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Abi-Methode Erläutern - Geschichte Leistungskurs 56

Staffel 1, Folge 56 25.04.2025 00:10:50

In der fünften Folge zu den Abi-Operatoren geht es um die “Erläuterung”, quasi eine Erklärung an Beispielen. Wir exerzieren das beispielhaft an folgender Aufgabe durch:

“Erläutere an drei Beispielen, wie sich der Umgang mit Protest in den Ostblockstaaten zwischen 1950 und 1989 veränderte.”

Willkommen zum heutigen Deep Dive für das bevorstehende Geschichtsabitur bei geschichtslehrer.net. Heute dreht sich alles um die Erläuterung. Ein Deep Dive ist ja eigentlich ein Tieftauchen, aber damit meint man eigentlich eine genaue Analyse eines Themas. Und so sind die Folgen, die jetzt erscheinen, auch gedacht. Bevor wir anfangen, ein paar Sätze zur Sicherheit als Disclaimer. Ich bin ein echter Geschichtslehrer, aber ich habe keine Ahnung, was in diesem Jahr im Abitur drankommt. Ich war noch nie an der Erstellung des Geschichtsabiturs beteiligt und ich habe mich auch mit keinem unterhalten, der daran beteiligt ist. Ich weiß also auch nicht mehr als die Facherlasse, die man googeln kann. Stattdessen gucken wir uns jetzt ein paar typische Aufgabentypen an, die im Abitur vorkommen können. Im Salzwald gilt aber, wenn euer Lehrer euch was anderes erklärt hat, dann macht ihr bitte das, was der gesagt hat, denn die Bundesländer sind sich immer noch nicht ganz einig, was welcher Operator genau bedeutet und was man da machen muss.Erläutern bedeutet zunächst mal, dass man irgendeine Entwicklung oder eine Veränderung erklären soll. Und dazu muss man Beispiele benutzen. Es geht in den Aufgaben, die ich so gesehen habe, eigentlich immer um einen Vorher-Nachher-Effekt. Also zum Beispiel, wie geht es den Arbeitern vor und nach der Industrialisierung? Oder wie verändert sich die Außenpolitik der Sowjetunion von 1945 bis 1990? Oder sowas in der Art. Man kann eigentlich immer bestimmte Zersuren finden, mit denen man dann unterschiedliche Phasen markieren kann. Und für die braucht man dann ein gutes Beispiel, mit dem man die einzelnen Phasen eben erläutert. Eben zum Beispiel, den Arbeitern geht es erstmal schlecht in der Industrialisierung, Pauperismus und so. Dann kommen Bismarck-Sozialgesetze, dann geht es ihnen etwas besser, aber immer noch nicht toll. Und nach der Jahrhundertwende kommen wir dann langsam in eine Konsumgesellschaft, wo auch die Arbeiter am Wohlstand teilhaben können oder sowas. Das wären unsere Zersuren, die wir eben dann zu diesen Phasen dazu ziehen können. Wie geht man nun dabei vor? Zunächst mal beschreibt man den Sachverhalt in eigenen Worten. Der Sachverhalt ist das, was man hier eben erläutern soll, also das abstrakte Konzept. Zunächst mal beschreibt man das und nutzt dabei bitte das Präsens, das ist in der Erläuterung so üblich. Die Erläuterung ist so eine Art Lexikonartikel, mit dem kann man es vielleicht sprachlich vergleichen. Da geht es auch überhaupt nicht um eigene Meinung, sondern es geht nur darum, Neutralität zu zeigen und eben ganz neutral und sachlich den Sachverhalt zu beschreiben.Im zweiten Schritt macht man sich dann die Zusammenhänge oder die Hintergründe klar. Das heißt, man erklärt, wie dieser Prozess innerlich aussieht. Also man erklärt nicht, was mit dem Prozess gemeint ist, sondern man erklärt die Phasen, die man darin erkennen kann oder die Entwicklungen oder sowas. Und der dritte Schritt ist dann, dass man die Beispiele einbaut. Und das ist das Besondere an der Erläuterung. Das heißt, nachdem du die verschiedenen Phasen oder Zersuren im zweiten Schritt erwähnt hast, fängst du jetzt an, Beispiele zu nennen, die diese Zersuren als Beispiel illustrieren könnten. Das heißt, dann wäre das jetzt zum Beispiel das Sozialistengesetz und die konkreten Auswirkungen dafür, wie es den Arbeitern in dieser Phase der Industrialisierung geht. In der Regel steht in der Aufgabe mit drin, an wie vielen Beispielen ihr das erläutern sollt. Und diese Anzahl muss man auch einhalten. Wenn man zu wenige macht, dann kostet das garantiert Punkte. Und wenn man zu viele macht, dann ist ein bisschen der Prüfer in der Zwickmühle. Normalerweise würde ich hingehen und würde einfach die ersten drei nehmen und alles andere wegstreichen, wenn drei gefordert sind. Einfach, weil man ja sonst… Die Aufgabe nicht richtig gelöst hat und sich einen quasi unfairen Vorteil verschafft gegenüber denen, die die Aufgabe korrekt lösen. Im nächsten Kapitel werden wir uns eine konkrete Erläuterungsaufgabe aussuchen und an der entlang einmal alles durchexerzieren, was da reingehört. Wenn ihr die zur Übung lösen möchtet, dann könnt ihr gleich bei der Musik Pause drücken und euch einmal selber Notizen machen und im Anschluss zurückkommen und das Ergebnis, das ich vorschlage, mit eurem Ergebnis vergleichen. Wir lösen dann die Aufgabe.Erläutere an drei Beispielen, wie sich der Umgang mit Protest in den Ostblockstaaten zwischen 1950 und 1989 veränderte. Also, Umgang mit Protest in den Ostblockstaaten zwischen 1950 und 1989. Wir beginnen nun also mit unserer Einleitung, in der wir zunächst mal die Fachbegriffe erklären, die da vorkommen. Der Umgang mit Protesten im Ostblock, also zum Beispiel Widerstand gegen einzelne Maßnahmen der Regierungen, aber auch grundsätzliche Systemkritik, wandelte sich zwischen 1950 und 1989 deutlich. Unter dem Ostblock versteht man die Staaten des Warschauer Paktes, wobei im Folgenden besonders die Sowjetunion, die DDR und die CSSR untersucht werden. CSSR ist Tschechien oder Tschechoslowakei. Jetzt erklären wir unsere strukturelle Veränderung, die wir da sehen, bevor wir dann die Beispiele nehmen, um das daran festzumachen. Während in den 1950er und 60er Jahren noch harte militärische Repression dominierte, setzten die Staaten des Ostblocks in den 80er Jahren zunehmend auf kontrollierte Öffnung und Reformen. Das lässt sich exemplarisch an drei Beispielen zeigen. Am Volksaufstand in der DDR von 1953, dem Prager Frühling 1968 in der Tschechoslowakei und der Politik von Glasnost in den 1980er Jahren in der Sowjetunion. Und jetzt legen wir los mit unseren Beispielen und fangen an.an, weil wir es ja auch so aufgeführt haben und es auch chronologisch Sinn macht, mit der DDR. Im Juni 1953 kam es in der DDR zu einem landesweiten Volksaufstand. Über eine Million Menschen protestierten in vielen Städten gegen politische Bevormundung, wirtschaftliche Not und die Erhöhung der Arbeitsnormen. Die DDR-Regierung war mit dieser Situation völlig überfordert und rief die sowjetische Besatzungsmacht zu Hilfe. Die Sowjetunion reagierte mit massiver militärischer Gewalt. Panzer und Soldaten schlugen die Proteste nieder, es wurde in Ausnahmezustand verhängt und das Kriegsrecht ausgerufen. Es gab über 50 Tote, etwa 15.000 Festgenommene, viele wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Die SED-Führung benutzte die Gelegenheit, um Kritiker aus Partei- und Führungspositionen zu entfernen und die Stasi als Überwachungsapparat auszubauen. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass der Umgang mit Protesten in den 50er Jahren vor allem durch unmittelbare militärische Repression geprägt war. Nun kommen wir zu unserem zweiten Beispiel, dem Prager Frühling. 1968 leitete Alexander Dubček in der Tschechoslowakei Reformen ein, die mehr Meinungsfreiheit und auch eine Liberalisierung des Sozialismus vorhatten, der sogenannte Sozialismus mit menschlichem Antlitz. Die Bevölkerung nutzte diese neuen Freiheiten für Proteste und für öffentliche Kritik am sozialistischen System. Die Sowjetunion und andere Ostblockstaaten sahen darin eine Gefahr für ihre eigenen sozialistischen Systeme. Nach Ultimaten marschierten sie im August 1968 mit den Soldaten des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei ein, stoppten die Reformen mit Gewalt.weil es etliche Tote gab, setzten Dubček ab und installierten stattdessen eine Moskau-treue Regierung. Dahinter stand die sogenannte Brezhnev-Doktrin, die im Grunde ein öffentliches Bekenntnis zum militärischen Eingreifen war, um den Sozialismus zu sichern, wenn ein Staat aus dem System ausschärte. Der Prager Frühling zeigt also, Bezug zur Aufgabenstellung, dass auch in den 60er Jahren Proteste im Ostblock immer noch mit militärischer Gewalt unterdrückt wurden, aber jetzt wurde diese Repression auch ideologisch begründet, eben durch die Brezhnev-Doktrin. Wir kommen zum dritten Beispiel, Glasnost. In den 80er Jahren veränderte sich der Umgang mit Protest im Ostblock ganz grundsätzlich. In der Sowjetunion führte Michael Gorbatschow die Politik der Glasnost, der Offenheit, ein. Diese Reform ermöglichte eine größere Meinungsfreiheit und eine öffentliche Diskussion und eine vorsichtige Öffnung auch gegenüber Protest aus der Zivilgesellschaft. Auch in anderen Staaten des Ostblocks, zum Beispiel in Polen, gab es mit der Gewerkschaft Solidarność nun eine Protestbewegung, die nicht ausschließlich gewaltsam niedergeschlagen wurde. Stattdessen versuchten die Regierungen durch Dialog und Zugeständnisse die Proteste zu steuern oder einzudämmen. Diese neue Offenheit war aber letztlich auch ein Faktor, der dann zum Zusammenbruch des Ostblocks beitrug. Kommen wir zum Bezug zur Aufgabenstellung. Glasnost steht für den Wandel. Der Umgang mit Protesten verlagerte sich in den 80ern von harter Repression.hin zu einer kontrollierten Öffnung der Zivilgesellschaft. Und das war es im Prinzip für unseren Operator erläutern. Wir können jetzt ans Ende noch eine kurze Zusammenfassung setzen, wenn wir es schön rund machen wollen und könnten sowas schreiben wie an den drei Beispielen der DDR, des Prager Frühlings und der Glasnost können wir erkennen, dass in der Sowjetunion und den Ostblockstaaten zwischen 1950 und 1989 ein allmählicher Wandel hin zu mehr Offenheit erfolgte, der aber sehr graduell und allmählich stattfand und am Ende zum Zusammenbruch des Systems beitrug. Oder sowas in der Art. Wir müssen das aber eigentlich nicht ausdrücklich, es ist eher so ein Goodie on top, da kann man quasi das Ganze nochmal abrunden, wenn man das unbedingt möchte und kann natürlich so ein Fazit schreiben. Vom Operator wird es nicht ausdrücklich gefordert, weil dieses, was im Fazit steht, das steht ja im Grunde auch schon in unserem zweiten Schritt in dieser Erklärung des Sachverhalts mit drin. Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Gewicht dieser Erläuterungsaufgaben im Abitur. Zunächst mal ist Erläutern ein Operator, der eher ein darstellender Operator ist, der also nacherzählt, der nicht sozusagen selber reflektiert voraussetzt. Und das bedeutet, dass es ein Operator des Anforderungsbereichs 2 ist. Das heißt, der ist nicht so hochwertig wie zum Beispiel eine Erörterung oder eine Beurteilung oder sowas. Deshalb gibt es in derRegel für Erläuternaufgaben nicht ganz so viele Punkte wie für zum Beispiel eine Textanalyse oder eben eine Erörterung oder sowas. Aber nichtsdestotrotz ist die Erläuterung eine große Aufgabe, bei der man relativ viel zu schreiben hat und deswegen sind die trotzdem punktetechnisch nicht irrelevant, sondern die spielen schon eine erhebliche Rolle. Ihr dürft da gerne aus dem Vollen schöpfen, wenn ihr historisches Hintergrundwissen habt, dann reichert es gerne damit an. Diese Aufgaben, die können sich auch trotzdem lohnen, obwohl es eben die kleineren Aufgaben im Abitur sind. Das war’s für heute. Ich freue mich aufs nächste Mal. Ihr findet viele andere Folgen zu allen möglichen historischen Themen in der Kursstufe und zum Abitur inzwischen auf Spotify, Apple Podcasts und wo auch immer ihr sonst eure Podcasts anhört. Und ich würde mich freuen, wenn ihr da auch mal reinhört und vielleicht findet ihr ja was, was euch auch noch weiterhilft. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.