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Dekolonisierung Vietnams - Geschichte Leistungskurs 46

Staffel 1, Folge 46 03.03.2025 00:14:48
Fachbegriffe: Französisch-IndochinaDekolonisation/Dekolonisierung, denVietnamkrieg, dieUnabhängigkeitsbewegung ("Viet Minh" und "Vietcong") und denUnabhängigkeitskrieg

Heute sprechen wir über die Dekolonisierung am Fallbeispiel Vietnam. Es geht unter anderem um

  • Französisch-Indochina,
  • Dekolonisation/Dekolonisierung, den
  • Vietnamkrieg, die
  • Unabhängigkeitsbewegung (“Viet Minh” und “Vietcong”) und den
  • Unabhängigkeitskrieg.

Ich werde ja wohl nicht der erste amerikanische Präsident sein, der einen Krieg verliert. Richard Nixon zieht ab 1973 die amerikanischen Soldaten aus Vietnam ab. Zwei Jahre später ist das ganze Land kommunistisch und nach über 100 Jahren der Fremdherrschaft endlich unabhängig und souverän. So ähnlich erzählen das heute die vietnamesischen Schulbücher. Vietnam ist ein Küstenstaat in Südostasien und lange Zeit war er Teil des französischen Kolonialreichs.

Französisch-Indochina

Fremde Mächte prägen das Schicksal Vietnams über 100 Jahre. Erst die Franzosen, später die Japaner, die USA und die Sowjetunion. Der Erste Weltkrieg bringt auch hierhin die Idee eines Selbstbestimmungsrechts und der Ausgang des Zweiten Weltkriegs wird Vietnam zu einem der heißesten Schlachtfelder des sogenannten Kalten Krieges machen. Der Kampf um Unabhängigkeit, der endet am Ende zugunsten einer kommunistischen Einparteien-Diktatur, die bis heute fortbesteht. Herzlich willkommen zu geschichtslehrer.net und unserer heutigen Folge über die Geschichte Vietnams und die Befreiung von seinem kolonialen Erbe. Ich bin Jens und in diesem Podcast bereiten wir uns kurzweilig und fachkundig auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vor. Schön, dass du zuhörst.Vietnam geriet Mitte des 19. Jahrhunderts ins Visier der französischen Kolonialmacht. Bis 1893 hatte Frankreich Vietnam vollständig unterworfen und machte es zum Teil von Französisch-Indochina, zusammen mit Laos und Kambodscha. Die Kolonialherrschaft brachte massive wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Frankreich etablierte in Vietnam eine Plantagenwirtschaft, baute Infrastruktur aus für den Rohstoffexport und führte ein Bildungssystem ein, das die vietnamesischen Eliten nach einem französischen Vorbild ausbilden sollte. Aber für die große Mehrheit der Vietnamesen bedeutete die französische Herrschaft Zwangsarbeit, hohe Besteuerung und soziale Ungleichheit. Aus Sicht der vietnamesischen Bevölkerung kam also die französische Besatzung eigentlich einer Zerstörung der eigenen Identität gleich. Schon früh formierte sich deshalb Widerstand gegen die Besatzer. Guerilla-Widerstandsgruppen wie die Kan-Vuong-Bewegung, übersetzt ungefähr die Hälfte der Kaiserbewegung, versuchten die vietnamesische Monarchie gegen die Kolonialmacht zu verteidigen. Die französischen Besatzer hielten mit eigenem Militär und mit Soldaten, die sie in der Kolonie selbst aushoben, dagegen. Im Grunde haben wir also in Vietnam um das Jahr 1900 eine Kolonie, die sich ständig am Rand eines Bürgerkriegs bewegt. Im Ersten Weltkrieg rekrutiert Frankreich dann Hunderttausende von Vietnamesen als Soldaten und auch als Arbeiter für den Krieg in Europa.kommen viele dieser Menschen in Kontakt mit neuen politischen Ideen, darunter auch mit dem Sozialismus und dem Kommunismus. Einer davon wird später bekannt werden als Ho Chi Minh, obwohl der eigentlich ganz anders heißt. Ho Chi Minh ist eher so ein Kampfname. Er lebte in den 1920er Jahren in der Sowjetunion, studierte in Moskau und engagierte sich auch in der Comintern, der kommunistischen Internationalen. Und dort engagierte er sich für eine Befreiung der Kolonien.

Dekolonisation/Dekolonisierung, den

Heute würde man sagen eine Dekolonisierung. Auch wenn das damals wahrscheinlich anders gemeint war. Denn damals hat man sich zumindest in Moskau darunter vorgestellt, dass diese Kolonien vom Kapitalismus befreit werden müssten und kommunistisch werden müssten. Und dass das Freiheit sei. Und das entspricht ja nun nicht so richtig unserem heutigen westlichen Verständnis von Freiheit. Während des Zweiten Weltkriegs besetzten dann die Japaner Vietnam und entmachteten die französische Verwaltung. Die koloniale Ordnung geriet ins Wanken und der Widerstand gegen diese Kolonialmacht wuchs. Die Viet Minh, eine in der Zwischenzeit von Ho Chi Minh gegründete kommunistische Bewegung, die nutzten die Situation und dieses politische Machtvakuum, um ihren Einfluss auszuweiten. Sie kämpften also gegen die Japaner und wurden dann nach Kriegsende, die Japaner verlieren ja bekanntlich den Zweiten Weltkrieg, zu einer treibenden Kraft der Unabhängigkeitsbewegung. Die Ereignisse bis 1945 bereiteten damit also sozusagen den Boden für den späteren baldigen Unabhängigkeitskampf Vietnams. Die Kolonialherrschaft war zwar durch den Zweiten Weltkrieg ganz massiv geschwächt, aber noch nicht formal beendet. Frankreich hatte immer noch Anspruch oder hatte Anspruch,formulierte immer noch Ansprüche auf seine langjährige asiatische Kolonie in Vietnam. Am 2. September 1945, im Grunde direkt zu Kriegsende, erklärte Ho Chi Minh in Hanoi die Unabhängigkeit Vietnams in einem Mix aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und den sozialistischen Ideen der Sowjetunion. Aber diese neu gegründete Demokratische Republik Vietnam, DRV, die existierte erstmal nur auf dem Papier. Frankreich wollte seine Kolonie nämlich nicht kampflos aufgeben und die westlichen Alliierten, ganz voran die USA, die hatten auch kein Interesse daran, eine kommunistische Herrschaft über Vietnam hinzunehmen. Wenige Monate nach der Unabhängigkeitserklärung kehrten deshalb französische Truppen zurück ins Land.

Unabhängigkeitskrieg

Wir nennen das Ergebnis dann den Indochina-Krieg und der dauert von ungefähr 1946 bis 1954 fast zehn Jahre. In diesem Krieg wurde Vietnam dann zu einem der frühen Schauplätze des Kalten Krieges. Wir nennen diese Schauplätze heute Stellvertreterkriege, weil der Ost-West-Konflikt, also der Konflikt zwischen Sowjetunion und USA oder zwischen Westen und Osten, wie auch immer man das nennen will, ja gerade dadurch geprägt ist, dass die USA und die Sowjetunion sich nicht gegenseitig direkt bekriegen, sondern meistens… In anderen Staaten eigene Stellvertreter aufrüsten und unterstützen. Die Sowjetunion und China unterstützten also die kommunistischen Viet Minh um Ho Chi Minh.Und die USA unterstützten Frankreich finanziell und militärlich, um die Kontrolle über Indochina zu behalten. Die entscheidende Wende kam dann 1954, als es den Viet Minh gelang, die Franzosen zu schlagen. Daraufhin gab es die Genfer Konferenz und man beschloss, Vietnam am 17. Breitengrad zu teilen, quasi so am Reißbrett, am Mittelineal quasi gezogen diese Grenze. Der Norden wurde dann von Ho Chi Minh’s Kommunisten kontrolliert und im Süden wurde eine liberal-demokratisch, wir würden sagen westliche Regierung eingesetzt. Aber diese Teilung war nicht von Dauer. Der Konflikt, der eskalierte dann im Vietnamkrieg von ungefähr 1955 bis 1975, wiederum fast 20 Jahre Krieg.

Vietnamkrieg, die

In den Augen vieler Vietnamesen war die südvietnamesische Regierung, eben diese liberal-demokratische Regierung, eigentlich eine Marionette der USA, die sich nach dieser Lesart nun als eine neue Kolonialmacht in Vietnam aufspielte. Und der Norden, unterstützt von den Sowjetunion und China, führte mit den Vietcong, einer Guerilla, einen langen Krieg gegen das südvietnamesische Regime und die US-Truppen.

Unabhängigkeitsbewegung (“Viet Minh” und “Vietcong”) und den

Die amerikanische Intervention endete für die USA mit einem Desaster und letztlich mit dem Rückzug 1973. Zwei Jahre später kontrollierten die Kommunisten das ganze Land und Vietnam wurde unter kommunistischer Herrschaft wiedervereinigt. Heute ist der Vietnamkrieg neben dem Irakkrieg das wohl bedeutendste Trauma der amerikanischen Außenpolitik. In Vietnam selbst ist der Vietnamkrieg heute ein zentraler Mythos der Legitimation für die kommunistische Ahnung.Nach dieser Lesart handelt es sich bei den Viet Minh um eine nationale Befreiungsbewegung, die in einem jahrzehntelangen Unabhängigkeitskrieg gegen die kolonialen Besatzer USA und Frankreich gekämpft und das Land siegreich in die Unabhängigkeit geführt hat. Das kann man so lesen, aber man kann die Viet Minh natürlich auch als eine kleine Gruppe von Revolutionären sehen, die das Land unter ihre Herrschaft zwingen wollten, die von der Sowjetunion unterstützt wurden und in Vietnam eine autoritäre Diktatur errichtet haben. Während die USA dann versuchten, die Freiheit der vietnamesischen Bevölkerung zu sichern. Das ist eigentlich ein Musterbeispiel für Perspektivität von Geschichte. Historische Wahrheit entscheidet sich nämlich auch an der Frage, welche Perspektive ich selbst auf die Ereignisse habe. Und je nachdem, ob ich ein… Kommunistisch geprägter Vietnameser bin oder ein republikanischer Amerikaner, habe ich ein sehr unterschiedliches Verständnis davon, was da in Vietnam passiert ist und ob das eine Dekolonisierung ist oder ob das nur eine Kolonisierung durch die Sowjetunion war. Die neu gewonnene Souveränität Vietnams nach der Wiedervereinigung, die muss man natürlich dann auch im Kontext des Kalten Krieges sehen. Als kommunistischer Staat orientiert sich Vietnam stark an der Sowjetunion und übernimmt auch das sozialistische Modell mit allen seinen Nachteilen und Problemen. Dadurch verschlechtert sich in den Folgejahren die wirtschaftliche Lage ganz massiv. Erst mit der Reformpolitik, die heißt in Vietnam Doimoi und ist vergleichbar mit so einer allmählichen rein wirtschaftlichen Öffnung, ähnlich wie in China. Damit begann eine vor…sich die Liberalisierung und man nennt das die sozialistische Marktwirtschaft, nicht zu verwechseln mit der sozialen Marktwirtschaft. Sozialistische Marktwirtschaft ist natürlich irgendwie was Widersprüchliches. Dahinter steckt der Gedanke, eine Marktwirtschaft, die immer noch stark vom Staat kontrolliert wird, zuzulassen, aber eben grundsätzlich Privatinitiative zu akzeptieren, weil man eben erkannt hat, dass das wirtschaftlich viel bringt. Diese Reformen brachten Vietnam dann in den Folgejahrzehnten einen schon sehr deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Heute ist Vietnam wirtschaftlich erfolgreich, aber politisch immer noch ein sozialistischer, kommunistischer Einparteienstaat. Das Land hat sich zwar international vernetzt, aber geopolitisch bleibt es irgendwie zwischen China und dem Westen und der eigenen kommunistischen Geschichte verhaftet. Die Dekolonisation, also die formale Unabhängigkeit, ist schon lang erreicht. Aber dieser Zähkampf Frankreichs und später der USA und der Sowjetunion um politischen Einfluss hat tiefe Spuren in der politischen Entwicklung Vietnams hinterlassen. Auch solche Einflussversuche gehören zur kolonialen Politik. Und der Kampf dagegen ist eigentlich ein Prozess einer ständigen Dekolonisierung. Wenn man also die Kolonisierung so versteht, dann ist Vietnam erst seit 1975 weitgehend dekolonisiert. Versteht man dagegen aber auch die kommunistische Herrschaft als Kolonialisierung, also als koloniale Herrschaft, dann müsste man sagen, dass die Dekolonisierung Vietnams immer noch auf sich warten lässt. DennSo eine Sichtweise würde aber ja auch bedeuten, dass ein Land nie kommunistisch regiert werden kann, ohne abhängig von der Sowjetunion zu sein, weil sozusagen jedes kommunistische Land dann in dieser Denkweise abhängig ist von der Sowjetunion. Nun gibt es aber die Sowjetunion seit 1990 nicht mehr. Und eigentlich kann man das damit heute nicht mehr vertreten. Im Grunde ist Vietnam heute dann dekolonisiert, oder? Ob das nun wirklich so ist, dass Vietnam heute vollständig dekolonisiert ist, das lässt sich nicht so leicht beantworten. Politisch ist das Land auf jeden Fall unabhängig. Es gibt ja keine fremde Kolonialherrschaft mehr und die Regierung in Hanoi, die entscheidet selbstständig über die Geschicke ihres Landes. Aber diese Unabhängigkeit, die ist natürlich keine, die zugleich eine große politische Freiheit mit sich gebracht hätte. Denn Vietnam ist immer noch ein Parteienstaat, in dem die kommunistische Partei allein autoritär regiert und politische Opposition eigentlich überhaupt nicht zugelassen wird. Während der Kolonialismus früher Fremdherrschaft bedeutete, kann man heute fragen, ob die Einschränkungen von Meinungsfreiheit und demokratischen Rechten vielleicht eine andere Form von Unfreiheit und Kontrolle darstellen, eben von innen. Wirtschaftlich ist die Lage ein bisschen kompliziert. Vietnam hat sich stark entwickelt, ist aber gleichzeitig immer noch nicht unabhängig von anderen Staaten, wie ja auch kein Staat auf der Welt. In den 1980er Jahren hat es sich eng an die Sowjetunion angelehnt. Heute sind vor allem China, die USA und…Im weitesten Sinne so der Westen Handelspartner, die eine entscheidende Rolle spielen. Vietnams Wirtschaftswachstum beruht auch auf der Globalisierung, aber auch auf den Abhängigkeiten, die daraus entstehen in Handel und Produktion und Investitionen. Gerade die enge wirtschaftliche Beziehung zu China ist dabei nicht ganz unproblematisch, denn ist Vietnam denn wirklich wirtschaftlich souverän oder befindet es sich da in einer Art neokolonialer Abhängigkeit, wenn man sehr enge Handelsbeziehungen zu China hat? Trotz dieser Probleme gibt es eine klare positive Entwicklung in Sachen Dekolonisierung in Vietnam. Das ist heute ein eigenständiger Staat mit einer starken Wirtschaft. Anders als viele andere ehemalige Kolonien hat es sich eigentlich aus der Armutsfalle weitgehend befreit, aber das ist natürlich auch sehr unterschiedlich je nach Stadt und Landgefälle und so weiter in Vietnam. Aber es gehört eben auch zu den Ländern mit einem stabilen wirtschaftlichen Wachstum. Aber das Erbe der kolonialen und kriegerischen Vergangenheit, das spürt man noch sehr deutlich in Vietnam. Die jahrzehntelangen Kriege gegen Frankreich, die USA, die haben tiefe Wunden hinterlassen. Und sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich. Die kommunistische Regierung, die benutzt diese Vergangenheit und diesen langen Kampf gegen äußere Mächte heute als Legitimation, also als Rechtfertigung ihrer Herrschaft. Aber gleichzeitig schränkt diese Regierung Freiheiten ein, um ihre eigene Macht zu sichern. War also nun die Dekolonisierung Vietnams erfolgreich? Man könnte so mit Ja, aber antworten. Politisch und militärisch hat sich das Land befreit, Wirtschaft,Und gesellschaftlich ist die Lage so ein bisschen ambivalent. Vietnam hat sich neue Partner gesucht, aber dadurch auch neue Abhängigkeiten geschaffen. Aber die größte Herausforderung für die Zukunft, die wird nicht nur die Unabhängigkeit sein, sondern die politische Freiheit. Dekolonisierung zielt ja gerade auf Freiheit, Freiheit von Fremdherrschaft und von Fremdbestimmung. Wenn heute nun eine in Anführungszeichen unabhängige vietnamesische Regierung existiert, aber ohne Rechtsstaat, ohne Gewaltenteilung, ohne Meinungsfreiheit, ohne freie Wahlen und diktatorisch das Land beherrscht, was ist denn dann mit dieser Freiheit?Wir haben heute über Vietnam als Beispiel für die Dekolonisierungsprozesse des 20. Jahrhunderts gesprochen. Der Bildungsplan in Baden-Württemberg gibt vor, dass ihr im Leistungskurs zwei solche Beispiele kennen müsst, im Basisfach zumindest einen. Neben Vietnam habe ich schon eine Folge über Südafrika aufgenommen. Man kann aber auch den Israel-Konflikt, die Dekolonisierung Indiens oder den Mittleren Osten nehmen. Je nachdem, welche Beispiele ihr im Unterricht besprochen habt, solltet ihr euch auch über die noch ein bisschen schlau machen. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann lasst gerne einen Kommentar da, abonniert den Podcast und teilt ihn mit Freunden und Bekannten, die sich ebenso wie ihr auf Klassenarbeiten oder das Abitur vorbereiten. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.