Abitur 2026 - 1.4 - Stalinismus
Diese Folge ist der vierte Teil zum ersten Schwerpunktthema des Abitur 2026. In dieser Folge geht es um die Herrschaftspraxis des Stalinismus.
- Diktatur
- Massenmobilisierung
- Massenorganisation
- Fünfjahresplan
- Kollektivierung
- Industrialisierung
- Propaganda
- Personenkult
- Massenkultur
- Terror
- Gulag
- Schauprozess
- Deportation
- “Entkulakisierung”
- Klassendiktatur
- “Sozialismus in einem Land”
- Loyalitätsdefizit Reader für das Abitur 2026: https://geschichtslehrer.net/schwerpunkkthemen-fuer-das-abitur-2026/
Willkommen bei geschichtslehrer.net. Ich bin Jens und in diesem Podcast bereiten wir uns kurzweilig und fachkundig auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vor. Und heute insbesondere auf das Abitur, nämlich auf das Schwerpunktthema 1 2026 und dort auf den vierten Block die Herrschaftspraxis im Stalinismus. Wenn ihr die Folgen zum Schwerpunktthema nicht chronologisch gehört habt, dann hört auf jeden Fall erst das antiliberale Modernisierungskonzept des Sowjetkommunismus an. Das ist der erste Block, denn darauf baut der Stalinismus natürlich unmittelbar auf. Vielen Dank. Der Stalinismus heißt so, weil er erfunden wurde von Josef Stalin. Das ist ein Name, der bis heute mit Angst und Macht und radikalen Veränderungen assoziiert ist. Aber wie genau hat dieser Stalin seine Herrschaft aufgebaut? Warum hält er sich eigentlich so lange an der Macht? In diesem Abschnitt des Podcasts schauen wir uns an, wie Stalin die Kontrolle über die Sowjetunion sich gesichert hat und welche Folgen das für Millionen von Menschen hatte. Dieser Begriff Stalinismus ist eigentlich ja eine Herrschaftsform, die genau auf eine einzige Person, eben auf Stalin zugeschnitten ist.
Diktatur
Und deswegen ist natürlich dieser Stalinismus eine Form der Diktatur. Und dieser Begriff ist der erste, der auftaucht. Unter Stalin bedeutet Diktatur nicht einfach nur, dass einer alleine herrscht, sondern es ist eine Systematik durch Angst, Kontrolle und Manipulation, die Gesellschaft umzuformen. Stalin benutzt dafür die Geheimpolizei, vor allem den damals sogenannten NKWD oder später heißt er KGB, heute heißt er FSB, den russischen Inlandsgeheimdienst. Nicht nur…um Widerstand im Inneren zu bekämpfen, sondern auch um eine ständige Unsicherheit, eine Form von Terror zu schaffen, von Schrecken. Niemand wusste, ob ein Nachbar oder ein Kollege nicht morgen als Feind des Volkes deklariert werden könnte oder aber einen selber ausspäht und man dann selbst vielleicht als Feind des Volkes gilt, wenn man irgendwas Falsches sagt. Diese sogenannte große Säuberung Ende der 1930er Jahre ist das beste Beispiel dafür, der große Terror auch genannt. Damals wurden tausende vermeintliche Abweichler, Dissidenten verschleppt oder verurteilt oder in Lagern umgebracht. Gleichzeitig prägten Propaganda und eine ideologisierte Bildung die öffentliche Wahrnehmung, die sozusagen Stalins Unfehlbarkeit propagierten und festigen sollten. Im Unterschied zu anderen Diktaturen, zum Beispiel zum Nationalsozialismus, ist Stalins Herrschaft nicht auf Rassenideologie aus, sondern auf eine permanente Demonstration von Macht des Staates. Und selbst die eigenen Parteichefs, die Parteieliten dieser Kaderpartei, der KPDSU, sind nicht sicher vor dieser Verfolgung. Eigentlich im Gegenteil, gerade Leute, die Stalins Machtanspruch ein bisschen infrage stellen könnten, die mit ihm konkurrieren um Macht, gerade so welche, die eben in der Partei ganz oben mit dabei sind, die sind besonders gefährdet, im Rahmen des Terrors dann irgendwelche merkwürdigen Vorwürfe gemacht zu kriegen und in Schauprozessen verurteilt zu werden. Ähnlich wie im Nationalsozialismus haben wir auch im Stalinismus die
Massenmobilisierung
.Es ist mehr als nur ein Versammeln von Menschen, sondern es ist eine gezielte Strategie, um die Gesellschaft nach den Vorstellungen der kommunistischen Partei oder des Stalinismus umzubauen. Während Stalins Industrialisierung und Kollektivierung durch Propaganda und Terror und staatliche Organisationen wie die Partei durchgesetzt werden, standen hier bei der Massenmobilisierung nicht die Wirtschaftsziele im Fokus, sondern die Schaffung einer neuen ideologisch geprägten Bevölkerungsgruppe oder vielleicht sogar eine Umformung der ganzen Bevölkerung durch Ideologie. Das ist die Idee vom sogenannten neuen Menschen. Das ist also die Idee, dass die Menschen umerziehen werden müssten durch bestimmte Zwangsmaßnahmen und Bildung, um korrekt oder richtige Kommunisten zu werden. Das ist so eine Art Umprogrammierung der Menschen sozusagen durch Bildung und Gewalt. Immer mit der Botschaft, dass der Einzelne sich dem Wohl des Kollektivs unterordnen muss. Anti-Individualismus haben wir schon mal darüber gesprochen. Diese Mobilisierung ist aber immer ein Instrument der Kontrolle über die Menschen. Wer nicht mitmacht, der wird natürlich verfolgt. Das heißt, der einzelne Arbeiter oder Schüler, der ist mehr oder weniger genötigt, dass er zu irgendwelchen Parteiveranstaltungen geht, sonst macht er sich gleich verdächtig und ist dann schon potenziell ein Systemfeind. Tja, ob dieses System jetzt gut funktioniert hat, ist eine gute Frage. Es bringt durchaus wirtschaftlichen Aufbruch, es bringt eine gewisse Begeisterung in Teilen der Gesellschaft, aber es erzeugt natürlich auch ein unermessliches Leid und diese Ambivalenz zwischen extremen Opfern.Zugleich aber extremen Veränderungen, die ist natürlich bis heute ein prägendes Beispiel dafür, wie Stalinismus debattiert wird. Und wenn man sich die heutige Wahrnehmung des Stalinismus in Russland anguckt, dann erkennt man schon, dass dort die positiven Seiten teilweise auch noch sehr stark betont werden. Zur Massenmobilisierung braucht man
Massenorganisation
en. Im Stalinismus wurden Massenorganisationen nicht einfach nur als Vereine oder als Clubs gesehen, sondern das waren Machtinstrumente. Stalin benutzt die, um die Bevölkerung zu kontrollieren und an der Ideologie des Kommunismus zu orientieren oder dahingehend zu erziehen. Ein Beispiel dafür, das sehr berühmt ist, ist die Komsomol. Das ist die Jugendorganisation der Partei, die nicht nur politische Bildung betreibt, sondern auch im Auge behält, wer loyal ist und wer nicht. Das ist sozusagen die Auslese für die spätere Kaderschmiede KPDSU, für die eigentliche Partei, wo man dann die Leute sich heranzieht, die später mal in Leitungsfunktionen irgendwo eine Rolle spielen sollen. Anders als im NS, wo so eine Organisation wie die Hitlerjugend eigentlich eine militärische Vorbereitung darstellen, aber auch natürlich eine Indoktrination. Die in die stalinistischen Massenorganisationen vor allem zur gesellschaftlichen Integration sorgen, also dafür, dass Arbeiter, Bauern, Jugendliche und so weiter in den Alltag eines irgendwie sozialistischen Lebensstils oder in ein sozialistisches Lebensumfeld eingepflegt werden. Gleichzeitig sind diese Organisationen auch Spitzeldienste. Das heißt, hier wird regelmäßig verlangt, dass man seinen vorgesetzten Berichte über andere Mitglieder abliefert.So eine Art Spitzelsystem, bei dem jeder die anderen bespitzelt. Und so entsteht so ein System von Druck und Kontrolle, sodass jeder Einzelne weiß, was läuft, dass er selber auch überwacht wird und so Widerstand unterdrückt wird. Den Leuten ist also bewusst, dass das System sie die ganze Zeit durchleuchtet, aber sie nehmen das zum Teil gar nicht kritisch wahr, sondern halten das eben für normal. Diese Massenorganisationen sind also kein freiwilliger Austausch, sondern eine Form von Einheit durch Zwang und soll eben die Herrschaft von Stalin sichern. Jetzt wenden wir uns mal der Wirtschaft im Stalinismus zu. Und der erste Fachbegriff, der uns da entgegenspringt, ist der
Fünfjahresplan
. In der Sowjetunion und der Stalin sind diese Fünfjahrespläne ein Werkzeug, um die Gesellschaft zu verändern, Macht zu sichern und um die Wirtschaft voranzubringen. Während im Westen ähnliche Pläne meistens eher so im Sinne der wirtschaftlichen Entwicklung gedacht sind, verfolgen Stalins Pläne einen kompletten Umsturz in der Wirtschaft, eine ganz radikale Industrialisierung, eine Zwangsverstaatlichung der ganzen Landwirtschaft. Besonders brutal sieht man das in der
Kollektivierung
der Landwirtschaft. Die Kollektivierung heißt wörtlich übersetzt sowas wie Vergemeinschaftung, das heißt es gehört künftig allen, das ist eigentlich eine Enteignung der Bauern. Und die Bauern werden eben gezwungen, ihre Bauernhöfe abzugeben, aufzugeben und an den Staat zu überschreiben. Wer sich weigert, wird verfolgt oder darf verhungern, wie man das im Holodomor in der Ukraine 1932, 1933 erkennen kann. Da wehren sich Teile der Ukraine gegen diese Vergemeinschaftung der Bauernhöfe. Und was Stalin dann letztlich macht,ist eine Aktion, die darauf hinausläuft, dass man diese Bauern ihr Getreide wegnimmt und sie dann verhungern lässt. Und deswegen kommt es eben zum Holodomor, zu einer der krassesten Hungersnöte in der Geschichte Europas, oder vor allem eine absichtlich herbeigeführte Hungersnot. Diese Pläne, die dienten nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Kontrolle über die Menschen. Wer die Ziele nicht erreichte, der wurde halt bestraft und das schürt nochmal Angst und Unterordnung. Das ist, haben wir schon besprochen, eines der zentralen Herrschaftsmerkmale des Stalinismus. Im Steinismus war der Fünfjahresplan also letztlich eigentlich mehr als nur ein Wirtschaftsplan, sondern ein Spiegel der Macht, um Hunger, Zwang und Zerstörung alter Strukturen voranzubringen. Wir haben gerade schon die Kollektivierung angesprochen. Das ist die zentrale Maßnahme, um die Landwirtschaftsstruktur zu verändern und die Landwirtschaft unter staatliche Kontrolle zu bekommen. In einem normalen Zustand, wie wir uns das vorstellen, da ist es ja so, der Bauer baut was an und dann kann er es verkaufen auf dem Markt. Im Steinismus ist ja eben Planwirtschaft gedacht. Das heißt, wenn man mehr Nahrungsmittel produzieren will, dann wird das eben den Bauern vorgeschrieben. Und weil die nicht machen, was man will, vergemeinschaftet man dann diese Bauernhöfe und dann gehören sie eben dem Staat. Und dann kann der Staat entscheiden, was dort zu passieren hat. Und das ist Kollektivierung. Statt dass die Bauern ihre Äcker also selber bewirtschaften dürfen, werden sie jetzt gezwungen, ihre Ländereien und ihre Tiere in sogenannten Kolchosen zusammenzufassen. Das sind Staatsbetriebe. Das Ziel ist es dabei, die Agrarproduktion zu steigern, also mehr landwirtschaftliche Produkte zu erzeugen, das ist ja erstmal smart, um diese rasende
Industrialisierung
, die Stalin…durchführt, zu finanzieren. Aber viele Bauern, insbesondere die etwas wohlhabenderen, die ein bisschen was besessen haben, die sogenannten Kuhlacken, die wehren sich dagegen. Und Stalins Regime, das kennt man schon, reagiert natürlich mit Brutalität und Terror. Da werden Tausende verhaftet, vertrieben, ermordet und diese Kollektivierung wird mit Zwangsmaßnahmen dann durchgedrückt. Man muss dazu sagen, dass das, was ein Kulak ist, also was ein in Anführungszeichen wohlhabender Bauer ist, den die Kommunisten da eben als Feindbild sehen, dass das niemand ist, der steinreich ist, sondern das trifft sehr viele Leute, die einfach ein bisschen was besessen haben. Und die werden dann letztlich obdachlos und viele von denen landen dann einfach in der Stadt und werden dann dort irgendeinen anderen Beruf ergreifen, weil die wenigsten von denen oder nicht alle von denen so gerne eben in diesen Kolchosen arbeiten wollen, die eigentlich alter Bauernhof war, die sie früher besessen haben. Gut, die Folgen sind natürlich verheerend. Wir haben schon darüber gesprochen. In der Ukraine führt das zum Holodomor, zu dieser Massenhungersnot mit Millionen von Toten. Aber im Unterschied zu anderen Systemen ist diese Kollektivierung nicht primär eine landwirtschaftlich orientierte Sache, sondern es ist noch mehr als das. Es ist auch wieder ein Instrument des Terrors, um die Regierung auch in den letzten Winkel der Landwirtschaft hineinregieren zu lassen und Terror und Willkür zu verbreiten. Hinter all diesem Wahn mit dem Kollektivieren und dem Fünfjahresplan steht der Plan der Industrialisierung. In der Sowjetunion unter Stalin ist das ein Plan, um endlich mit dem Westen gleichzuziehen. Er verfolgt den Westen.Traum einer sozialistischen Modernisierung, bei der in wenigen Jahren die Fabriken, Stahlwerke und Kohleminen entstehen sollen, die man braucht, um eine funktionsfähige, konkurrenzfähige Schwerindustrie auf die Beine zu stellen, so wie man die im Westen gesehen hat. Russland ist ja bis 1917 im Wesentlichen ein sehr, sehr stark agrarisch geprägtes Land. Man spricht immer von der Rückständigkeit des Zahnreichs. Und das ist das, was die Bolschewiki unbedingt ändern wollen und was Stalin mit absoluter Brutalität durchsetzt. Dabei gibt es gigantische Bauprojekte. Das berühmteste ist vielleicht Magnitogorsk, eine Stadt, die aus dem Nichts geschaffen wird, um ein riesiges Stahlwerk in der Größe einer Millionenstadt letztlich zu produzieren und aus dem Boden zu stampfen. Und die menschlichen Opfer dabei sind riesig, aber der Erfolg der wirtschaftlichen ist ebenfalls auch riesig. Und das ist eben die Industrialisierung unter Stalin in der Natsche. Das ist eine ganz krasse Form von rapider, reißend schneller Industrialisierung, die auf nichts Rücksicht nimmt, nicht auf die eigene Bevölkerung, nicht auf die Menschen im Land, auch nicht auf die Umwelt, sondern es geht nur darum, die Zahlen hochzubekommen und die Industrialisierung voranzupuschen. Zu Stalins Herrschaftsmitteln gehört aber nicht nur der Terror und das Schrecken, sondern zugleich natürlich auch das Verführen der Bevölkerung und das wichtigste Werkzeug dafür ist die
Propaganda
. Propaganda kommt aus dem Lateinischen und heißt wörtlich das, was man verbreiten muss und das ist eben meistens eine Info.Information, die verbreitet werden soll, über Zeitungen, über Filme, riesige Wandgemälde und, und, und. In all diesen Formaten von Medien taucht Stalin als ein unerschütterlicher, starker, fast göttlicher Anführer auf, der die Sowjetunion in eine glänzende Zukunft führen soll. Wir haben letztes Mal schon über den sozialistischen Realismus gesprochen und das ist auch ein Teil dieses Programms der Propaganda. Hinter dieser Fassade verbergen sich aber natürlich massive Verzerrungen der Realität und letztlich Lügen. Das ist ja der Witz an Propaganda, dass die meistens nicht stimmt. Die schrecklichen Realitäten der Kollektivierung, des großen Terrors, der Hungersnöte usw. Wurden verschleiert. Stattdessen präsentieren die Propagandisten Erfolge, zum Beispiel die Fünf-Jahres-Pläne, als Beweis für Stalins Genialität. Anders als im NS, wo die Propaganda vor allem eine Rassenideologie verbreitet und eben aber auch einen Führerkult predigt, geht es hier darum, die ganze Gesellschaft zu einer gewissen Einheit zu erziehen. Wir sind wieder beim Thema neue Menschen, die geschlossen hinter dem Anführer stehen sollen. Kritik wird unterdrückt, logisch, und selbst die Darstellung der Vergangenheit, also der Geschichte, wird ganz massiv umgeschrieben, etwa indem Stalin als Held der Revolution hingestellt wurde, obwohl der in der Revolution kaum eine Rolle gespielt hat. Dieser Mix aus Propaganda für Lobrede, Angst und Patriotismus hilft Stalin, seine Herrschaft weiter zu festigen. Auch wenn die Wahrheit, die Wirklichkeit im Russland der Jahre…1930 bis 1940, in denen Stalin seine Hochphase hat, besonders grausam und eigentlich auch unglücklich ist für viele Menschen, weil es eben so sehr krass den individuellen Bedürfnissen entgegenläuft, was die Politik da macht. Ein besonderes Merkmal der Propaganda ist der
Personenkult
um Stalin. Stalin ist nicht nur der Machthaber, er ist auch so eine Art Held oder Gott. Sein Personenkult ist eine staatlich organisierte Inszenierung, in der dieser Stalin als ein unfehlbarer, weiser, kluger, genialer Führer hingestellt wird, der den sowjetischen Menschen den Weg in die Zukunft weist. Die Propagandamaterialien zeigen ihn dann in riesigen Porträts, an irgendwelchen Wänden oder in Filmen, auch in Schulen. Und jeder muss ihn irgendwie verehren. Wer das nicht tut, riskiert, dass er als Feind des Volkes verdächtig wird, als Konterrevolutionär oder, oder, oder. Die Geheimpolizei hilft dabei, dass Kritiker verschwinden und zum Beispiel in den 1930er Jahren gibt es den großen Terror, haben wir eben schon drüber gesprochen, wo tausende von angeblichen Spionen oder Saboteuren verschwinden, die eben Stalin in irgendeiner Weise kritisiert haben oder auch nur haben könnten. Diese Angst, dieser Terror wird genutzt, um Widerstand zu brechen und die Macht für Stalin und insbesondere für das steinistische System weiter zu festigen. Zugleich wird aber Stein eben von der Propaganda als der Bauer des Friedens, als der Architekt des Sozialismus gepriesen, aber in Wirklichkeit schafft er parallel dazu eben Hungerkatastrophen wie in der Ukraine und Zwangsarbeitslager wie den
Gulag
undterrorisiert seine Bevölkerung und bringt sie millionenfach um. Der Kult um Stalin ist also nicht nur eine Show, sondern es ist auch wieder eigentlich ein Gesellschaftssteuerungswerkzeug. Es entsteht daraus ein System, in dem ein Führer, der eigentlich ein absoluter Staatsterrorist ist, zum absoluten Helden verklärt wird. Und es funktioniert sehr, sehr gut, wie man zum Beispiel daran sehen kann, dass bei Stalins Beerdigung die Menschen… Zu hunderttausenden Schlange stehen, um diesen toten Gott zu sehen und ihn nochmal sozusagen verabschieden zu können. Die Leute weinen, die Leute sind entsetzt, sie können es nicht fassen. Diese Propaganda, dieser Personenkult um Stalin hat unfassbar tief verfangen in diesem Russland der 1930er, 40er und 50er Jahre. Auch beim Nationalsozialismus haben wir schon über die
Massenkultur
gesprochen und auch in der Sowjetunion unter Stalin ist das ein ganz zentrales Element der Herrschaftssicherung. Massenkultur bedeutet, dass man Kultur zur Propagandawaffe macht, wenn man im Steinismus ist. Filme, Bücher, Musik und so weiter sollen alle die Idee des Kommunismus verbreiten und eben Stalin als den unfehlbaren Revolutionsheld darstellen. Künstler schreiben also nicht einfach oder malen einfach, was sie wollen, sondern wir sind hier wieder im sozialistischen Realismus. Denn Künstlern wird vorgegeben, was für Themen und wie sie darzustellen sind, zum Beispiel der Alltag der Arbeiter, die Stärke der Sowjetunion, die glorreiche Zukunft des Sozialismus und und und. Wer versucht, andere Kunst zu machen, der verschwindet dann im Lager, im Gulag oder im Exil. Und so entsteht eine Kultur.die überhaupt keine Vielfalt spiegelt, sondern stattdessen genau das staatliche Narrativ weiterspinnt. Das ist natürlich ein bisschen eintönig, ist aber ja auch Teil des Ziels, dass die Leute eben nur das sozusagen konsumieren können. Und da Stalin dient das natürlich ganz stark der Legitimierung seiner Macht. Wenn Stalin zu einem unfehlbaren Anführer stilisiert wird und die Leute das glauben, dann stellen sie auch nicht in Frage, dass er eine diktatorische Regierung führt, weil dann ist es ja gut so, dass der die diktatorische Macht hat, schließlich ist er so genial. Aber in der Realität ist da natürlich dahinter, dass zahlreiche Sachen schief gehen, dass zahlreiche Menschen umkommen und dass Menschen, die nicht ins System passen, massiv erniedrigt oder unterdrückt oder ermordet werden. Über den
Terror
haben wir eben schon gesprochen. Der sogenannte große Terror in den späten 1930er Jahren, ungefähr 1936 bis 1938, der ist die berühmteste und berüchtigste Phase dieses Terrors. Worum geht es da? Da werden alle Formen von kritischen Stimmen, sei das in der Partei oder in der Armee oder sogar in der normalen einfachen Bevölkerung, eliminiert. Das bedeutet, wenn in der Partei jemand erkennbar sich gegen Stalin widersetzt oder über seine Pläne negativ spricht oder in der Armee jemand sich kritisch über die Regierung äußert, dann werden diese Leute von anderen häufig verraten, denn die Gesellschaft ist durchsetzt mit Spitzeln und Geheimdienstmitarbeitern und diese Informationen werden dann irgendwo gesammelt. Und dann werden die Leute, die verdächtigen,richtig sind, eben kritisch über das Regime zu denken, vom Geheimdienst einkassiert und verhaftet, ins Lager gesteckt oder umgebracht. Dafür gibt es die verwirrendsten und auch merkwürdigsten Erklärungen. Zum Beispiel kann man als Trotzkist bezeichnet werden. Das ist in Stalins Russland ein Verbrechen. Dabei war Trotzki einer seiner engsten Mitstreiter in der Revolution, aber da hat man sich dann gestritten und ab da ist dann Trotzkist ein Schimpfwort. So entsteht eben dieser Terror, der auf verschiedenste Kleinigkeiten hin dazu führen kann, dass einzelne Leute verschwinden, deportiert werden, verhört werden, gefoltert werden und ermordet werden. Dieser Terror ist ein System der Machtsicherung, das heißt es geht darum, dass alle, die sich nicht anpassen, verschwinden und aus der Gesellschaft entfernt werden. Was ist denn nun dieses System Gulag? Das ist ein Netzwerk von Zwangsarbeitslagern, die in relativ entfernten Bereichen der Sowjetunion irgendwo liegen und wo diese politischen Gegner einquartiert werden, man könnte auch sagen eingesperrt werden, um dort Zwangsarbeit zu leisten. Aber viele von diesen Lagern sind auch in Gegenden, in denen es sich so gut wie gar nicht leben lässt. Das heißt, in extrem kalten oder extrem kargen Gebieten sind auch ultraschlecht versorgt, sodass die Leute da zum Teil verhungern, zum Teil eben an der Kälte sterben und die müssen ja auch noch dabei brutal Zwangsarbeit leisten. Das ist nicht vergleichbar mit den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Die sind eine ganze Ecke krasser und die sind auch in ihrer Mordabsicht zum Teil ja auch viel extremer.Aber der Gulag ist auch ein System der staatlichen Massenunterdrückung und da werden dann Dissidenten, Oppositionelle, Bauern und so weiter, man kann eigentlich auch sagen ehemalige Oppositionelle, aber es gibt ja keine mehr, die werden da eingesperrt, isoliert und sollen dann eben noch Rohstoffe aus dem Berg hauen. Viele arbeiten da eben im Kohlebergwerk oder sowas, um so eben noch irgendwie einen Nutzen für die Gesellschaft zu erbringen. Das ist so die Idee. Das heißt, während wir im NS die systematische Massenvernichtung im Konzentrationslager haben, ist der Gulag eigentlich eher so mit der Idee da geschaffen worden, Menschen durch Arbeit umzuerziehen und für die Industrie zu nutzen. Aber in der Realität sterben da eben auch relativ viele. Aber auch da kommen nochmal nachher Millionen wieder raus. Es ist also nicht so extrem wie in den Konzentrationslagern. Unter Khrushchev, Steins Nachfolger, gibt es eine Amnestie für so gut wie alle im Gulag Inhaftierten, die dann nach Hause kommen können und wieder ein einigermaßen, in Anführungszeichen, normales Leben führen können. Wenn in Stalins Russland so ein ehemaliger Parteichef in Ungnade fällt, wie kann das sein, dass der von heute auf morgen zum Feind des Volkes wird, obwohl er gestern noch ein Held des Volkes war und dann in den Gulag gesteckt wird? Dafür gibt es die sogenannten
Schauprozess
e. Stalin war durchaus schon klar, dass man nicht mal so einfach jeden Menschen verschwinden lassen kann, wenn der vorher ein prominenter Politiker und der Partei war. Also muss man irgendwie dem Volk ja erklären, wie das passieren konnte. Und man konnte natürlich nicht sagen, der ist Stalin gefährlich geworden, deswegen musste Stalin…Stalin aus dem Weg räumen, man brauchte eine bessere Erklärung. Und diese bessere Erklärung, die entsteht in den sogenannten Schauprozessen. Das sind also die Gerichtsprozesse, bei denen diese Leute verurteilt werden. Und die sind deswegen ein Schauprozess, weil sie eben für die Öffentlichkeit gemacht sind. Das sind also politisch motivierte Gerichtsverfahren, da ist schon vorher klar, wie es ausgeht. Und da werden dann diese angeblichen Regimegegner öffentlich beschuldigt, verurteilt und häufig dann auch hingerichtet hinterher. Und im Gegensatz zu einem echten Gerichtsverfahren ist das natürlich hier eine Showveranstaltung. Es gibt keine fairen Beweise, es gibt häufig Folter und dabei werden dann die Leute dazu gezwungen, irgendwelche Sachen zu unterschreiben oder zuzugeben. Und diese Geständnisse sind häufig relativ obskur, aber es geht eben darum, dass man in den Medien und in irgendwelchen Reden vor Gericht und so dann deren Schuld belegen kann und dass dadurch klar ist, warum die verschwinden. Es geht also darum, Angst zu verbreiten unter den Parteikadern, um die Aussortierung der Kritiker und natürlich auch wieder um Stalins Unfehlbarkeit, die da demonstriert werden soll. Auch diese Schauprozesse sind insbesondere in den großen Säuberungen, im großen Terror der 1930er Jahre ein ganz zentrales Motiv. Immer dann, wenn insbesondere relativ berühmte, vorrangig wichtige Politiker, alte Weggefährten von Stalin beseitigt werden sollen. Dann organisiert man diese Schauprozesse, um Stalin da ganz bewusst rauszuhalten und um zu erklären, wieso diese alten Weggefährten Stalins jetzt verschwinden müssen. In den Kontext Gulag, Schauprozesse und so weiter gehört natürlich auch das Wort
Deportation
.Und das kennen wir schon aus dem Nationalsozialismus und ist hier ähnlich gemeint. Deportation ist eben ein lateinischer Fachbegriff für wörtlich Wegverbringung und bedeutet eben, dass man Leute verschleppt, um sie woanders unterzubringen. Und im Steinismus funktioniert das häufig so, dass man Leute von einem Ort, ganze Dörfer teilweise, deportiert von einem Ort an einen anderen und sie dann dort ansiedelt. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass Stalin so eine Vorstellung hat, dass man Russland ein bisschen ethnisch einheitlicher aufziehen will, dass man eben nicht will, dass irgendwelche Minderheiten irgendwo leben, wo andere die Mehrheit sind und so weiter. Und dann werden eben Menschen, die man aus irgendwelchen Gründen für gefährlich hält, zum Beispiel ethnische Deutsche oder Russlanddeutsche, von irgendwo nach irgendwo anders hin deportiert und dann an einem anderen Ort sollen die sich dann ein neues Leben aufbauen. Das klappt zum Teil, zum Teil geht es aber auch brutal schief. Die Leute bringen ja schließlich nicht alles mit. Das heißt, die landen dann irgendwo in der Tundra in Kasachstan und sollen dann dort ihr Leben neu aufbauen. Und das klappt eben für manche dann auch nicht, die dann unterwegs verhungern oder erfrieren. Da wird auch von staatlicher Seite nicht sehr stark geholfen, sondern im Wesentlichen bringt man die Leute von A nach B und sagt dann viel Glück, ihr seid jetzt hier. Und diese Deportation ist eben auch ein Herrschaftsmittel Stalins, um ein Programm durchzusetzen, aber zugleich natürlich auch wieder um die Bevölkerung. In Angst und Schrecken zu halten, denn das ist natürlich keine schöne Aussicht, wenn es passieren kann, dass mein Dorf von heute auf morgen in die Juchai für 20.000 Kilometer weg verlegt wird und dann wir uns dort ein neues Leben aufbauen müssen.Im Rahmen der Deportation steht auch die sogenannte
“Entkulakisierung”
. Und das ist eben wieder zurück zum Begriff Kulak und Kollektivierung von vorhin. Das ist das Ziel, die sogenannten reichen Bauern, in Klammern so richtig reich waren die gar nicht, die sogenannten Kulaken zwangsweise zu vertreiben oder zu verhaften oder eben zu töten. Stalin sieht darin eine Bedrohung für seine Pläne, die Landwirtschaft zu zentralisieren. Denn die Bauern, die was besessen haben, die Land besessen haben, die haben natürlich Widerstand geleistet gegen das kommunistische System und gegen den Plan, die Landwirtschaft zu verstaatlichen. Und so wollte er die Kulaken nicht nur als seine Feinde in der Wirtschaft eliminieren, sondern auch die ganze bäuerliche Gesellschaft unter seine Kontrolle bringen. Viele von diesen Kulaken werden in Arbeitslager gesteckt und ihre Ländereien werden dann natürlich enteignet und vom Staat annektiert. Und das ist ein Schlag, der in der Ukraine zum Holodomor, zu Hungerkatastrophen führt. Dabei sterben Millionen von Menschen, nicht nur dadurch, dass sie enteignet sind und jetzt mittellos sind, sondern auch, weil der Staat das Getreide verstaatlicht. Das heißt, auch die Ernte wird verstaatlicht und dann vom Staat verteilt. Und das bedeutet, wenn die Leute was geerntet haben, dann dürfen sie davon gar nicht selber sich Brot backen, sondern müssen das abgeben. Und so wird Hunger als Strafe für Widerstand eingesetzt, wie eben in der Ukraine im Holodomor. Wir haben schon in der letzten Folge über die Idee der Diktatur des Proletariats gesprochen. Und in der Sowjetunion und der Stalin spricht man von einer
Klassendiktatur
, also einer Herrschaft, die allein dem Proletariat, dem arbeitenden Volk gehört.In der Praxis ist das natürlich Unfug, denn die Macht liegt ja gerade nicht beim Volk, sondern sie liegt bei Stalins Partei und insbesondere bei Stalin selbst und seinem Zentralkomitee, wo alle Kritiker an das Denken und politische Gegner systematisch ausgeschaltet werden. Und das ist natürlich eine Form von Herrschaft, die eben nicht die Interessen der Arbeiterklasse vertritt. Und witzigerweise ist das ja genauso wie im Nationalsozialismus auch, wo die NS-Diktatur suggeriert, die Interessen der Volksgemeinschaft zu vertreten, aber die Volksgemeinschaft so definiert, dass es eben nur eine kleine oder eine bestimmte eingegrenzte Gruppe von Menschen ist, die da reinfallen und insbesondere auch so definiert ist, dass wer das System kritisiert, nicht zur Volksgemeinschaft gehört. Das heißt, ebenso wie im Nationalsozialismus dieser Anspruch, das Volk zu vertreten, eigentlich eine Lüge ist, so ist es auch im Stalinismus eigentlich eine Illusion. Denn diese brutalen Terrormittel, die braucht es ja nur deswegen, weil die Herrschaft der Bolschewiki vom Volk in Russland eben nicht gewollt wird zum Teil und deswegen der Widerstand gebrochen werden muss, damit die Leute sich an der Macht halten können. Eine Besonderheit des Stalinismus, die wir unbedingt noch besprechen müssen, ist der sogenannte
“Sozialismus in einem Land”
. Das ist im Grunde ein Widerspruch zur Originallehre von Karl Marx, denn der Kommunismus geht im Original ja davon aus, dass der Kommunismus als Idee so super ist und so viele Arbeiter auf der Welt begeistern wird, dass wenn der Sozialismus in einem Land Realität wird, wenn also in einem Land die sozialistische Revolution stattfindet und Erfolg hat,dann automatisch die Nachbarländer eins nach dem anderen umfallen und auch kommunistisch werden. Denn es ist ja so toll für die Arbeiter im Kommunismus zu leben, in dieser fairen Gesellschaft, in der nicht die Statusunterschiede, die Geldunterschiede das Sagen haben über die persönlichen Chancen. Dass alle Nachbarländer einem zugucken werden, der kommunistisch ist, einem Staat, und dann sehen werden, das ist super und das machen wir jetzt auch so. Die Idee ist also, eine Revolution wird dazu führen, dass immer mehr Revolutionen ausbrechen, sodass in kürzester Zeit die ganze Welt kommunistisch wird. Jetzt stellen die Russen und Stalin und Lenin und so weiter, Dann 1920 fest, jetzt sind bald zehn Jahre ins Land gegangen, seit Russland die kommunistische Revolution gemacht hat. Und immer noch ist keiner kommunistisch geworden in unserem Umfeld. Das ist eine Enttäuschung, die natürlich die Russen der Zeit erleben. Und es führt zu einem Ideologie… Kampf innerhalb der kommunistischen Partei und Stalin sagt, ja, dann muss man halt den Sozialismus erstmal in einem Land richtig aufbauen. Seine Idee ist also, dass man eben nicht wartet, bis die Weltrevolution ausbricht oder versucht, in irgendwelchen Nachbarländern die voranzubringen, sondern seine Idee ist, wir bringen in Russland selber den Sozialismus so voran, dass er richtig gut funktioniert und dass die Leute dann natürlich einsehen, dass er die bessere Lösung ist. Das heißt, der Anspruch ist nicht, dass man nicht, oder es ist nicht mehr der, wie soll ich sagen, es ist nicht die Aufgabe des Anspruchs, in anderen Ländern den Sozialismus zu exportieren. Sondern es ist…ein Zugeständnis, dass es gerade noch nicht klappt und dass man jetzt erstmal selber sein Land voranbringt, bevor man versucht, in anderen Ländern den Kommunismus zu pushen. Es ist also einerseits ein Versuch, das eigene Land noch viel stärker zu industrialisieren und dadurch sozialistischer zu machen. Russland hat ja noch gar keine richtige Industriegesellschaft, als die Bolschewiki die Macht ergreifen. Es ist aber auf der anderen Seite auch wieder eine Rechtfertigung für eine krasse staatliche Gewalt, weil man ja begründen muss, warum man erstmal im eigenen Land überhaupt, oder dass man im eigenen Land erstmal den Sozialismus richtig aufbauen muss, der ist ja noch nicht da. Also muss man massive Opfer bringen, um dahin zu kommen, um dann die Weltrevolution zu erreichen und dann das Paradies auf Erden zu errichten, das sozialistische. Unter all dem, was wir bis jetzt besprochen haben, da steht ja immer wieder der Gedanke drunter, die Menschen an Stalins Herrschaft zu binden und sie mit Gewalt, mit Terror, aber auch mit Propaganda und Personenkult diesem System treu zu machen. Trotzdem haben wir das sogenannte
Loyalitätsdefizit
und das prägt Stalins Herrschaft durchaus deutlich. Vor allem vertraut Stalin seinen eigenen Leuten nicht, weder den Politbüro-Mitgliedern noch Parteifunktionären. Er ist überzeugt, es gibt ständig irgendwelche Verschwörungen gegen ihn. Und das ist der zentrale Grund, weshalb er immer wieder tausende von Menschen ohne jegliche Beweise verhaften lässt, verurteilen lässt, töten lässt. Da werden Geständnisse unter Folter erpresst. Da kommen dann unter Folter natürlich jede Menge neue Namen bei raus, weil die Leute werden kreativ, wenn sie wollen, dass die Schmerzen aufhören.Also kriegt man noch mehr Verräter und Stalins Verschwörungstheorien und Wahn verstärken sich dadurch nochmal, weil man ja immer mehr anscheinend verschwore Menschen findet. Und die Geheimdienste, der NKWD, der Inlandsgeheimdienst, die helfen dabei, diesen Misstrauenskrieg zu führen. Im Ergebnis entsteht dann eine Gesellschaft, in der niemand mehr weiß, wem er vertrauen kann. Und jeder muss ständig beweisen, dass er loyal ist, indem er andere Leute verrät oder sich gehorsam zeigt oder sich besonders loyal zeigt. Das heißt, während die Leute so tun, als wären sie total loyal, ist es in Wirklichkeit so, dass sie ein hohes Loyalitätsdefizit besitzen, dass sie also nicht loyal sind, sondern die ganze Zeit nur so tun müssen, als wären sie loyal, aber einen ganz starken Zwang dazu verspüren, das die ganze Zeit zu demonstrieren, weil es eben gefährlich ist, nicht loyal zu wirken.
Wir haben heute gesprochen über die Fachbegriffe Diktatur, Massenmobilisierung, Massenorganisation, Fünfjahresplan, Kollektivierung, Industrialisierung, Propaganda, Personenkult, Massenkultur, Terror, Gulag, Schauprozess, Deportation, Entkulakisierung, Klassendiktatur, Sozialismus in einem Land und Loyalitätsdefizit. Das sind die Begriffe im Kapitel Herrschaftspraxis im Stalinismus, Kapitel 4 von 5, das Schwerpunktthema 1 fürs Abitur 2026. Ihr findet diese Fachbegriffe, die ich bespreche,auch in der richtigen Reihenfolge immer in den Shownotes zu jeder Podcast-Folge. Das heißt, wenn ihr euch beim Zuhören ab und zu ein bisschen lost fühlt, dann hilft es sehr, wenn man sich die Shownotes aufmacht und mal guckt, wo sind wir denn gerade und worum geht es eigentlich. Gerade mir persönlich hilft das zumindest sehr, wenn ich Podcasts anhöre. Wenn ihr euch auf das Abitur 2026 vorbereitet, dann hört gern auch die anderen Folgen zum Sternchen Thema 1 oder zum Sternchen Thema 2, die heute und gestern und in den nächsten Tagen online gehen sollten. Und informiert euch gut, damit ihr im Abitur immer gut vorbereitet seid. Gebt den Podcast gerne euren Bekannten und Freunden weiter. Und ich danke euch fürs Zuhören. Bleibt mit Rollen.