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Abitur 2026 - 2.4 - Zusammenbruch des Ostblocks

Staffel 3, Folge 09 30.03.2026 00:35:25
Fachbegriffe: StrukturwandelInnovationsdefizitStaatsverschuldungRüstungswettlaufVersorgungskriseUmweltverschmutzungLegitimitätskriseEntspannungspolitikPerestroikaGlasnostSinatra-DoktrinSolidarnoscBürgerbewegungAusreisebewegung"Friedliche Revolution" und"Samtene Revolution"

Heute geht es um den vierten Block des Schwerpunktthema 2 für das Abitur 2026, den Zusammenbruch des Ostblocks. Wir reden über

  • Strukturwandel,
  • Innovationsdefizit,
  • Staatsverschuldung,
  • Rüstungswettlauf,
  • Versorgungskrise,
  • Umweltverschmutzung,
  • Legitimitätskrise,
  • Entspannungspolitik,
  • Perestroika,
  • Glasnost,
  • Sinatra-Doktrin,
  • Solidarnosc,
  • Bürgerbewegung,
  • Ausreisebewegung,
  • “Friedliche Revolution” und
  • “Samtene Revolution”. Reader für das Abitur 2026: ⁠https://geschichtslehrer.net/schwerpunkkthemen-fuer-das-abitur-2026/⁠

Willkommen bei geschichtslehrer.net. In diesem Podcast bereiten wir uns kurzweilig und fachkundig auf Klassenarbeiten und das Abitur im Fach Geschichte vor. In dieser Folge geht es konkret um das Schwerpunktthema fürs Jahr 2026, das zweite Schwerpunktthema die Herausbildung einer postindustriellen Zivilgesellschaft in West- und Osteuropa nach 1945, auf gut Deutsch um den Kalten Krieg und was danach kommt. Und in dieser Folge, Teil 4 davon, geht es um den Zusammenbruch des Ostblocks. Schön, dass ihr heute dabei seid. In den 1980er Jahren da leidet die Sowjetunion unter so einigen Problemen und die werden nachher ja dann auch zu ihrem Zusammenbruch mit hinführen. Wer ist überhaupt die Sowjetunion? Die Sowjetunion, die bezeichnet zunächst mal insgesamt sozusagen den ganzen Ostblock, also alle diese Staaten, die sich in sozialistischen Gesellschaften organisiert haben nach dem Zweiten Weltkrieg. Aber man spricht auch eben ganz gezielt von Russland als der Sowjetunion, wenn man sozusagen das Kernland Russland meint, das die Herrschaft über die Sowjetunion ein Stück weit besitzt. Ansonsten gehören zu diesem Ostblock aber eben auch die DDR, Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien, Rumänien. Das heißt, es sind zahlreiche Staaten Osteuropas, eben alles, was sozusagen östlich von der DDR liegt, im Wesentlichen inklusive der DDR, das sind die Staaten, die eben zum Ostblock gezählt werden. Diese Staaten des Ostblocks, die haben alle eben diese Ideologie der Sowjetunion angenommen nach dem Zweiten Weltkrieg, überwiegend durch Zwang. Zum einen sind sie planwirtschaftlich organisiert, zum anderen gibt es dort eine Einparteienherrschaft einer Kommission.Es besteht so eine Art Diktatur des Proletariats, wie auch immer man das dann definieren möchte. Und sie sind alle zusammengeschlossen im Warschauer Pakt als militärisches Bündnis, das sozusagen diesen Ostblock beschützen soll. Wirtschaftlich gesehen kämpfen diese Planwirtschaften des Ostens alle mit Problemen, die mit dem

Strukturwandel

zu tun haben. Also es sind veraltete Industrien, haben einen Mangel an Innovation, da gibt es nicht viel Neues, da gibt es nicht viel moderne Technologien. Auf der politischen Seite gibt es dort Schwierigkeiten, weil es eben sehr repressive Regimes sind, die durch die Geheimdienste unterdrückt werden, wie zum Beispiel durch die Stasi im Fall der DDR. Es gibt eine Zensur der Presse, es gibt keine Meinungsfreiheit. Und diese Probleme, die führen eben in den 1980er Jahren zunehmend zu Schwierigkeiten, die der Staat nicht mehr so einfach unterdrücken kann. Wenn wir zum Beispiel nach Polen gucken, dann wird dort in den 1980ern die Solidarnosc gegründet, eine Gewerkschaft, die mehr ist als nur eine Gewerkschaft, sondern die zugleich auch eine Opposition ist. Und diese Gewerkschaft Solidarnosc, die wird nachher zu einem ganz zentralen Faktor im Zusammenbruch des Sozialismus in Polen. Aber auch die Sowjetunion selber, die ist ein Teil des Problems, denn die Sowjetunion hat eben im Rahmen der Brezhnev-Doktrin lange, jahrelang wieder eine deutlich repressivere Linie gefahren, hat versucht, die Bevölkerung und die Gesellschaft wieder stärker an die Leine zu nehmen, zu unterdrücken. Und auch das führt dazu, dass sozusagen die Erinnerung an Khrushchev’s Tauwetterpolitik, also derdessen Eröffnung der Gesellschaft jetzt als sozusagen eine Erinnerung da ist, die unter Brezhnev dann als sozusagen Vorbild dafür dient, dass man eben Widerstand gegen dieses System leisten kann, weil es eben sehr repressiv ist im Vergleich zu vorher. Beginnen wir mit dem Strukturwandel. Was ist denn das überhaupt? Und das Strukturwandel versteht man, wenn sich halt die Strukturen verändern. Ja, Überraschung. Gemeint ist damit aber ein wirtschaftlicher Aspekt. Das heißt, wenn in der Wirtschaft sich Dinge verändern, Produkte nicht mehr so wichtig sind, andere Produkte wichtiger werden, dann ist das Strukturwandel. Das beste Beispiel haben wir jetzt gerade in der Welt, die Erfindung der KI oder das immer stärker werden von KI führt dazu, dass eine ganze Reihe von Berufen nicht mehr nötig ist oder sehr viel weniger gebraucht wird. Die KI-Bedienung stattdessen viel wichtiger wird. Das heißt, die Jobs gehen deutlich weg von klassischen Berufen, die man im Büro vollzogen hätte, weil diese Jobs zum Großteil von KI sehr gut gemacht werden können, hin dazu, dass die Leute stattdessen eben so eine KI gut bedienen können müssen, weil die Produktivität, die sie dadurch erreichen können, ein Vielfaches von dem ist, was sie vorher alleine gemacht haben. Das kann man zum Beispiel auch in der IT-Branche gut zeigen. Viele kleine Aufgaben, an denen früher viele Dutzende Entwickler dran gesessen haben, die kann man heute auf wenige Schultern verteilen, die einfach mithilfe von der KI sehr schnell Sachen programmieren können, die dann auch brauchbar funktionieren. Das ist Strukturwandel, wenn eben eine alte Industrie oder eine alte Wirtschaftsbrancheverschwindet, weil sie nicht mehr so wichtig ist durch Neuerungen, durch neue Technologien und dann andere wichtiger werden. Das kann man im Ostblock zum Beispiel bei der Industrie nachweisen. Da wird die alte Schwerindustrie zunehmend abgelöst von Elektronikindustrie. Die 1980er sind eine frühe Phase des Computerzeitalters, wo also Elektronik immer wichtiger wird, während aber in der DDR noch ein großer Stil Schwerindustrie steht. Das heißt, so Zeug, das quasi Stahl gießt und sowas. Das heißt, die DDR ist wirtschaftlich deutlich abgehängt und versucht dann immer hinterher zu rennen, fördert dann mit unglaublich viel Geld die Entwicklung von Computerchips in der DDR, es rennt aber trotzdem immer den Amerikanern ein bisschen hinterher, ist also immer technologisch abgehängt. Und wer sich mit Computerchips auskennt, der weiß, dass ein zwei Jahre alter Computerchip schon nicht mehr konkurrenzfähig ist auf dem Weltmarkt. Das ist Strukturwandel, der da stattfindet und der ein Problem ist. Warum ist das in der Sowjetunion und in den Staaten des Ostblocks ein besonders großes Problem? Na klar, da gibt es ja Planwirtschaft. Das heißt, der Staat plant fünf Jahre im Voraus die Wirtschaft durch. Und wenn der Plan vorsieht, dass man eben weiterhin auf Schwerindustrie setzt, dann kann man eben nicht dem aktuellen Markttrend folgen. Und das bedeutet, dass die eigenen Firmen zunehmend abgehängt werden und nicht mehr konkurrenzfähig sind auf dem Weltmarkt. Es gibt auch keine Anreize für Forschung und Entwicklung, für Innovation, weil man damit ja gegen den Plan quasi verstoßen würde, wenn man als normaler Mitarbeiter in Unternehmen… Irgendwas Neues vorschlägt, irgendwelche neuen Produkte vorschlägt, die in der Planwirtschaft nicht vorgesehen sind, dannLäuft man dagegen eine Glaswand, weil die Leute einfach einen das nicht machen lassen, weil das nicht geht, ist es nicht vom Staat vorgesehen, man kriegt darauf einen Deckel vom Staat, wenn man vom Plan abweicht. Und so ist das dann halt. Das heißt, diese Bürokratie der Planwirtschaft, die blockiert jede Form von Flexibilität von wirtschaftlicher Innovation. Gleichzeitig setzt der Westen zunehmend auf Hightech- und Dienstleistungsgesellschaften. Der Osten bleibt im Wesentlichen in dieser industriellen Phase der Wirtschaft zurück. Also man kann vielleicht sagen, der Westen entwickelt sich hin zu einer postindustriellen Gesellschaft, während der Osten in der Industriegesellschaft hängen bleibt. Verbunden mit diesem Strukturwandel oder einer der Gründe für den Strukturwandel, der in der Sowjetunion nicht gut funktioniert, ist das

Innovationsdefizit

. Darüber haben wir gerade schon gesprochen, dass in Planwirtschaften ja grundsätzlich Forschung und Entwicklung erstmal behindert wird durch staatliche Maßnahmen. Wenn der Staat vorgibt, dass bestimmte Dinge produziert werden sollen, dann gibt es kein großes Interesse, keine großen Anreize, neue Dinge zu erfinden oder zu produzieren. Und so haben wir zunächst mal keinen echten Wettbewerb und auch keine Innovation im Ostblock. Dann kommt dazu der

Rüstungswettlauf

mit den USA, der jede Menge Ressourcen verschlingt, nicht nur in Form von Geld, sondern auch in Form von Rohstoffen. Das heißt, dieser ständige Rüstungswettlauf, der führt dazu, dass jede Menge Energie in diesen Rüstungssektor gesteckt wird, die nicht gesteckt werden kann in Forschung, Entwicklung, Innovation und so weiter. Das heißt, die DDR zum Beispiel hat eine uralte Konsumgüterindustrie, die lauter Sachen produziert, die in der DDR keinem mehr entsprechen.interessieren, während der Westen die coolen Sachen produziert, die man eigentlich haben will. Das ist eine klassische Form von Innovationsdefizit und Strukturwandel, wo eben die DDR deutlich abgehängt war. Mit diesem Innovationsdefizit und dem Strukturwandel wiederum verbunden ist eine erhebliche

Staatsverschuldung

des Ostblocks. Denn der Ostblock muss ja irgendwie trotzdem weiter funktionieren. Er muss ja seine Bürger auch zufriedenstellen. Schließlich ist der Anspruch der Sowjetunion ja immer schon gewesen, dass er angeblich den Menschen ein besseres Leben ermöglicht, als es der Kapitalismus tut. Die Idee war immer, dass wir hier im Paradies leben. Und das musste man irgendwie auch realisieren. Und wie konnte man das machen? Naja, man konnte halt staatlich bestimmte Produkte billiger machen. Zum Beispiel Brot wurde schon immer von der DDR subventioniert, das war sportbillig. Oder Wohnungsbau oder oder oder. Und das bedeutet aber, dass man dieses Geld ja nicht aus den Sachen nicht einfach nur billig machen kann, sondern irgendwer muss die ja bezahlen. Und das heißt, der Ostblock bezahlt mit Staatsfinanzen jede Menge Subventionen für Produkte, die dann im Inland irgendwie funktionieren sollen. Wie macht man das? Naja, man leiht sich zum Beispiel Geld. Die DDR hat zum Beispiel jede Menge Kredite bei der BRD aufgenommen. Also Ostdeutschland lieh sich jede Menge Geld beim Westen und war dadurch hoch verschuldet, aber wurde so natürlich auch wirtschaftlich bei der Stange gehalten und war in der Lage, weiterhin die Sachen so anzubieten, dass die Leute sich das leisten konnten. Das führte also zu einer ziemlich starken Abhängigkeit vom Westen und zugleich zu einer Unfähigkeit, sich selbst zu reformieren, weil ja keine sozusagen Krise stattfand, die…die dazu geführt hätte, dass man das System ja grundsätzlich hätte infrage stellen müssen, weil man es sich ja immer noch leisten konnte, weil das System ja noch funktionierte, wenn auch nur auf der Basis dieser Kredite. Man muss auch dazu sagen, dass die… Dass die westdeutsche Regierung sich schon im Klaren war, was man da macht, dass man die DDR ein Stück weit stabilisiert, dass man also dieses System im Osten, das man eigentlich für illegitim hält, am Leben hält durch diese Kredite. Aber auf der anderen Seite war man halt auch der Meinung, man hält damit eben auch die Bevölkerung am Leben und schafft denen eine sinnvolle, vernünftige, gute Lebensgrundlage. Und das war ja auch was, wofür man sich zuständig fühlte. Die westdeutsche Regierung hat sich immer auch als einen Vertreter auch der Ostdeutschen gesehen, also der ostdeutschen Bevölkerung insbesondere, weil man der Meinung war, das sind ja auch Deutsche, die gehören eigentlich ja auch immer noch zu uns. Und deswegen entstehen da diese Kreditgeschäfte, die letztlich dazu führen, dass die DDR eigentlich schon lange pleite ist und trotzdem immer noch Kredite bei der BRD aufnehmen kann, so ein bisschen als sozusagen Geschenke, die das Land am Leben halten. Über den Rüstungswettlauf haben wir vorhin schon gesprochen, oder vor zwei, drei Tagen schon gesprochen, als wir die Grundstrukturen des Kalten Kriegs besprochen haben. Und der Rüstungswettlauf spielt natürlich auch eine zentrale Rolle beim Ende des Ostblocks, denn dieser Rüstungswettlauf kostet ein wahnsinniges Geld. Und dieses wahnsinnig große Geld, das da verschlungen wird, das ist natürlich nicht da, um die Gesellschaft zufriedenzustellen, um die Wirtschaft voranzubringen und so weiter. Wenn man sich die Militärausgaben anguckt, die in der Sowjetunion getätigt werden, dann sind die abst.Die USA bezahlen ungefähr 5-6% ihres Bruttoinlandsprodukts jedes Jahr als Militärausgaben in der Zeit des Kalten Krieges. Die Sowjetunion dagegen 15-20%. Das heißt, im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt gibt die Sowjetunion viermal so viel Geld für ihre Armee aus wie die USA. Das bedeutet, das ist letztlich ja Geld, das ist totes Geld, das liegt halt rum und ist dann weg. Militärausgaben sind, solange kein Krieg geführt wird, immer einfach nur eine eigentlich tote Ausgaben, die im Nichts verschwinden. Man braucht sie trotzdem, um sich natürlich zu schützen und sozusagen den Gegner auch im Bewusstsein zu lassen, dass man nicht angreifen darf. Aber letztlich ist jedes Gewehr, das man für einen Soldat kauft, nach zehn Jahren dann veraltet oder verrostet, ist dann Schrott. Das ist eigentlich Geld, das wirtschaftlich nicht hilfreich ist. Und während das in den USA eben 5% des BIP sind, sind es in der Sowjetunion zwischen 15 und 20 und damit um ein Vielfaches höher. Gleichzeitig hat die Sowjetunion ein ganz erhebliches Problem, denn sie nimmt sich einen Feldzug in Afghanistan vor, wo sie zehn Jahre lang zwischen 1979 und 1989 einen Krieg führt, der ganz erheblich Geld verschlingt, Soldaten verschlingt und letztlich auch schief geht. Der Afghanistan-Krieg geht nicht in dem Sinne aus, dass die Sowjetunion sich stabilisieren kann. Die Amerikaner unterstützen auch fleißig die Gegenseite, das sind die Taliban, mit denen man heute Stress hat. Und daraus entsteht im Prinzip sowohl ein riesiger Prestigeverlust, aber also auch ein Kostengrab für die Sowjetunion. Die USA indessen sind immer weiter auf dem Weg voran.geht es denen ganz gut wirtschaftlich und militärisch und die UdSSR, die versucht da eben mitzuhalten und macht damit immer noch weitere Schulden. Der Rüstungswettlauf ist also eigentlich ein doppelter Fluch. Auf der einen Seite verschlingt er jede Menge Ressourcen, die in der Wirtschaft dann fehlen und beweist auf der anderen Seite gleichzeitig, dass das System militärisch völlig überfordert ist, weil es eben so viel Geld dafür ausgeben muss, dass das System dann nichts anderes mehr mit dem Geld machen kann, dass letztlich das System fast pleite ist aufgrund dessen, was es nur allein fürs Militär schon ausgeben muss. In dieser ganzen Mangel- und Chaoswirtschaft des planwirtschaftlichen Agierens des Ostblocks, da bekommen wir dann auch eine ganze Reihe von echt spürbaren Folgen für die Bevölkerung. Zunächst mal haben wir die sogenannte

Versorgungskrise

. Das ist also eine Krise, in der es einfach an allen möglichen Sachen mangelt, mit denen man sich nicht versorgen kann. Wie kommt sowas zustande? Naja, zunächst mal haben wir immer noch Planwirtschaft. Das heißt, wenn irgendwas nicht richtig geplant wurde und wie soll jemand sozusagen staatlich ausrechnen, was fünf Jahre lang wirtschaftlich in einem riesigen Territorium, wie das so wirklich nötig ist, man kann ja argumentieren, das geht ja gar nicht. Dadurch gibt es immer wieder einen Mangel an irgendwelchen grundsätzlichen Sachen. Klassisch hat man sich immer lustig gemacht darüber, dass es in der DDR keine Bananen gab, obwohl das alle haben wollten. Aber es sind eben immer wieder so Dinge, die man nicht kaufen kann, die man nicht besorgen kann, weil es die halt einfach nicht gibt, weil sie nicht ausreichend produziert werden, weil die in der Planung der DDR eben nicht vorgesehen waren in der Menge, wie man es tatsächlich am Ende gebraucht hat. Menschen sind halt leider keine Maschinen, die kann man halt leider nicht so ausrechnen, wie sich das die Planwirtschaft vorgestellt hat. Und wenn die Menschen bestimmt…Dinge kaufen wollen und es gibt sie nicht, dann sorgt das für schlechte Laune. Das ist die Versorgungskrise. Dazu kommt aber das Problem, dass man nichts importieren kann. Man könnte ja manche Sachen aus dem Westen kaufen. Aber es geht halt dann doch nicht, weil die DDR oder die Sowjetunion insgesamt ja doch einen großen Mangel an Devisen haben. Die haben nicht viel ausländische Währungen und können eben deswegen nicht im Ausland beliebig viel einkaufen, denn ihre Währung selber ist relativ schwach, sie sind wirtschaftlich relativ schwach und so haben sie keine Möglichkeit, aus dem Westen Sachen zu kaufen, weil sie müssten ja dann im Tausch irgendwas haben, was die Firmen im Westen interessiert, was die haben wollten dafür und das wird schwierig. Die Folge ist also, es gibt lange Schlangen vor den Geschäften, es gibt einen Schwarzmarkt, es gibt ein hohes Maß an Korruption. Letzten Endes sind also die Möglichkeiten der Menschen, sich im Osten mit Sachen einzudecken, die sie haben wollen, nicht so groß. Und man nimmt jeden Tag immer mehr wahr, dass es eben viele Dinge nicht gibt, die im Westen selbstverständlich sind, zum Beispiel volle Supermarktregale. Und das ist was, was natürlich die Legitimität der Regierung ganz direkt angreift, wenn die Leute merken, bei uns gibt es ja nichts, wir können uns nicht das leisten, was wir gerne hätten. Wie kann denn das sein, dass es das bei uns nicht gibt? Da muss wohl die Regierung irgendwas falsch gemacht haben. Und dieser Gedanke, der führt dann nachher in die

Legitimitätskrise

. Aber vorher reden wir noch über die Umwelt. Denn die

Umweltverschmutzung

ist etwas, was ebenfalls in der DDR in den 1980er Jahren immer deutlicher zu erkennen ist. Wir haben schon gesagt, die Länder des Ostblocks setzen immer noch im hohen Stil auf Schwerindustrie und auch auf Chemieindustrie. Und diese…Industrien, die erzeugen bekanntlich ein besonders großes Maß an Umweltverschmutzung. Und in der DDR gibt es eine Tradition, das alles unter den Teppich zu kehren, damit es bloß keiner mitkriegt, weil die Regierung, die macht ja alles richtig, die Partei, die Partei, die hat immer recht und so. Und so versucht man eben diese Umweltkatastrophen möglichst diskret zu behandeln. Gleichzeitig gibt es aber auch kaum Umweltschutzgesetze, die irgendwie die Firmen dazu zwingen würden, umweltgerecht zu agieren. Was passiert jetzt außerdem noch? Es gibt die Braunkohle, das ist eine der wichtigsten Energiequellen der DDR. Dort wird im Braunkohletagebau jede Menge von dem Zeug abgebaut. Das ist aber eine riesige Umweltkatastrophe, wenn man Braunkohle abbaut. Und so entstehen ganz extreme Umweltkatastrophen. Ein Beispiel dafür ist das Chemiedreieck in Bitterfeld, wo ein großes Chemie-Konglomerat sitzt. Und Bitterfeld wird ein absolutes Desaster der Umweltverschmutzung. Da kann man quasi die Chemikalien direkt aus dem Grundwasser rausholen, wenn man so will. Es gibt eine extreme Luftverschmutzung, die Leute werden krank und das wird bekannt. Durch eine, sagen wir mal, Underground-Journalismus-Aktion gibt es dann ein Video davon, das in den Westen geschmuggelt wird, dort vervielfältigt wird, im Osten dann wieder verteilt wird, illegal. Und daraus entstehen am Ende Mastenproteste der Bevölkerung, die letztlich dazu führen, dass diese Sauereien in der Umweltverschmutzung immer bekannter werden. Und das ist natürlich auch wieder was, was im Osten ganz schlecht ankommt. Denn die Bürger erfahren jetzt, dass die Regierung ihr Land und ihre Natur kaputt macht, ihre Lebensumstände quasi kaputt macht.und darüber nicht spricht, sondern im Gegenteil, das versucht unter den Teppich zu kehren, das zu verschleiern. Und das ist natürlich was, was auch wieder die Legitimität der Regierung direkt in Frage stellt, wenn die solche Sachen macht mit dem Land und den Bürgern, die eigentlich ihr anvertraut sind. Und damit sind wir beim Begriff der Legitimitätskrise. Legitimität heißt sowas wie Berechtigung und damit ist die Legitimitätskrise also eine Krise, in der der Verlust der Glaubwürdigkeit der Herrschenden droht. Das heißt, die Regierung verliert ihren Anspruch oder die Glaubwürdigkeit ihres Regierungsanspruchs. Wie kann das sein? Naja, wir haben schon gesprochen über den wirtschaftlichen Bankrott des Ostblocks, dass also durch Strukturwandel, Innovationsdefizit und Staatsverschuldung diese Staaten eigentlich wirtschaftlich am Boden liegen. Wir haben auch eine schwindende Angst vor Repressionen, eben weil das System weniger krass repressiv ist. Darüber reden wir gleich noch, wenn es um Glasnost und Perestroika geht. Und wir haben natürlich auch diese Erkenntnis der Problematiken in der Bevölkerung, die Versorgungskrise und die Umweltverschmutzung, die ganz offen darlegen, dass die Regierung nicht in der Lage ist, dieses Land ordentlich zu regieren, das so zu machen, dass es nachher für die Menschen funktioniert. Da hilft auch die beste Propaganda nicht mehr. Und so haben wir eine ausgeprägte Legitimitätskrise, die letztlich dazu führt, dass das System wahrscheinlich gar nicht mehr so leicht zu retten ist, oder vielleicht gar nicht mehr zu retten ist, einfach weil die Leute ihrem System nicht mehr vertrauen und nicht mehr glauben, dass es in der Lage ist, die Regierung sauber hinzukriegen. In der letzten Folge haben wir schon über diedie

Entspannungspolitik

der 1960er Jahre gesprochen. Und auch hier beim Thema Zusammenbruch des Ostblocks spielt die wieder eine wichtige Rolle. Die Entspannungspolitik, die beginnt ja ungefähr in den 1960er, 70er Jahren mit dem Kennedy-Impuls und der Idee der friedlichen Koexistenz und dann Willy Brandts neuer Ostpolitik, die dann in den Helsinki-Prozess führt und zur KSZE-Schlussakte. Und diese Entspannungspolitik, die ist auch ein Faktor für den Zusammenbruch des Ostblocks. Denn wir haben schon darüber gesprochen, im Rahmen des KSZE-Abkommens, des Helsinki-Prozesses, unterzeichnet auch die Sowjetunion, dass sie die Menschenrechte, zum Beispiel die Meinungsfreiheit, achten will. Und damit ist natürlich Dissidenten Tür und Tor geöffnet, diesen Staat zu kritisieren, wenn Meinungsfreiheit dort ja legitim sein soll. Und so hat der Staat letztlich das Problem, dass er nicht mehr so einfach die Meinung anderer unterdrücken kann, nicht mehr so einfach militärisch intervenieren kann, wenn irgendwo was nicht in seinem Interesse läuft. Das heißt, diese KSZE-Schlussakte, die ist ein ganz heikles Thema aus Sicht der… Der Sowjetunion, weil es ja riskiert, dass man jetzt eben nicht mehr über so einfach über abweichende Meinungen hinweggehen kann, indem man die Leute einfach verhaftet und einsperrt, sondern jetzt muss man sich damit ernsthaft auseinandersetzen oder man bricht halt diesen Vertrag von Helsinki und dazu entscheidet sich die Sowjetunion immer mal wieder, aber es nimmt natürlich ein Stück der Angst weg vor den Unterdrückungsapparaten der Sowjetunion und führt daher auch dazu, dass diese Entspannungspolitik letzten Endeses eine Destabilisierung des Ostblocks vorantreibt. Aber auch innerhalb der Sowjetunion gibt es Ansätze zur Entspannung. Und da kommt jetzt Michael Gorbatschow,

Perestroika

und

Glasnost

ins Spiel. Perestroika und Glasnost sind zwei russische Worte. Perestroika bedeutet sowas wie der Umbau und Glasnost bedeutet sowas wie Transparenz. Und das sind zwei politische, man kann nicht sagen Ideologien, aber zwei politische Ziele von Gorbatschows Politik, die ein Problem für den Ostblock bedeuten. Umbau, also die Perestroika bedeutet zunächst mal, dass man den Staat ein bisschen weniger krass klassisch planwirtschaftlich aufbauen will, sondern man will ein bisschen mehr Marktmechanismen zulassen, ein bisschen weniger Planwirtschaft betreiben. Nicht komplett, aber so ein bisschen. Aber das ist natürlich ein Problem, weil man hier sozusagen den ganzen alten Hardcore-Kommunisten natürlich in die Parade fährt, die das für absolutes Teufelszeug halten, wenn man Marktmechanismen zulässt. Und so ist das auch innerhalb des Systems ein ständiger Streitpunkt. Und man kann argumentieren, dass diese marktwirtschaftlichen Öffnungen eigentlich eher kosmetischer Natur waren, dass sie nicht wirklich dazu geführt haben, dass das System sich grundsätzlich verändert hat und eben dadurch auch die Effektivität von Perestroika eher klein war. Bei Glasnost geht es um etwas viel Grundsätzlicheres. Da geht es nicht nur um eine wirtschaftliche Öffnung, sondern um eine gesellschaftliche Öffnung. Das Ding heißt Transparenz und gemeint ist damit, dass man jetzt offen sprechen dürfen soll. Das heißt, hier steckt tatsächlich jetzt die Idee,der Meinungsfreiheit drin. Und das ist was, was riesige Gefahren für die Sowjetunion bietet, weil wenn die Leute frei ihre Meinung sagen können und die Partei kritisieren, dann wird dieser Anspruch der kommunistischen Partei, die Menschheit in ihrer Gesamtheit zu vertreten, die Bürger in ihrer Gesamtheit zu vertreten, für alle nur das Beste zu tun, dieser Anspruch kann dann ja auch in Frage gestellt werden. Und wenn man dann offen über all die Sauereien spricht, die passiert sind, über die Umweltversorgung und über die miese Planung des Staates und so weiter, dann… Ist die Legitimität dieser herrschenden Partei ganz schnell kaputt. Und genau das ist auch das, was dann nachher zum Problem wird. Wir haben hier eine Form von Pressefreiheit. Man darf jetzt die UdSSR und die Kommunistische Partei kritisieren. Und damit kann man plötzlich offen über Probleme sprechen, die sich in diesem Staat ergeben. 1986 fliegt in der Ukraine das Kernkraftwerk Tschernobyl in die Luft und wie das passieren konnte, das ist etwas, was die Menschen sehr grundsätzlich beschäftigt. Und gleichzeitig passiert in Tschernobyl was, das wieder typisch Sowjetunion ist. Man unterdrückt die Informationen darüber zunächst, bis man es überhaupt nicht mehr unter den Teppich kehren kann, bis es nämlich auch der Westen mitgekriegt hat, weil er so viel Radioaktivität in der Atmosphäre gemessen hat. Und die Konsequenz daraus ist natürlich, dass die Leute ihrem Staat noch mehr misstrauen als vorher, weil der Staat wieder versucht hat, was unter den Teppich zu kehren, was da passiert ist. Und man darüber jetzt offen reden kann, weil es gibt ja jetzt Glasnost, die Transparenz. Das heißt, man kann jetzt über Probleme sprechen, wie zum Beispiel dieses Vorgehen in Tschernobyl, das eine absolute Katastrophe aus Sicht der kommunistischen Partei ist.Das heißt, das, was da die Kommunistische Partei angestellt hat, um eben diese Katastrophe von Tschernobyl zu lösen, das zeigt an vielen Stellen die Unfähigkeit des Staates, auf Katastrophen zu reagieren. Und damit ist im Prinzip Tschernobyl ein Fanal der Fehler, die die Sowjetunion immer macht in der Regierung. Und darüber kann man jetzt offen reden, das ist natürlich eine absolute Katastrophe für diese Legitimität der herrschenden kommunistischen Partei. Eine weitere ganz zentrale Veränderung in der Zeit Gorbatschows ist die sogenannte

Sinatra-Doktrin

. Die hat einen etwas lustigen Namen, denn sie spielt an auf Frank Sinatras Lied My Way. Und I did it my way, ich habe es so gemacht, wie ich wollte, das ist sozusagen der Refrain, auf den diese Sinatra-Doktrin anspielt. Denn sie geht davon aus, dass jeder Staat doch seinen eigenen Weg gehen soll, dass jeder Staat so machen soll, was er für richtig hält im Kommunismus, dass also die UdSSR nicht mehr militärisch einschreiten will, wenn irgendein anderer kommunistischer Staat irgendwie aus dem kommunistischen Verbund ausschert. Wenn wir uns zum Beispiel an den Prager Frühling erinnern, da ist die UdSSR 1968 noch militärisch einmarschiert unter Brezhnev. Und jetzt ist aber das Ende der Brezhnev-Doktrin erreicht und die Sinatra-Doktrin erlaubt sowas ausdrücklich. Das heißt, die Staaten, die im kommunistischen Block drin sind, die dürfen, wenn sie sich irgendwie reformieren wollen, das gerne tun. Und das führt dazu, dass es in Polen im Sommer 1989 die ersten freien Wahlen gibt. Es führt dazu, dass in der DDR im Herbst 1989 die Revolution ausbricht.Also wir haben ganz erhebliche Veränderungen, die dadurch entstehen, dass die Sowjetunion nicht mehr militärisch eingreifen möchte oder nicht mehr militärisch eingreift. Jetzt kann man sich fragen, was bedeutet denn das für das Regime, wenn es zusammenbricht im selben Jahr, in dem man erlaubt, dass die Leute ihre eigenen Sachen machen dürfen. Das zeigt ja eigentlich nur, dass die Unterdrückung das Einzige war, was die Sowjetunion vorher… Zusammengehalten hat, dass also letztlich ohne militärischen Zwang es nicht möglich war, die Sowjetunion zusammenzuhalten und die Staaten im kommunistischen Lager zu halten. Und das ist natürlich der Sargnagel in der Legitimität dieses Ostblocks, wenn man erkennt, dass die Menschen das Ding eigentlich gar nicht wollten. Und so verschärft sich dann eben auch der gesellschaftliche Widerstand gegen die kommunistischen Regimes. Da haben wir zum Beispiel die

Bürgerbewegung

in der DDR. Die kommt ursprünglich aus Kirchenkreisen und aus der Friedensbewegung heraus. Und diese Bürgerbewegung, das sind dann Leute, die eben auf die Straße gehen, öffentlich demonstrieren und sich gegen bestimmte Maßnahmen, dann aber auch ganz grundsätzlich gegen die Regierung der Kommunisten in der DDR richten. Und da haben wir dann Forderungen nach Demokratie, nach Gewaltlosigkeit, aber auch nach Reformen. Das heißt, es gibt zum Beispiel das Neue Forum, das ist eine der großen Bürgerbewegungen in der DDR, die eben daran arbeiten, so eine Art Lobbyarbeit zu machen, um sozusagen die Bevölkerung auf der einen Seite gegen die Regierung auf Straßen zu treiben und auf der anderen Seite eben auch die Regierung zu kritisieren und zu Reformen anzustacheln.Und das ist eben die Bürgerbewegung, eine neue Form des Protests der DDR, die es eben erst gibt, seit Gorbatschow es erlaubt, dass man in der Öffentlichkeit auch gegen die Partei und gegen den Staat Kritik üben darf. Eine andere Möglichkeit, mit den Problemen und der Unzufriedenheit in der DDR umzugehen, ist die

Ausreisebewegung

. Die Bürgerbewegung auf Reformen und Veränderungen der DDR und der Politik aus ist, ist die Ausreisebewegung ein Wort, das ist ein bisschen witzig, weil es ja keine Bewegung in dem Sinne ist, sondern es ist einfach ein Trend dahin, dass man eben versucht, aus der DDR rauszukommen. Die DDR ist ja eingemauert durch die Berliner Mauer und auf der anderen Seite sind halt dann lauter kommunistische Staaten, wo man halt auch nicht unbedingt hin will, weil man will ja eigentlich in den Westen, in die Freiheit, so sieht man das dann. Und diese Reisebeschränkungen, um die sozusagen zu umgehen, kann man ja einen Ausreiseantrag stellen in der DDR. Aber der Ausreiseantrag, der wird in aller Regel abgelehnt oder verschoben oder wie auch immer. Und dann kriegt man dafür auch meistens ziemlich auf den Deckel. Da wird dann durch staatliche Repression dafür gesorgt, dass möglichst wenige Leute überhaupt einen Ausreiseantrag stellen. Die Familie kann dann in Sippenhaft genommen werden, wenn man abhaut aus der DDR. Das ist ja auch ein Straftatbestand. Republikflucht heißt das in der DDR und dafür wird man ins Gefängnis gesteckt. Und das führt in der DDR zu einer ganzen Reihe von schrägen Sachen. Zum Beispiel werden diese Häftlinge, die versucht haben auszureisen und die dann verhaftet wurden, die werden dann häufig festgenommen, ins Gefängnis gesteckt und dann aber an die BRD verkauft gegen Geld. Das heißt, diese Gefahr…fangengenommenen ausreisewilligen DDR-Bürger, die verkauft man dann an die BRD, wo sie dann natürlich freigelassen werden und dann dort eben leben dürfen. Aber auch das ist wieder eine Geldquelle für die DDR, um das eigene System am Laufen zu halten. Also letztlich zeigt es ja, wie extrem, sagen wir mal, illegitim diese Herrschaft in der DDR ist, wenn die ihre eigenen Bürger ans Ausland verkaufen, um irgendwie zu Geld zu kommen. Das ist schon eine mafiöse Struktur ersten Grades. Und die Ausreisebewegung ist eben dann der Sammelbegriff für diese vielen Menschen, die eben aus der DDR raus wollen in den Westen. Ganz berühmt dafür geworden ist die Botschaftsbesetzung oder die Versammlung auf dem Gelände der Botschaft in Prag 1989, wo unzählige DDR-Flüchtlinge sich eben in westdeutschen Botschaften aufgehalten haben. Und da gibt es eine ganz berühmte Situation, wo eben Hans-Riedig Genscher, damals der Außenminister in Deutschland, da eine Rede gehalten hat und den Leuten verkündet hat, dass sie jetzt ausreisen dürfen und das dann zu einem riesigen Jubel kommt. Da gibt es eine ganz berühmte Szene. Aber eben das ist natürlich auch wieder ein absolutes PR-Desaster für die Sowjetunion und die DDR, weil man eben so deutlich zeigen kann an den Fernsehbildern, an den Fotos, die da entstehen, wie dringend die Leute aus diesem Land weg wollen, wie unzufrieden die Leute da sind und wie unglücklich und wie viel lieber sie in den Westen wollen. Auch das ist natürlich was, was die Legitimität der DDR noch weiter in Frage stellt. Und nach dem Mauerfall 1989 kommt es dann eben zur Massenausreise aus der DDR. Da verschwindet eigentlich eine große…ganze Generation im Westen und das ist natürlich bis heute was, was man spüren kann. In der DDR gibt es bis heute große gesellschaftliche und wirtschaftsstrukturelle Probleme, deswegen in der ehemaligen DDR natürlich, weil diese Phase nach 89 eben eine Phase war, in der sehr viele Menschen, junge, vor allem gut ausgebildete Menschen, in den Westen abgehauen sind, hätte man damals gesagt, und dann eben nicht mehr wiedergekommen sind. Das heißt, aus Sicht der DDR war das ein gigantischer Braindrain, der da um 89 rum stattgefunden hat und der bis heute noch nachwirkt. In dem Zusammenhang muss man auch die polnische

Solidarnosc

erwähnen, eben diese polnische Gewerkschaft, die sich 1980 gegründet hatte als sozusagen ein Gegenprogramm zunächst zu einzelnen Aspekten, dann aber auch ganz grundsätzliches Gegenprogramm zur kommunistischen Regierung. Und diese Solidarnosc, die hatte eben 1980 schon gezeigt, dass Massenproteste auch im Ostblock möglich waren, aber eben auch nur eine kurze Phase der Blüte, bevor sie dann wieder staatlich eingehängt wurde. Aber diese Idee, dass man gewaltfrei die Massen mobilisieren kann, die greift dann eben sehr bald auf die DDR und die Tschechoslowakei über und damit sind wir dann bei der

“Friedliche Revolution”

und der

“Samtenen Revolution”

. Als friedliche Revolution bezeichnet man die Revolution der DDR im Herbst 1989. Die wird vor allem in Leipzig getragen von den Montagsdemonstrationen. Berühmt ist dieser Ausruf, wir sind das Volk, der da immer wieder fällt. Und am 9. November…1989 kommt es dann zum Mauerfall, da gibt es diese berühmte Pressekonferenz, bei der Günter Schabowski diesen Zettel vorliest, wo man nicht so genau weiß, was da eigentlich genau jetzt er sagen wollte oder sollte. Auf jeden Fall wird er so verstanden, dass die Mauer jetzt dann eben geöffnet wird und jeder kann jederzeit da in den Westen rüberreisen, wenn er das will. Das führt dazu, dass innerhalb von wenigen Stunden Millionen von DDR-Bürgern an der Berliner Mauer oder an der Mauer stehen und gern rüber wollen. Und die Grenzposten, die überlegen sich jetzt, was mache ich denn da? Die haben noch nichts davon gehört. Die wissen nicht, soll ich jetzt da auf die schießen? Eigentlich steht das ja so im Protokoll, aber das sind so viele, das kann ich jetzt eigentlich nicht machen und so. Und so kommt es dann dazu, dass die meisten von diesen Grenzposten einfach geöffnet werden und die Soldaten die Leute durchlassen. Und das ist dann letztlich der Anfang vom Ende. Dann wird quasi schon gefeiert, dass die Mauer jetzt gefallen ist. Klammer auf, man weiß aber gar nicht so genau, was die Regierung eigentlich da wollte. Vielleicht hätte die es auch gerne wieder rückgängig gemacht. Das ging aber dann natürlich nicht mehr, weil die Menschen so darüber gefeiert haben und so sich da gefreut haben, dass man das Gefühl hatte, wenn man das jetzt zumacht, dann gibt es garantiert eine Revolution. Und so versucht dann eben die Regierung der DDR, das irgendwie noch sozusagen menschlich über die Bühne zu kriegen, dass man versucht, nochmal einen Hauch von Legitimität vorzutäuschen. Aber dann passiert es relativ schnell, dass dann eben politisch dann auch sich Änderungen anbahnen, dass dann dieser gewaltlose Widerstand der DDR-Bürgerrechtsbewegung eben auch gegenüber diesem illegitimen Regime der DDR so offensichtlich im Vorteil ist, dass man sich nicht mehr traut, da irgendwie mit…Gewalt zu reagieren, vielleicht auch gar nicht mehr kann. Auch die Sowjetunion will das nicht, Gorbatschow will das auch nicht, dass man mit Gewalt reagiert. Und so kommt es dann letztlich dazu, dass in der DDR die kommunistische Regierung in der nächsten Wahl dann eben abgestraft wird und dann die bürgerliche Regierung an die Macht kommt, die dann letztlich den Wiedervereinigungsvertrag mit Westdeutschland in die Wege leiten wird. In Tschechien wiederum, in der Tschechoslowakei, der CSSR, spricht man von der Samtenen Revolution, gemeint ist aber eine Revolution, die ganz ähnlich verlief wie in der DDR. Auch hier sind Massenproteste und der Generalstreik der Weg, der dazu führt, dass die kommunistische Regierung letztlich gestürzt werden kann. 1990 gibt es dann freie Wahlen und Václav Havel, der sozusagen der wichtigste, bekannteste tschechische Dissident der Zeit ist, der wird dann eben auch Präsident des Landes, wird politisch eigentlich nicht besonders erfolgreich sein und dann auch ab Mitte der 90er Jahre politisch keine große Rolle mehr spielen, aber auch er ist eben ein ganz zentraler Charakter dieser Phase der Revolution und des Zusammenbruchs des Ostblocks. Warum ist am Ende nun der Ostblock gescheitert? Naja, man kann sagen, dass er eine Reihe von treibenden Faktoren hatte, die schon immer auf das Ende dieses Ostblocks hingearbeitet haben, die sozusagen eine grundsätzliche Destabilisierung hervorgerufen haben. Dazu gehört natürlich der Strukturwandel, das Innovationsdefizit, die hohe Staatsverschuldung, der Rüstungswettlauf, in dem man nicht gut mithalten konnte oder sehr viel Geld weggepulvert hat. Dazu gehört aber natürlich auch die relativ krasse Umweltverschmutzung und all das führt dann eben zu einer Legitimitätskrise.Legitimitätskrise, dass also das System seine moralische und auch seine politische Autorität mit der Zeit immer mehr verliert. Die Reformen, die dann versucht werden durchzusetzen, vor allem durch Gorbatschow, eben Perestroika und Glasnost, die sind zwar ein Versuch, das System menschlicher zu machen, aber in Wahrheit offenbaren sie nur sehr klar die Systemschwächen und beschleunigen dadurch den Zusammenbruch des Systems. Das heißt, man könnte argumentieren, dass Gorbatschow einfach 30 Jahre zu spät kam, dass Perestroika und Glasnost vielleicht in den 60er oder 70er Jahren noch hätten funktionieren können und da hat ja Khrushchev schon mal so etwas ähnliches versucht. Aber dass eben in den späten 80er Jahren das System schon so marode war, dass eigentlich nur noch der Zusammenbruch möglich war und man alternativ einfach nur mit Gewalt hätte noch das Volk weiter unterdrücken können, um dieses System am Leben zu halten. So oder so kann man argumentieren, dass es eine ganze Reihe von Faktoren gibt, die eben den Zusammenbruch des Ostblocks beschleunigen und es gibt eigentlich kaum Faktoren, die ihn versuchen aufzuhalten, wenn man mal absieht von der regelmäßigen Unterstützung durch den Westen in Form von eben diesen zum Beispiel Freikäufen und Krediten, die da gewährt werden. Aber das hat eben vor allem zwischen der BRD und der DDR eine grundsätzliche Tradition. Das ist eben nichts, was den ganzen Ostblock an sich stabilisiert hätte. Und es ist ja auch keine echte Stabilisierung, es ist eher ein Abhängigmachen. Wir haben heute gesprochen über den Zusammenbruch des Ostblocks und dort über die Begriffe Strukturwandel, Innovationsdefizit, Staatsverschuldung, Rüstungswettlauf, Versorgungskrise, Umweltverschmutzung.der daraus resultierenden Legitimitätskrise über die Entspannungspolitik, Perestroika und Glasnost, die Sinatra-Doktrin, die Solidarnosc, die Bürgerbewegung und die Ausreisebewegung, die Friedliche Revolution und die Samtene Revolution. Das ist das Schwerpunktthema 2 und davon das vierte Kapitel fürs Abi 2026. Wenn euch die Folge geholfen oder gefallen hat, dann gebt sie gerne an eure Bekannten und Freunde weiter, die sich auch aufs Abitur in Geschichte vorbereiten. Ich freue mich über jeden Hörer, der meinen Podcast hört. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.