Abi-Methode Überprüfen - Geschichte Leistungskurs 55
Und noch ein Klassiker aus dem Aufgabenpool für das Abitur: eine These überprüfen. Wir spielen die Aufgabe durch am Beispiel: “Die Wirtschaftsordnung der DDR orientierte sich stärker an den Interessen der Arbeiter als jene der BRD. Überprüfen Sie die These.”
Willkommen zum heutigen Deep Dive für das bevorstehende Geschichtsabitur bei geschichtslehrern.net. Heute dreht sich alles um das Überprüfen einer These. Bevor wir anfangen, noch ein paar Sätze zur Sicherheit als Disclaimer. Ich bin ein echter Geschichtslehrer, aber ich habe keine Ahnung, was in diesem Jahr im Abitur drankommt. Ich war auch noch nie an der Erstellung von Geschichtsabituren beteiligt und ich habe mich auch mit keinem mehr unterhalten, der daran beteiligt ist. Also kann ich auch nicht mehr sagen, als das, was man öffentlich in den Fach erlassen ergoogeln kann. Ich kann euch also auch nicht verraten, was da genau drankommt. Aber ich kann euch die Aufgabentypen, die im Abitur üblicherweise vorkommen, erklären. Im Zweifelsfall gilt aber, wenn euer Lehrer euch was anderes erklärt hat als ich, dann macht bitte das, was der gesagt hat. Denn die Bundesländer sind sich immer noch nicht so ganz einig darin, was bestimmte Operatoren bedeuten und wie man dann bestimmte Dinge macht. Im Abi könntet ihr eine Aufgabe bekommen, die zum Beispiel lautet, die Wirtschaftsordnung der DDR orientierte sich stärker an den Interessen der Arbeiter als in der BRD. Überprüfe diese These. Und überprüfen bedeutet dann, ihr sollt also rauskriegen, ob diese These sachlich richtig ist und ob die angemessen ist. Wie macht man das? Grundsätzlich ist dieses Überprüfen so eine Art Light-Version von der Beurteilung. Darüber haben wir auch schon eine Folge gehabt. Wir müssen hier aber nicht mit abstrakten Kriterien hantieren, das machen wir bei der Beurteilung, sondern hier können wir einfach direkt ein paar Beispiele nehmen und die These daran messen. Das ist nicht so abstrakt. Im Grunde ist es so eine Art Erörterung. Zu beiden Methoden habe ich schon mal eine Folge gemacht, da könnt ihr gerne mal reinhören.Jetzt schauen wir uns mal den Aufbau an, wie ihr so eine Überprüfungsaufgabe löst. Zunächst mal gibt es auch hier eine Einleitung, in der ihr die These vorstellt und die Fachbegriffe, die in der These vorkommen, erstmal erklärt. Ihr nennt also die These, ihr sagt, worum es geht und dann erklärt ihr die wichtigsten Begriffe in der These, damit jeder weiß, was damit gemeint ist. In unserem Beispiel sollten wir also erklären, was mit den Interessen der Arbeiter gemeint sein könnte und woran wir die messen könnten, zum Beispiel am wirtschaftlichen Wohlstand oder sozialen Aufstieg oder Zugang zur Bildung oder sowas. Dann kommt der Hauptteil, in dem man eben Beispiele findet und mit denen argumentiert. Da sucht man Beispiele aus der Geschichte oder aus dem Unterricht, die irgendwas mit der These zu tun haben. Fakten oder Ereignisse oder Entwicklung oder sowas. Ihr braucht Beispiele, die die These stützen und ihr braucht Beispiele, die die These widerlegen. Das heißt, ihr müsst in beide Richtungen argumentieren. Das ist so ähnlich wie bei der Erörterung. Und an dieser Stelle könnt ihr euer ganzes Fachwissen einbauen. Zahlen, Daten, Fakten, Fachbegriffe. Da könnt ihr wirklich mal zeigen, was ihr historisch alles gelernt habt und was ihr alles wisst und das in diesen Beispielen unterbringen. Zu jedem Beispiel gehört auch eine kurze Erklärung, warum das für oder gegen die These spricht. Wir nennen das den Bezug zur Aufgabe. Und diese Argumente, die müssen natürlich auch sachlich und logisch aufgebaut sein. Das bedeutet, jedes Argument kriegt ein bisschen Fachwissen und dann kriegtEs ist auch eine kurze Erklärung, warum es für die These oder gegen die These spricht, wenn es nicht sowieso schon völlig eindeutig aus eurem Argument hervorgeht. Am Schluss gebt ihr dann eine eigene begründete Bewertung ab. Das heißt, ihr fasst zusammen, findet ihr die These insgesamt überzeugend oder nicht und warum. Gibt es mehr Gründe, die dafür sprechen? Gibt es mehr Gründe, die dagegen sprechen? Oder sind die wenigen Gründe, die dafür sprechen, aber so stark, dass sie die anderen überwiegen? Das heißt, eure Meinung muss hier klar erkennbar sein und die muss auch gut begründet sein, warum ihr dieses Fazit gezogen habt. Also, Zusammenfassung. Wir haben eine Einleitung, wo wir die Aussage nochmal nennen und die Begriffe erklären. Wir haben einen Hauptteil, wo wir mit Beispielen für und gegen die These arbeiten und auch erklären, warum diese beispielicher zu passen. Und am Schluss machen wir eine eigene Bewertung der These. Im nächsten Kapitel werden wir das an einer These mal beispielhaft ausprobieren. Nämlich an der These, da haben wir eben schon gesagt, die Wirtschaftsordnung der DDR orientierte sich stärker an den Interessen der Arbeiter als jene der BRD. Wenn ihr das üben wollt, dann könnt ihr das an dieser Stelle machen. Gleich kommt ein bisschen Musik, da drückt ihr einfach Pause, gebt euch selber ein paar Stichpunkte und mit diesen Stichpunkten könnt ihr dann nachher weiterhören und gucken, ob ihr das so ähnlich gelöst habt, wie ich das lösen würde.So, wir haben gesagt, in der Einleitung greifen wir die These nochmal auf und erklären die kurz. Also, die zu überprüfende These lautet, die Wirtschaftsordnung der DDR orientierte sich stärker an den Interessen der Arbeiter als jene der BRD. Dann erklären wir zunächst die Wirtschaftsordnung und damit ist das Grundprinzip gemeint, nach dem die Wirtschaft eines Staates organisiert ist. In der DDR ist das die sogenannte sozialistische Planwirtschaft, in der BRD ist es die soziale Marktwirtschaft. Und dann haben wir noch diesen Interessen der Arbeiterpunkt. Damit sind die Bedürfnisse und die Wünsche der arbeitenden Bevölkerung gemeint. Zum Beispiel Sicherheit der Arbeitsplätze oder gerechtere Löhne oder soziale Absicherung oder Mitbestimmung und sowas. Und damit sind wir mit der Einleitung eigentlich durch und können zum Hauptteil kommen und uns Argumente suchen. Fangen wir an mit Argumenten, die für die These sprechen. Zunächst mal versteht sich die DDR ja als Arbeiter- und Bauernstaat. Es gibt ein gesetzlich festgeschriebenes Recht auf Arbeit, sodass alle Menschen einen Arbeitsplatz haben und es offiziell überhaupt keine Arbeitslosigkeit gibt. Das ist ein klarer Fall von einem Argument, das die These stützt. Die DDR kümmert sich mehr um ihre Arbeiter, als was die BRD tut. Die Produktionsmittel, also die Fabriken, sind in der DDR verstaatlicht. Das Ziel ist es, große individuelle Vermögen zu verhindern und stattdessen die Wirtschaft im Sinne der ganzen Bevölkerung zu lenken, nicht im Interesse der Bourgeoisie.Karl Marx gesagt. Auch das ist ein ganz klares Zeichen, dass die DDR-Wirtschaft sich zunächst mal an den Interessen der Arbeiter orientiert und nicht an anderen Gruppen. Und auch stärker als es die BRD tut. Drittens, die Preise für Grundbedürfnisse, zum Beispiel Wohnen und Lebensmittel, wurden staatlich sehr stark subventioniert, um soziale Härten zu vermeiden. So sollte jeder Zugang zu den wichtigsten Gütern haben. Auch das ist was, was gegenüber der BRD in der DDR deutlich sozialer erscheint.Jetzt haben wir drei Argumente genannt, die die These bestärken. Jetzt suchen wir uns noch drei gute Argumente, um die These zu entkräften. Zum Beispiel, die zentrale Planung der Wirtschaft führte dazu, dass Löhne und Arbeitsbedingungen nicht im Einzelnen ausgehandelt wurden. Die Löhne waren stattdessen zentral festgelegt und das bedeutete, dass es kaum Anreize für besondere Leistungen oder Verbesserungen gab, was natürlich für viele Arbeiter, insbesondere für engagierte oder ambitionierte Arbeiter, wenig Raum gab, um sozial aufzusteigen. Die Mitbestimmung der Arbeiter war in der Praxis sehr stark eingeschränkt, da die meisten wichtigen Entscheidungen von der Partei, also von oben kamen und nicht von den Beschäftigten. Es gab erhebliche soziale Engpässe bei der Versorgung und einer sogenannten Mangelwirtschaft, weil die Planwirtschaft nicht flexibel auf Angebot und Nachfrage reagieren konnte. Deshalb waren auch viele Arbeiter mit der Qualität und der Verfügbarkeit von Waren total unzufrieden. Jetzt können wir noch den Vergleich mit der BRD ziehen, denn darum geht es ja in der Aufgabe. In der BRD dagegen gab es eine soziale Marktwirtschaft, die zwar auf Privateigentum setzte und auf Wettbewerb setzte, die aber durch Sozialleistungen versuchte, die Interessen der Arbeiter mit zu berücksichtigen. Jetzt kommen wir zum Schluss. Zusammenfassend lässt sich sagen, dieWirtschaftsordnung der DDR war ideologisch und formal zwar stärker auf die Interessen der Arbeiter ausgerichtet als in der BRD, aber in der Realität wurden die Interessen der Arbeiter durch die zentrale Planung, die fehlende Mitbestimmung usw. Nicht ausreichend berücksichtigt. Die soziale Marktwirtschaft der BRD war zwar in vielerlei Hinsicht formal weniger arbeiterfreundlich, sicherte aber durch die Sozialgesetze und andere Wege viele Interessen der Arbeiter ab. Insgesamt trifft die These also nur teilweise zu. Die DDR orientierte sich zwar stark an den Interessen der Arbeiter, aber in der Praxis hat sie die nicht so gut umgesetzt wie die BRD.Und das war unsere heutige Folge zum Thema Überprüfen einer These. Ich hoffe, das hat euch ein bisschen weitergeholfen. Wenn ihr mehr wissen wollt, dann schaut in meine anderen Folgen rein. Es gibt mittlerweile über 50 Folgen zu verschiedensten Themen, die im Abitur vorkommen können und zu den Operatoren, die da verwendet werden. Ihr könnt auch auf meiner Homepage vorbeischauen, www.geschichtslehrer.net. Da findet ihr zu allen Folgen ein Transkript oder eine Zusammenfassung des Inhalts. Und ich arbeite daran, das weiter auszubauen mit Schaubildern und vielem mehr. Ich danke für euer Zuhören und bleibt mir treu.