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Schwerpunktthema "Wege in die Moderne" - Abiturvorbereitung - Geschichte Leistungskurs 50

Staffel 1, Folge 50 07.04.2025 00:38:48

Heute sprechen wir das Schwerpunktthema 1, die “Wege in die Moderne”, durch. Ich wünsche euch allen viel Erfolg beim Abitur!

Na, seid ihr schon gut aufs Abitur vorbereitet? Die heutige Folge soll sich mit den Wegen in die Moderne beschäftigen, mit dem ersten Schwerpunktthema im kommenden Abitur 2025. Und diese Wege in die Moderne, da steigen wir mal gleich ein, was denn eigentlich Moderne ist. Moderne ist nämlich eine Epochenbeschreibung. Das heißt, damit beschreibt man einen bestimmten Zeitraum, und zwar den, in dem im Prinzip die moderne Gesellschaft entsteht. Also im Grunde ein Wandel von der Handarbeit zur Fabrikarbeit, aber auch von der landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft zu einer städtischen industriellen Gesellschaft. Und daneben steht dann im Bildungsplan der Begriff Modernisierung. Und da könnte man ja erstmal annehmen, dass es eigentlich fast das Gleiche bedeutet. Der Unterschied ist, dass ein Wort auf Irrung, wie zum Beispiel Modernisierung oder auch Industrialisierung, immer einen Prozesscharakter hat. Das heißt, Modernisierung ist im Grunde der Übergang von der Gesellschaft vorher in die Moderne, während Moderne dann eben die Epoche ist, in die man da übergeht. Diese Modernisierung ist geprägt von vor allem zwei Aspekten. Das nennt man auch die sogenannte Doppelrevolution. Wir haben auf der einen Seite die politische Seite und auf der anderen Seite die industrielle Seite. Das heißt, wir haben auf der einen Seite eine politische Weiterentwicklung weg von monarchischen, feudalen Strukturen, so wie wir sie im Brünner aus dem Mittelalter kennen und die noch in die frühe Neuzeit mit übernommen wurden, hin zu modernen, in Anführungszeichen demokratischen oder zumindest zu pseudo- oder proto-demokratischen Strukturen. Auf der industriellen Seite haben wir eben diesen Wandel.von der Landwirtschaft zur Fabrikarbeit, von der Einzelfertigung hin zur Massenfertigung. Diese Begriffe, die werden auch umschrieben mit der politischen Revolution und der industriellen Revolution. Und diese beiden Revolutionen, die machen dann eben die sogenannte Doppelrevolution aus. Bei der politischen Revolution, da ist vor allem natürlich die französische Revolution maßgebend, aber auch die 1848er Revolution in Deutschland ist da ein Grund, weshalb man hier von einer Revolution spricht. Bei der industriellen Revolution, davon spricht man natürlich, weil man diesen revolutionären Charakter der Umwälzungen im Leben der Menschen damit betonen will. Aber eigentlich ist natürlich der Begriff Revolution an der Stelle so ein bisschen fraglich, weil das ja sowas von so einem gewaltsamen Umsturz hat. Und das ist ja in der Industrialisierung eigentlich nicht der Fall, sondern im Gegenteil, da haben wir einen schleichenden Prozess, der zwar schnell geht, aber der doch allmählich stattfindet und nicht von heute auf morgen alles umwirft.Kapitel 2 nennt sich dann die Voraussetzungen und der Verlauf der europäischen Industrialisierung am Beispiel Deutschlands und Englands. Und der Grund für diese Auswahl ist natürlich, dass England und Deutschland relativ unterschiedliche Wege dabei gehen, wie sie industrialisiert werden. Was ist denn zunächst mal die Industrialisierung? Formal ist das eben der Übergang von der Handfertigung und von der Einzelfertigung von Sachen hin zu einer fabrikorientierten industriellen Fertigung von Gütern. Das kann alle möglichen Arten von Gütern umfassen und tut es ja auch. Und im Grunde ist die Industrialisierung dann gekennzeichnet davon, dass eben die Produktion sehr viel effektiver, sehr viel schneller in sehr viel größeren Stückzahlen stattfinden kann, sodass viele Menschen sich einfach auch mehr leisten können, als sie das früher konnten. Und die Industrialisierung, die wird dann datiert auf, je nachdem wen man fragt und wo man hinschaut, ab etwa 1770 in England und ab etwa 1830, 1840 in Deutschland. Wobei diese Industrialisierung dann verschiedene Kapitel hat. Und wir sprechen hier zum Beispiel von der Frühindustrialisierung und der Hochindustrialisierung. Mit Frühindustrialisierung meinen wir eine Phase, in der so erste Schritte unternommen werden, um früher von Hand gemachte Prozesse jetzt zu automatisieren, aber noch nicht im großen Stil mit Hochöfen, mit sozusagen Hightech, sondernDas findet erstmal auf einer relativ einfachen Ebene statt. Zur Frühindustrialisierung gehört zum Beispiel in England die Erfindung der Spinning Jenny oder des mechanischen Webstuhls, also von Geräten. Die Prozesse, die eigentlich noch von Hand abgelaufen sind, leichter machen und ein Stück weit automatisieren. Das heißt, es betrifft erstmal vor allem die Textilbranche und in dieser Textilbranche, da setzen sich dann Erfindungen durch, die den Prozess verändern, die den Prozess dynamischer, schneller und einfacher machen. Das hat aber noch nichts zu tun mit der Hochindustrialisierung, die etwa 50 Jahre, 60 Jahre, 70 Jahre später einsetzt, wo wir dann zum Beispiel über Kohlehochöfen, über Stahlfertigung, über Eisenbahnbau, über riesige Maschinen sprechen. Das ist natürlich nochmal eine ganz andere Größenordnung. Die Grenzen dazwischen sind natürlich fließend, weil eben diese sozusagen neuen… Hightech-Industrie-Techniken erstmal erfunden werden müssen und dann sich erstmal durchsetzen müssen. Viele von diesen industriellen Fortschritten, die finden statt, weil Leute in andere Länder reisen, sich dort Firmen angucken, Fabriken angucken und da Input mitnehmen und das dann selbst noch weiterentwickeln und auf diese Art und Weise die Industrialisierung technologisch voranbringen. Und insofern ist es ganz schwierig, da eine ganz konkrete Linie zu ziehen. Aber so ungefähr sagt man in Deutschland, fängt die Frühindustrialisierung um 1830, 1840 an und die Hochindustrialisierung fängt dann um 1870 ungefähr an. Und dazwischen haben wir eben eine Phase des Take-off, also des sozusagen Abhebens der Industrialisierung.Take-off-Kämmer vom Flugzeug, die dann sozusagen den Moment markieren soll oder die Phase markieren soll, in der es erstmal so richtig losgeht. Und die liegt dann irgendwie so in den Jahren um 1870, wenn man sich das in Deutschland anschaut. Das hat viel damit zu tun, wie sich Deutschland in der Zeit politisch gestaltet, denn in Deutschland haben wir ja viele kleine Staaten, sodass Industrialisierung sehr schwierig ist in der ersten Phase. Aber dann nach der Einigung des Deutschen Kaiserreichs 1871 haben wir dann plötzlich eben einen gemeinsamen politischen Raum, haben keine Zollschranken mehr und so weiter, was vieles sehr viel einfacher macht. In der Frühindustrialisierung wiederum. Haben wir auch Versuche, den Wirtschaftsraum Deutschland einfacher zu machen, zum Beispiel durch den Deutschen Zollverein. Das heißt, da schließen sich Staaten zusammen und schaffen Zölle ab, so ein bisschen wie das heute die EU macht. Aber das funktioniert nur in einigem Umfang und hat natürlich immer noch zur Folge, dass trotzdem politische Grenzen da bestehen. Das heißt, ein Eisenbahnprojekt sozusagen über mehrere deutsche Staaten ist in der Zeit sehr, sehr problematisch, sehr, sehr schwierig umzusetzen, einfach weil so viele Leute dabei mitreden wollen. Wenn wir jetzt zurück nach England schauen, dann sehen wir dort als ersten Schritt, der in die Industrialisierung führt, die Agrarrevolution. Mit der Agrarrevolution meinen wir die Umstellung der Landwirtschaft auf in Anführungszeichen modernere Technologien. Dazu gehört zum Beispiel eine andere Nutzung der Felder, dazu gehört aber auch der Einsatz der ersten Maschinen, die ersten Schritte, um Landwirtschaft ein bisschen einfacher zu machen und neue Düngertechniken einzuführen. Und auf diese Weise wird es möglich, weniger Leute zu verwenden, weniger Arbeitskräfte zu verwenden.um die gleiche Menge oder sogar noch eine größere Menge an Nahrungsmitteln herzustellen. Das heißt, durch die Agrarrevolution entsteht eine Situation, in der nicht mehr 80, 90 Prozent der Bevölkerung auf dem Land als Bauern tätig sein müssen, sondern wir deutlich weniger Arbeitskräfte in der Landwirtschaft brauchen. Und das bedeutet im Umkehrschluss, dass wir diese Leute irgendwie anders beschäftigen müssen. Und diese Leute, die wollen sich auch anders beschäftigen, sonst verhungern sie ja, weil sie nichts verdienen. Also gehen die in die Städte und versuchen dort in den neu entstehenden ersten Fabriken, eben zum Beispiel in der Textilbranche, Arbeit zu finden. Das heißt, die frühindustriellen Firmen, die haben jede Menge Arbeitskräfte zur Verfügung. Dazu kommen aber auch noch viele andere Sachen. England hat ganz viele Standortvorteile. Dazu gehört eben zum Beispiel, dass es ein geeintes Königreich ist. Dazu gehört aber auch, dass es politische, rechtliche Sicherheit gibt. Dazu gehört auch, dass die Insellage natürlich dazu führt, dass man leicht Handel treiben kann mit anderen Staaten, die weiter entfernt sind, weil eben das Verschiffen von Waren relativ günstig ist im Vergleich zum Transport über Land. Dazu gehört aber auch, dass England ein Kolonialreich ist, das über viele Ressourcen verfügt und auf diese Weise billig an Rohstoffe kommen kann. Und dazu gehört auch, dass in England die Ideen des Wirtschaftsliberalismus existieren. Da gibt es einen ganz berühmten Ökonomen, das ist Adam Smith, von dem ihr sicher schon mal gehört habt, mit der es ist der mit der unsichtbaren Hand des Marktes und so, der im Grunde Angebot und Nachfrage, ich will nicht sagen erfunden hat, aber der das so zum ersten Mal in Form einer Forschungsstudie versucht hat, klar zu machen, was darunter zu verstehen ist und warum.Es ist gut, wenn der Staat eben nicht ständig in den Markt hineinfuscht, sondern wenn der Staat sich weitgehend raushält und dadurch dem Markt und dem Spiel von Angebot und Nachfrage im Grunde freie Hand lässt. Und dieser Gedanke des Wirtschaftsliberalismus, der ist für England deswegen wichtig, weil er eben es ermöglicht, relativ rechtssicher und relativ… Unbeschränkt vom Staat Wirtschaft zu betreiben. Das bedeutet, wer das nötige Kleingeld hat, der kann relativ sicher sein, dass sich der Staat nicht einmischt, wenn er eine Firma aufmacht und da Leute beschäftigt und da sein neu erfundenes Produkt in Massen produzieren möchte. Das ist natürlich ein Standortvorteil gegenüber Deutschland, wo viele kleine Fürsten sich noch so ein bisschen als so spätabsolutistische Herrscher sehen, die quasi machen können, was sie wollen, die in die Wirtschaft reinregieren, wenn ihnen das passt und auf diese Art und Weise natürlich für Unsicherheit sorgen. Dann haben wir verschiedene Aspekte oder verschiedene Sektoren der Industrialisierung, auf denen sich diese Veränderungen abspielen. Da spricht man vor allem von der Verkehrsrevolution, das ist die Revolution des Verkehrswesens, also gemeint ist damit zum Beispiel, dass die Leute jetzt eben nicht mehr mit dem Segelschiff acht Wochen brauchen, um nach Amerika zu kommen und wenn sie Pech haben, steht der Wind schlecht und dann dauert es noch länger, sondern jetzt kann man eben plötzlich mit Dampfschiffen herumfahren. Dazu gehört aber zum Beispiel auch, dass es jetzt Züge gibt, die es ermöglichen, sehr schnell von A nach B zu kommen und auch Güter sehr schnell von A nach B zu bringen. Das heißt, Entfernungen wie zum Beispiel Berlin und Hamburg.sind nicht mehr so weit, wie das mal war. Denn durch diese Verkehrsrevolution ist es plötzlich möglich, in einem halben Tag so eine Reise zu schaffen oder in einem Tag. Und nicht mehr in, lass es mal eine Woche sein. Und auf diese Weise kommt man sehr viel schneller von A nach B und auch Güter kommen sehr viel schneller von A nach B, was natürlich wiederum dem Handel und der Industrialisierung zugute kommt. Der andere Sektor, wo wir von einer revolutionsartigen Veränderung reden, ist die Kommunikationsrevolution. Das bezieht sich also auf die Möglichkeit, über große Distanzen zu kommunizieren. Eine Variante davon ist die Erfindung des Telegrafen. Der Telegraf ist im Grunde so eine Art piepsendes Gerät, mit dem man eigentlich nur Strom an- und Strom aus transportieren kann. Das heißt, ich habe ein langes Kabel, das zum Beispiel zwischen New York und London liegt, und dieses sehr lange Kabel, das kann ich unter Strom setzen oder nicht. Wenn ich es unter Strom setze, dann ist quasi ein Pieps an, wenn ich es nicht unter Strom setze, ist ein Pieps aus. Das klingt ja erstmal nach einem bescheuerten System, aber wenn ich mir dann klar mache, dass es ja Morse-Codes gibt und dass ich auf diese Art auch Buchstaben kodieren kann, dann habe ich plötzlich die Möglichkeit, zwischen New York und London, einmal um den Erdball herum, Nachrichten relativ schnell auszutauschen. Das ist nicht so schnell wie heute mit eurem Smartphone, wo ihr in wenigen Millisekunden eine Nachricht mit komplettem Text und Bild durch die ganze Welt schicken könnt. Aber es ist schon so schnell, dass zum Beispiel ein Unternehmen in New York seine Handelspartner in London innerhalb von, sagen wir mal, einem halben Tag informieren kann über eine Änderung. Das ist in der Zeit noch so, so, so teuer, dass das im Privatsektor…keine Rolle spielt, aber es ist in der Frühphase für Firmen ein interessantes Werkzeug und natürlich für Staaten, wenn es zum Beispiel um Kriegführung oder sowas geht, denn da kann man dann plötzlich Nachrichten sehr viel schneller austauschen, als das vorher war und das ist natürlich ein gigantischer Standortvorteil. Wir haben eben schon über die Agrarrevolution gesprochen und die Agrarrevolution betrifft natürlich die Landwirtschaft, deswegen heißt sie so. Und diese Landwirtschaft ist Teil des ersten sogenannten Sektors, auch das ist wieder ein Begriff, den ihr kennen müsst. Sektoren gibt es in der Regel drei, das heißt wir haben den ersten Sektor, der ist sozusagen direkt Rohstoffe in irgendeiner Weise produziert. Das kann zum Beispiel Kohlebergbau sein, aber eben auch zum Beispiel die Landwirtschaft. Wir haben den zweiten Sektor, den sogenannten sekundären Sektor, der ist für die industrielle Verarbeitung zu Produkten zuständig. Das ist das, was wir in der Industrialisierung in ganz großem Stil wachsen sehen. Das sind eben Fabriken, das sind Handwerksbetriebe und sowas, die auf den gigantischen Hallen mit riesigen Maschinen irgendwelche Produkte aus den Rohstoffen herstellen. Sei das jetzt eine Schiene aus Stahl oder aus Eisen, sei das jetzt aber auch meinetwegen ein Spielzeug aus bestimmten anderen Gegenständen, aus bestimmten anderen Rohstoffen. Das heißt letztlich wird hier das Produkt produziert, das man am Ende irgendwie verwendet, aus dem Rohstoff, den man nicht in erster Linie verwendet. Der dritte Sektor sind die sogenannten Dienstleistungen, das heißt, das sind all die Tätigkeiten, die man ausführt für jemanden und dafür bezahlt wird. Und solche Dienstleistungen spielen dann vor allem in der späten… Moderne eine Rolle, vor allem ab den ungefähr 1860er, 70er Jahren wird das zuder Branche schlechthin. Und heute gibt es Leute, die noch einen vierten Sektor vorschlagen, eben für so Digitalleistungen, aber das ist nach wie vor umstritten. In der Regel ist das Modell erster Sektor Landwirtschaft und Bergbau und sowas, Rohstoffabbau, zweiter Sektor industrielle Fertigung, dritter Sektor Dienstleistungen. In Deutschland ist die Eisenbahn ein so wichtiger Sektor, dass wir hier von einer Schrittmacherindustrie sprechen. Was bedeutet das? Ein Schrittmacher, das kennt ihr vom Herzschrittmacher, das ist ein Ding, das irgendwie das System am Laufen hält und so ist es auch hier gemeint. Die Eisenbahn nimmt in Deutschland eine Rolle ein, die man kaum überschätzen kann in der Industrialisierung. Denn die Stahlfertigung, die ist ein Aspekt, der natürlich sehr, sehr viele Arbeitskräfte bindet, sehr, sehr viele Fabriken sozusagen erfordert, um so viel Stahl zu produzieren, dass man ein ganzes Land mit Eisenbahnschienen versehen kann. Zugleich fördert es aber auch den Maschinenbau, weil man ja auch Eisenbahnen selbst bauen muss, die dann irgendwie angetrieben werden. Es fördert aber auch den Kohlebergbau, weil da natürlich die Ressourcen herkommen, um Stahl einzuschmelzen, aber auch um Eisenbahnen anzutreiben. Und es fördert noch zum Beispiel Bauunternehmen, die Tunnel bauen, die Brücken bauen und vieles mehr. Das heißt, mit der Eisenbahn haben wir einen Leitsektor sozusagen, eine einzelne Branche, die ganz viele andere Branchen mit antreibt und insgesamt die Industrialisierung, die Wirtschaft des Landes ganz massiv pusht. Und deswegen sprechen wir hier von einer Schrittmacherindustrie, die eben sozusagen den Schritt vorgibt für die ganze Industrie in Deutschland.Deutschland und alle anderen Branchen mit sich zieht. Im nächsten Kapitel geht es nun um die Auswirkungen der Industrialisierung auf die europäischen Gesellschaften. Und damit ist eben gemeint, dass die Industrialisierung nicht nur wirtschaftliche Folgen hat, sondern vor allem auch gesellschaftlich einiges durcheinander bringt. Karl Marx hat hier von einer Klassengesellschaft gesprochen. Die Idee ist also, dass die soziale Schere so weit auseinander geht, dass zwei im Grunde getrennte Klassen von Menschen entstehen, die eben sehr, sehr unterschiedlich wohlhabend sind und dadurch sehr, sehr unterschiedlich mächtig. Und für Karl Marx gibt es vor allem zwei Klassen, die Bourgeoisie, das ist das französische Wort für Bürgertum, und das Proletariat, da steckt lateinisch Proles drin, so die einfachen Leute oder sowas. Und die Idee, die Karl Marx da hat, ist, dass die Bourgeoisie sich dadurch auszeichnet, dass sie die Produktionsmittel besitzt oder die Kontrolle über die Produktionsmittel hat. Damit ist gemeint, das sind Leute, denen gehören die Fabriken, denen gehören die Werkzeuge, denen gehören die Maschinen und weiter. Und das Proletariat wiederum hat nichts und kann im Grunde nur seine Arbeitskraft verkaufen. Das hat logischerweise zur Folge, dass die Bourgeoisie oder Angehörige der Bourgeoisie eine sehr, sehr große Kontrolle über das Proletariat haben oder über die Proletarier haben, eben weil sie ja quasi unbegrenzt Proletarier zur Verfügung haben, die sie in ihren Fabriken arbeiten lassen können, während die Proletarier keine andere Möglichkeit haben, Geld zu verdienen.weil sie ja keine Produktionsmittel haben, als eben sich in den Dienst eines solchen Angehörigen der Bourgeoisie zu stellen, eines Unternehmers oder eines Fabrikanten. Und diese Situation ist natürlich eine himmelschreiende Ungerechtigkeit in den Augen von Karl Marx. Sie führt natürlich dazu in seinen Augen, dass da so eine Art moderne Sklaverei im Grunde entsteht. Und das ist für ihn etwas, was ein Problem ist. Und deswegen erfindet er sozusagen den Kommunismus als Lösung für diese Problematik, dass dieser Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat von einer so großen Ungerechtigkeit gekennzeichnet ist. Diese Ungerechtigkeit und wie man die wohl lösen könnte, das ist das, was wir als soziale Frage bezeichnen. Mit der sozialen Frage ist also gemeint, wie kann ich diesen Wohlstand, der durch die Industrialisierung entstanden ist, wie kann ich den fair verteilen zwischen allen, die daran irgendwie beteiligt sind, ohne dass die Fabrikbesitzer ihre Arbeiter einfach nur ausbeuten und selber sich daran bereichern, dass die arbeiten müssen. Diese soziale Frage, die ist das, was im Grunde das ganze 19. Und noch Teile des 20. Jahrhunderts die Menschen umtreibt. Denn dieser Gegensatz zwischen eben Bourgeoisie und Proletariat oder zwischen Reich und Arm, der ist natürlich für viele, insbesondere für arme Leute, sehr, sehr spürbar und auch eine sehr, sehr direkte Folge für ihr Leben ist, dass es ihnen selbst nicht besonders gut geht, eben weil sie wirtschaftlich häufig am Limit sind, weil oft die ganze Familie mitarbeiten muss, das geht bis hin zur Kinderarbeit. Und weil natürlich diedie Löhne, die dabei rauskommen, relativ bescheiden sind. Eine der Antworten auf diese Problematik ist die Arbeiterbewegung. Darunter versteht man im Grunde eine Bewegung von Menschen, die sich gegen diese ungerechte Situation in einem völlig liberalen Wirtschaftsraum stemmen. Und da gibt es zwei Strömungen, nämlich die Reform- und die Revolutionsbewegung. Bei der Reform geht es darum, dass man versucht, die aktuellen Umstände durch zum Beispiel staatliche Gesetzgebung, durch die Einrichtung von bestimmten Versicherungen, durch bestimmte Tarifverträge und vieles mehr schrittweise Verbesserungen für die Arbeiter zu erreichen, während es bei der revolutionären Bewegung darum geht, dieses System ganz grundsätzlich in Frage zu stellen und umzustürzen. Deswegen heißt es auch Revolution. Zur Arbeiterbewegung gehören zum Beispiel Gewerkschaften, aber auch Parteien wie die SPD, die sich eben für die Arbeiter einsetzen und dafür kämpfen, dass deren Lebensbedingungen besser werden. In dieser Zeit der Industrialisierung um 1870 herum, da ist die SPD auch noch nicht wie heute von der Linken getrennt. Das heißt, heute haben wir im Parlament ja die Linke und wir haben die SPD, die sozusagen zwei Flügel der Arbeiterbewegung sind. Und die SPD ist tendenziell eher der reformistische Ansatz und die Linke verfolgt tendenziell eher den revolutionären Ansatz. Klammer auf, das ist jetzt sehr, sehr, sehr verkürzt. Ich bitte um Entschuldigung bei allen SPD und Linken-Fans. Aber man kann ein Stück weit sagen, dass die SPD der 1870er,70er Jahre noch beide Strömungen in sich vereint. Das heißt, innerhalb der SPD gibt es sowohl reformistische als auch revolutionäre Kräfte. Und das sorgt dafür, dass der deutsche Staat, der ja sehr, sehr konservativ ist und der auch im Grunde diese Klassengesellschaft überhaupt nicht antasten möchte, wenn sie denn überhaupt so, das ist natürlich eine vereinfachte Darstellung, wenn sie denn überhaupt existiert. Und der deutsche Staat bekämpft diese Arbeiterbewegung eben wegen dieser, insbesondere wegen dieser revolutionären Anteile dieser Bewegung. Und unter Bismarck entsteht dadurch das System der Sozialistenverfolgung. Da gibt es zum Beispiel das Gesetz zur Bekämpfung der gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie. Ein ziemliches Wortungetüm, das letztlich darauf abzielt, die SPD und jede andere sozialistische Organisation zu verbieten. Das heißt, für ungefähr 10 Jahre waren, 10, 15 Jahre, waren alle sozialistischen Tätigkeiten in Deutschland illegal und verboten. Und das ist natürlich etwas, was zunächst mal dazu führen hätte können, dass diese ganzen sozialdemokratischen Versuche, die Gesellschaft zu verändern, verschwunden wären. Aber das Gegenteil ist der Fall. Stattdessen organisieren sich die Sozialisten und die Sozialdemokraten im Untergrund und haben unterm Strich dann doch eine immer größere Zahl an Anhängern und Zuspruch. Und die Wahlergebnisse der SPD, die steigen durch das Kaiserreich hindurch immer weiter an. Das heißt, letzten Endes hat Bismarck mit dieser Politik keinen Erfolg gehabt. Er hat noch ein anderes Werkzeug benutzt, um zu versuchen,den Sozialismus und die Sozialdemokratie zu bekämpfen. Und dieses Werkzeug ist im Grunde, sich die Anliegen der Sozialdemokraten oder der Arbeiterbewegung selbst auf die Fahnen zu schreiben. Das nennen wir heute staatliche Sozialpolitik. Das bedeutet, dass Bismarck und seine Mitarbeiter in der Regierung staatliche… Unterstützungsprogramme aufgelegt haben, eine Rentenversicherung, eine Krankenversicherung und eine Unfallversicherung, etwas, was die Arbeiterbewegung eigentlich ursprünglich gefordert hatte und hier so eine Art Sozialpolitik geschaffen hat, mit der das Elend der Arbeiter gelindert werden sollte. Das hatte natürlich den Hintergedanken, dass man dann hoffte, dass die Menschen nicht mehr so viel SPD wählen würden, dass also der Sozialismus sich sozusagen von selber erledigen würde, wenn der Staat die Not der Arbeiter ein Stück weit lindern würde. Das Gegenteil ist aber der Fall. Die SPD wächst immer weiter im Kaiserreich und gewinnt immer mehr Wähler, sodass letzten Endes diese Bekämpfungspolitik durch einerseits Verfolgung und auf der anderen Seite durch Sozialpolitik gescheitert ist. In der Industrialisierung entstehen auch innerhalb der Familien neue unterschiedliche Modelle. Und auch da können wir unterscheiden zwischen den Familienformen, die vor allem in der Bourgeoisie im Bürgertum existieren und Familienformen, die vor allem im Proletariat existieren. Die sogenannte bürgerliche Familie, die zeichnet sich dann dadurch aus, dass die Menschen in der Regel eine ganz klare, von der Natur gegebene, wie sie glauben, Ordnung innerhalb der Familie herstellen. Das heißt, der Mann kümmert sich um die Öffentlichkeit und die Arbeit und das sozusagen Geld.verdienen, während die Frau so die Herrin des Hauses ist und zu Hause auf die Kindererziehung achtet und so dafür sorgt, dass es ihrem Mann dann so gut geht. Das kommt uns zum Teil noch aus unseren eigenen Familien vielleicht bekannt vor. Diese bürgerliche Familie, die ist also geprägt durch eine ganz, ganz extreme Ungleichheit zwischen Mann und Frau, die man so mehr oder weniger biologisch zu erklären versucht. Das heißt, man sagt, ja, Frauen sind ja von Natur aus so ein bisschen religiöser, ein bisschen emotionaler, ein bisschen hysterischer und so. Und die bleiben deswegen besser zu Hause und kümmern sich um die Kinder, weil das ist ja was, was emotional getätigt wird und so. Und die Männer, das sind eher rationale, vernünftige, vernunftorientierte, tatkräftige Menschen, die eben rausgehen in die Gesellschaft und da sich durchsetzen können und so. Das spielt zum Beispiel auch eine Rolle dabei, dass man Frauen kein Wahlrecht zugestehen will, einfach weil man sagt, Frauen sind ja eigentlich per se gar nicht so rationale Typen, die sich an Politik oder sowas beteiligen wollen und dafür interessieren oder sowas. Auf der anderen Seite haben wir die sogenannte proletarische Familie. Und in diesen proletarischen Familien, da ist es tatsächlich so, dass einfach die nackte Not dazu zwingt, dass Frauen eigentlich immer auch arbeiten. Das heißt, der allergrößte Teil, man kann ungefähr sagen drei Viertel der Frauen in proletarischen Familien, die arbeiten auch mit und tragen dadurch zum Verdienst der Familie bei. Häufig arbeiten tatsächlich auch schon die Kinder mit, einfach weil es anders wirtschaftlich nicht möglich ist. Das heißt, wir haben viele Familien, in denen nicht nur die Eltern, sondern auch schon minderjährige und zwar deutlich minderjährige Kinder,Arbeiten gehen, in Fabriken irgendwelche Tätigkeiten ausführen. Und das klingt ja irgendwie gleichberechtigt, ist es aber natürlich trotzdem auch nicht so ganz. Denn in diesen proletarischen Familien wird dann wiederum von der Frau erwartet, dass sie zwar arbeiten geht, dass sie aber trotzdem nach Feierabend irgendwie noch den Haushalt schmeißt und so weiter. Das heißt, da ist eine ganz andere Erwartung da als bei den Männern, von denen man davon ausgeht, dass sie sich dann halt ausruhen müssen am Abend, weil sie haben ja hart gearbeitet. Und bei den Kindern wiederum ist es auch so, und auch bei den Frauen ist es so, dass der Verdienst deutlich geringer ist als bei den Männern, selbst wenn die eigentlich die gleiche Arbeit ausführen. Was natürlich bei uns ein bisschen ungute Assoziationen weckt, weil dieser Gender Pay Gap, den gibt es ja heute noch in gewissem Maße, und der fängt eigentlich schon mitten in der Industrialisierung an.Diese Auswirkungen der Industrialisierung auf die europäische Gesellschaft, das betrifft vor allem die Phase der Hochindustrialisierung. Das heißt, da reden wir vor allem über die Jahre ungefähr 1850 bis ungefähr 1900. Und um das Jahr 1900, da sind wir dann in einem durch und durch industrialisierten Deutschland. Und hier ist dann das nächste Kapitel Erscheinungsformen der Moderne um die Jahrhundertwende und die ambivalenten Erfahrungen der Menschen damit Thema. Und über diese Zeit um 1900 sprechen wir mit dem Wort Hochmoderne. Das ist sozusagen dann ein Teil der Epoche der Moderne, in dem die Industrialisierung und die Folgen der Industrialisierung sich schon vollständig ausgebreitet haben und aufgeblüht sind und wir eine durch und durch industrialisierte moderne Gesellschaft im Grunde in Deutschland haben. Und diese Hochmoderne, die zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass sie sehr, sehr stark urbanisiert ist. Das heißt, die Zahl der Menschen, die auf dem Land gehen, ist inzwischen sehr stark zurückgegangen. Wir haben riesige Großstädte, die nach wie vor Menschen anziehen. Das heißt, die Landbevölkerung schrumpft immer weiter und die Stadtbevölkerung, die wächst immer weiter. Und mit diesen krass gewachsenen Großstädten kommen eine Reihe von Folgen. Eine davon ist die Entstehung der Massenkultur. Kultur ist was, was früher eigentlich so der Elite ein bisschen vorbehalten war, der geistigen Elite vorbehalten war. Zum Beispiel kann man sagen…Kultur, sowas wie Filme gucken oder Fotografien anschauen, Kunst konsumieren und sowas, Zeitungen lesen und so, das war was, was in der ersten Linie akademische Kreise gemacht haben. Das haben Leute gemacht, die wohl informiert waren, die gut gebildet waren und so weiter. Das war eine kleine Gruppe. Jetzt in der Stadt haben wir plötzlich die Möglichkeit, Kultur auch für große Massen von Menschen anzubieten. Und daraus entsteht eben die Massenkultur, zum Beispiel in Form des Kinos, das ich in der Stadt besuchen kann, aber auch in Form von Veranstaltungen, die ich in der Stadt machen kann, von Sportvereinen, von Diskussionsvereinen und vielem mehr. Das heißt, nun haben wir in der Stadt seit ungefähr 1900 solche Möglichkeiten, auch für ganz, ganz große Zahlen von Menschen, eben von allen Stadtbewohnern eigentlich, dass man sich irgendwie kulturell betätigt. Und da sprechen wir eben von der sogenannten Massenkultur. Die Jahrhundertwende ist eine Zeit der Bewegung im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Die Eisenbahn und das Automobil, die revolutionieren den ganzen Transport und das Reisen wird viel schneller und viel erschwinglicher. Die Mobilität der Menschen nimmt dadurch zu. Ein Umzug in eine andere Stadt ist nichts Ungewöhnliches mehr, wenn man einfach woanders eine Arbeit gefunden hat. Auch innerhalb der Stadt kann man sich sehr viel schneller bewegen, einfach weil Straßenbahnen zum Beispiel die Mobilität der Menschen erhöhen. Und auch mit gemeint ist die soziale Mobilität. Das heißt, Menschen können sozial aufsteigen und absteigen in der Stadt. Während das auf dem Land sehr viel weniger drastische Formen hatte, ist es nun in der Stadt sehr leicht möglich, sozial aufzusteigen, indem ich zum Beispiel durch Fleiß und Fähigkeiten innerhalb meines Unternehmens immer mehr…bessere Stellung erhalte, dadurch mehr verdiene und dadurch sozial aufsteige. Und umgekehrt kann ich aber auch Pech haben, dass meine Arbeit nicht mehr gebraucht wird, meine Fähigkeiten nicht mehr gebraucht werden und dadurch sozial absteigen, weil ich einfach nicht mehr so einen attraktiven Job habe aus der Sicht der Arbeitgeber. Diese Beschleunigung finden wir aber auch in anderen Bereichen, etwa in Form von neuen Technologien, zum Beispiel im Telefon und elektrischer Telegrafie. Diese Beschleunigung führt aber auch zu Stress und zu Überforderung. Man kann sich vorstellen, dass Leute, die das vor kurzem noch für normal gehalten haben, sein ganzes Leben in einem Dorf auf seinem eigenen Bauernhof zu bleiben, das als total verunsichernd empfinden, wenn man jetzt überall leben kann. Oder wenn die Kinder von heute auf morgen in die Großstadt ziehen, was vorher jahrhundertelang als undenkbar galt oder gar nicht existierte. Und viele Menschen können mit diesen schnellen Veränderungen eigentlich gar nicht umgehen. Soziologen nennen diese Leute später Modernisierungsverlierer. Da kommen wir aber gleich nochmal hin. Als Reaktion auf diese Massenkultur in den Großstädten, da entstehen neue Formen von politischen Gruppierungen, von politischen Organisationen, sogenannte Massenorganisationen. Dazu gehören insbesondere die Massenparteien, zum Beispiel eben die SPD, aber auch zum Beispiel das Zentrum, das sich an die Katholiken richtet. Solche Parteien besitzen riesige Organisationsstrukturen, massenhaft Mitglieder, Millionen teilweise von Mitgliedern. Die haben ein eigenes Pressewesen, das heißt, die legen eigene Zeitungen auf und haben ganz feste Parteiprogramme und sowas für eben eine riesige Masse von Menschen.Und diese Massenorganisationen, die gibt es nicht nur in Form von Parteien, sondern auch sozusagen politikferner, zum Beispiel in Form von Gewerkschaften, die für die Rechte der Arbeiter eintreten oder Unternehmerverbände, die für die Arbeitgeber eintreten, Berufsverbände, Interessenverbände wie zum Beispiel Sportvereine, Forschungsvereine, Diskussionsvereine und so weiter. Das heißt, diese Massenorganisationen, die sind zwar formal zunächst nicht alle politisch, aber sie entwickeln eben doch eine unheimliche Möglichkeit innerhalb der Gesellschaft, Leute zu mobilisieren für ein bestimmtes Ziel. Und dadurch sind sie eigentlich ein neuer Faktor in dem Machtspiel dieser deutschen Politik. Aus diesen Massenorganisationen heraus entsteht eine Politisierung ganz großer neuer Bevölkerungsgruppen. Mit Politisierung ist gemeint, dass Menschen, die sich vorher nie für Politik interessiert haben, nun auf einmal in das Thema einsteigen, zum Beispiel in der Stadt, aber auch, weil sie durch Radio, Zeitung usw. Damit in Kontakt kommen. Und diese politisierte Gesellschaft, die ist dann eine, in der die Politik für viele Menschen zum Thema wird, was vorher nie der Fall war. Das verändert insbesondere die Denkweise von Frauen, denen man ja bis dahin jede Beteiligung einer Politik verboten oder abgesprochen hatte. Das passt ja auch nicht zum bürgerlichen Familienideal, haben wir vorhin schon drüber gesprochen. Und auch sonst hatten Frauen in politischen Fragen bisher so gut wie keine Rolle gespielt. Und konservative Politiker bekämpfen auch jeden Versuch, das zu ändern, ziemlich energisch. Nun entsteht aber im 19. Und 20. Jahrhundert eine organisierte Frauenbewegung und die fordert gleiche Rechte für Frauen zum Beispiel in Bildung, in der Arbeit oder in der Politik.Es dauert zwar noch bis 1918 und es braucht einen verlorenen Weltkrieg, bis Frauen in Deutschland endlich wählen dürfen. Aber in der Hochmoderne am 1900 entstehen zumindest… Wieder kann man sagen, Ideen, wie man dahin kommen könnte. Und insbesondere Bildungseinrichtungen öffnen sich so langsam Frauen, auch wenn es für viele Frauen eine sehr, sehr zähe und harte Arbeit ist, sich zum Beispiel in eine Universität einzuschreiben, einfach weil ihnen da an jeder Ecke Steine in den Weg gelegt werden. Die Industrialisierung hat neben diesen ganzen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen auch welche auf Bevölkerung und Bevölkerungsbewegungen und Bevölkerungsstrukturen. Denn neben diesen ganzen anderen Folgen, über die wir schon gesprochen haben, löst sie eine ganze Reihe von Migrationsbewegungen aus. Und zwar in zwei verschiedene Richtungen. In der ersten Phase der Industrialisierung, sagen wir mal bis ungefähr 1870, da ist vor allem Auswanderung ein Thema in Deutschland. Das heißt, Menschen fliehen vor Armut, aber es gibt da auch politische Flüchtlinge, die sich ein liberaleres Leben wünschen, als das in Deutschland so möglich ist, vor und nach der Revolution von 1848. Und diese Menschen wandern vor allem in die USA aus. Insgesamt sind das in diesem Jahrhundert von 1800 bis 1900 um die 6 Millionen Menschen, also eine unfassbar große Zahl. Das liegt vor allem einmal daran, dass es bestimmte Push-Faktoren gibt, zum Beispiel die miesen Ernten in den 1830er und 1840er Jahren, die aber auch ebenvor politischer Unterdrückung und politischer Verfolgung fliehen, weil eben in Deutschland keine liberalen Systeme möglich sind, weil eben in den deutschen Staaten ein sehr starker Drang dazu da ist, diese Liberalen zu unterdrücken, bis 1871 mit dem Kaiserreich sich politisch sehr viel verändert, auch wenn das kein liberales Kaiserreich ist, aber doch eben das eine Aufbruchsstimmung erzeugt, die so ein bisschen… Ein positiveres Heimatempfinden bei vielen Deutschen auslöst. In dieser Zeit also, als die Industrialisierung in Deutschland noch nicht so richtig angekommen ist, da bedeutet so eine Missernte Arbeitslosigkeit, Hunger und Elend und da wandert es sich dann natürlich sehr leicht, oder sehr leicht, aber sehr gerne aus. Das heißt, die Leute ziehen dann eben in die USA und versuchen dort ihr Glück zu finden in einem liberaleren Land, in dem sie sich wirtschaftlich ein deutlich besseres Leben versprechen. Das ist ein sogenannter Pull-Faktor. Push- und Pull-Faktoren kennt ihr sicherlich aus GK oder Geografie oder sowas. Das ist quasi gemeint, dass ein Push-Faktor jemanden aus dem Heimatland verdrängt, während ein Pull-Faktor einer ist, der einen Menschen in ein anderes Land zieht. Push heißt drücken, Pull heißt ziehen. Mit dem Fortschreiten der Industrialisierung und der Reichseinigung von 1971 dann wird Deutschland selbst zum Ziel von Zuwanderung. Innerhalb weniger Jahre verwandelt sich dieses deutsche Reich, also vom Auswanderungsland, zum weltweit zweitwichtigsten oder zweitgrößten Einwanderungsland nach den USA. Die bleiben das Land in das Land.die meisten Leute auswandern. Kurz nach der Reichsgründung beginnt die Arbeitsmigration von polnischstämmigen Arbeitern. Das heißt, da kommen Leute aus insbesondere den in Anführungszeichen deutschen Teilen des heutigen Polens, die eben polnisch sprechen, ethnische Polen sind, die insbesondere im Ruhrgebiet Arbeit finden, die man auch als Ruhrpolen beschreibt. Und zum Teil werden die ganz gezielt rekrutiert, weil die Unternehmer im Ruhrgebiet selbst nicht mehr genug Arbeiter für die ständig wachsenden Fabriken finden. Wenn wir von dieser Migration reden, dann müssen wir unterscheiden zwischen Binnenmigration und internationaler Migration. Die Ruhrpolen zum Beispiel sind in der Regel polnischsprachige, aber doch preußische Staatsbürger und sind dann ein Fall von Binnenmigration, weil es ja auch kein Polen gibt in der Zeit, sondern Polen ist quasi geteilt zwischen Preußen auf der einen Seite und dem Zarenreich Russland auf der anderen Seite. Daneben gibt es aber auch internationale Zuwanderung, einmal aus dem russischen Teil von Polen, aber auch aus Italien, aus Österreich, Ungarn, insbesondere nach Ostpreußen. Über die Integration dieser Menschen hat man sich damals so gut wie keine tiefer gehenden Gedanken gemacht. Das heißt, man ging entweder davon aus, diese Ausländer würden schon irgendwie wieder zurückgehen, wenn man sie nicht mehr braucht, oder man würde ihnen das dann deutlich selber sagen, dass sie wieder zurückgehen sollen. Insbesondere die ausländischen Polen, die stießen auf eine hohe Ablehnung durch Nationalisten. Integriert wurden diese Leute dann eher so im Alltag, beim gemeinsamen Sprengen im Kohleschacht oder am Stahlschmelzkessel, wo man sich halt aufeinander verlassen können musste.wenn man nicht mitgesprengt oder mit eingeschmolzen werden wollte. Das heißt, Integration fand automatisch statt, weil man zusammenarbeitete. Harte körperliche Arbeit schweißt zusammen. Das kennt ihr bestimmt, so funktioniert ja heute auch irgendwie die Erlebnispädagogik oder das Teambuilding, wenn ihr mit euren Klassenkameraden auf irgendwelche riesigen Bäume klettern müsst und euch dabei helfen müsst. Das war jetzt ein ziemlich wilder und schneller Ritt von 35 Minuten durch das Schwerpunktthema 1 Wege in die Moderne. Im Grunde solltet ihr auf dem Schirm haben, dass es diese ganzen Begriffe gibt, die im Bildungsplan stehen. Wenn ihr nicht in Baden-Württemberg euer Abi schreibt, dann guckt bitte in euren eigenen Bildungsplan, was da so für Begriffe drinstehen und lernt die so ein bisschen wie ein Cluster auswendig. Denn in der Regel sind die Arbeiten im Abitur so gestrickt, dass da, je nachdem, euch ein Begriff hingeworfen wird und ihr den irgendwie in einen größeren Kontext sortieren müsst. Und für diesen größeren Kontext ist es immer sehr, sehr hilfreich, wenn man weiß, welche Fachbegriffe um den so drumherum stehen. Wenn also zum Beispiel ich den Begriff Schrittmacherindustrie vorgeworfen kriege in einer Aufgabe, dann macht es Sinn, sich im Kopf mal kurz Gedanken zu machen, welche Begriffe stehen denn da so drumherum. Industrialisierung, Früh- und Hochindustrialisierung, Agrarrevolution, Verkehrsrevolution, Sektor, Take-off, Wirtschaftsliberalismus, dass ich so ein bisschen im Hinterkopf habe, in welchen Kontext gehörten das. Und umgekehrt sollte ich auch wissen, wie die Überschrift dieses… Bereich sozusagen ist. Also wenn ich vorgeworfen kriege, vergleichen Sie doch mal die Industrialisierung in England und Deutschland, dann macht es Sinn, dass ich diese ganzen Aspekte, die da drunter stehen,Eben, Industrialisierung, Frühindustrialisierung, Hochindustrialisierung, Agrarrevolution und so weiter, Schrittmacherindustrien, dass mir das alles im Kopf ist, sodass ich die Möglichkeit habe, das abzuklappern, was davon macht für meine Aufgabe jetzt Sinn, weil in der Regel werden genau diese Begriffe dann auch erwartet. Die meisten Abituraufgaben sind so gestrickt, dass die Aufgabe voraussetzt, dass ich die anderen Punkte, die in diesem Teilstandard auftauchen, dass ich die da einbauen kann. Und umgekehrt, wenn ihr eine Textanalyse oder sowas bekommt oder eine Karikaturenanalyse, dann solltet ihr überlegen, in welches dieser Kapitel passt denn das Ding hier rein und auch dann wiederum die entsprechenden Fachbegriffe einmal abarbeiten. Nicht alle, weil es machen nicht immer alle Sinn, aber für die allermeisten Karikaturen oder Textanalysen oder sowas ist es sinnvoll und ist es auch ganz klar so, dass die in eines dieser Teilstandards reinfallen werden. Das kann ja gar nicht anders sein, deswegen ist das ja ein Schwerpunktthema. Und dann macht es Sinn zu überlegen, in welchen davon fällt es rein und welche Fachbegriffe tauchen da auf und kann ich hier droppen. Und dann natürlich nicht nur den Fachbegriff droppen sozusagen, sondern natürlich eben auch erklären, was damit gemeint ist und wie das in diesem Kontext zusammen irgendwie reingehört und wie das da reinpasst. Wenn ihr Jahreszahlen, wenn ihr Wahlergebnisse der SPD, wenn ihr irgendwelche ganz klaren Fakten im Hinterkopf habt, mit denen ihr arbeiten könnt, dann ist das immer eine gute Sache. Das heißt, lernt ein paar Jahreszahlen auswendig, mit denen ihr euch orientieren könnt. Eine ungefähre chronologische Einordnung der Früh.und Hochindustrialisierung, sowas wie die Einigung des Deutschen Kaiserreichs oder die 48er-Revolution, aber auch so kleine Details wie zum Beispiel die Gründung der SPD oder die Umbenennung, wenn man so will, der SPD, die Einführung der staatlichen Sozialpolitik, die Zeit der Sozialistenverfolgung, all solche Sachen sollte man im Hinterkopf haben und so ungefähr zumindest die Jahreszahlen kennen, damit man bei der Chronologie keine Fehler macht und damit man da so hier und da Details einstreuen kann, damit sich das Ganze nicht liest, als hätte jemand nur so grob einen Podcast gehört und keine Ahnung, was eigentlich wann passiert ist. Wir haben heute die Wege in die Moderne, das Schwerpunktthema 1 fürs Abitur 2025 besprochen. Wenn ihr mehr über geschichtliche Zusammenhänge und die Themen der Kursstufe wissen wollt, wenn ihr auch in einzelne dieser Themen nochmal tiefer eintauchen wollt, dann abonniert gerne den Podcast und hört euch die anderen Folgen zu den jeweiligen Schwerpunktthemen an. Da könnt ihr noch mehr erfahren. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.