbeitsplätze gehen verloren, so dass die Menschen über weniger Geld verfügen weil sie nicht mehr arbeiten, während viele Dinge immer teurer werden. Weil sich weniger Leute, die teurer werden in Produkte kaufen können, gehen Firmen pleite, die das nicht mehr verkaufen können, weitere Arbeitsplätze gehen dadurch verloren und noch weniger Leute mit noch weniger Jobs können jetzt immer teurer werden in Produkten nicht mehr kaufen. Und das Ergebnis ist ein wirtschaftlicher Teubelskreis. Neben der Ölkrise und der Stagnation gibt es in den 70er und 80er Jahren natürlich noch einen massiven Strukturwandel. Westeuropa entwickelt sich zunehmend von einer Industrie zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Die Stahl und die Kohleindustrie verlieren zunehmend an Bedeutung oder wann er ins Ausland ab, wo die Produktion billiger ist. Millionen Arbeitsplätze verschwinden aus den Bergwerken, Stahlwerken und der Textilindustrie. Wer kann, der wird umschulen und einen neuen Beruf erlernen müssen und wer nicht kann, der wird zu einem sogenannten Langzeitarbeitslosen. Außerdem kommen nun die erwachsen geworgenen Baby Boomer, die super starken Jahrgänge von 1950 bis 1963 nach und nach auf den Arbeitsmarkt. Mit der Folge, dass erheblich mehr Menschen sich um die auf dem Arbeitsmarkt verfügbaren Jobs drängen, die dadurch entstehende, anhaltende Arbeitslosigkeit, die auch in phasenwirtschaftlicher Erholung kaum noch zurückgeht, nennt man bald eine sogenannte
Sockelarbeitslosigkeit
also ein Stück an Arbeitslosigkeit, das kaum mehr unterschritten wird. Anders als in den 1950er oder 60er Jahren, in denen Vollbeschäftigung ein durchaus realistisches Ziel war. Insbesondere für viele Menschen mit geringer Qualifikation, also geringer Bildung, bedeutet diese Sockelarbeitslosigkeit das Wohlstand und wirtschaftliche Sicherheit auf Dauer unerreichbar scheinen. Diese Entwicklungen, die führen natürlich zu großen Ängsten und gesellschaftlichen Spannungen. Man befürchtet, dass bis zu einem Drittel der Bevölkerung dauerhaft vom wirtschaftlichen Aufschwung ausgeschlossen bleiben könnte. Während zwei Drittel der Gesellschaft, also dann weiter am Wohlstand teilhaben, könnte das letzte Drittel bestehend aus den langzeitarbeitslosen und wirtschaftlich abgehängenden Menschen eine Art neuer Unterschicht ohne jegliche Zukunftsperspektive werden. In diesem Zusammenhang sprechen die Zeitgenossen von einer drohenden
die Zwei-Drittel-Gesellschaft
Einige westliche Staaten, insbesondere Großbritannien und die USA, finden eine Lösung für die Krise im
den Neoliberalismus
ein radikaler Wirtschaftsliberalismus. Im Grunde erleben wir hier eine Gegenbewegung des Kansianismus und des New Deal, also Staatsinterventionen in die Wirtschaft sind im Prinzip aus der Mode gekommen, weil sie die Krisen der 1970er anscheinend nicht lösen können. Der Neoliberalismus propagiert einen schlanken Staat und möglichst wenig Marktregulierung, so ähnlich wie wir das bei Adam Smith schon mal gehört haben, die unsichtbare Hand des Marktes und so, auch wenn das nur der halbe Adam Smith ist. Die britische Premierministerin Margaret Thatcher und US-Präsident Ronald Reagan sind zwei der prominentesten Verfechter dieser Ideologie. Staatliche Unternehmen werden privatisiert oder geschlossen, Steuern gesengt, Sozialausgaben gekürzt, die Finanzbranche dereguliert. Diese neoliberale Politik prägt das wirtschaftliche und gesellschaftliche Klima in Großbritannien nachhaltig, es ist kein Zufall, dass London heute einer der weltweiten Hotspots des Investmentbankings ist. Gegenwehr der Arbeiterbewegung und der Gewerkschaften, zum Beispiel die Bergarbeiterstreiks von 1984 gegen die Drohnen, Schließungen und vieler Bergwerke, wird teils gewaltsam unterdrückt. Es gibt Einzelfälle, in denen berittene Polizisten streikende Arbeiter förmlich in die Betriebe zurückprügeln. Diesen ungleichen Machtkampf gewinnt die britische Regierung. Unzählige Betriebe der klassischen Industrie in Großbritannien brechen zusammen, die ihre Gewerkschaften bleiben noch auf Jahre ein Schatten ihrer selbst. Bis heute wird Margaret Thatcher in der Arbeit der Schicht Großbritanniens äußerst kritisch gesehen. In Großbritannien gibt es ein Witz über Thatchers Tod, der geht so, Margaret Thatcher ist vor 6 Stunden in der Hölle angekommen, es sind schon 3 Öfen geschlossen worden. Wir haben vorhin schon mal über die Industrialisierung und den Strukturwandel gesprochen, über das Problem, dass technischer Fortschritt immer auch bedeutet, dass ein Berufsfeld automatisiert wird und Menschen, die diese Aufgaben ausgeführt haben, auf einen anderen Beruf umschulen müssen oder ihre Jobs verlieren. Das klingt nach 19. Jahrhundert, aber mit der Erfindung der Computer erlebt der Westen genau so einen Prozess.
die Digitalisierung
Automatisierung und Computerisierung verändern die Arbeit grundlegend. Maschinen und Computer übernehmen körperliche Aufgaben und die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften in Elektronik und Datenverarbeitung steigt. Wer eine Tabellenkalkulation an einem Computer benutzen kann, berechnet schneller und genauer und günstiger als selbst der beste Buchhalter, der von Hand gerechnet hat. Diese technologische Entwicklung verstärkt den Strukturwandel hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft und bringt Millionen von Arbeitsplätzen in Gefahr. Im Jahr 2024 bedroht die künstliche Intelligenz wieder unzellige Jobs. Vielleicht kommt schon morgen ein KI-Aufrundtruck auf den Markt, das billiger, verständlicher und effektiver Geschichte unterrichten kann als ich. Dann habe auch ich eigentlich nur zwei Möglichkeiten, auf KI-Spezialist umschulen oder unter die Räder des Strukturwandels kommen. Wir haben heute über das Ende der Skoledn Age gesprochen, dass erst von der Ölkrise, dann von Stagflation und Sockelarbeitslosigkeit eingeläutet wird und in einen tief greifenden Strukturwandel mündet. Wir haben über das Schreckgespenst der Zwei-Drittel-Gesellschaft gesprochen und über den Neoliberalismus, mit den Briten und Amerikanern diesen Krisen begegnen wollen. Zuletzt haben wir über den Beginn der Digitalisierung gesprochen, die unsere Welt bis weit in die Zukunft durch immer neue technologische Neuerungen verändern wird. Diese Begriffe sind Teil des Bildungsplans für das dritte Halbjahr der Kursstufe in Geschichte. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann lasst gerne ein Kommentar da. Für mich sind die eine große Motivation. Ich freue mich sehr darüber und danke euch fürs Zuhören. Bleibt mit rein!