Abitur 2026 - 2.3 - Entspannungspolitik der 1960er
Hier geht es um den dritten Block des zweiten Schwerpunktthemas 2026. Wir sprechen über
- Friedliche Koexistenz,
- “Kennedy-Impuls”,
- Neue Ostpolitik und
- den Helsinki-Prozess. Reader für das Abitur 2026: https://geschichtslehrer.net/schwerpunkkthemen-fuer-das-abitur-2026/
Willkommen bei geschichtslehrer.net. In diesem Podcast bereiten wir uns kurzweilig und fachkundig auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vor. Heute geht es um die Entspannungspolitik der 1960er Jahre. Das ist der dritte Block des zweiten Schwerpunktthemas fürs Abi 2026. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat der eiserne Vorhang Europa und die Welt in zwei Machtblöcke geteilt, die NATO, angeführt von den USA, und den Warschauer Pakt, angeführt von der UdSSR, der Sowjetunion. Die Kubakrise 1962 war der Höhepunkt dieses Kalten Krieges. Die USA entdeckten, dass die sowjetische Atomraketen auf Kuba stationieren wollten, wenige Meilen von der eigenen Küste entfernt und damit war das eigentlich eine für die USA absolut bedrohliche Situation. Und John F. Kennedy hat damals als amerikanischer Präsident versucht, diese Stationierung blockieren zu lassen, hat das auch erfolgreich durchgesetzt, aber die Welt war zu diesem Zeitpunkt im Prinzip wenige Millimeter von einem Atomkrieg entfernt. Und die Schlussfolgerung, die man daraus gezogen hat, ist, dass man in irgendeiner Weise diese Anspannung zwischen West und Ost auflösen oder minimieren muss, sonst wird hier in absehbarer Zeit ein Atomkrieg auftauchen. Und um den zu vermeiden, haben sich dann eben insbesondere Kennedy und Khrushchev, der Chef der UdSSR, der damals eben Stalin schon abgelöst hatte, versucht in irgendeiner Weise zu arrangieren. Damit beginnt eigentlich die erstePhase der Abrüstung. 1963 gibt es den Atomtest-Stopp-Vertrag, unterzeichnet von den USA, der UdSSR und Großbritannien. Und der verbietet Atomtests in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser. Das heißt, hier ist das Ziel, dass Atomtests nicht mehr in Bereichen durchgeführt werden sollen, wo dadurch die Umwelt zerstört wird. Das ist etwas, was man ganz zentral herausbekommen hat in der Zeit nach der Kubakrise, dass diese Atomtests, die die USA und viele andere Staaten eben durchgeführt haben, dazu führen, dass die Radioaktivitäten der Atmosphäre sehr stark zugenommen hat. Also die Amerikaner haben zum Beispiel im Pazifik riesige Atomexplosionen herbeigeführt, um eben ihre Atombomben zu testen. Und wenig später hat man dann festgestellt, dass das eben die Atmosphäre total vergiftet. Ist uns jetzt heute auch irgendwie nahe, finden wir nicht überraschend. War aber damals natürlich eine Erkenntnis, die dazu geführt hat, dass man sich überlegt hat, man muss das irgendwie ein bisschen in den Griff kriegen. Und nebenher bedeutet es natürlich auch, dass das die nukleare Bedrohung einfach ein Stück reduziert, wenn nicht ständig überall Atombomben getestet werden. Wie könnte man also jetzt nach der Kuba-Krise und der Erkenntnis, dass dieser Atomkrieg relativ bedrohlich vor der Tür steht, wie könnte man da jetzt die Außenpolitik verändern, um das ein bisschen in den Griff zu kriegen, das Problem mit dem Atomkrieg? Die UdSSR und dann Nikita Khrushchev fängt an, den Westen als einen Gesprächspartner auch zu betrachten und versucht insofern ein bisschen Kommunikation und Diplomatie ins Spiel zu bringen. Und da entsteht ein neuer Fachbegriff, nämlich die
Friedliche Koexistenz
Und das ist eine Strategie sowohl von Seiten der Sowjetunion als auch von den USA, aber eben vor allem von Seiten der Sowjetunion, vor allem geprägt von Khrushchev und später auch ein Stück weit von Brezhnev, dass man den Westen nicht militärisch bekämpfen will, sondern dass man ihn durch Diplomatie und wirtschaftliche Zusammenarbeit und so versucht, ins Boot zu holen. Es geht also darum, den Ostblock zu stabilisieren, Zeit zu gewinnen, um die eigene Wirtschaft, die eigene Gesellschaft voranzubringen und so den Wettbewerb auf eine friedliche Ebene zu verschieben. Also weg von dem atomaren Wegrüsten hin zu einer anderen Form des Wettbewerbs. Also macht man was? Man versucht zum Beispiel westliche Politiker zu Gesprächen einzuladen. Das fängt schon ein bisschen vorher an. Zum Beispiel reist Adenauer nach Moskau, aber auch gibt es auf der Weltausstellung in den USA eine Begegnung zwischen Kennedy und Khrushchev, wo man sich darüber unterhält. Das ist die sogenannte Kitchen Debate, weil es in der Küche stattfindet, wo man sich darüber unterhält, wo eigentlich der Lebensstandard höher ist im Westen oder im Osten und wo die Menschen besser leben. Dieser Gedanke, dass das jetzt das neue Wettbewerbsfeld sein sollte und eben nicht der Atomkrieg des Wettbewerbsfelds sein sollte, der wird nach der Kubakrise nochmal deutlich stärker. Und das führt dann eben auch zu einzelnen Lockerungen beim Handel zwischen den Blöcken. Zum Beispiel können jetzt Getreideimporte aus dem einen Block in den anderen Block möglich werden. Aber grundsätzlich kann man schon sagen, diese Idee der friedlichen Koexistenz, das ist kein Frieden. Das ist eher so eine Form von Waffenstillstand.Versuch quasi pragmatisch jetzt die Welt mal vor der absoluten Vernichtung erstmal zu bewahren. Und so ist es keine Form von Lösung des Kalten Kriegs, sondern es ist ein Einfrieren des Kalten Kriegs, so kann man es vielleicht sagen. Also Koexistenz klingt ja auch nicht nach Freundschaft, das heißt ja eher so, man kann nebeneinander her existieren, aber es heißt auch nicht, dass man sich irgendwie zusammentut, sich irgendwie versteht oder sowas. Und dieses Misstrauen, das blieb natürlich da. Also im Westen hatte man weiterhin das Gefühl, die UdSSR will versuchen, den Westblock aufzuweichen, will versuchen, da einzelne Mitgliedstaaten auf ihre Seite zu ziehen, den Zusammenhalt des Westens zu schwächen. Und im Osten wiederum glaubte man, der Westen würde versuchen, die Sowjetunion oder die sowjetischen Staaten so auch eben auseinanderzutreiben, die Sowjetunion auszuhöhlen und so. Das heißt, das Misstrauen des einen gegenüber dem anderen bleibt genau gleich, aber in der friedlichen Koexistenz geht man eben davon aus, der andere hat auch kein Interesse daran, die Welt komplett zu vernichten oder einen Atomkrieg anzuzetteln, also versuchen wir uns da auch zurückzunehmen. Wir haben jetzt den Namen John F. Kennedy schon ein paar Mal erwähnt, weil eben John F. Kennedy einer der wichtigsten Politiker für diese Phase der Entspannungspolitik ist. Und John F. Kennedy ist eben der, der versucht, nach der Kubakrise den Dialog zwischen Ost und West voranzubringen. Das ist eigentlich ein ganz zentraler Kurswechsel nach der McCarthy-Ära in den USA, in der man Kommunisten ganz gezielt versucht hat zu jagen und aus öffentlichen Ämtern zu vertreiben.und so, hat man dann eben unter John F. Kennedy versucht, Gespräche und einen Blick über den Tellerrand zu ermöglichen. Das erkennt man zum Beispiel darin, dass es die sogenannte Hotline jetzt gibt zwischen Washington und Moskau, also eine direkte Telefonverbindung zwischen Weißem Haus und Kreml, wo man im Falle eines drohenden Atomkriegs den anderen Anführer sofort anrufen und erreichen kann, um dann eben über das aktuelle Problem zu sprechen und das nicht militärisch zu lösen. Der Atomteststoppvertrag, den haben wir eben schon besprochen, der so ein Zeichen ist, dass man eben ein Interesse daran hat, die Welt nicht auszulöschen, sondern Atomwaffen zu reduzieren. Und Kennedy ist in dieser Zeit auch einmal dann in Berlin 1963 und da hält er diese ganz berühmte Rede, wo er sagt, ich bin ein Berliner und quasi symbolisch West-Berlin unterstützt. Das heißt, er steht schon als Symbol für den Westen, er stärkt den Westen, er will West-Deutschland eben auch im eigenen Lager halten und dafür hält er eigentlich diese Rede, wo er im Prinzip die Unterstützung Berlins in dieser geteilten Welt… Ausdrücken will. Aber
“Kennedy-Impuls”
ist eben auch kein Vorgehen, das direkt in den Frieden führt, sondern es ist eigentlich ein Versuch, eine vertrauensbildende Politik zu betreiben. Die UdSSR bleibt natürlich skeptisch, weil sie letztlich immer davon ausgeht, dass der Westen eigentlich nur ein Interesse daran hat, den Ostblock zu stabilisieren.zu destabilisieren, die Sowjetunion kaputt zu machen. Aber es führt doch dazu, dass zumindest Khrushchev und Kennedy miteinander in ein Gespräch kommen und das Ganze etwas entschärft wird, dieser ganze Atomkonflikt. Man muss dazu sagen, dass der Kennedy-Impuls kein offizieller historischer Fachbegriff ist, sondern es ist eine zeitgenössische Umschreibung für diese Politik, die Kennedy in den frühen 1960ern gefahren ist. Man kann aber durchaus auch sagen, dass das nichts ist, was dauerhaft hält. Wenig später kommt zum Beispiel die Brezhnev-Doktrin eben unter dem Nachfolger von Khrushchev, der dann entmachtet wird. Und Brezhnev sieht es wiederum dann ganz anders alles. Der ist ein stärker rückwärtsgewandter Politiker. Manche sagen, er ist fast schon ein bisschen ein Stalinist, der so versucht eben wieder mit stärkerer militärischer Gewalt den Ostblock zusammenzuhalten. Das heißt, dieser Kennedy-Impuls ist kein Anfang eines Endes der Sowjetunion, sondern es ist ein Versuch, Osten und Westen ein bisschen näher zusammenzubringen. Jetzt zoomen wir mal ein bisschen rein aus der ganz großen Bühne der Weltpolitik und Osten und Westen und so in die deutsche Politik. Und dort sehen wir, dass Willy Brandt, der 69 zum Bundeskanzler gewählt wird, einen relativ radikalen Kurswechsel im Vergleich zu vorher einleitet. Willy Brandt ist ein Politiker, der eigentlich einen eigenen Podcast verdient hätte. Das ist ein ganz berühmter SPD-Politiker und Kanzler, der im Exil lebte, im Dritten Reich und dort eben auch geprägt ist. Der heißt auch eigentlich gar nicht Willy Brandt, sondern es ist eher so ein Kampf- und Tarnname, den er dann behält.Wer sich dafür interessiert, der kann ja mal nachlesen. Das ist wirklich eine ganz faszinierende Figur, dieser Willy Brandt. Jedenfalls wird der 1969 Bundeskanzler und pflegt eine ganz andere Politik als sein Vorgänger. Denn er kommt zum Beispiel zu einem Zugeständnis, dass die DDR ein eigenständiger Staat ist. Das wird von der Bundesrepublik bis dahin immer bezweifelt. Aber er erkennt nun an, dass die DDR auch als Staat funktioniert, dass man mit der auch diplomatische Beziehungen haben darf und sowas. Das ist also ein ganz grundsätzlicher Wechsel zu vorher, wo man immer nur so von der Ostzone oder sowas gesprochen hat im Westen, also nicht anerkannt hat, dass das auch ein rechtmäßiger Staat sei. Dazu kommt dann ein grundsätzliches Interesse an Abrüstung und Dialog mit dem Osten. Zum Beispiel verabschiedet Willy Brandt in einem Vertrag mit Polen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze, also die Anerkennung der Grenze zwischen Deutschland und Polen, die nach dem Zweiten Weltkrieg dann galt. Und diese Grenzanerkennung, die erkennt eben auch an, dass Deutschland die Gebiete, die heute zu Polen gehören, nicht mehr zurückhaben will und auch gar keinen Anspruch mehr darauf erhebt. Und das ist eine ganz große Änderung zu vorher. Denn bis dahin hatten vertriebenen Verbände, die insbesondere in der CDU tiefe Wurzeln hatten, die haben immer dagegen gearbeitet, dass man diese Grenze anerkennt, weil man ja gesagt hat, das waren ja unsere Gebiete, die Vertriebenen aus Polen, die hatten dann Interesse daran, dass das irgendwie nicht aufgegeben wird. Wohingegen die Regierung natürlich dann dadurch ständig Konflikt mit Polen hatte und das war natürlich was, was man eigentlich nicht wollte. Und so kommt Willy Brandt dazu, dass er mit Polen versucht,so ein Stück weit Aussöhnung zu finden. Das nennen wir dann die
Neue Ostpolitik
In den Kontext Polen gehört eben auch Willy Brandts Kniefall in Warschau, wo er eben von dem Warschauer Ghetto niederkniet bei so einem Festakt und dadurch symbolisch die Schuld Deutschlands an den krassen Verbrechen und den krassen Entbehrungen der Polen im Zweiten Weltkrieg anerkennt. Auch das ist ein Schritt, der natürlich eigentlich nichts kostet, der aber symbolisch sehr stark die Verantwortung für all diese Verbrechen übernimmt und dadurch die Beziehung zwischen Polen und Deutschland, Westdeutschland, die sehr, sehr angespannt war, ganz stark verändert. Dieser Kniefall von Willy Brandt ist in der Zeit für die Polen ein riesiges Signal der Versöhnung und des Zusammenkommens aus der westdeutschen Richtung. Ja, wie gut klappt die neue Ostpolitik, wie gut sind tatsächlich die Effekte? Naja, sie entspannt natürlich erstmal das Verhältnis zwischen West und Ost oder zwischen DDR und BRD und sie ermöglicht einen zunehmenden Austausch. Man kann auch sagen, dass
den Helsinki-Prozess
also der KSZE-Prozess, ein Stück weit eine Folge dieser neuen Ostpolitik ist. Also der Versuch sozusagen zwischen Sowjetunion und USA oder zwischen West und Ost zu vermitteln und immer weiter abzurüsten, der ist durchaus auch befördert worden durch diese neue Ostpolitik von Willy Brandt. Aber natürlich…Schafft es Willy Brandt nicht, den Osten grundsätzlich zu verändern, sodass es ein menschlicheres Regime wird. Das ist ja nach wie vor ein Staat, der unter einer Diktatur regiert wird. Die DDR bleibt auch eine Diktatur. Es gibt einzelne Reformen, die dann schnell wieder zurückgenommen werden. Es gibt auch einige Aufstände im Ostblock, die in dieser Zeit dann niedergeschlagen werden. Der berühmteste ist der Prager Frühling, der 1968 mit militärischer Gewalt niedergeschlagen wird. Und die DDR steht hinter dieser Niederschlagung völlig mit dahinter. Das heißt, die neue Ostpolitik, die löst nicht das Problem, dass die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten da im Wesentlichen alles Diktaturen sind, die sich mit Gewalt an der Macht halten und ihre Bevölkerung weitgehend unterdrücken. Nun kann man sich trefflich darüber streiten, wie erfolgreich eigentlich diese neue Ostpolitik war. Denn man kann natürlich argumentieren, die ermöglichte mehr Freizügigkeit zwischen Ost und West, sie reduzierte die Kriegsgefahr, sie reduzierte die Gefahr eines atomaren Krieges, sie reduzierte das Interesse der beteiligten Staaten am Wettrüsten, teilzunehmen und so weiter. Man kann aber auf der anderen Seite gleichzeitig auch sagen, diese neue Ostpolitik war eigentlich ein Schritt zur Stabilisierung der Regime im Osten, insbesondere des SED-Regimes, weil durch diese Kontaktaufnahme, diese Normalisierung des Verhältnisses, die Anerkennung der Staatlichkeit mehr oder weniger der DDR, dass man dadurch eigentlich die SED unterstützte, die Diktatur in der DDR dadurch stabilisierte. Und das wäre natürlich deswegen ein Problem, weil das ja dann bedeuten würde, dass die Wiedervereinigung Deutschlands…verzögert hat oder auf die lange Bank geschoben hat. Jetzt muss man auch sagen, dass Willy Brandt mit Sicherheit nicht geglaubt hat, dass eine Wiedervereinigung in naher Zukunft möglich ist und deswegen diese Stabilisierung der Verhältnisse und die Entspannung des Verhältnisses zur DDR angestrebt hat. Für ihn war das klar, dass eine Wiedervereinigung so in naher Zukunft nicht möglich sein wird und deswegen könnte man dann ja mit der DDR zumindest versuchen, vernünftig auszukommen. Aber dies ist ihm natürlich auch ein Stück weit als Verrat sozusagen an der Idee eines geeinten Deutschlands vorgeworfen worden, sodass also diese Neue Ostpolitik immer eine zwiespältige Sache war, die in der deutschen Öffentlichkeit nicht nur positiv gesehen wurde. Den Helsinki-Prozess, den habe ich eben schon einmal kurz angeschnitten, über den werden wir jetzt noch ein bisschen sprechen. Den Helsinki-Prozess, den nennt man auch den KSZE-Prozess, das ist eine Abkürzung für Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, KSZE. Und diese KSZE oder dieser Helsinki-Prozess, das ist der Versuch, eine neue Stufe in der Entspannungspolitik zu erreichen. 1973 treffen sich zahlreiche Staaten aus Ost und West in Helsinki, eben in Finnland, weil dieses Land eben so mehr oder weniger blockfrei ist. Und dort unterzeichnen diese Staaten dann ein Abkommen, das die Entspannungspolitik befördern soll. Und dieses Abkommen enthält drei wichtige Dinge. Zunächst mal vereinbart man die territoriale Integrität der Staaten zu achten. Das heißt, man akzeptiert, dass die Staaten jetzt so sind, wie sie sind.Man will keine Kriege um Grenzänderungen mehr führen. Zweitens einigt man sich darauf, die Menschenrechte in allen beteiligten Staaten zu achten, zum Beispiel die Meinungs-, die Presse-, die Religionsfreiheit und sowas. Das ist ein Artikel, der natürlich aus Sicht der Sowjetunion oder der DDR ganz erhebliches Strengpotenzial birgt, denn bis dahin wurde Meinungsfreiheit in der DDR zum Beispiel ja nicht garantiert, sondern im Gegenteil relativ krass unterdrückt. Und das wird nochmal ein Pferdefuß dieses Vertrags aus Sicht der Sowjetunion werden. Und drittens vereinbart man Zusammenarbeit in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Das ist also ein jahrelang vorbereiteter Prozess, der letztlich dazu führt, dass diese zwei Blöcke zunehmend zusammenarbeiten können. Und aus Sicht des Westens war vor allem die Achtung der territorialen Integrität ein Stück weit etwas, was man schlucken musste, weil man natürlich dann jederzeit illegal gehandelt hätte, wenn man nochmal Krieg um Territorium geführt hätte. Während aus Sicht des Ostens diese Achtung der Menschenrechte etwas war, was man eigentlich nicht so gerne unterschreiben wollte, weil man ja wusste, was es bedeuten würde, Meinungsfreiheit zu garantieren. Und man kann durchaus auch argumentieren, dass diese Garantie der Meinungsfreiheit in der KSZE-Schlussakte im Helsinki-Abkommen eigentlich… Aus Sicht der Sowjetunion ein riesiger Fehler war, weil davon fühlten sich natürlich Dissidenten, also Regimekritiker, ganz stark bestärkt.deutlich unterstützt, weil das ja bedeutete, dass der eigene Staat, die Sowjetunion oder die DDR, ein Dokument unterschrieben hat, einen Vertrag unterschrieben hat, wo drin stand, jeder darf seine Meinung frei äußern. Und wieso dürfen wir denn das jetzt nicht? Wir leben doch hier in diesem Staat, der das gerade unterschrieben hat. Das heißt, dieser Helsinki-Prozess, der unterstützt die Dissidentenbewegung in den Ostblockstaaten, Und das ist etwas, was die Sowjetunion und die DDR sehr, ich will nicht sagen überrascht hat, aber was doch ihnen nicht gerade entgegenkam. Wie erfolgreich war denn nun die Entspannungspolitik in den 1960er Jahren? Naja, sie ist ein Stück weit natürlich gescheitert, weil sie eben nicht zu einem grundsätzlichen atomaren Abrüsten geführt hat, weil beide Seiten natürlich weiterhin fürchteten, der andere wolle die jeweilige Position ausnutzen. Es herrscht ein großes Misstrauen zwischen den beiden Blöcken. Im Westen blieb die militärische Abschreckung ein ganz zentrales Thema der Politik, zum Beispiel erkennbar im NATO-Doppelbeschluss von 1979. Im Osten dagegen haben wir eine ganz klar weiterhin repressive Politik. Im Rahmen der Brezhnev-Doktrin werden Reformen innerhalb der UdSSR massiv unterdrückt, auch mit militärischer Gewalt, sodass wir auch hier sagen können, dass die Neu-Ost-Politik zwar kleine Schritte vorangebracht hat, aber eben doch zugleich auch nichts daran geändert hat, dass der Osten ein repressives Regime blieb im Großen und Ganzen. Wirtschaftlich war die Neue Ostpolitik aber schon eine…Eine Politik in einer Zeit, in der schon erkennbar war, dass der Westen technisch und wirtschaftlich dem Osten überlegen war, die UdSSR bei vielen Aspekten nicht mithalten konnte. Darüber werden wir beim nächsten Mal noch sprechen, wenn es um den Zusammenbruch des Ostblocks und seine Gründe geht. Zugleich kann man aber auch sagen, die Neuostpolitik hatte schon ihre Erfolge. Die gegenseitige atomare Abschreckung, die funktionierte nach wie vor. Keine Seite wagte einen Erstschlag, weil beide wussten, dass der Gegner zurückschlagen würde. Stichwort mutually assured destruction, gegenseitig abversicherte Zerstörung sozusagen. Und die Diplomatie der neuen Ostpolitik schuf neue Spielräume in der Außenpolitik, die es sonst eben nicht gegeben hätte. Auch wenn die Verträge nicht perfekt umgesetzt wurden, gab es dadurch dann doch eben Raum für Dialoge zwischen den Staaten, zum Beispiel die Assault-Verträge in den 70ern. Das war die dritte Folge zum Schwerpunktthema 2 im Abitur 2026. Es ging um die Entspannungspolitik der 1960er Jahre in West- und Osteuropa. Wir haben gesprochen über die friedliche Koexistenz, den Kennedy-Impuls, die neue Ostpolitik und den Helsinki-Prozess. Wenn ihr euch fürs Abitur fürs Schwerpunktthema 2026 fürs zweite Schwerpunktthema vorbereitet, dann hört gerne auch die anderen Folgen dazu. Es sind insgesamt fünf Stück. Und auch zum Schwerpunktthema 1 gibt es fünf Folgen, die man sich anhören kann, um sich ein bisschen vorzubereiten aufs schriftliche Abitur. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann gebt sie gerne an eure Freunde und Bekannten weiter, die ebenfalls in einem Geschichte-Leistungskurs sitzen und sich aufs Abitur vorbereiten.Ich freue mich insbesondere über jeden Hörer, den ich in meinen Analytics sehe und der einen Kommentar abgibt, weil ich dann weiß, dass Leute die Podcasts hören und das was bringt, was ich hier mache. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir trocken.