Europäische Union - Geschichte Leistungskurs 42
Heute sprechen wir bei geschichtslehrer.net über
- die Europäische Union,
- den Euro,
- die Osterweiterung und
- die Globalisierung.
- Europa liegt in Trümmern. Der Zweite Weltkrieg hat den Kontinent verwüstet, Millionen Menschen das Leben gekostet und tiefe Wunden in die Gesellschaften gerissen. Wie könnte man verhindern, dass sich eine solche Katastrophe jemals wiederholt? Die Antwort auf diese Frage wird die europäische Politik und ihre Staaten grundlegend verändern. Führende Politiker der 1950er Jahre, wie Robert Schumann, Konrad Adenauer und Jean Monnet, waren überzeugt, dass nur durch enge Zusammenarbeit und wirtschaftliche Verflechtung ein dauerhafter Frieden in Europa möglich wäre. Aus dieser Idee entstand
die Europäische Union
ein beispielloses Projekt der Völkerverständigung und der Integration. In den nächsten 30 Minuten werden wir die faszinierende Entwicklung dieses Friedensprojekts nachzeichnen. Wir verfolgen, wie aus der Gemeinschaft für Kohle und Stahl eine umfassende politische wirtschaftliche Union wurde. Wir werden die Einführung des Euro beleuchten und miterleben, wie der Fall des Eisernen Vorhangs die EU weiter nach Osten führte und das geteilte Europa vereinte. Zum Schluss werfen wir noch einen Blick auf die Herausforderung, den sich die EU in einer globalisierten Welt heute stellen muss. Klimawandel, Digitalisierung, Migration, Populismus und die Krise der Demokratie. Die EU steht vor komplexen Aufgaben. Wir machen uns auf eine Reise durch die Geschichte unseres Kontinents, der nach den Schrecken zweier Weltkriege eine neue, friedliche Zukunft suchte.Willkommen bei geschichtslehrer.net. Ich bin Jens und in meinem Podcast möchte ich euch fachlich fundiert und unterhaltsam den Stoff der Kursstufe und des Abiturs im Fach Geschichte näher bringen. Die Europäische Union ist das Ergebnis eines Prozesses der Zusammenarbeit seit mittlerweile 70 Jahren. Nach den verheerenden Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs erkannten führende Politiker die Möglichkeit einer engeren Zusammenarbeit der europäischen Nationen, um künftige Konflikte zu verhindern. Das waren vor allem Politiker in Frankreich und in Deutschland. Und das ist kein Zufall, denn gerade Deutschland und Frankreich hatten miteinander ja eine besonders blutige Geschichte der Erbfeindschaft erlebt, wie man damals gesagt hat. 1951 gründeten sechs Staaten im Herzen Europas die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, die sogenannte EGKS. Die EGKS umfasste zunächst Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg, die nun ihre Kohle- und Stahlproduktion gemeinsam organisierten. Das war weitaus revolutionärer, als es jetzt klingt. Denken wir mal kurz an den Nationalsozialismus zurück. Die Nationalsozialisten versuchten in den 1930er Jahren, sich bei dem Versorgen des eigenen Staates mit kriegswichtigen Ressourcen wie Kohle und Stahl unabhängig zu machen. Das nennt man Autarkie-Politik. Autarkie heißt sowas wie Unabhängigkeit oder Eigenständigkeit, also dass man solche Ressourcen selbst herstellen kann und nicht importieren muss, weil das ja im Kriegsfall total unpraktisch wäre. Jetzt gaben diese Staaten also ganz…bewusst einen Teil ihrer Selbstständigkeit, ihrer Autarkie auf, um Kriegführung innerhalb Europas zu erschweren, eben weil die kriegswichtigen Ressourcen von verschiedenen Staaten kontrolliert wurden. Das sah erstmal so aus, als würden die Staaten freiwillig militärische Macht abgeben. Das wäre ja schlecht für sie, aber es bedeutete in Wahrheit, dass sie keine Bedrohung der beteiligten Nachbarländer befürchten mussten. War also gut für sie. Diesen scheinbaren Nachteil, dass man nationale Souveränität abgeben muss, um von Fortschritten der Europäischen Union zu profitieren, diesen scheinbaren Widerspruch werden wir in den nächsten Kapiteln immer wieder sehen.Die Zusammenarbeit der Staaten in der EGKS war ziemlich erfolgreich und führte 1957 zur Unterzeichnung der römischen Verträge. Darin wurden die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die EWG, und die Europäische Atomgemeinschaft, die Euratom, gegründet, sozusagen als Erweiterung der EGKS auf neue Bereiche. Schon 1957 saßen die meisten Verwaltungsorganisationen, Verwaltungsinstitutionen der EU in Brüssel, so wie heute die EU-Kommission und der Europäische Rat. Deshalb gilt Brüssel auch als die quasi-Hauptstadt der EU, ist aber gleichzeitig eigentlich die offizielle Hauptstadt Belgiens. Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass Brüssel weder in Deutschland noch in Frankreich liegt. Das war symbolisch wichtig, weil die beiden mächtigsten Staaten der EWG bestimmt nicht so glücklich gewesen wären, wenn der jeweils andere die Hauptstadt der neuen Gemeinschaft gehabt hätte. Also wurde das kleine, zentral gelegene Belgien zum Sitz der europäischen Verwaltung und ist es bis heute. Die EWG zielte auf die Schaffung eines gemeinsamen Marktes, in dem Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen frei zirkulieren konnten. Um das zu verstehen, machen wir einen kleinen Exkurs in die Wirtschaftstheorie, Freihandel und Protektionismus. Also los! Stellt euch mal vor, in den USA wird ein tolles, neues, super billiges Auto erfunden. Das sagen wir mal Superauto 5000 Deluxe von mir aus. Kostet nur 10.000 Dollar. Wenn wir nun Freihandel haben, dann bedeutet das, dass ich das Ding einfach im Internet bestellen kann, ich bezahle den Verkäufer, der Verkäufer schickt mir das Auto und fertig. Das ist sehr gut.Sehr unkompliziert und es kostet dann auch nur das, was es auch für einen Amerikaner kosten würde und vielleicht ein bisschen Versand. Vielleicht gibt es aber in Deutschland auch Autofirmen, die 800.000 Leute beschäftigen, die also super wichtig sind für die deutsche Wirtschaft und den Wohlstand der Leute hier. Die sind nicht so toll und auch nicht so teuer und auch noch viel teurer, also kauft keiner diese deutschen Autos, sondern lieber die amerikanischen billigen. Das ist für die deutsche Wirtschaft aber blöd, wenn die Leute hier dann keine deutschen Autos mehr kaufen, sondern lauter amerikanische Superautos. Denn dann bleiben die deutschen Autofirmen ja auf ihren Autos sitzen, gehen bankrott und die 800.000 Leute in Deutschland werden arbeitslos, zahlen keine Steuern mehr und so weiter. Was könnte man also machen, um das zu verhindern? Na klar, man macht die Autos aus den USA teurer. Dazu erhebt man dann Zölle auf die Dinger. Das heißt, wenn das Auto aus den USA nach Deutschland importiert wird, dann kommt im Hamburger Hafen ein Zollbeamter, guckt auf die Rechnung und kassiert Zoll. Sagen wir mal 100 Prozent, das steht irgendwo im Gesetz. Und so wird aus dem Auto, das in den USA 10.000 Dollar gekostet hat, ein Auto, das in Deutschland 20.000 Dollar kostet. Und in diesem Moment ist es für die Deutschen genauso teuer wie die Autos der deutschen Firmen. Und diese deutschen Firmen können überleben und die 800.000 Leute werden nicht arm und in Deutschland geht es allen besser. Diese Zölle schützen also die eigene Wirtschaft, deshalb nennt man die auch Schutzzölle. Und der Fachbegriff für diese Art der Zollpolitik ist Protektionismus. Protect kennt ihr aus dem Englischen oder eigentlich aus dem Lateinischen und heißt beschützen. Und der Protektionismus heißt so, weil er eben die Wirtschaft im eigenen Land beschützt. Klingt doch erstmal super, oder?Aber Schutzzölle haben auch eine Menge Nachteile, denn man macht damit ja die Produkte viel teurer, die importiert werden. Das heißt, wenn irgendein armer Geschichtslehrer in Deutschland trotzdem das Superauto aus den USA kaufen will, dann muss er dafür ja viel mehr Geld ausgeben. Und diese 10.000 Euro, die er extra bezahlt hat, die Zollgebühr, die bezahlt dann der arme Geschichtslehrer an den deutschen Staat wie eine Steuer. Da überlegt sich der Geschichtslehrer dann zweimal, ob er nicht doch einfach ein deutsches Auto kauft. Und das ist ja auch das Ziel dieser Zölle. Aber es heißt halt auch, die deutschen Autofirmen müssen sich nicht so stark anpassen, nicht so stark modernisieren, sondern können noch lange dasselbe langweilige Auto weiterbauen, das eigentlich schon längst unwirtschaftlich sein müsste. Und der super kreative, innovative Autobauer in den USA, der dieses Superauto 5000 Deluxe gebaut hat, der verdient dann auch nicht so viel an der tollen neuen Erfindung, weil ja weniger Deutsche es kaufen können oder wollen. Aus der Sicht der USA ist das sowieso eigentlich ein ziemlich gemeiner Vorgang, wenn man auf ihre Autos Zölle erhebt. Wenn die Regierung in den USA dann sauer ist, dann kann sie ja zur Strafe auch Zölle auf deutsche Autos erheben, was wiederum dazu führt, dass die Amerikaner weniger Autos von deutschen Herstellern kaufen, weil die dadurch ja auch teurer würden, was für die deutsche Wirtschaft wiederum blöd ist. Am Ende können Zölle also auf allen Seiten die Wirtschaftsleistung beschädigen, weil sie letztlich nur wie eine zusätzliche Steuer wirken und den Handel verkomplizieren. Und wenn ein zukünftiger amerikanischer Präsident dann völlig einseitig davon quasselt, wie großartig er Zölle findet, dann zeigt das ein sehr einfaches Wirtschaftsverständnis.Jetzt aber zurück zu Europa und zur EWG. Diese Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die EWG, die heißt ja auch so, denn die war letztlich eine große Freihandelsvereinbarung. Sozusagen eine große Aktion zur Abschaffung von Zöllen innerhalb Europas. Die legte 1957 den Grundstein für den heutigen EU-Binnenmarkt. In den folgenden Jahrzehnten wuchs dann die Zahl der Staaten in der EWG immer weiter an. 1973 kamen Großbritannien, Irland und Dänemark dazu, 1981 Griechenland, 1986 Spanien und Portugal. Jede Erweiterung brachte neue Schwierigkeiten, aber auch neue Chancen für Wirtschaftswachstum und kulturellen Austausch. Der Maastricht-Vertrag von 1993 war dann der große Wendepunkt. Aus der Europäischen Gemeinschaft wurde die Europäische Union, die EU, wie wir die heute kennen. Diese EWG war in erster Linie ein Wirtschaftspakt gewesen. Der Begriff Europäische Wirtschaftsgemeinschaft sagt das ja auch schon aus sich heraus. Der Begriff Europäische Union dagegen, Europäische Einheit oder sowas, sagt natürlich schon, dass es darüber hinausgeht. Der Vertrag von Maastricht legte also den Grundstein für eine politische Zusammenarbeit, inklusive gemeinsamer Außen- und Sicherheitspolitik, einer engen Zusammenarbeit in Justiz und Innerem usw. Diese Zusammenarbeit heißt aber auch, alle EU-Staaten müssen ein Stück ihrer eigenen Macht oder ihrer Souveränität abgeben, damit die EU Sachen gemeinsam regeln kann. Darüber regen sich insbesondere…Sondernere populistische Politiker gerne mal auf, weil das ja so klingt, als würde man damit die Macht des eigenen Staates schwächen. Dabei profitiert der in Wahrheit ja genauso wie alle anderen von dieser Schwächung, die gleichzeitig die EU stärkt und zu der gehört man ja auch. Heute spielt die EU eine zentrale Rolle in fast allen Bereichen, die das Leben der europäischen Bürger direkt beeinflussen. In der Außen- und Sicherheitspolitik stimmen sich die EU-Länder untereinander ab. Polizei und Justizapparate der EU-Staaten arbeiten eng zusammen, um zum Beispiel grenzüberschreitende Kriminalität, die Mafia und den Terrorismus zu bekämpfen. Die EU redet mit beim Umweltschutz, bei der Bildung, Kultur, Verbraucherrechten und vielen anderen Themen. Eine tolle Aktion der EU aus den letzten Jahren erlebt ihr eigentlich jeden Tag, nämlich, dass gut an wie jedem Elektrogerät heutzutage ein einheitlicher USB-C-Stromanschluss dran ist, sodass man nicht für Laptop, Smartphone, Kopfhörer, Tablet, Smartwatch fünf unterschiedliche Ladekabel dabei haben muss. 2016 wurde durch die EU das Roaming abgeschafft. Seitdem könnt ihr euren Smartphone-Vertrag in allen EU-Ländern benutzen, ohne dass das abstruse Extragebühren kostet. Als ich 2010 studiert habe, da kostete ein Megabyte Datentransfer im Ausland eine ganze Euro Roaminggebühr. Ein vier Minuten langes Lied bei Spotify zu streamen hätte also damals vier Euro gekostet, nur für den Telefonanbieter. Wenn man irgendwo anrief, dann kostete das auch 50 Cent pro Minute extra. Und wenn man angerufen wurde, hat das auch noch was gekostet. Völlig irre. Meistens hat man das gemerkt, wenn nach 10 Minuten im Ausland eine Nachricht kam, dass man jetzt schon 60 Euro verbrannt hat und ob man nicht ein bisschen…aufpassen sollte. Wir haben das alle gehasst. Und die Politiker offensichtlich auch, denn die haben es dann auch für die komplette EU abgeschafft. Vielen Dank, EU. Auch die sogenannte Freizügigkeit finde ich persönlich fantastisch. Freizügigkeit heißt, dass ich in jedem Land der EU leben und arbeiten darf, wenn ich Bürger irgendeines EU-Landes bin. Das ist tatsächlich so einfach, wie das klingt. Ich habe mal ein Jahr in Großbritannien gelebt. Das ging völlig unbürokratisch. Flug buchen, Wohnung mieten, fertig, wonderful. Mein einziger Kontakt mit der britischen Bürokratie war eine Anmeldung für die Wohnung, damit man seine Müllgebühren zahlen kann und wählen und sowas. Dafür habe ich fünf Minuten gebraucht. Ist jetzt ein blödes Beispiel, weil Großbritannien kurz danach aus der EU ausgetreten ist. Aber die Freizügigkeit in der EU ist trotzdem eine riesige Freiheit für jeden Einzelnen. Wer schon mal ein Visum für einen Nicht-EU-Staat beantragt hat, der weiß, was das für einen Aufwand bedeuten kann. Eine weitere Aktion der EU, die er jeden Tag in den Händen haltet, ist die Einführung
den Euro
als gemeinsame Währung. Wie kam man überhaupt auf diese Idee? Vor der Einführung des Euro hatte jeder Staat in Europa seine eigene Währung. Deutschland hatte die D-Mark, Frankreich den französischen Franc, Belgien den belgischen Franc, Italien die Lira, Finnland die finnische Mark, Österreich den Schilling, die Niederlande den Gulden und so weiter, wie auch immer die alle hießen. Jetzt kann man sich bestimmt vorstellen, was das für eine Aktion war, wenn eine Firma ihre Materialien aus verschiedenen Ländern in der EU einkaufte. Nehmen wir mal wieder die deutsche Autofirma. Die kauft ihre Reifen aus Italien in Lira, ihre Lenkräder aus Frankreich in Franc, ihren Stahl aus Belgien in anderen Franc, ihr Autoradio aus Slowenien in…In Tolar und was weiß ich was noch. Das ist ja eine ganze Abteilung, die dann nur noch am Rechnen ist. Und wenn es dumm läuft, ändert sich morgen der Wert einer dieser Währungen und schon kostet die Bestellung plötzlich mehr. Da blickt doch keiner mehr durch. Und da kann man verstehen, dass manche pfiffigen Politiker auf die Idee kamen, eine gemeinsame europäische Währung für all diese Staaten zu erfinden. Die Idee davon, die reicht bis in die 1960er Jahre zurück. Aber erst der Maastricht-Vertrag von 1993 legte einen verbindlichen Zeitplan für die Einführung des Euro fest. Die kam dann in mehreren Stufen. Am 1. Januar 1999 wurde der Euro zuerst als Buchgeld eingeführt. Das bedeutet, dass Banken und Unternehmen in den teilnehmenden Ländern den Euro für bargeldlose Transaktionen verwenden konnten, während im Alltag aber die Leute noch das Bargeld in der klassischen Währung, in der nationalen Währung in der Hand hatten. Die Bargeldeinführung fand dann am 1. Januar 2002 statt und das war ein organisatorisches Meisterwerk. In zwölf EU-Staaten wurden gleichzeitig die neuen Münzen und Scheine in Umlauf gebracht. Millionen Geldautomaten wurden umgestellt, irrsinnige Mengen von Bargeld umgetauscht und sämtliche Kassen in Europa mussten neu programmiert werden. Ich kann mich erinnern, dass ich damals 15 Jahre alt war und was das für ein komisches Gefühl war, als der Kohleautomat schon ein paar Tage vor dem 1. Januar plötzlich Euromünzen haben wollte, aber man hatte noch keine, weil man noch mit Makro umrannte. Die Einführung des Euro hatte weitreichende ökonomische und politische Folgen. Für den internationalen Handel in der EU war sie revolutionär, habe ich ja vorhin schon beschrieben. Andererseits bedeutete das aber auch die Aufgabe nationaler Geldpolitik, Souveränität nationaler Geldpolitik. Das ist wirtschaftlich nämlich…ein super praktisches Werkzeug. Wenn ich zum Beispiel mehr Geld drucke, kann ich dadurch meine Währung abwerten, das heißt mein Geld billiger machen für andere Staaten, um dadurch Exporte billiger zu machen und die Wirtschaft anzukurbeln. So was entscheidet aber seit der Euro-Einführung nicht mehr jedes Land für sich, sondern die EU gemeinsam. Und auch da zeigt sich wieder, die gemeinsamen Schritte der EU bringen Vorteile, aber sie funktionieren immer nur dann, wenn die Einzelstaaten dafür auch einen Teil ihrer Macht abgeben. Der Euro wurde schnell zu einer der wichtigsten Weltwährungen neben dem US-Dollar. Die Euro-Krise ab 2010 hat aber gezeigt, dass eine gemeinsame Währung auch ihre Risiken hat, weil wirtschaftlich schwächelnde Staaten eben nicht so einfach wie früher mal eben ihre Währung abwerten können, um ihre Wirtschaft zu stabilisieren. Dafür hat die EU auch Lösungen gefunden, aber das wird vielleicht mal eine eigene Folge.
Der Fall der Berliner Mauer 1989 und der Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 veränderten die geopolitische Landschaft Europas ganz grundsätzlich. Für die mittel- und osteuropäischen Staaten eröffnete sich mit der neuen Eigenständigkeit die Möglichkeit, Teil der EU zu werden. Russland war nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erstmal mit sich selbst beschäftigt, sodass diese Staaten, die vorher von Moskau kontrolliert worden waren, anfangen konnten, sich nach anderen Partnern umzuschauen. Der Weg zur EU-Mitgliedschaft war für diese Länder allerdings ganz schön lang und auch relativ kompliziert. Sie mussten ihre kommunistisch geprägte Politik und ihre kommunistisch geprägte Wirtschaft völlig reformieren. Wer in die EU aufgenommen werden wollte, musste nämlich die sogenannten Kopenhagener Kriterien erfüllen, zum Beispiel eine stabile Demokratie haben und eine funktionierende Marktwirtschaft. Außerdem müssen sie den sogenannten Acquis Communitaire übernehmen. So nennt man den Rechtsbestand der EU. Das heißt quasi alle rechtlichen Verträge, Verordnungen und so ein Zeug, die für alle EU-Staaten gelten. Das sind heute etliche 10.000 bis 100.000 Seiten mit juristischen Regelungen. Der Aufwand, heute einen Staat nachträglich EU-mäßig zu reformieren, ist also gigantisch. Dennoch haben etliche ehemalige Ostblockstaaten das durchgezogen. Die größte Erweiterungsrunde fand am 1. Mai 2004 statt. Polen, Ungarn, Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Estland,Litauen, Malta und Zypern sind damals auf einen Schlag der EU beigetreten. Damit war auch ein großer Teil Osteuropas Teil der EU geworden. 2007 folgten Bulgarien und Rumänien, 2013 trat Kroatien bei. Somit sind heute die allermeisten Staaten, die geografisch in Europa liegen, auch Teil der EU.
die Osterweiterung und
Globalisierung ist die zunehmende Vernetzung der Welt in Wirtschaft, Politik, Kultur und so weiter. Wie geht die EU damit um? Wirtschaftlich steht die EU im Wettbewerb mit aufstrebenden Mächten wie China und Indien. In der Außen- und Sicherheitspolitik strebt die EU danach, mit einer Stimme zu sprechen und ihre Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte global zu fördern. Umweltpolitik, Netzpolitik, was auch immer, in fast jedem Bereich stimmen sich heute Experten der Mitgliedstaaten in der EU ab.
die Globalisierung
Die Europäische Union ist ein mächtiger globaler Player geworden, der sowohl für seine Mitgliedstaaten als auch auf internationaler Ebene eine zentrale Rolle spielt. Innerhalb der EU profitieren die Mitgliedstaaten von einem gemeinsamen Binnenmarkt. Aber die EU achtet auch darauf, dass die gemeinsamen Wertvorstellungen von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten in ihren Mitgliedstaaten eingehalten werden. Auf globaler Ebene setzt die EU durch ihre Regulierungsmacht weltweite Standards in Bereichen wie Wirtschaft, Datenschutz, Technologie und Umweltschutz. Das nennt man den sogenannten Brüssel-Effekt, eben nach dem Sitz der EU-Kommission des EU-Rats. EU-Regelungen werden nämlich oft über die Grenzen Europas hinaus angewendet, weil es zum Beispiel einfacher ist für die ganzenWelt das gleiche Ladekabel auszuliefern, das in der EU vorgeschrieben ist, als unterschiedliche Ladekabel für unterschiedliche Regionen herzustellen. Deshalb können heute auch Amerikaner ihr MacBook und ihr Android-Telefon mit dem gleichen USB-C-Kabel laden, obwohl die EU-Fraudschriften dort ja gar nicht gelten. Die Europäische Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde über fast 70 Jahre von den USA garantiert, die ein stabiles Europa militärisch und wirtschaftlich absicherten. Heute ziehen sich die USA immer mehr auf sich selbst zurück. China drängt in die Rolle einer neuen globalen Ordnungsmacht. Europa wird selbstständiger werden müssen in Bereichen wie Verteidigung, Technologie und Energieversorgung. Der Erfolg der EU zeigt, wie sehr es sich lohnen kann, Einzelinteressen zurückzustellen, um die Gemeinschaft voranzubringen. Nicht umsonst wurde sie 2012 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Sie hat einen stabilen Frieden und eine enge Zusammenarbeit zwischen ehemals verfeindeten Nationen gebracht. Sie stärkt nicht nur wirtschaftlichen Wohlstand, sondern auch politische Stabilität und persönliche Freiheiten. Die EU ist international ein Vorreiter, wenn es um die Sicherung der Menschenrechte und der Demokratie geht. Ich persönlich halte die EU für eines der erfolgreichsten politischen Projekte aller Zeiten. Wie seht ihr das? Lasst mir gerne einen Kommentar da. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.