Schwerpunktthema "Wege in die postindustrielle Zivilgesellschaft" - Abiturvorbereitung - Geschichte Leistungskurs 51
Heute sprechen wir das Schwerpunktthema 2, die “Wege in die postindustrielle Zivilgesellschaft”, durch. Ich wünsche euch allen viel Erfolg beim Abitur!
Willkommen bei geschichtslehrer.net. Heute bereiten wir uns auf das zweite Schwerpunktthema im Abitur 2025 vor. Und weil die Osterferien schon angefangen haben, als ich das hier aufnehme, müssen wir mit etwas improvisierten technischen Maßnahmen auskommen. Und deswegen zwitschert es im Hintergrund, da gibt es vielleicht ein paar Hintergrundgeräusche, aber wir versuchen das so gut wie möglich hinzukriegen. Der erste Themenkomplex des zweiten Schwerpunktthemas ist der wirtschaftliche Aufschwung in West- und Osteuropa bis Anfang der 70er Jahre. Und das ist ein Thema, bei dem vor allem die wirtschaftlichen Aspekte von Ost- und Westdeutschland verglichen werden. Diese wirtschaftliche Entwicklung in Europa zwischen 1950 und den 70ern, die bezeichnen wir gemeinhin als Boom, also als eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs und eines Beginns des Zeitalters des Massenkonsums. Das bedeutet, es geht wirtschaftlich stramm bergauf und die Leute erleben einen zunehmenden Wohlstand. Man nennt diesen Boom auch das Wirtschaftswunder und dieses Wirtschaftswunder, das steht unter dem Stern insbesondere der Ära Adenauer und wird mit der Devise Wohlstand für alle in die soziale Marktwirtschaft überleiten. Unter soziale Marktwirtschaft verstehen wir eine Marktwirtschaft, die nicht nur rein marktwirtschaftlich nach Angebot und Nachfrage und kapitalistischen Grundlinien funktionieren soll, sondern da geht es um eine Marktwirtschaft, die eben weiterentwickelt sein soll in Richtung dessen, was eben ein Sozialstaat auszeichnet. Das heißt, diese Marktwirtschaft, der…BRD, die soll nicht nur marktwirtschaftlich erfolgreich sein, sondern sie soll auch verhindern, dass bestimmte Gruppen abgehängt werden und wirtschaftlich nicht profitieren können. Im Grunde soll hier das große Problem des Kapitalismus, das schon mit der sozialen Frage des 19. Jahrhunderts anklang, gelöst werden. Zum Beispiel durch sozialen Wohnungsbau, Rentenreformen und viele weitere Schritte, die letztlich den Sozialstaat prägen werden. Als Sozialstaat bezeichnen wir dann eben diese Staatsform, bei der der Staat selbst auch wirtschaftlich den Menschen unter die Arme greift. Der Keynesianismus ist im Grunde die Idee dahinter. Das heißt, es gibt hier eine Wirtschaftspolitik, die auf John Maynard Keynes zurückgeht, ein Wirtschaftswissenschaftler, der in den 1930ern, 40ern, 50ern relativ viel von sich reden gemacht hat. Und der Keynesianismus, der hat die Idee, dass der Staat ein Stück weit mitsteuern soll bei der Wirtschaft. Immer dann, wenn es der Wirtschaft schlecht geht, soll der Staat selbst intensiv Aufträge vergeben, um eben Nachfrage anzukurbeln und dadurch Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Und dann, wenn die Wirtschaft gut läuft, soll der Staat Steuern einnehmen und sich selbst zurückhalten mit Investitionen, um eben einen Puffer aufzubauen an Geld, den er dann raushauen kann, wenn es wieder eine Krise gibt. Dieses sehr große Wirtschaftsverwachstum in den 1950ern und 60ern, das führt zur Vollbeschäftigung, also zu einer großen Anzahl von Menschen, die arbeiten können und ganz wenigen Leuten, die eben arbeitslos bleiben. Das heißt, insgesamt sind die meisten Leute in Arbeit. Und das führt dazu, dass ein Soziologe namens Helmut Schelsky,von der sogenannten nivellierten Mittelstandsgesellschaft spricht. Die Idee ist, dass die Bevölkerung in Deutschland im Wesentlichen jetzt alle dem Mittelstand angehören. Das ist also keine ganz so extreme Schere zwischen so klassisch kommunistisch gesprochen Bourgeoisie und Proletariat mehr gibt, sondern dass alle irgendwie zum Mittelstand gehören und nivelliert. Das verstärkt diesen Punkt nochmal. Das heißt, es ist eine gleichgemachte Mittelstandsgesellschaft. Nivelliert heißt sowas wie eben oder sowas, ohne große Verwerfungen. Das heißt, Chelsea glaubt, dass die Lebensverhältnisse der Bürger insgesamt sehr ähnlich werden. Aber das ist natürlich Käse und das ist später auch widerlegt worden. Denn die soziale Schere ging sehr wohl weiterhin auseinander, aber die Hoffnung war natürlich da und ein Stück weit hat man das auch gerne geglaubt, weil ja diese nivellierte Mittelstandsgesellschaft bedeutet hätte, dass der Kapitalismus des Westens gar nicht so ungerecht ist, gar nicht so viel Ungleichheit produziert, wie man das immer behauptet hat. Und das war insbesondere im Vergleich mit der DDR, mit den sozialistischen Systemen ein wichtiger Punkt, weil man eben hier gerade den größten Punkt sah, den die DDR hatte, dass das System dort fairer war zu den Leuten, dass es also weniger große Unterschiede zwischen Arm und Reich produziert hat. Und deswegen hat man sich diese nivellierte Mittelstandsgesellschaft vorgestellt, aber in der Realität war von der wahrscheinlich nicht viel übrig. Dieser wachsende Wohlstand der Zeit des Wirtschaftswunders, der führte in die Konsumgesellschaft, also eine Zeit, in der der Konsum, also das Einkaufen von bestimmten Produkten, eine besonders hohe Stellung,besonders hohen Wert in der Gesellschaft hat. Dazu gehören insbesondere bestimmte Haushaltsgeräte wie ein großer Kühlschrank oder sowas. Dagegen gab es eine ganze Reihe von Jugendlichen, die das blöd fanden und aus Amerika so eine Reihe von Symbolen importiert haben, um zu zeigen, dass sie das blöd fanden, dass sie lieber dieses Spießbürgerliche nicht erleben wollten. Das war sowas wie Jeans tragen, lange Haare tragen, Rock’n’Roll hören und so ein Zeug. In der DDR sah es nach der unmittelbaren Kriegsniederlage dann doch anders aus, weil ja hier ein sowjetisches Wirtschaftssystem etabliert worden war. Die DDR war also ein Arbeiter- und Bauernstaat. Das heißt, dahinter steckt die Idee, dass der Staat gelenkt werden soll von den Schichten, die auch die größten sind. Und das sind eben die Arbeiter in den Fabriken und die Bauern auf den Feldern. Man hat also stattdessen, anders als es in der BRD gelaufen ist, hat man in der DDR die wohlhabenden Menschen enteignet und hat die ganzen Firmen und die großen Bauerngüter und sowas alle verstaatlicht. Das nennt man die Kollektivierung. Und die Regelung, wer wo wie viel arbeiten musste, um dann eben auf diesen Feldern und in diesen Fabriken irgendwas zu erwirtschaften, das wurde über eine Zentralverwaltungswirtschaft ausgerichtet. Das heißt, diese Zentralverwaltungswirtschaft, die wurde vom Staat gesteuert, das wurde zentral berechnet. Der sogenannte wissenschaftliche Sozialismus spielt dabei eine Rolle. Das heißt, man hat ausgerechnet, welcher Betrieb…was zu tun hat und hat dann sozusagen von oben bis unten herunter regiert, bis in die kleinsten Entscheidungen in die Betriebe hinein, wie etwas produziert werden soll und wie das funktionieren soll. Man nennt diese große Berechnung, die da stattfindet, den sogenannten Fünf-Jahres-Plan. Der erste, der spielte sich ab von 1951 bis 1955. Und diese Planwirtschaft, die soll eben dazu führen, dass durch eine Festlegung von Preisen, von Produktionswegen und so weiter, letzten Endes ein Versuch unternommen wird, alles von oben runter zu berechnen und zu lenken. Es stellte sich relativ schnell heraus, dass das schwierig war, dass das auch nicht effektiv und nicht effizient war und zu jeder Menge Problemen führte. Also wenn man irgendwas falsch berechnet hatte und das war bei sowas Komplexen wie einer kompletten Volkswirtschaft natürlich unvermeidlich, dann hat das mitunter dazu geführt, dass Produkte eben nicht produziert werden konnten, weil dazu Teile fehlten. Das beste Beispiel dafür ist etwa der Trabant, ein Auto, das in den 70ern und 80ern in der DDR im großen Stil produziert werden sollte und das unzählige Leute haben wollen. Die Nachfrage danach ist riesig, aber weil der Staat das eben nicht so vorberechnet hat, dass das so eine große Nachfrage werden würde, gab es davon viel zu wenig und man hat jahrelang auf seinen Trabant gewartet, wenn man einen haben wollte. Nichtsdestotrotz hat auch die DDR in der Nachkriegszeit einen wirtschaftlichen Boom. Das heißt, auch hier geht es wirtschaftlich ein Stück weit bergauf, schon allein, weil natürlich durch die Kriegsniederlage eine so tiefe Krise entstanden ist, dass danach es ja eigentlich nur bergauf ging, konnte. Der Schwerpunkt der DDR-Wirtschaft war dann die Schwerindustrie und wir sprechen dabei vom Primat der Schwerindustrie.Industrieprimat kommt von lateinisch primus, der erste. Und dieser Primat der Schwerindustrie, der bedeutet nichts anderes, als dass die politische Führung die Industrialisierung nach dem sowjetischen Vorbild mit aller Gewalt durchsetzen wollte und voranbringen wollte. Das bedeutet, hier geht es um Stahlanfertigung, hier geht es um Maschinenbau und hier geht es um andere ähnliche, sozusagen schwerindustrielle Branchen. Die klassisch industrialisierungsmäßig gedacht die wichtigsten sind. Diese Zwänge des Systems, die führten dazu, dass sich die Einkommen von der Produktivität relativ schnell abspalten. Denn die Leute wurden ja nach einem bestimmten, von oben berechneten Satz bezahlt. Und was sie dafür gearbeitet haben, war eine ganz andere Frage. Man spricht hier vom Versorgungsstaat, also einem Staat, der von vornherein seine Bürger mit allem zur Versorgung versucht und das selbst versucht zu organisieren. Und sozusagen nicht auf ein Angebot und Nachfrage setzt. Das war natürlich ein Problem. Das hat unter anderem dazu geführt, dass Arbeitslosigkeit in der DDR nicht existierte. Das heißt, wenn jemand keinen Job hatte, dann hatte er das sogenannte Recht auf Arbeit, mit dem er sozusagen klagen konnte, dass er einen Job bekam. Und dann bekam er einen, ob der nun wirtschaftlich war oder nicht. Man kann dieses Recht auf Arbeit aber durchaus auch als Zwang zur Arbeit deuten. Das heißt, jemand, der vorher nicht arbeiten musste, zum Beispiel, weil er über ein Vermögen verfügte, von dem er leben konnte, der durfte das in der DDR natürlich nicht mehr.Kapitel 2 ist dann der sogenannte Widerstand und der Umgang mit Widerstand und Protest in Ost- und Westeuropa. Und dieser Umgang mit Protestbewegungen, der bezieht sich natürlich einerseits auch auf der sowjetischen Seite, auf der DDR-Seite darauf, dass dort verschiedene Aufstände gegen das kommunistische Regime niedergeschlagen werden. Eben zum Beispiel der Aufstand des 17. Juni, der Ungarnaufstand, aber auch der Prager Frühling. Und auf der Seite des Westens geht es da zum Beispiel um die Frage, wie man mit dem Widerstand gegen den Wiederbewaffnen der Bundeswehr umgeht, aber auch mit der 68er-Bewegung und dem Wertewandel. Die Phase nach dem Zweiten Weltkrieg ist zunächst mal gekennzeichnet von einer Verschärfung des Kalten Krieges, da immer noch mit Josef Stalin in der Sowjetunion jemand in der Macht ist, der sich direkt im Widerstand und im Kampf mit dem Westen sieht. Aber 1953 stirbt Stalin und sein Nachfolger nach einem internen Machtkampf ist dann Nikita Khrushchev. Und der Generalsekretär Khrushchev ist dann einer, der eine Zeitenwende im Grunde einleitet, die heute als Entstalinisierung bezeichnet wird. Das heißt, eine Phase, in der die sowjetische Wirtschaft liberaler wird, in der der Stalinismus zunehmend ins Hintertreffen gerät und dann die letzten Stalinisten auch nach und nach abgesägt werden.in der Leitungsebene. Und so werden zum Beispiel die politischen Gefangenen freigelassen, wird insgesamt auch eine liberalere Gesellschaft in der Sowjetunion erlaubt und das färbt eben auch auf die DDR ein Stück weit ab. Aber Walter Ulbricht, der damalige Generalsekretär in der DDR, der versucht bei einem relativ strammen, mehr oder weniger steinistischen Kurs zu bleiben und kommt dadurch auch so ein bisschen in so einen leichten Konflikt eben mit Khrushchev. Am 17. Juni 1953 haben wir dann den sogenannten Aufstand eben des 17. Juni. In Ost-Berlin kommt es da zu Massendemonstrationen von fast einer halben Million Menschen. Das heißt, die Leute gehen intensiv auf die Straße. Und um diesen Aufstand des 17. Juni irgendwie niederzuschlagen, versucht die sozialistische Führung irgendwie mit Militär der Sache Herr zu werden. Und das tut man, indem man den Ausnahmezustand erlässt und mit Panzern diese Demonstrationen niederschlägt. Und dabei werden Protestierende erschossen, dabei werden Demonstranten festgenommen und zahlreiche Menschen werden auf diese Weise verfolgt und bekämpft. Und dieses Vorgehen gegen die eigene Zivilbevölkerung, die ist natürlich letzten Endes eine absolute PR-Katastrophe, weil natürlich auch hier sowjetische Soldaten, eigentlich ausländische Soldaten genutzt werden, um die SED in Deutschland, der DDR an der Macht zu halten. Und das ist natürlich ein ganz klarer Fall oder ein ganz klares Zeichen dafür, dass hier eine Regierung…Eine Macht, die vom Volk überhaupt nicht gewollt ist. Und das ist etwas, was für die SED einen Legitimitätsverlust sondergleichen darstellt. Ähnliches erleben wir in Ungarn. Im Februar 1956 spricht Khrushchev auf seiner Geheimrede von der Entstalinisierung. Also die heißt zwar Geheimrede, aber in der Praxis kannten die doch in der Partei sehr viele Leute. Und wenn sehr viele Leute was kennen, dann bleibt sowas nicht geheim. Er spricht über Stalins Verbrechen, über die großen Menschheitsverbrechen des Stalinismus, die Massenmorde, den Terror und so weiter. Und das ist für alle Bürger der sozialistischen Staaten irgendwie ein Zeichen, dass man jetzt offener sprechen kann und vielleicht Reformen möglich werden. Und so kommt es dann auch 1956 zu Massendemonstrationen für demokratische Reformen. Und es gibt aber einen militärischen Widerstand dagegen. Es gibt Schüsse im Zusammenhang mit diesen Demonstrationen. Und das Ganze radikalisiert sich relativ schnell. Ungarische Soldaten unterstützen diese Proteste. Und auf diese Weise entsteht eigentlich eine Situation, in der Ungarn kurz davor ist, aus dem sozialistischen Lager auszubrechen. Und die Sowjetunion muss jetzt damit irgendwie umgehen und sie geht damit um, indem sie die Rote Armee wiederum einmarschieren lässt. Und gegen diese riesige sowjetische Armee, die da einmarschiert, haben die Ungarn keine Chance. Es dauert ungefähr zwei Wochen, von Anfang bis Mitte November 1956. Und dann ist dieser Aufstand niedergeschlagen. Es gibt ein paar tausend Tote und sehr viele.Viele Ungarn fliehen ins Ausland, man spricht von ungefähr 200.000. Das heißt, wir haben nun in der DDR wie auch in Ungarn ein ganz klares Zeichen dafür, dass dieses sozialistische Regime einfach von der Bevölkerung nicht mehr gewollt wird, dass es abgelehnt wird und dass dieses sozialistische Regime aber absolut nicht kompromissbereit ist, um hier irgendwie seine Legitimität zu retten oder seiner Bevölkerung entgegenzukommen, sondern man antwortet auf Widerstand mit Gewalt. Und das führt dazu, dass immer mehr Menschen aus diesen Staaten abzuhauen versuchen. Wir haben nicht nur diese ungefähr 200.000 Menschen, die aus der ungarischen sozialistischen Republik… flüchten, sondern auch die DDR hat eine erhebliche Fluchtbewegung, mit der sie die ganze Zeit schon kämpft. Und diese Menschen, die aus der DDR in Richtung BRD auswandern, die sind natürlich nicht irgendwelche armen Schlucker, denen es in der DDR schlecht geht, sondern das sind in der Regel Leute, die sich in der BRD ein besseres Leben erhoffen. Das sind Leute, die also mit einem gewissen Maß an Bildung ausgestattet sind, die häufig jung sind und diese Menschen, die wandern nun ausgerechnet aus der DDR aus. Das heißt, die DDR hat eigentlich ein Problem mit einem sogenannten Brain Drain, also einer Abwanderung von gerade den gebildeten Gruppen und ihrer Bevölkerung und eben den künftigen Eliten eigentlich. Und das ist ein Riesenproblem für die DDR. Die DDR kriminalisiert dieses Auswandern auch in Form von der sogenannten Republikflucht. Das heißt, man formuliert da einen Straftatbestand sozusagen daraus, der verbieten, der sozusagenals kriminelles Vorgehen das Brandmarkt, wenn man aus der DDR illegal auswandert sozusagen im Jargon der DDR selbst. Die DDR rechnet ja so, sie hat jetzt jahrzehntelang einen Menschen da ausgebildet auf Staatskosten und jetzt hätte sie gern, dass der auf seine Arbeitskraft den Dienst der DDR stellt und wenn er das nicht tut, dann ist das ja irgendwie unsozial. Das ist so die Rechnung, die die DDR da aufmacht. Dass ein Mensch vielleicht das Recht haben sollte, aus einem irgendwie diktatorischen Regime auszuwandern, wenn er das möchte, das ist für die DDR überhaupt keine Kategorie, in der sie denkt. Wir haben also nun eine DDR, die das Problem hat, dass so viele Menschen abhauen oder hier weglaufen, dass sie da ein Problem mit ihrer Zukunft bekommt. Und man reagiert darauf, indem man den Leuten diesen Weg versperrt. Und diesen Weg versperrt man, indem man die Mauer baut. Der Mauerbau passiert, indem letzten Endes über Nacht eine Mauer zwischen West- und Ost-Berlin hochgezogen wird und auf der anderen Seite auch zwischen Ost-Deutschland und West-Deutschland. Wir haben also eine Mauer, die durch Berlin sozusagen durchgeht und West-Berlin einschließt, das heißt eine kleine Westinsel in Berlin. Und wir haben ansonsten eine Mauer, die die DDR äußerlich nach Westen hin abschirmt. In Westeuropa wiederum haben wir mit dem Beginn des Kalten Krieges zunehmend Protestbewegungen gegen diese atomare Aufrüstung. In diesem Zusammenhang ist auch die Wiederbewaffnung der Bundeswehr ein wichtiges Thema. Denn die Wiedererwärmung der DDRD muss man eigentlich sagen, weil die Bundeswehr…Bundeswehr gibt es ja in diesem Zeitpunkt noch nicht. Es ist in den 50er Jahren dann die Frage, wie man Westdeutschland in die NATO einbinden könnte. Ein Ziel von Bundeskanzler Konrad Adenauer ist es, dass die BRD möglichst eng an den Westen angebunden wird, dass die sogenannte Westintegration. Ein Teil davon müsste in seinen Augen sein, dass man auch Teil des westlichen Militärbündnisses der NATO wird. Das Problem ist, dass Deutschland zu dem Zeitpunkt keine Armee hat. Und eine Lösung davon ist eben, dass man die Bundeswehr gründet und dann in die NATO einbindet. Diese sogenannte Wiederbewaffnung, die stößt aber auf eine Menge Widerstand. Denn die Leute wollen eigentlich nicht Teil dieses Kalten Krieges werden. Die Menschen in Deutschland wollen, insbesondere die junge Generation, die hat dafür wenig Verständnis. Und so gibt es eine Protestbewegung gegen diese Versuche, die Bundeswehr zu gründen. Das sogenannte Deutsche Manifest von 1955 ist ein Beispiel dafür, wie sozusagen Widerstand aus der Zivilbevölkerung entsteht, um den Besitz von Atomwaffen durch die Bundesrepublik irgendwie zu bekämpfen. Darauf folgt dann später das Göttinger Manifest von 1957, das von einer Reihe von deutschen Atomphysikern unterschrieben wird. Auch die SPD widmet sich dem sogenannten Kampf gegen den Atomtod und da entsteht so eine Gruppe von Bürgerrechtlern und Bürgerrechtsbewegungen, die später auch in Richtung der Grünen entstehen wird, die aber noch lange brauchen, bis sie gegründet werden. Es dauert dann ein paar Jahre, bis die nächste große Protestbewegung im Westen entsteht. Und das ist die sogenannte A.68er-Bewegung, die so genannt wird, weil sie eben 1968 ihren Höhepunkt hat. Diese 68er-Bewegung, die kommt ursprünglich aus den USA. Denn dort tobt in dieser Zeit, man kann nicht sagen dort, aber ein Stück weit dort tobt in dieser Zeit der Vietnamkrieg und in den USA dann eben der Protest gegen den Vietnamkrieg. Denn weshalb man unbedingt am anderen Ende der Welt seine Soldaten verheizt, um einen Stellvertreterkrieg gegen die Sowjetunion zu führen in einem Staat, in dem die Menschen eigentlich selber jetzt offensichtlich überhaupt nichts mehr zu melden haben, das leuchtet den Amerikanern berechtigterweise nicht so richtig ein. Und damit beginnt im Grunde die 68er-Bewegung eben in den USA, im Grunde gegen den Vietnamkrieg. Sie schwappt aber relativ schnell in den Westen über. Denn wir haben im Westen zunehmend einen sogenannten Wertewandel. Das heißt eine Veränderung der Vorstellung der Menschen davon, wie Politik und Gesellschaft aussehen sollten. Ein Wandel der Wertvorstellung. Und dieser Wertewandel, der führt dazu, dass man im Westen nun Menschen hat, die nach dem Krieg geboren sind, die sozialisiert sind nach dem Krieg, die eben mit den Nazis und dem nationalsozialistischen System, der nationalsozialistischen Erziehung nicht mehr viel zu tun haben. Und diese Menschen, die fühlen sich in dieser Bonner Republik, in der BRD, in der Nachkriegszeit ein bisschen fremd, kann man vielleicht sagen. Denn die Wertvorstellungen der Eliten, also der Politiker, die an der Macht sind, Konrad Adenauer und so weiter, die sind andere. Die decken sich nicht mit ihren Vorstellungen, da geht es noch um Autorität und Gehorsam und solche Sachen. Und diese neue Generation, die wächst auf eben mit der Frage, wie konnte…Denn unsere Eltern und Großeltern diesen nationalsozialistischen Terror, das nationalsozialistische Regime überhaupt akzeptieren. Wie konnten die das an die Macht bringen und stützen über viele Jahre? Wie konnte dieser Zweite Weltkrieg und dieser Holocaust entstehen? Diese Fragen, die man sozusagen die Vorgängergenerationen stellt, die bewirken eben eine anti-autoritärere Haltung bei vielen Menschen in der jungen Generation. Und dieser Wertewandel, der ist dann ein Grund dafür, warum diese 68er-Bewegung in Deutschland dann immer mehr zu einer Bewegung wird, die sich auch gegen diese spätfaschistischen Menschen zum Teil richtet, die da noch in den Eliten unterwegs sind, diese ehemaligen NS-Kader, die noch in den Eliten der Bonner Republik unterwegs sind. Und dieser Protest dagegen, der ist eben auch Teil der 68er. Diese breite Politisierung, die nach 68 in Deutschland entsteht, die bringt eine Reihe von neuen Gruppen an die Macht. Unter anderem spielt die Frauenbewegung hier eine große Rolle. Das heißt auch die Frage, wie das Verhältnis zwischen Männern und Frauen in der Gesellschaft zu regeln ist, die wird nun neu verhandelt und führt dazu, dass es in Deutschland einen erheblichen Emanzipationsschub gibt. Die Menschen, insbesondere die Frauen, wollen eben nicht mehr, dass ihre Rolle als Hausfrau und Mutter definiert ist, wie das im Prinzip schon aus dem Ideal der bürgerlichen Familie im 19. Jahrhundert so ein Stück weit tradiert ist, sondern man will jetzt zunehmend mehr Freiheit haben. Man will eben nicht dieses klassisch konservative Familienbild bedienen und sozusagen als Hausfrau und Mutter sein Leben verbringen, sondern Frauen suchen jetzt auch eben die Nähe von politischen Partnern.Parteien versuchen in die Macht zu kommen, versuchen aber auch Bildung zu erhalten und vieles mehr, wollen eben auch die Selbstbestimmung über ihren Körper haben. Die Parole Mein Bauch gehört mir, die für Abtreibungen oder für legale Abtreibungen Propaganda betreibt oder Propaganda betreibt, also gegen das Verbot von Abtreibungen ankämpft. Auch die Homosexuellen sind da mit im Boot, die versuchen eben die sexuelle Selbstbestimmung durchzusetzen. Diese alle sind irgendwie Teil der 68er-Bewegung oder ihrer Nachwehen. Das heißt, letztlich sind das alles Felder, auf denen diese 68er die Gesellschaft neu verhandeln wollen. Sei das nun Politik, sei das nun Gesellschaft, sei das nun Sexualität, sei das nun das Geschlechterverhältnis und vieles mehr. Die 68er, die räumen im Grunde mit der kompletten Vorstellung der Bonner Republik davon auf, wie das Leben eines Menschen auszusehen hat. Dieser Konflikt, der wird sich noch lange ziehen, der wird auch nachher dann zur Wahl des ersten SPD-Kanzlers führen. Einfach weil Teile der Gesellschaft sich von dieser Konrad-Adenauer-Bonner-Republik nicht mehr so richtig vertreten fühlen. Während der 68er-Prozesse im Westen entsteht in Osteuropa mit dem Prager Frühling ebenfalls eine weitere neue Protestbewegung, die ähnliche Tendenzen hat. In der tschechoslowakischen Republik, da versucht man schon relativ früh so ein bisschen, sagen wir mal, moderner Sozialismus einzuführen. Und unter Alexander Dukcek, dem 1968er,an die Macht gekommenen Staatschef, da entsteht eben der Versuch, einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz herzustellen. Das heißt, ein Sozialismus, der den Menschen ernst nimmt und eben nicht mehr so spätstalinistisch geprägt ist, sondern modern sein soll. Der Prager Frühling, der ist also ein Versuch, liberale Grundrechte zu schärfen, zum Beispiel Rede- und Versammlungsfreiheit zu gewähren, die Wissenschaft und die Kunst und die Kultur und die Medien freizustellen und noch vieles mehr zu liberalisieren. Die Sowjetunion, die findet das wiederum nicht so richtig witzig. Denn sie hat ja das Problem, dass wenn einzelne Staaten ausscheren, die eigene Autorität im sozialistischen Lager bedroht ist. Und wenn der erste Staat erfolgreich und ohne Konsequenzen aus dem Lager ausscheren kann, dann würde das ja bedeuten, dass andere Staaten vermutlich relativ schnell nachziehen würden. Und so entscheiden sich die Sowjets dazu, dass sie die Tschechoslowakei in Anführungszeichen nicht aufgeben wollen, sondern eben diesen Aufstand sozusagen unterdrücken. Die kommunistische Partei der Tschechoslowakei, die versucht zwar ein Stück weit sich dagegen zu wehren und ihren modernisierenden Kurs irgendwie durchzusetzen, aber die kommunistische Führung in Moskau, die macht völlig klar, dass es nicht möglich ist, dass man in osteuropäischen Satellitenstaaten irgendwie von diesem Kurs der Sowjetunion abweichen darf. Sie schickt eben wieder mal zur Abwechslung Soldaten und letztlich führt es dazu, dass Alexander Dubček und seine Regierung verhaftet wird, nach Moskau entführt.Und dort muss Dubček dann mehr oder weniger unter Zwang in einer öffentlichen Rede dieses Scheitern des Reformkurses eingestehen. Er wird relativ schnell von der Macht abgelöst und ist dann im Prinzip Geschichte. Und unter Brezhnev, dem nächsten sozialistischen sowjetischen Staatschef, ist dann eigentlich mit der sogenannten Brezhnev-Doktrin klar, dass in der Sowjetunion generell Oppositionsbewegungen notfalls mit Gewalt niedergeschlagen werden. In den 1970er Jahren kommt es langsam zu Bewegungen im Kalten Krieg und auch in der deutschen Gesellschaft und Gesellschaftspolitik. Unter Willy Brandt, dem neuen deutschen Kanzler, da entwickelt sich einiges zur Neuerungen hin und zu Überarbeitungen dessen, was man bisher so hatte. Der sogenannte Helsinki-Prozess ist ein Teil davon. Helsinki ist die Hauptstadt von Finnland und der heißt deswegen so, weil er eben dort sozusagen in einem neutralen Staat zwischen Sowjetunion und Westen ausgehandelt wurde. Der Helsinki-Prozess bezeichnet also einen Versuch, eine friedliche Koexistenz zwischen West und Ost herzustellen. Das Ding läuft auch unter dem Namen KSZE, Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Und in der Folge dieser Veränderungen gibt es eben auch innenpolitisch deutliche Veränderungen in Deutschland. Im Jahr 1969 gewinnt zum ersten Mal nicht die Z.CDU die Bundestagswahl, die jetzt schon seit über 20 Jahren in Deutschland regiert. Und im Grunde haben wir also hier in Deutschland, dass seit der Weimarer Republik eigentlich seit über 40 Jahren schon keine SPD-geführte Regierung mehr gesehen hat, keine in Anführungszeichen linke oder sozialliberale Regierung mehr gesehen hat. Und nun 1969 gewinnt Willy Brandt die Wahl und unter dem Slogan mehr Demokratie wagen, plant er eine Reihe von Reformen, die unter anderem eben die Freiheitsrechte der Menschen erweitern sollen, die mehr demokratische Mitbestimmung ermöglichen sollen und die den Sozialstaat stärken sollen. Dadurch will er eine Pluralisierung der Gesellschaft erreichen, das heißt eine stärkere Mitsprache des Einzelnen und verschiedener sozialer Bewegungen. Und dazu gehören eben auch die sogenannten neuen sozialen Bewegungen. Das sind Bewegungen, die ganz verschiedene Themen verfolgen und eben da so eine Art politische und gesellschaftliche Lobbygruppen für bestimmte Themen darstellen. Das sind häufig eingetragene Vereine, häufig Ehrenamtliche, die sich auf bestimmte Themen einschießen, die ihnen wichtig sind und diese Themen vertreten. Die resultieren ein Stück weit aus den 68ern. Diese neuen sozialen Bewegungen, die beschäftigen sich mit Themen wie zum Beispiel der Ökologie oder dem Umweltschutz, Frieden und Abrüstung, aber auch der Emanzipation der Frauen, Bürger und Menschenrechte gehören dazu, aber auch andere Themen wie zum Beispiel die Bekämpfung von Hunger und Elend in Entwicklungsländern oder aber auch Selbsthilfe im Gesundheitsbereich, aber auch sexuelle Selbstbestimmung, Schwulen- und Lesbengruppen gibt es da und noch viele andere.Diese neuen sozialen Bewegungen, die setzen sich dann eben auch relativ öffentlichkeitswirksam für verschiedene Themen ein. Zum Beispiel immer da an Orten, wo es ganz massive Umweltkatastrophen gibt oder wo zum Beispiel Atomkraftwerke gebaut werden. Da tauchen neue soziale Bewegungen auf und wehren sich öffentlichkeitswirksam gegen diese Veränderungen oder gegen diese Prozesse, die ihrer Meinung nach eben mehr öffentliche Aufmerksamkeit benötigen. Eine Partei, die letztlich aus diesen neuen sozialen Bewegungen hervorgeht, sind dann die Grünen, die als eine Mischung aus einem ganz wilden Sammelsurium von ökologischen und pazifistischen und emanzipatorischen Gruppen hervorgehen und letztlich eben diese Mixtur von neuen Themen, die gesellschaftspolitisch eben einiges auf den Kopf stellen, in den Bundestag dann mitbringen. Und diese Grünen, die stechen nicht nur thematisch sehr stark aus dem klassischen Bundestag und der klassischen deutschen Politik hervor, sondern auch optisch. Das sind dann Leute, die plötzlich mit langen Haaren und den Birkenstocks durch den Bundestag schlurfen, wo alle anderen eben in Anzug und Krawatte unterwegs sind. Die Friedensbewegung der 1950er Jahre und die sich damals gegen die Stationierung von Atomwaffen in Westdeutschland formiert hatte, Stichwort Wiederbewaffnung, die bekommt jetzt auch wieder Zulauf. Und auf den sogenannten Ostermärschen ist das besonders sichtbar, wo eben große Zahlen von Menschen sich einsetzen gegen den Atomkrieg. Das ist die Anti-Atom-Tod-Bewegung wieder dabei, die quasi verlangt, dass man eine atomwaffenfreie und atomenergiefreie vielleicht sogar Welt anstrebt. Die Frauenbewegung, die…setzt sich für eine vollständige Emanzipation der Frauen ein. Das Wort Emanzipation ist an der Stelle ein bisschen komisch, weil eben Ankipatio, das ist eigentlich die römische Freilassung der Sklaven gewesen, aber natürlich ist der Begriff auch hier Programm. Es geht also darum, diese unterdrückte Rolle von Frauen zu betonen und dadurch quasi die Gleichberechtigung zu fordern. Und insbesondere geht das aus linken Gruppen hervor, eben zum Beispiel dem SDS, dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund. Die KSZE-Schlussakte, die hat aber nicht nur im Westen für einige Aufbruchsstimmung gesorgt, sondern auch im Osten. Denn die wurde ja unterzeichnet, nicht nur von westlichen Staaten, sondern auch von der Sowjetunion und den Staaten des Warschauer Paktes. Und in dieser KSZE-Schlussakte, da steht zum Beispiel auch drin, dass Menschenrechte und Grundfreiheiten der Menschen geachtet werden müssen. Und das ist insbesondere in den Staaten des Warschauer Paktes eine interessante Sache, denn da ist das ja gerade nicht der Fall. Da hat ja im Prinzip die Kommunistische Partei seit Jahrzehnten für sich in Anspruch genommen, dass man zum Schutz des Kommunismus durchaus auch individuelle Freiheiten sehr stark einschränken oder ignorieren kann. Und nun haben wir ein Dokument, ein öffentlich bekanntes, sehr, sehr berühmtes Dokument, eben diese KSZE-Schlussakte, das unterzeichnet wurde von diesen Staaten des Warschauer Paktes. Und die Dissidenten in diesen Staaten, die können nun, wenn sie sozusagen gegen die Regierung aufstehen, können die mit diesem Dokument, das ihre eigene Regierung ja auch unterschrieben hat, winken und sagen, ihr habt euch doch verpflichtet, die freie Meinung der Menschen zu achten.Wieso dürfen wir hier nicht demonstrieren? Und so bekommen wir nun in den Staaten des Ostblocks zunehmend Protestbewegungen, die sich auch trauen, ihre Meinung zu äußern. Am 1. Januar 1977 ist die Charta 77 entstanden oder veröffentlicht worden. Und das ist eine Gruppe von Dissidenten, die sich eben gegen die insbesondere tschechoslowakische Regierung richtet und deren Interpretation des Sozialismus. Und einer der berühmtesten Verfasser dieser Charta 77 ist der spätere tschechische Staatspräsident Václav Havel. Und diese Gruppe von Menschen, die verlangen eben eigentlich nur nichts anderes als die Umsetzung dessen, was man in der KSZE-Akte unterschrieben hat. Das heißt, die verlangen, dass man eben Menschen- und Bürgerrechte akzeptiert und Freiheitsrechte der Menschen auch realisiert und so weiter. Und die CSSR, die Tschechoslowakei, die versucht sich dagegen ein Stück weit zu wehren und versuchen Künstler zu finden oder Literaturwissenschaftler und so weiter zu finden, die das mitsignieren, dass man sozusagen eine Gegencharta hat, um zu zeigen, weshalb das also falsch ist, was die Charta 77 da fordert. Aber da ist keine Mehrheit für zu bekommen. Millionen von Tschechen sehen diese Charta 77 und ihre Unterzeichner eigentlich als ihre eigentliche Interessenvertretung und eben nicht die kommunistische Partei, die an der Regierung sitzt. Und so wird die Charta 77 zu einem Beispiel für einen ganz prominenten Widerstand gegen das sozialistische Regime.die teilweise menschenverachtende, aber auf jeden Fall menschenrechtsverachtende Regierungspraxis im Osten. Wir haben seit dem Zweiten Weltkrieg in Westeuropa im Wesentlichen einen anhaltenden Wirtschaftsboom. Das heißt, es geht den Menschen gut, Arbeitslosigkeit ist niedrig und die Wirtschaft brummt. Doch in den 1970er Jahren zeichnet sich das Ende dieses sogenannten Golden Age ab und allmählich steigt die Arbeitslosigkeit und die Regierungen beginnen zu überlegen, was sie dagegen tun können. So erlässt zum Beispiel noch die Große Koalition 1967 das sogenannte STAPG, das Gesetz zur Förderung der Stabilität der Wirtschaft. Und das ist im Grunde eine keynesianische Wirtschaftspolitik, die darauf zielt, Geld zu investieren, wenn die Wirtschaft nicht gut läuft, auf Kredit und dann nachher sich das Geld zurückzuholen, wenn die Wirtschaft wieder gut läuft, übersteuern. Aber auch das wirkt erstmal nicht besonders stark und dann kommt ein weiteres Problem dazu, denn 1973 gibt es den sogenannten Yom Kippur-Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn. Und die Staaten in der Umgebung, die arabischen, insbesondere Saudi-Arabien, versuchen Druck auf den Westen auszuüben, um Israel nicht zu unterstützen. Also solange der Westen Israel unterstützt, sind die arabischen Staaten, die sich sozusagen als Gegner Israels sehen, ja im Nachteil. Und man versucht diese Unterstützung. Zu beenden, indem man Druck ausübt. Und dieser Druck, der entsteht dadurch, dass die arabischen Staaten den Ölpreis erhöhen. Das können sie ganz leicht, weil im Wesentlichen nur die arabischen Staaten Öl verkaufen.fördern, allen voran natürlich Saudi-Arabien. Und wenn da die Förderung von Öl reduziert wird, dann heißt das, es gibt auf der Welt weniger Öl. Und die vom Öl völlig abhängige westliche Wirtschaft, die hat dann das Problem, dass sie diesen Preis bezahlen muss. Das führt also dazu, dass in der Bundesrepublik jede Menge energiepolitische Maßnahmen getroffen werden müssen, um Öl zu sparen. Zum Beispiel eben gibt es die sogenannten Sonntagsfahrverbote. Das heißt, da sind sonntags die Autobahnen leer und davon gibt es dann Fotos und die werden dann zum Symbol dieser Phase des wirtschaftlichen Stillstands sozusagen. Und auch die Politik der keynesianischen Wirtschaftssteuerung, die kommt da an ihre Grenzen, weil sie eben nicht beliebig Geld in die Wirtschaft pumpen kann, wenn nicht genug Öl da ist, weil das so teuer ist, dass sich das niemand mehr leisten kann. Das ist sozusagen dein Geschäft, das treibt dann den Staat in den Bankrott. Die Preise steigen immer weiter an, weil eben das Öl immer teurer wird, aber die Wirtschaft wächst nicht mehr. Und das ist eine neue, ungewöhnliche Situation. Normalerweise war es ja immer so, dass wenn die Preise steigen, dass das ein Zeichen dafür ist, dass die Wirtschaft eigentlich auch brummt, dass auch die Gehälter zunehmen. Das heißt, man hat in der Regel eine Inflation bei steigenden Preisen und dafür aber auch boomender Wirtschaft oder umgekehrt dann fallende Preise, wenn die Wirtschaft nicht boomt, weil die Leute ja nicht so viel kaufen können. Aber nun gibt es die Kombination aus steigenden Preisen und nicht funktionierender Wirtschaft. Das ist was ganz Neues. Deswegen bezeichnet man das auch mit einem neuen Wort, nämlich Stagflation. Das ist ein Kofferwort aus Stagnation und Inflation und ist eben ein klassisches Beispiel für eine Wirtschaftssituation, in der es sehr schwierig ist, noch als Staat vernünftig zu wirtschaften. Das ergibt…Das ist insbesondere eine konstant hochbleibende Arbeitslosigkeit, die man als Sockelarbeitslosigkeit bezeichnet. Und mit Sockel ist gemeint, dass eben ein bestimmter Teil an Arbeitslosigkeit nicht mehr wegzubekommen ist, dass man nicht mehr in Vollbeschäftigung kommen kann, sondern dass ein gewisser Sockel an Arbeitslosigkeit immer da bleibt und nicht unterschritten wird. Das sind so ein paar Prozent, ja, lassen wir mal so 5 bis 10 Prozent sein. Aber es bedeutet eben, dass wir eine Gruppe von Menschen haben, die nicht mehr in Arbeit zu bringen ist in dieser Phase. Und das ist wirtschaftlich natürlich ein echtes Problem, weil irgendwie muss man die ja trotzdem am Leben erhalten. Irgendwie muss man die in der sozialen Marktwirtschaft ja auch am Leben lassen und mit den nötigsten Grundbedürfnissen ausstatten. Das kostet natürlich den Staat dann entsprechend noch mehr Geld. Die soziale Ungleichheit nimmt in dieser Zeit ziemlich stark zu und man bespricht da von einer Zweidrittelgesellschaft. Und diese Zweidrittelgesellschaft, die meint, dass zwei Drittel der Menschen eben nach wie vor relativ sicher in Arbeit bleiben und am sozialen Leben teilnehmen können. Und ein Drittel wiederum, das letzte Drittel sozusagen dieser Gesellschaft, das wird immer stärker abgehängt. Zum Beispiel dadurch, dass sie dauerhaft arbeitslos sind. Und diese Gefahr einer Zweidrittelgesellschaft, die ist natürlich eine, die politisch so ein bisschen so ein Schreckgespenst wird, weil das ja bedeuten würde, dass man ein Drittel der Menschen im Land im Grunde verlieren würde. Das Ganze ist eine Folge eines grundsätzlichen Strukturwandels, der parallel stattfindet. Strukturwandel ist immer dann, wenn die Wirtschaft in einem Land sich erheblich verändert und dadurch eben die Strukturen der Wirtschaft auch mit.verändert werden. Das bedeutet zum Beispiel, dass die klassische Schwerindustrie seit den 50er und 60er Jahren immer stärker an Bedeutung verloren hat. Stattdessen ist in dieser Zeit schon die erste Phase der Digitalisierung zu spüren. Das heißt, diese Arbeiter, die früher die Prozesse gemacht haben, die heute ein Computer kann, die verschwinden nun zunehmend aus dem Arbeitsleben, weil man die halt nicht mehr braucht. Ein Buchhalter rechnet einfach nicht so gut wie ein vernünftiger Computer. Und dadurch entsteht ein Strukturwandel weg von den klassischen Handtätigkeiten, sowohl geistig als auch maschinell. Also ein Roboter ersetzt ja auch in der Fabrik jemanden, der sozusagen am Fließband arbeitet. Hin zu Dienstleistungstätigkeiten, bei denen man eben IT-Services anbietet oder Reparaturen oder Entwicklung von Robotern und so weiter. Das heißt, letztlich handelt es sich hier um einen ganz erheblichen Unterschied in der Tätigkeit, die gefragt wird in den Unternehmen und dadurch eben um einen Strukturwandel. Was soll man nun machen, um das in den Griff zu kriegen? Ein wirtschaftliches Modell, das dieses Problem lösen soll, das ist der sogenannte Neoliberalismus, der von verschiedenen Wirtschaftswissenschaftlern in der Zeit propagiert wird. Neoliberalismus ist natürlich irgendwie die neue Version vom Liberalismus und das ist eigentlich ein ziemlich sozusagen laissez-faire Liberalismus, der da gefordert wird. Das heißt, das ist ein Liberalismus, bei dem es darum geht, die Wirtschaft weitreichend zu deregulieren, Banken weitreichend zu deregulieren, Staatsbetriebe wieder in die Privathand zu verkaufen, zum Beispiel von Eil.Baden und Telekommunikationsunternehmen und vielen anderen. Und einer der ganz berühmten Namen in diesem Zusammenhang ist Margaret Thatcher, die britische Premierministerin der 1980er, die eben sehr, sehr unbeliebt war in der Arbeiterschaft ihres Landes, eben weil sie diesen neoliberalen Kurs sehr intensiv verfolgt hat und dadurch viele Unternehmen in die Pleiten getrieben hat, aber auch auf der anderen Seite einen gewissen Raubtierkapitalismus Tür und Tor geöffnet hat. In Deutschland dagegen setzt sich der Neoliberalismus nicht ganz so radikal durch. Wenn auch unter Kohl und Schröder es eine gewisse Tendenz dazu gibt, eben Staatsunternehmen zu privatisieren, ein Beispiel dafür ist die Deutsche Telekom, aber die Sozialstaatlichkeit Deutschlands, diese soziale Marktwirtschaft, die wird im Wesentlichen nicht angetastet, nicht zerstört.Damit sind wir angekommen beim letzten Kapitel des Schwerpunktthemas der Zusammenbruch des Ostblocks. Wir haben ja schon über die Brezhnev-Doktrin vorhin gesprochen, die im Grunde vorsah, dass die Staaten des Ostblocks eben nicht aus dem russisch-sowjetischen Modell des Sozialismus ausbrechen durften. Und das endet im Jahr 1985 eigentlich mit dem Amtsantritt von Michael Gorbatschow. Dieser erbt eine Sowjetunion, die in vielerlei Hinsicht in Krisen steckt. Und diese Krisen, die schauen wir uns jetzt mal der Reihe nach an. Zum einen haben wir auch im Ostblock das Problem, dass der Strukturwandel, also die Veränderungen der Wirtschaft in den 1970er und 80er Jahren, ganz erhebliche Innovationsdefizite freigelegt haben. Das bedeutet, dass in der Sowjetunion es nicht möglich war, weil ja Angebot und Nachfrage nicht frei funktionieren, sondern man über planwirtschaftliche Maßnahmen sozusagen versucht, die Wirtschaft vorauszuberechnen. Deswegen war es nicht möglich, den Strukturwandel irgendwie wirtschaftlich zu verfolgen und zu versuchen, eben diese Neuerungen in der Technik, die der Westen alle mitgemacht hat, Digitalisierung und so weiter, mitzugehen. Stattdessen besteht eben in der Sowjetunion, in den Staaten des Ostblocks, ein erhebliches Innovationsdefizit, also ein Mangel an Neuerungen, der dazu führt, dass diese Länder immer mehr wirtschaftlich ins Hintertreffen geraten hinter dem Westen. Das hat zur Folge, dass man also um die wirtschaftliche Lage der Bürger nicht schlägt.leichter werden zu lassen, also um sozusagen die Wohltaten des Staates, die der Versorgungsstaat ja traditionell in den sozialistischen Staaten gewähren will, um die Bürger zufrieden zu halten, die muss man irgendwie anders finanzieren und das führt dann zur Staatsverschuldung, denn diese Staaten des Ostblocks, die leihen sich dann bei anderen Staaten Geld, um diese sozialen Wohltaten weiterhin finanzieren zu können. Zum Beispiel um Brot billig halten zu können und sowas. Und diese Staatsverschuldung, die wird dann aber zum Problem, weil diese Schulden, die werden ja nicht eins zu eins zurückbezahlt, sondern mit Zinsen. Und diese Zinsen, die werden dann nachher wieder über Schulden finanziert. Und so steigt ein immer größer werdender Zinsberg neben der Sowjetunion und den Staaten des Ostblocks auf, den sie eigentlich nie wieder abtragen werden können. Ein weiterer Punkt, der sehr viel Geld kostet für die Staaten des Ostblocks, ist der sogenannte Rüstungswettlauf mit dem Westen. Denn der Kalte Krieg, der tobt ja immer noch ein Stück weit und man versucht hier also militärisch Schritt zu halten und investiert immer größere Summen in Rüstung. Diese Rüstung, die frisst gleichzeitig natürlich auch Gelder aus dem Staatsbudget auf und führen zu einer noch weiter ansteigenden Staatsverschuldung. Das hat eine Reihe von Krisen zur Folge. Wir haben zum einen eine Versorgungskrise, das heißt das Problem, dass bestimmte Lebensmittel, aber auch bestimmte andere Ressourcen eben nicht verfügbar sind, einfach weil der Osten die nicht produziert kriegt, weil zum Beispiel die Berechnungen der Fünf-Jahres-Pläne nicht funktionieren, aber auch weil es nicht lukrativ ist, bestimmte Sachen anzubieten, weil sie eben staatlich so stark reguliert sind und so weiter. Wir haben ein Problem mit der Umweltverschmutzung.Das berühmteste Beispiel dafür ist die Katastrophe von Tschernobyl, als im April 1986 der Reaktor dort in die Luft fliegt und eine gigantische Menge an Strahlung in der Welt verteilt. Und diese Umweltkatastrophe, die wird umso größere Katastrophe, weil die Sowjetunion zunächst versucht, diese Katastrophe unter den Teppich zu kehren, also nicht darüber zu sprechen, nicht darüber zu berichten. Das hat unter anderem zur Folge, dass in Pripyat, einer benachbarten Stadt, eine gigantische Zahl von Menschen heftig verstrahlt wird, weil die eben nicht zeitnah gewarnt und evakuiert werden, sondern die sowjetischen Behörden sind so darauf gedrillt, jede Form von Kritik am System erstmal schnell unter den Teppich zu kehren, dass man gar nicht in der Lage ist, schnell darauf zu reagieren, dass da eine Katastrophe passiert ist, weil man will ja nicht, dass die Bürger das erfahren. Also erzählt man nichts und dann stehen nachts auf der Brücke in Pripyat jede Menge Leute, die sich das brennende Atomkraftwerk in der Nähe angucken und die dabei eine unglaubliche Menge an Strahlung abkriegen, die ihnen letztlich dann die Strahlenkrankheit und erhebliche gesundheitliche Einschränkungen bis hin zum Tod bringt. Diese Form von Umgang mit Menschen, die ist natürlich eine Katastrophe, wenn die bekannt wird. Und die wird bekannt. Und das stürzt die Sowjetunion in eine Legitimitätskrise. Das heißt, es stürzt sie in eine Krise, in der die Legitimität ihrer Herrschaft, also die Herrschaft der sozialistischen Partei, der kommunistischen Partei, infrage gestellt wird. Das heißt, man legt sich zwar nicht direkt mit der KPD an, weil man weiß, wie das enden kann, aber niemand nimmt diese Partei als Herrschaftspartei mehr ernst, einfach weil sie in den Augen des Volkes ihre…Legitimität verspielt hat durch ihre Art zu regieren. Und das ist natürlich eine Situation, in der die Herrschaft in der Sowjetunion fast schon zur Makulatur wird. Wenn die gesamte Bevölkerung die Regierung belächelt und nicht mehr ernst nehmen kann und nicht mehr für gerechtfertigt halten kann, einfach weil sie den Menschen das gute Leben, das sie immer verspricht, nicht mehr bieten kann, dann ist das der Anfang vom Ende der Regierung. Man versucht also irgendwie jetzt diesen Krisen Herr zu werden und einen Weg, wie Gorbatschow das versucht, ist die sogenannte Entspannungspolitik. Das ist eben ein außenpolitischer Ansatz, bei dem man versucht, sich mit dem Westen zunehmend auszusöhnen und auf eine Reduzierung des Rüstungswettlaufs aus ist, denn gerade dieser kostet ja ganz erheblich Geld. Nach innen versucht Gorbatschow mit Perestroika und Glasnost zu arbeiten. Das sind zwei Begriffe, die stehen zum einen Perestroika für den Umbau des Sozialismus, also für einen Versuch, den Sozialismus eben an den Strukturwandel und die Veränderungen seiner Zeit anzupassen, also irgendwie den Sozialismus menschlicher und wirtschaftlich lukrativer zu machen, funktionsfähiger zu machen. Und Glasnost steht für Transparenz oder für Öffentlichkeit. Das heißt, Glasnost soll die Menschen ermutigen, über Probleme des Sozialismus nachzudenken, sich kritisch zu äußern zu Dingen, die nicht gut funktionieren. Das ist natürlich eigentlich gedacht als ein Weg, wie die Menschen sozusagen den Sozialismus weiter voranbringen sollen.besser werden soll im Sozialismus. Aber in der Praxis heißt das natürlich, dass die Leute zuerst mal sich trauen, jetzt ganz fundamentale Kritik an zum Beispiel der Einparteienherrschaft der Kommunisten zu üben oder an der Planwirtschaft, die ja seit Jahrzehnten eher schlecht als recht funktioniert oder an der Verschleierung von Wirtschaftsproblemen oder an der Verschleierung von Umweltproblemen wie der Tschernobyl-Katastrophe. Und insofern ist Glasnost natürlich etwas, was in der Welt des Ostblocks für besonders große Gefahr sorgt. Wir haben ja eigentlich immer noch Brezhnev-Doktrin, das heißt immer noch den Gedanken, dass die anderen Staaten des Ostblocks, die so ein bisschen die Satellitenstaaten der Sowjetunion sind, die von der so ein bisschen kontrolliert werden, dass die nicht von dem System der Sowjetunion abweichen dürfen, nicht vom System Russlands eigentlich abweichen dürfen. Das endet im Grunde mit der Verkündung der sogenannten Sinatra-Doktrin. Und die heißt so, weil Frank Sinatra einen Song hatte, der heißt I Did It My Way. Dieser Song wurde quasi zum Sinnbild für diese Idee, dass die Staaten des Ostblocks doch machen sollen, wie sie es für richtig halten und so ihren Sozialismus ausleben. Das ist genau das Umgekehrte zu dem, was jahrzehntelang passiert ist. Klassisch sind immer sowjetische Truppen einmarschiert, wenn in irgendeinem dieser Satellitenstaaten ein Anführer versucht hat, das sozialistische System zu modernisieren oder menschlicher zu machen oder wie auch immer. Und jetzt sagt man ganz ausdrücklich, die Staaten des Warschauer Paktes, sie dürfen, wie sie wollen, ihren eigenen Weg wählen, um den Sozialismus, so wie es für sie passt, voranzubringen. Das führt zu einer ganzen Reihe von…interessanten Entwicklungen. In Polen entsteht in dieser Zeit die Solidarność, eine Gewerkschaft, die unabhängig von der Partei ist. Und das gibt es ja eigentlich schon seit 50 Jahren nicht mehr. Die Solidarność setzt sich nun dafür ein, dass eben in Polen eine gewisse Öffnung entsteht, dass Polen gesellschaftlich modernisiert werden soll, dass der Kommunismus verändert werden soll. Und die Solidarność, die trifft natürlich da einen Nerv in der Zeit unter Gorbatschow, denn das beflügelt sich natürlich gegenseitig diese beiden Ideen. In der DDR und in der BRD, Entschuldigung, in der DDR insbesondere kriegen wir die sogenannte Bürgerbewegung. Das heißt eine Bewegung von Bürgerrechtlern, vergleichbar vielleicht so mit den neuen sozialen Bewegungen im Westen, die sich sozusagen gegen Missstände in der DDR richten und versuchen, die zu kritisieren. Das heißt, diese Bürgerbewegung ist so eine Art erster sanfter Anflug einer… Einer gesellschaftlich basisdemokratischen Bewegung. So ein Stück weit können wir das vergleichen vielleicht mit Bewegungen im Westen, die sozusagen so Graswurzelbewegungen sind, die versuchen, politischen Einfluss auszuüben, vergleichbar eben mit den neuen sozialen Bewegungen. Wir haben auch die sogenannte Ausreisebewegung, also eine Gruppe von Menschen, die aus der DDR ausreisen möchte. Das kann man in den 1980er Jahren Ausreiseanträge stellen und sich… Von der DDR-Regierung genehmigen lassen, dass man nun ins Ausland ausreist. Das ist natürlich ein Werkzeug, das auf den Wohlwollen des sozialistischen Staates angewiesen ist.Das heißt, diese Ausreise, die wird in der Regel nicht einfach so genehmigt, sondern das läuft eher so ab, dass ein Mensch einen Ausreiseantrag stellt, dann kommt die Stasi vorbei, nimmt den mit, weil das ja quasi so halb illegal ist und dann verkauft man den an den Westen. Das heißt, die BRD zahlt dann so eine Art Lösegeld für diesen ausreisewilligen Menschen und dann darf der erst ausreisen. Das ist für die DDR im Grunde eine Geldbesorgungsmaßnahme, was natürlich eigentlich eine Form von Menschenhandel ist und eigentlich nochmal das krass menschenverachtende Denken dieser DDR-Regierung zeigt. In der DDR kommt es dann 1989 zur sogenannten friedlichen Revolution. Und diese friedliche Revolution, das ist eben das Schlagwort für diese Veränderung, die im November 1989 stattfindet, als dann eben die Berliner Mauer infolge der großen Massenproteste aufgeht. Da gibt es diese berühmte Pressekonferenz, wo Günter Schabowski mehr oder weniger aus Versehen dann verkündet, dass jetzt die Ausreise in den Westen ab sofort ohne Kontrolle erfolgen kann. Und daraufhin stehen plötzlich Millionen an der Mauer und dann wird die Mauer halt geöffnet, weil die Grenzsoldaten wissen auch nicht so genau, wie jetzt eigentlich diese Lage ist und wie man das vom Schabowski jetzt interpretieren muss. Und parallel dazu, fast parallel dazu, haben wir nebenan in der Tschechoslowakei die sogenannte Samtene Revolution, die unter ganz ähnlichen Vorzeichen und ganz ähnlich funktioniert, eben auch eine friedliche, gewaltfreie Revolution darstellt, die dazu führt, dass die Grenzen geöffnet werden und die Bürger der Staaten des Warschauer Paktes nun in den Westen rüber können, wenn sie das möchten. Und diese beiden Revolutionen, die führen…Und dann lässt sich auch dazu, dass die… Dass die Menschen in diesen Staaten jetzt auch eigentlich das Ende der Sowjetunion vor sich sehen. Und in der Tschechoslowakei wird im Dezember 1989 dann Vaclav Havel gewählt zum Staatspräsident. Damit ist im Grunde die Tschechoslowakei ganz klar jetzt unter der Führung eines Politikers, der ja schon an der Charta 77 beteiligt war, der also klar für das Ende des Kommunismus steht und für eine neue Liberalisierung des Staates. So ein Präsident ist dann nun gewählt und damit ist das vorbei. Und in der DDR kommt es dann eben zum Anschluss der DDR an die BRD, den sogenannten Beitritt zum Geltungsbereich des Grundgesetzes, wie das genannt wird. Und diese friedliche Revolution, die schafft zwar in Deutschland bis heute anhaltende wirtschaftliche und soziale Probleme, Aber zugleich ist es natürlich ein gigantischer Schritt in der Durchsetzung von Freiheit und Bürgerwille sozusagen in Deutschland, weil eben nicht mehr eine sozusagen von außen gelenkte Macht wie die Kommunistische Partei oder die SED dann über einen Teil von Deutschland herrscht, sondern wir haben jetzt wieder in Ostdeutschland eben auch einen liberalen, demokratischen Staat, auch wenn der wirtschaftlich so große Probleme mitbringt, dass man noch über 30 Jahre, eigentlich 35 Jahre, eigentlich bis heute ganz deutlich spüren kann, dass in Ostdeutschland viele Sachen nicht vergleichbar auf dem selben wirtschaftlichen Level sind, wie das im Westen ist. In der heutigen Mega-Folge haben wir über das Schwerpunktthema 2 für das Abitur 25 gesprochen.Ich hoffe, euch hat das ein Stück weit weitergeholfen beim Lernen, auch wenn es diesmal technisch nicht ganz so rund lief wie bei den sonstigen Folgen, weil ich eben schon im Urlaub mit der Familie bin und mich so ein bisschen hier arrangieren musste, wie ich das aufnehmen kann. Ich hoffe, die Folge hat euch gefallen und weitergeholfen. Wenn ihr Fragen habt, dann schreibt sie gerne in die Kommentare. Hinterlasst mir auch gerne einen Like und abonniert den Podcast. Das hilft mir sehr und macht mir auch immer Laune, neue Podcasts aufzunehmen, wenn ich sehe, dass ihr die Dinge anhört und euch die weiterhelfen. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mit drauf.