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Abi-Methode Darstellen - Geschichte Leistungskurs 57

Staffel 1, Folge 57 01.05.2025 00:10:12

Heute geht es um den Operator “Darstellen”, noch so ein Klassiker im Abitur.

Weitere Folgen zur Abi-Vorbereitung:

“Wege in die postindustrielle Zivilgesellschaft”:

https://open.spotify.com/episode/0kpEeLsMnL2C2qCjpGTVrM?si=tkf_B41UTJOQ2GwOUGepnA

“Wege in die Moderne”:

https://open.spotify.com/episode/4ACHNSUQ7hHIc4kwRhk59V?si=LTEiWWv0S32m82YT2sZSFw

Willkommen zum heutigen Deep Dive für das bevorstehende Geschichtsabitur bei geschichtsthera.net. Heute dreht sich alles um die Darstellung. Bevor wir anfangen, noch ein paar Sätze zur Sicherheit. Ich bin ein echter Geschichtslehrer, aber ich habe keine Ahnung, was in diesem Jahr im Abitur drankommt. Stattdessen erkläre ich euch in einem Beispiel, wie man den Aufgabentyp Darstellen richtig lösen kann. Im Zweifelfall gilt, wenn euer Lehrer euch was anderes erklärt hat, dann macht bitte das, was der gesagt hat. Denn die Bundesländer sind sich immer noch nicht ganz einig darin, was bestimmte Operatoren bedeuten und wie man die löst.Was bedeutet nun der Operator darstellen? Wenn in der Aufgabenstellung steht, dass ihr was darstellen sollt, heißt das, ihr sollt einen Sachverhalt, ein Thema, meistens irgendwie eine historische Entwicklung beschreiben. Und zwar anhand von einer logischen Struktur. Es reicht also nicht einfach nur Fakten zu diesem Thema aufzuzählen, sondern das Ganze muss irgendwie logisch aufgebaut sein, mit eben einer klaren Struktur. Und was das heißt, das gucken wir uns gleich an. Die Knackpunkte sind also zunächst mal, zuerst müsst ihr das Ding, das ihr darstellen sollt, kurz definieren, dann die wichtigsten Infos für eure Fragestellung auswählen und nicht alles reinschreiben, was ihr wisst und da sozusagen 100.000 Stichpunkte machen, sondern es geht um die allerwichtigsten Sachen zu dieser Frage. Dann bringt ihr diese Sachen, die ihr dazu sagen wollt, in eine logische Struktur nach irgendwelchen Gesichtspunkten geordnet. Und am Schluss erklärt ihr noch den Zusammenhang zwischen den Punkten, wenn der nicht aus der Aufgabe selber rauskommt. Wie strukturiert man nun diese Darstellung? Was ist mit dieser Struktur gemeint? Es gibt da verschiedene Möglichkeiten, wie man den Text aufbauen kann. Und das hängt vom Thema, von der Fragestellung ab. Es gibt so ein paar typische Strukturierungen, die aber meistens funktionieren. Zum Beispiel kann man nach Oberbegriffen arbeiten. Der Klassiker ist Politik, Wirtschaft, Gesellschaft.Man kann aber in vielen Fällen auch nach typischen Fachbegriffen zum Themenbereich vorgehen. Das kommt auf die Aufgabe an. Zum Beispiel, wenn ich eine Aufgabe bekomme zur Industrialisierung und ihren Folgen, dann könnte ich auch diese Clusterbegriffe aus dem Bildungsplan nehmen, zum Beispiel Klassengesellschaft, soziale Frage, Arbeiterbewegung und sowas. Ich kann auch nach zeitlichen Abläufen vorgehen. Das kann ich machen, wenn mir gar nichts anderes einfällt. Wenn ich was Chronologisches habe, dann kann ich zum Beispiel sowas machen wie die Entwicklung vor 1848, zwischen 1848 und 1871 und nach 1871, wenn ich jetzt über zum Beispiel Migration oder über Industrialisierung rede. Ich kann es auch nach Räumen organisieren, zum Beispiel nach verschiedenen Staaten, wenn ich etwa Deutschland und England vergleiche. Ich kann aber auch nach Gruppen vorgehen. Zum Beispiel kann ich nach gesellschaftlichen Gruppen, nach Parteien oder sowas strukturieren, zum Beispiel Arbeiterfamilien und bürgerliche Familien. Es kommt immer auf das Thema dieser Aufgabe an. Je nachdem kann ich verschiedene Varianten von Strukturierung wählen. Überlegt euch das aber vorher, das heißt nicht einfach drauf losschreiben, sondern erstmal überlegen, welche Argumente will ich denn bringen und wie kann ich die sinnvoll strukturieren. Da macht es manchmal Sinn, sich eine kleine Tabelle zu schreiben und mal zu gucken, ob man überhaupt für alle Sachen, nach denen man das strukturieren will, auch sinnvolle Aspekte findet.Wir schauen uns jetzt mal eine konkrete Beispielaufgabe an. Stellen Sie die Auswirkungen der Industrialisierung in Deutschland im 19. Jahrhundert dar. Was wird da erwartet? Ihr müsst erstmal diesen Begriff Industrialisierung in Deutschland kurz und klar definieren. Dann müsst ihr die wichtigsten Auswirkungen nennen, aber nicht als Liste, sondern logisch sortiert nach zum Beispiel politisch-wirtschaftlich-gesellschaftlichen Auswirkungen. Und am Ende muss irgendwie klar werden, wie diese einzelnen Auswirkungen untereinander zusammenhängen, sich gegenseitig beeinflussen. Achtet darauf, dass ihr nicht zu viele verschiedene Sachen aufzählt, sonst bleibt es nämlich irgendwie oberflächlich, weil dann wird es so viel, dass man gar nicht so viel schreiben kann, dass man das alles in der Tiefe besprechen kann. Stattdessen wählt ihr eine Handvoll gute Aspekte aus, die eurer Meinung nach die Aufgabe genau treffen und die bearbeitet ihr gründlich und mit präzisen historischen Fachbegriffen bitte. Je besser ihr die Lösung dann strukturiert habt und je klarer ihr das untereinander vernetzt, diesen Text, desto besser. Man erkennt also eine gute Darstellung daran, dass das Ganze logisch aufgebaut und gegliedert ist nach eben diesen Strukturmerkmalen, dass die wichtigsten Aspekte drin sind und der ganze andere Kram, der eigentlich nicht zur Aufgabe gehört, eben nicht drin ist, dass die Zusammenhänge zwischen den Punkten klar sind und dass Fachbegriffe drin vorkommen, die sinnvoll erklärt sind, wenn nötig. Der klassischste und häufigste und ärgerlichste Fehler ist, dass jemand die Aufgabe nicht richtig liest. Markiert euch von mir aus ganz genau, was von euch verlangt ist in der Aufgabe, auch wenn euch das irgendwie blöd vorkommt, denn es ist super ärgerlich, wenn ihr nachher nach 20…Minuten merkt, dass ihr an einer Lösung geschrieben habt, die eigentlich die falsche Aufgabe beantwortet. Wir werden das jetzt im Folgenden an einem Beispiel durchexerzieren. Und unsere Beispielaufgabe lautet, stellen Sie Auswirkungen der Industrialisierung in Deutschland im 19. Jahrhundert dar. Haben wir eben schon mal gehabt. Wenn ihr wollt, könnt ihr bei der Musik gleich auf Pause drücken und euch selbst dann eine Lösung überlegen. Letzte Chance, jetzt geht’s gleich los. Wir fangen natürlich an mit unserer kurzen Begriffserklärung. Die Industrialisierung bezeichnet den umfassenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel, der in Deutschland ab dem frühen 19. Jahrhundert einsetzt. Sie führte zum Übergang von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft und veränderte so gut wie alle Lebensbereiche, darunter Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Klammer auf, das ist jetzt schon unsere Struktur für nachher. Mit der Industrialisierung verschwand die alte Ständegesellschaft des späten Mittelalters. Es entwickelte sich eine neue Klassengesellschaft, die sich vor allem in zwei Hauptgruppen gliederte. Auf der einen Seite die Bourgeoisie des Bürgertums, das stark vom wirtschaftlichen Aufschwung profitierte. Es setzte sich aus Unternehmern, Fabrikbesitzern und wohlhabenden Bürgern zusammen. Diese Bourgeoisie, Klammer auf, Marx, Klammer zu, stieg gesellschaftlich auf, beherrschte die Wirtschaft und die Politik und entwickelte neue Wertvorstellungen, insbesondere das Ideal der bürgerlichen Familie mit klarer Rollenverteilung, der Mann als Ernährer, die Frau als Hausfrau.Das Proletariat dagegen, das waren die sogenannten Industriearbeiter und die lebten meist in Armut und unter aus heutiger Sicht sehr schlechten Bedingungen. Sie wohnten oft auf engstem Raum, arbeiteten 12 bis 16 Stunden täglich für niedrigen Lohn und waren sozial kaum abgesichert. In diesen proletarischen Familien arbeiteten meist auch Frauen und Kinder, um das Überleben zu sichern. Die Familien waren stärker von wirtschaftlicher Not geprägt und eine scharfe Rollenverteilung wie in bürgerlichen Familien war hier kaum möglich. Das war jetzt unser Blog zur Gesellschaft, jetzt kommen wir zum Blog Wirtschaft. Die Gesamtleistung der Wirtschaft wuchs in der Industrialisierung durch die Automatisierung der Produktion sehr schnell, sodass auch der Gesamtwohlstand der Gesellschaft zunahm. Davon profitierte aber vor allem das Bürgertum. Dass das Bürgertum so extrem von der Industrialisierung profitierte, die zahlenmäßig viel größere Arbeiterschaft aber kaum, fanden die Menschen schon damals ungerecht. Man nennt die sozialen Probleme, die durch die Industrialisierung entstanden, Massenarmut, Wohnungsnot, schlechte Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit, mangelhafte soziale Absicherung, die soziale Frage. Dieses Thema betraf ein Millionenheer von Arbeitern und beherrschte spätestens seit dem politischen Aufstieg der Sozialisten, der späteren SPD, auch die deutsche Politik. Und damit kommen wir jetzt zum Block Politik. Aus dem gemeinsamen Leidensdruck entwickelte sich ein Klassenbewusstsein innerhalb des Proletariats. Die Arbeiter schlossen sich zu Gewerkschaften und politischen Parteien zusammen, um ihre Interessen zu vertreten. Die Arbeiterbewegung forderte bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne,und politische Mitbestimmung. Das führte zu Streiks, Protesten und zur Gründung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, SPD. In dieser politischen Ebene machen wir jetzt nochmal eine Unterscheidung und nehmen die drei Themen Reformen, Revolution und Sozialistenverfolgung mit auf. Als Reaktion auf die soziale Frage und den Druck der Arbeiterbewegung wurden erste staatliche Maßnahmen ergriffen. Otto von Bismarck führte Ende des 19. Jahrhunderts die staatliche Sozialpolitik ein, darunter Krankenunfall und Rentenversicherung. Ziel war es, die Lebensbedingungen der Arbeiter zu verbessern, aber auch die Arbeiterbewegung zu schwächen. In Phasen gesellschaftlicher Zuspitzung wie 1948-49 kam es zu revolutionären Bewegungen, in denen Arbeiter und Bürger gemeinsam politische und soziale Reformen forderten. Die Revolutionen blieben jedoch in Deutschland erfolglos und wurden niedergeschlagen. Der Staat reagierte auf die wachsende Arbeiterbewegung auch mit Repression. Die Sozialistengesetze von 1878 bis 1990 verboten sozialistische Organisationen und Aktivitäten, konnten die Bewegung aber langfristig nicht aufhalten.Und damit haben wir unsere Darstellung im Wesentlichen abgeschlossen. Wir haben nach den Kriterien Gesellschaft, Wirtschaft und Politik diese Fragestellung mit den Folgen der Industrialisierung jeweils einmal aufgearbeitet. Und damit sind wir eigentlich durch mit unserem Podcast übers Darstellen. Merkt euch, Einleitung mit kurzer Definition des Themas, Hauptteil mit einer klaren Struktur der fachlichen Aspekte, die auch miteinander verknüpft werden. Nicht zu viele Aspekte, aber die dann gründlich ausarbeiten. Gut, wenn euch die Folge gefallen hat, dann abonniert gerne den Podcast, schreibt mir gerne einen Kommentar bei Spotify oder per Mail an jens.geschichtslehrer.net. Da könnt ihr mir gerne auch Themenwünsche und Feedback schicken. Mit dieser Folge haben wir nun die sechs klassischen Aufgabentypen fürs Abitur besprochen. Diese Folge erscheint am Donnerstag. Am Montag ist es dann soweit, das Abitur steht deutschlandweit vor der Tür. Ich wünsche euch allen, die ihr in den letzten Wochen und Tagen so tapfer euch vorbereitet habt, ganz viel Erfolg bei den Prüfungen.