Abitur 2026 - 1.5 - Zweiter Weltkrieg
Dies ist die fünfte Folge zum Schwerpunktthema 1 im Abitur 2026 (Leistungsfach). Es geht um den Zweiten Weltkrieg.
- Vernichtungskrieg
- Weltanschauungskrieg
- SS
- Wehrmacht
- Zwangsarbeit
- “Endlösung”
- Deportation
- Holocaust / Shoah
- Totaler Krieg Reader für das Abitur 2026: https://geschichtslehrer.net/schwerpunkkthemen-fuer-das-abitur-2026/
Willkommen bei geschichtslehrer.net. In diesem Podcast bereiten wir uns kurzweilig und fachkundig auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vor. Die heutige Folge ist eine Folge für das Schwerpunktthema 1 fürs Abitur 26 und zwar geht es hier heute um den Zweiten Weltkrieg. Wenn ihr euch für das Abitur 2026 und das erste Schwerpunktthema interessiert, gibt es fünf Folgen, die sich um dieses Schwerpunktthema drehen und sich damit beschäftigen. Hört es gerne in chronologischer Reihenfolge, denn vieles baut aufeinander auf und es macht Sinn, sich das in der richtigen Reihenfolge anzuhören. Der Zweite Weltkrieg ist ein Schlüsselereignis des 20. Jahrhunderts, ein globales Chaos, das Städte zerstört, Ideologien, Machtstrukturen und das Schicksal von Millionen von Menschen verändert. Um diesen Zweiten Weltkrieg zu verstehen, müssen wir ihn auch als Spiegel der damaligen Wertvorstellungen, Ideologien, Ängste und des damaligen Zerstörungswillens bestimmter Ideologien ansehen.
Vernichtungskrieg
Der Zweite Weltkrieg war kein gewöhnlicher Krieg. Er begann 1939 mit dem Überfall Hitlers auf Polen und endete 1945, nur sechs Jahre später, mit der Niederlage der Achsenmächte, aber die Kämpfe tobten längst schon vorher. Zum Beispiel die Eroberung Taiwans durch Japan oder Hitlers Eindring in der Tschechoslowakei, das war schon in den 30er Jahren überall am Köcheln. Die Kriegführung im Zweiten Weltkrieg war härter als je zuvor. Städte wurden aus der Luft zerstört, wie Dresden oder Hiroshima mit der Atombombe. Und auf der Ostfront tobte eine brutale Auseinandersetzung zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjetunion, wo man den Gegner,von Grund auf vernichten wollte und ein Überleben lassen, Gefangenenehmen nicht vorgesehen war, zumindest von deutscher Seite in vielerlei Hinsicht. Ein zentraler Aspekt bei diesem Kampf war die Ideologie. Hitler wollte eine Weltherrschaft in der Logik seiner Rassenideologie. Stalin verteidigte die Sowjetunion und damit den kommunistischen Erfolg, den sie dort gefeiert hatte. Und Roosevelt sah den Krieg als Kampf für die Demokratie und für den Liberalismus aus Sicht der Amerikaner. Aber neben diesen politischen Zielen war der Krieg auch ein Albtraum für die Menschen. Die Massenmorde im Holocaust, die Zwangsarbeit in den Konzentrationslagern, die Flüchtlingsströme quer durch Europa zeigten, dass Krieg nicht nur Soldaten trifft. Die Bewertung ist komplex. Einerseits endete der Krieg mit der Kapitulation der Angreifer, insbesondere Nazi-Deutschlands, und mit der Gründung der UNO, die den Frieden schützen sollte. Andererseits hinterließ er eine Welt, die geprägt war von Zerstörung und internationalem Misstrauen. Die Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki zeigten eine neue, unfassbare Macht der Technologie und eine unfassbare Gefahr, die eben von diesen Atomwaffen ausging. Und die Frage, ob der Krieg wirklich beendet werden konnte, die kann man immer noch diskutieren. Für uns heute ist der Zweite Weltkrieg nicht nur eine Geschichte aus der Vergangenheit, sondern eben ein ganz prägendes Element der Erinnerungskultur, weil er eben zeigt, wie schnell aus Hass und Gewalt eine Gewaltorgie über Kontinente hinweg entstehen kann. Wenn man über die Geschichte der Welt denkt,über den Zweiten Weltkrieg zwischen insbesondere Deutschland und der Sowjetunion redet, dann nennt man das häufig Vernichtungskrieg. So ein Vernichtungskrieg ist eine Form der Kriegsführung, bei der es nicht um den militärischen Sieg geht, sondern vor allem um die vollständige Zerstörung der feindlichen Volksgruppe oder Kultur. Das heißt, ein Vernichtungskrieg zielt darauf, eine bestimmte Gruppe von Menschen eigentlich auszulöschen. Im Kontext des Zweiten Weltkriegs geht es da vor allem um das NS-Regime bei der Eroberung der Sowjetunion ab 1941, die sogenannte Operation Barbarossa. Hitler sah hier nicht nur einen militärischen Gegner in diesem sowjetischen Russland, sondern eine feindliche Rasse, die man auslöschen müsste. In Hitlers Ideologie geht es da relativ querbeet. Da wird quasi von der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung gesprochen. Und die Bolschewiki sind ja die Kommunisten, die in Russland das Sagen haben, seit Lenin an die Macht gekommen ist. Und auch Stalin ist ein Bolschewik. Das heißt, aus Hitlers Perspektive… Hängen die Bolschewiki und die Juden irgendwie zusammen. Die Juden sind ja ein rassisches Problem aus seiner Sicht. Da könnt ihr mal reinhören in die vergangenen Folgen. Und die Bolschewiki gehören da irgendwie mit rein. Aber inwiefern sich hier politisches und angeblich rassistisches und so vermischt, das ist eine ganz wilde Mischung. Das heißt, Hitlers ideologische Überzeugung, dass das deutsche Volk Recht auf Lebensraum hätte, also im Osten irgendwie sich quasi Gebiete erobern müsste, um da zu leben, die vermischt sich hier mit seiner Ablehnung von Judentum undSowjetunion oder Sozialismus. Und das ist eine Kombo, die natürlich dazu führt, dass er der Meinung ist, man muss die Leute da ausrotten, damit dann da arische Deutsche siedeln und sich vermehren können. Das führt zum Massenmord, völlig klar, überrascht uns nicht, das ist ja Teil des Konzepts, zur Vernichtung ganzer Städte, zur Erschießung von unzähligen Zivilisten und und und. Dieser Vernichtungskrieg ist kein Krieg im herkömmlichen Sinne, sondern ein Versuch, eine neue Weltordnung zu schaffen durch letztlich Massengewalt. Diese Herangehensweise macht den Zweiten Weltkrieg zu einem besonders grausamen Krieg und unterscheidet ihn ganz heftig von vielen früheren Kriegen, die eher um Territorium oder um politische Macht geführt wurden. Dieser Vernichtungskrieg, der ist eher ein Instrument der totalen Zerstörung.
Weltanschauungskrieg
Ein anderer Begriff, mit dem man über den Zweiten Weltkrieg sprechen kann, ist der Weltanschauungskrieg. Und das ist ja im Grunde dann so ein Fokus, den man hier auf die unterschiedlichen Ideologien legt, die in den Ländern, insbesondere in Nazi-Deutschland und in der Sowjetunion herrschen. In der Logik der Nazis gibt es hier ja einen Zusammenprall zwischen einerseits der eigenen rassistischen Ordnung und auf der anderen Seite der sozialistischen Ordnung, die ja gerade von einem Menschenbild ausgeht, in dem alle gleichwertig sind. Große Klammer auf, im Stalinismus wird natürlich über diese Wertigkeit von Menschenleben dann anders gedacht, aber naja, Klammer zu. Die Idee ist also, dass sich auf der einen Seite die Nazis mit ihrem rassistisch-expansionistischen arische Dominanz und so denken.befinden, auf der anderen Seite die Alliierten, die eine Vorstellung von Freiheit, Demokratie und Gleichheit der Menschen verteidigen. Aber das kann man, wie gesagt, für die Sowjetunion auch nur sehr begrenzt sehen. Aber die Alliierten sind dann eben ein sehr spezielles Bündnis aus Großbritannien, den USA, liberalen Demokratien, Frankreich, auf der anderen Seite der Sowjetunion auch irgendwie mit diesem Anspruch, die Menschen zu vertreten in ihrer Gesamtheit. Und in der Mitte Nazi-Deutschland eben mit seinem rassistischen System. Dieser Weltanschauungskrieg bedeutet nun also, dass die Fronten nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch in Propaganda, Ideologie, Gesetzen und so weiter gezogen werden. So entsteht der Holocaust als ein zentrales Projekt dieser NS-Ideologie, der eben davon ausgeht, dass die Menschen in anderen Staaten nicht zwingend eben das gleiche wert sind wie die eigenen Menschen, weil der Rassismus dieser Nationalsozialisten ja darauf abzielt, dass eben die Menschen unterschiedlich viel wert sind. Und dann entsteht hier eben ein Krieg, bei dem man plötzlich in der Sowjetunion und in Polen Millionen von Juden in die Hände bekommt, mit denen man dann irgendwie verfahren muss. Und in der Logik der Nationalsozialisten müssen die irgendwie weg. Und daraus entsteht am Ende dann, wenn man so will, der Holocaust. Die Leitfrage in diesem Weltanschauungskrieg ist also letztlich, welche Vorstellung von der Welt, welche Ideologie, welches Menschenbild soll die Zukunft dieses Planeten bestimmen? Und das ist eben das, was man dann als Weltanschauungskrieg bezeichnen kann.
SS
Zu den Armeen Deutschlands.Schlanz gehören insbesondere zwei Gruppen. Das eine ist die SS und das andere ist die Wehrmacht. Wir gucken uns jetzt erstmal die SS an. Die SS war ursprünglich unter dem Namen Schutzstaffel so eine paramilitärische Truppe des NS-Regimes, ähnlich wie die SA, die sich im Zweiten Weltkrieg dann aber zu einer ganz besonderen Waffe Hitlers im Krieg entwickelte. Ursprünglich war das mal Hitlers Leibwache, aber sie wurde dann eben immer weiter vergrößert, sah sich als Eliteorganisation der Nationalsozialisten, nahm immer nur Mitglieder auf, die ganz streng selektiert wurden, sowohl nach rassischen als auch nach anderen Kriterien. Und die wurden auch besonders hart indoktriniert. Das waren die eben Hitlers härteste Hunde, kann man vielleicht sagen. Im Unterschied zur normalen Wehrmacht war das nicht nur eine Soldatentruppe, sondern eine Elite-Truppe des Totalitarismus. Die war zuständig für Terror, für die Geheimdienste, für die Durchsetzung von rassistischen Ideologien und auch für den Massenmord. In den Konzentrations- und Vernichtungslagern, da arbeiteten relativ viele SS-Truppen. Bereits vor dem Krieg war die SS für blutige Aktionen gegen politische Gegner bekannt, aber im Krieg wurde sie zum zentralen Faktor des Holocaust. Ihre Einheiten begleiteten die Invasionen, ermordeten die Zivilisten in den besetzten Gebieten, leiteten die Vernichtungslager und so weiter. Besonders berüchtigt sind die sogenannten Einsatzgruppen. Das sind mobile Truppen, die hinter der Front Massenerschießungen durchführen an Zivilisten, an Juden und an Kriegsgefangenen und und und. Die SS war auch für die Selektion in den Konzentrationslagern zuständig, wo eben diese Idee der Rassenreinheit stand.Das heißt, man selektiert die Gefangenen, die man jetzt heute umbringt, weil sie rassisch nicht mehr geeignet sind. Hitler versucht die SS als so eine Art eigenständige Eliteeinheit aufzubauen, aber sie ist eben zugleich auch eine Art militärischer Verbund. Und nach dem Krieg haben die Alliierten die SS deswegen besonders gezielt gejagt, um sozusagen hier die Kriegsverbrecher, die besonders krasse Verbrechen begangen haben, aufzuspüren und zur Verantwortung zu ziehen. Die gute Nachricht ist, die SS-Angehörigen hatten fast alle eine Tätowierung auf dem Arm, das heißt, die konnte man relativ leicht erkennen. Aber auf der anderen Seite haben natürlich auch Leute Wege gefunden, die zu entfernen und dann durchzukommen. Und von diesen alten SS-Schergen sind eben auch nicht wenige ohne Strafe nach dem Zweiten Weltkrieg davongekommen.
Wehrmacht
Aber der eigentliche Großteil der deutschen Armee, das war die Wehrmacht. Das war die offizielle Streitkraft des NS-Staats und die spielt im Zweiten Weltkrieg die noch wichtigere Rolle, wenn es um den reinen Krieg geht. Die Wehrmacht ersetzte im Prinzip die Reichswehr der Weimarer Republik und wurde zum Instrument der Expansion. Mit ihrer Unterstützung fing Deutschland diese Kriege gegen Polen, Frankreich und die Sowjetunion an und versuchte diese Staaten eben zu unterwerfen. Historiker streiten sich bis heute, ob die Wehrmacht aktiv an den Verbrechen des Nationalsozialismus beteiligt war, zum Beispiel bei der Ermordung der Zivilisten oder eben im Rahmen dieser Vernichtungspolitik des Vernichtungskrieges. Viele Soldaten sahen sich zwar schon irgendwie,in dieser Ideologie zu Hause, aber die Wehrmacht, die wollte ja eigentlich eine Armee sein und keine Massenmordorganisation. Ihr Bild als unpolitische Armee, wie das die Wehrmachtssoldaten nach dem Krieg häufig formuliert haben, die ist heute sehr fragwürdig. Also eine Armee unpolitisch zu sehen, ist immer schwierig, weil sie ja immer die Interessen des Staates, dem sie dient, verfolgt. Das heißt, letztlich kann man schon sagen, die Wehrmacht war völlig klar mit dem nationalsozialistischen System verbunden und ist deswegen auch an den Verbrechen des Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg auf jeden Fall beteiligt. Aber vor ungefähr 20 Jahren zuletzt wurde das im Rahmen der Wehrmachtsausstellung sehr intensiv diskutiert und ehemalige Wehrmachtsangehörige haben sich bis zuletzt dagegen gewehrt, als NS-Verbrecher sozusagen deklariert zu werden, weil sie eben der Meinung waren, sie waren ja nur Soldaten, die ihre Pflicht fürs Vaterland erfüllt haben. Aber was ist, wenn das Vaterland eben ein Verbrecherregime ist, ist man dann nicht auch mit dabei? Diese Frage, die wird bis heute immer mal wieder diskutiert, aber so langsam sterben auch die letzten Kriegsverbrecher aus und deswegen wird uns das in absehbarer Zukunft wohl nicht mehr beschäftigen, diese Diskussion. Heute ist das eigentlich durch, das Thema, und man kann sagen, die Wehrmacht, die hing im Zweiten Weltkrieg und im Massenverbrechen mindestens ebenfalls drin, sicherlich nicht genauso wie die SS, aber eben doch deutlich auch.
Zwangsarbeit
Der Zweite Weltkrieg fordert einen Haufen Blutzoll und einen Haufen Material. Was macht man also 1943, als die Kriegswirtschaft immer weiter ausblutet, man immer mehr Arbeitskräfte braucht, an der Front ist die Lage…auch nicht rosig und die Bevölkerung schrumpft. Ja, was machen wir denn? Ja, wir müssten irgendwoher Arbeiter finden, die uns die Bomben in den Fabriken zusammenbauen und so. Wo könnte man die nur herkriegen? Na klar, man sucht sich Zwangsarbeiter. Und so kommt die Zwangsarbeit nach Deutschland. Die ist ja zu dem Zeitpunkt schon erprobt. Man hat ja in den Konzentrationslagern bereits jede Menge Zwangsarbeiter. Und jetzt deportiert man aus Osteuropa, insbesondere aus der Sowjetunion und Polen, Kriegsgefangene, Juden und so weiter in deutsche Unternehmen, Fabriken und lässt sie dort dann schuften. Viele von denen sterben an Hunger, an Überarbeitung oder an den solchenartigen Bedingungen in ihren Lagern, weil die werden natürlich auch relativ schlecht behandelt und ausgestattet. Und das ist… Nicht nur eine wirtschaftliche Notlösung, sondern es ist auch Teil der Ideologie. Die Nationalsozialisten mit ihrem rassistischen Menschenbild, die gehen ja davon aus, dass diese Menschen aus dem Osten, dass die Slawen irgendwie minderwertig seien, so eine Art Sklavenvolk seien. Und deswegen setzt man die dann ganz gezielt und ohne schlechtes Gewissen ein, weil dahinter eben diese rassistische Ideologie steckt. Die sind weniger wert als wir und deswegen dürfen wir die auch ausbeuten und benutzen. Das ist so Sozialdarwinismus und so könnt ihr auch mal nachlesen. Im Unterschied zur Zwangsarbeit in anderen Gebieten, wie das zum Beispiel in Stalin im Gulag ist, ist hier so eine Verbindung aus Rassismus und Herabwürdigung des anderen Menschen und dem Kriegsziel das eigentliche Amalgam, das dazu führt, dass diese Zwangsarbeit so brutal und so extrem ausgeführt wird. Diese Praxis zeigt,dass der Zweite Weltkrieg eben nicht nur ein Machtkonflikt ist, sondern auch ein System der systematischen Gewalt und der systematischen Unterdrückung ganzer Völker.
“Endlösung”
Wenn man über den Zweiten Weltkrieg spricht, dann kann man den Holocaust nicht rauslassen. Und die Juden, die sagen dazu Endlösung. Die Endlösung der Judenfrage ist der Begriff, der im nationalsozialistischen Führungszirkel kursiert, wenn es um den Plan geht, alle europäischen Juden zu ermorden. Und das klingt so abstrus, wie es ist, aber es ist trotzdem ein historischer Plan, der auch relativ weit durchgeführt wurde. Man sagt heute, dass ungefähr sechs Millionen Juden in den Konzentrationslagern und den Vernichtungslagern ermordet wurden. 6 Millionen ist eine unfassbare Zahl von Menschen. Und wie kommt man auf diese abstruse Idee? Wir haben ja schon darüber gesprochen, dass die Nationalsozialisten davon ausgehen, dass die Juden die niederwertigste menschliche Rasse seien und im Sinne der Rassenhygiene will man eben die Aria davor schützen, sich mit diesen Juden irgendwie zu vermischen und deswegen müssen die Juden irgendwie weg aus Europa. Und dahinter steckt der Gedanke, dass man, oder daher kommt die Absicht, diese vielen Millionen Menschen gezielt systematisch industriell zu ermorden. Und so haben wir hier die größte Vertreibung und Vernichtung einer Bevölkerungsgruppe, die es in der Geschichte gibt. Es gibt nicht wenige Genozide, Völkermorde, aber der Völkermord an den Juden durch die Nationalsozialisten ist mit Abstand das Extremste und vor allem das…durchdachteste, geplante, gezielteste Beispiel, das wir haben. Man spricht ja auch von der Singularität der NS-Verbrechen, aber das ist ein anderes Thema. Die Nazis sahen also die Juden als lebensunwert irgendwie an und wollten sie aus der Welt schaffen, um ihre Vorstellung von einem rassisch reinen Deutschland oder Europa durchzusetzen. Und diese Idee der Endlösung ist dann eben der Name für die letzte blutige Mordphase, die da in den letzten Kriegsjahren umgesetzt wird.
Deportation
Der eigentliche Holocaust findet vor allem erst gegen Ende des Zweiten Weltkriegs statt. In den letzten zwei bis drei Jahren werden die größten Zahlen von Menschen, insbesondere von Juden, ermordet. Auch im Kontext des Nationalsozialismus und des Holocaust sprechen wir von der Deportation. Und damit meinen wir im Falle der Nationalsozialisten eben vor allem die Deportation politischer Gegner und der Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager. Das fängt bereits in den 30er Jahren an, aber so richtig nimmt eben die Massendeportation mit Mordabsicht erst im Zweiten Weltkrieg an Fahrt auf und vor allem dann ab 1941, als die Sowjetunion und die Länder in Osteuropa überfallen werden. Denn dort leben auch sehr, sehr viele Juden und das stellt die Nationalsozialisten eben vor, dass in Anführungszeichen Problem, was man mit diesem eben rassistischen Feindbild entsprechenden Juden überall da machen soll. Und da kommt man eben auf diesen Gedanken der Endlösung. Die Deportation wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eine ganze Weile auch als so eine Art Euphemismus für den Holocaust verwendet. Man hat dann von der Deportation gesprochen.und meinte damit aber eigentlich nicht den Prozess der Deportation, sondern den Prozess des Massenmordes. Und das hat sich heute so ein bisschen verändert. Heute meint man wirklich fachlich sauberer definiert, wenn man Deportation sagt, eben die Verschleppung der Menschen in die Konzentrationslager, während man, wenn man vom Holocaust oder von der Shoah spricht, eben von diesem Massenmord redet.
Holocaust / Shoah
Und damit sind wir beim Holocaust oder der Shoah. Zunächst mal gucken wir uns die Begriffe an. Holocaustus heißt auf Griechisch sowas wie vollständig verbrannt, völlig verbrannt. Und Shoah ist Hebräisch und bedeutet sowas wie Katastrophe oder Vernichtung. Und beide Begriffe beziehen sich eben auf diese Massenermordung der europäischen Juden durch das NS-Deutschland 1941 vor allem bis 1945. Und diese beiden Begriffe meinen was ähnliches und werden auch ähnlich gebraucht. Shoah, Holocaust. So, dieser NS-Vernichtungskrieg, der hat diesen Gedanken, dass man die deutsche, arische, wie auch immer, Rasse, die angeblich überlegen, sei über minderwertige Rassen, wie eben zum Beispiel die Juden, dass man deren Herrschaft da sicherstellen müsse und deren Vermischung vor allem ausschließen müsse, Stichwort Rassenhygiene. Und so kommt man eben auf die Endlösung und auf den Plan, die Juden im großen Stil zu ermorden. Das entsteht vor allem auf der Wannsee-Konferenz in Berlin im Januar 1942, diese berüchtigte Konferenz, bei der sich die Eliten des NS-Staats darüber austauschen, wie man die durchführen kann. Und man hat bereits eine gewisse Erfahrung mit Massenmord zu diesem Zeitpunkt, zum Beispiel mit Massenerschießungen.von Zivilisten im Wald und die Erfahrungen, die man da gemacht hat, die sind ein bisschen zwiespältig. Man hat die Erfahrung gemacht, das klappt nicht gut, es ist organisatorisch ein Desaster, die Leute kriegen zu viel mit, die Brutalität ist so hoch, das spritzt uns so viel Gehirnflüssigkeiten durch die Gegend, die armen Soldaten. Das klingt jetzt ein bisschen zynisch, was ich hier sage, aber wer sich dafür interessiert, der kann mal ganz normale Männer lesen von Christopher Browning. Das ist ein hochinteressantes Buch, wo so eine Truppe von Soldaten, die genau diese Aufgabe hatten, sehr genau durchleuchtet werden. Und das ist wirklich genauso, wie ich es beschrieben habe. Das ist das Problem. Es ist eine zu krasse, zu eklige, zu anstrengende, zu offensichtliche Arbeit, die da vollzogen wird bei diesen Massenerschießungen. Man muss diesen Massenmord irgendwie anders hinbiegen. Und so kommt man auf der Wannsee-Konferenz auf diese Idee. Mit großen Vernichtungslagern im Osten, in denen man große Gaskammern baut und die Leute eben mit dem Gas dann umbringt und die bis dahin, bis auf den letzten Meter so täuscht über das, was man mit ihnen vorhat, dass es da eben auch dann keine Unfälle, keine Probleme beigibt, dass das dann ganz von selber abläuft. Das ist letztlich die Fließbandisierung, die Industrialisierung des Massenmordes. So, wie macht man das? Ab 1939 schon werden die Juden zum großen Teil in Ghettos zwangsumgesiedelt. Das berühmteste ist das Warschauer Ghetto. Und dort werden sie unter relativ fürchterlichen Bedingungen gehalten oder leben gelassen, aber man hat die Juden alle an einem Ort, man hat sie alle registriert und weiß, wo sie sind. Dann fängt man 1941 an mit diesen Einsatzgruppen, die dann eben hinter der F…Front herziehen, Juden aus den Dörfern zusammentreiben und dann in Massen im Wald erschießen. Aber wie gesagt, das stößt schnell an Grenzen, weil es eben eine sehr brutale, sehr unerträgliche Arbeit ist, selbst für diese teilweise sehr gestandenen Soldaten. Allerdings viele von den Leuten, die da mitmachen müssen, sind auch ganz normale Straßenpolizisten und so. Das heißt, das sind auch keine getrennten. Trainierten Massenmörder. Das funktioniert also nicht. Stattdessen erfindet man eben im Rahmen der Wannsee-Konferenz und so weiter die Vernichtungslager. Das sind insbesondere sechs, Auschwitz, Treblinka, Sobibor, Belzec, Majdanek und Chelmno, in denen industrielle Tötungsmethoden mit Gaskammern und Verbrennungsöfen und so weiter installiert werden, sodass man Juden aus ganz Europa da umbringen kann. Wen bringt man da also um? Das sind eben, wie gesagt, vor allem sechs Millionen Juden, aber es sind auch andere Gruppen dabei. Das betrifft zum Beispiel Sinti und Roma, es betrifft politische Gegner, es betrifft Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen, sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter und noch andere. Das heißt, die Zahl der Opfer dieses Holocaust, die ist ein bisschen höher als diese sechs Millionen Juden, die man immer im Kopf hat, aber das ist eben die Hauptopfergruppe, von denen am meisten Menschen ermordet werden. Man kann aber sagen, es gibt sicher nochmal zwischen… Einige Millionen und bis zu 10 Millionen mehr Menschen, die im Rahmen des NS-Vernichtungskriegs ermordet werden. So ganz genau ist das heute nicht mehr zu beziffern, weil man eben gerade in der Frühphase des Holocaust da nicht besonders genau Buch geführt hat und auch in der Spätphase des Holocaust da sicherlich vieles unter den Tisch gefallen ist. Warum sind…Holocaust und Shoah eigentlich so zentral für diesen Vernichtungskrieg? Wie kommen die Nazis überhaupt auf die Idee, dass sie das machen müssten? Naja, dieser NS-Krieg gegen die Sowjetunion, der wird ja auch als Weltanschauungskrieg angesehen. Da geht es quasi um die Frage, wer Recht hat in der internationalen Zukunft. Wird es ein sozialistisches, demokratisch-liberales oder wie auch immer Modell geben? Oder wird es doch eher ein rassistisches, eben vom NS geprägtes System in der Welt geben? Welche Weltanschauung wird hier gewinnen? Das ist Hitlers Vorstellung davon, was man in diesem Krieg machen will. Und in seiner Logik sind Juden und Bolschewiki, also Juden und Kommunisten, irgendwie eine Gruppe. Er spricht immer von der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung und so ein Zeug. Das ist ziemlich obskur aus heutiger Sicht, aber für ihn ist das ein reales Bündnis, das sich gegen Deutschland verbündet hat. Und deswegen muss man eben die Juden irgendwie aus Europa entfernen und das kann man eben nur, indem man sie im großen Stil umbringt. Und in der Logik Hitlers ist das auch nur möglich, wenn man eben auch zum Beispiel alle Kinder mit umbringt, weil die ja sonst neue Juden werden, die sind ja genauso schlimm wie ihre Eltern waren. Das heißt, hier wird der Massenmord nicht nur an Soldaten, sondern der Massenmord an Zivilisten, Männern, Frauen, Kindern, Alten, einfach an allen Juden rechtfertigt und umgesetzt.
Totaler Krieg
Und als wäre es noch nicht schlimm genug, haben wir jetzt noch den Begriff des totalen Krieges. Was ist denn ein totaler Krieg? Der Unterschied ist, dass man hier darüber spricht, dass nicht mehr nur der Frontkämpfer sozusagen im Krieg steht, sondern die ganze Gesellschaft für den Krieg eingeschränkt.Man kann sich also vorstellen, dass jede Ressource, jede Arbeit, jede Tätigkeit, eine Industrie und so weiter jetzt für die Kriegsführung eingesetzt wird. Die Grenze zwischen Militärkrieg und ziviler Wirtschaft, die verschwinden dann so nach und nach und stattdessen dient eben alles, was in der Gesellschaft passiert, dem Krieg. Und die Nazis treiben das auf die Spitze. Die verwandeln ganze Städte in Waffenproduktionsstätten, zwingen auch die Frauen in die Fabriken und lassen so den Krieg zu einer Art Lebensdauerzustand werden. Es ist nicht nur eine Frage der Organisation. Dieser totale Krieg, der hat auch so eine ideologische Komponente bei Hitler. Da geht es darum, dass die Volksgemeinschaft gemeinsam jetzt darum kämpft, zu überleben. Und in Hitlers Logik ist das ja alles ein Rassenkrieg, der da stattfindet. Die Slaven gegen die Aria und so weiter. Der Holocaust ist in diesem Zusammenhang dann eben auch kein Zufall, sondern ein Teil dieses totalen Kriegs der Rassen. Das heißt, in der Logik Hitlers beschädigt man den Gegner Sowjetunion, indem man die Juden im großen Stil umbringt, weil die ja irgendwie unter einer Decke stecken, in seiner Logik. Im Vergleich zu früheren Kriegen, etwa dem Ersten Weltkrieg, verschwindet hier jede Form von Unterschied zwischen Krieg und Alltag. Die ganze Gesellschaft wird hier zum Schlachtfeld in einem noch viel krasseren Ausmaß, als wir das eben schon im Ersten Weltkrieg, der auch schon teilweise als totaler Krieg gelten kann, gesehen haben. Das war die heutige Folge zum Thema Zweiter Weltkrieg im Rahmen des Schwerpunktthemas 1 fürs Geschichtsabitur.2026. Das sind fünf Kapitel, in die sich dieses Schwerpunktthema gliedert. Der Sowjetkommunismus, die NS-Ideologie, die Herrschaftspraxis des NS, die Herrschaftspraxis Stalins und der Zweite Weltkrieg. Wenn ihr euch auf dieses Thema vorbereitet und die anderen Folgen noch nicht gehört habt, dann hört da gerne nochmal rein, dass ihr euch ein bisschen orientieren könnt. Ihr findet außerdem die Begriffe, die wir in der jeweiligen Folge besprochen haben, immer auch in den Shownotes. Heute gesprochen haben wir über den Zweiten Weltkrieg, den Vernichtungskrieg, den Weltanschauungskrieg, die SS, die Wehrmacht, die Zwangsarbeit, die Endlösung, die Deportation, die Begriffe Holocaust, Shoah und Totaler Krieg. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann gebt sie gerne an Freunde und Bekannte weiter, die sich auch aufs Geschichtsabi dieses Jahr vorbereiten. Und ich freue mich auch über Kommentare und Likes auf den einschlägigen Podcast-Plattformen, damit ich so ein bisschen mitkriege, wer meine Podcasts hört und wie die euch so gefallen und was ich vielleicht verändern, verbessern und so weiter könnte. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.