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Napoleon und die Restauration

Staffel 8, Folge 01 30.12.2025 00:08:29
Fachbegriffe: SäkularisationMediatisierungRestaurationLiberalismusNationalismus"Europäischer Völkerfrühling"

Diese Folge ist Teil der Serie zum “langen 19. Jahrhundert” in Klasse 8/9. Wir sprechen über die Begriffe:

  • Säkularisation
  • Mediatisierung
  • Restauration
  • Liberalismus
  • Nationalismus
  • “Europäischer Völkerfrühling”

Willkommen bei geschichtslehrer.net. Ich bin Jens und in diesem Podcast bereiten wir uns kurzweilig und fachkundig auf Klassenarbeiten im Fach Geschichte vor. Heute geht es um Napoleon und was der mit Deutschland so gemacht hat. Deutschland im Jahr 1800. Das war ein Flickenteppich aus mehr als 300 winzigen kleinen Staaten und in jedem davon herrschte ein kleiner Fürst, ein Graf, ein König oder sonst irgendein Adliger, der aber auf gar keinen Fall seine Macht mit irgendjemandem teilen wollte und lieber sein eigenes Süppchen kochte, solange ihm da nur keiner reinredete. Deshalb kam es für diese Adligen auch überhaupt nicht in Frage, sich mit den Nachbarn zusammenzutun, um gemeinsam stärker zu sein oder sowas. Aber dann ereignete sich nebenan in Frankreich die Revolution, die französische Revolution. Und ein Mann namens Napoleon kam dort an die Macht und der überzog ganz Europa mit Krieg. Und er brachte neben seinen Soldaten auch einen Haufen moderner Ideen mit nach Deutschland. Dazu kommen wir aber erst gleich. Zuerst mal musste Napoleon dieses Westdeutschland, das er gerade erobert hatte, ja irgendwie beherrschen. Und dazu hat er sich Verbündete gesucht, denen er dann Teile dieser frisch eroberten Gebiete spendierte. Und so kam es, dass die ganzen vielen Kleinstaaten nach und nach zusammengelegt wurden. Und Napoleons Kumpel wurden dann Herrscher in diesen neuen, größeren Staaten. So richtig groß, wie wir uns das heute…in Deutschland vorstellen, war das immer noch nicht. Aber immerhin, unser Baden-Württemberg heute, das waren damals zwar noch Baden und Württemberg, aber das war doch schon ein großer Schritt hin zu unseren modernen Ländern im Vergleich zu vorher.

Mediatisierung

Diese Zusammenlegung der vielen Kleinstaaten zu größeren Einheiten, die nennen wir Mediatisierung. Und warum hat Napoleon diese Mediatisierung vorangetrieben? Er wollte im Südwesten Deutschlands starke Verbündete, wie Baden und Württemberg zum Beispiel, die einerseits groß genug waren, damit sie ihm militärisch zum Beispiel gegen Österreich helfen konnten, aber die andererseits noch klein genug waren, dass sie sich nicht gegen ihn oder gegen Frankreich wenden konnten. Parallel dazu passiert noch ein anderer ähnlicher Prozess, nämlich die

Säkularisation

Säkularisation. Die Kirche verliert ihre weltliche Macht. Klöster und Kirchengüter wurden einfach verstaatlicht. Das heißt, die Fürsten haben sich diese schönen Ländereien, die der Kirche gehörten, unter den Nagel gerissen, denn die Gelegenheit war gerade gut. Napoleon grub Europa sowieso gerade völlig um, Napoleon mochte die Kirche sowieso nicht und da war es dann nicht so schwer, sich den Besitz der Kirche unter den Nagel zu reißen. Also nochmal. Mediatisierung heißt, die Kleinstaaten werden geschluckt. Und Säkularisation heißt, die Kirche verliert ihren Besitz an die Staaten. Napoleon war für die Menschen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich eine ziemlich zwiespältige Figur. Ein Hoffnungsträger auf der einen Seite,Und dann Tyrann auf der anderen Seite. Auf der einen Seite hat er mit dem Code Napoleon oder dem Code Civil viele moderne Rechte, wie zum Beispiel die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, die Trennung von Kirche und Staat und sowas eingeführt. Auf der anderen Seite hat er unzählige junge Männer für seine Kriege zwangsrekrutiert und für die Revolution ein gigantisches Blutbad in Europa veranstaltet. Aber das Wichtigste für euch, durch diesen gigantischen Umbruch entstand im Südwesten erst das Fundament für moderne Flächenstaaten. Ohne Napoleon gäbe es heute mit absoluter Sicherheit kein Baden-Württemberg.Nachdem Napoleon 1815 besiegt war, waren die alten adligen Herrscher erstmal ziemlich froh. Klar, die dachten, das war knapp, wenn jetzt diese ganzen liberalen Ideen auch bei uns durchgedrungen wären, da drehen wir jetzt lieber mal die Zeit zurück und erledigen diesen ganzen neumodischen Blödsinn von wegen Bürgerrechte und Gleichheiten und all sowas. Allerdings war in Europa ja alles ziemlich durcheinander. Also musste man erstmal klären, wer jetzt eigentlich welche Grenzen wo hatte und wer wo herrschen sollte und sowas. Die ganzen Adligen Europas trafen sich also, um das zu klären, um Silvester 1814, 15 rum beim Wiener Kongress in Wien. Zu einer riesigen Party voller schicker, adeliger Leute. Und das Motto dieser Party war

Restauration

Restauration. Das ist Latein und heißt Wiederherstellung und das meint auch genau das. Wir stellen die absolute Macht der Könige wieder her, so als wenn es die französische Revolution nie gegeben hätte. Anstatt eines modernen deutschen Nationalstaats, wie den sich viele in Deutschland in der Zeit wünschen, gründeten sie dann den Deutschen Bund, so einen lockeren Club von 39 deutschen Einzelstaaten, aber da hatte keiner da Macht und war deshalb politisch eigentlich völlig bedeutungslos. Die Menschen waren damit aber nicht so richtig zufrieden. Mit zwei wichtigen Ideen hatte Napoleon die Deutschen nämlich angesteckt. Mit dem

Liberalismus

Liberalismus und mit dem

Nationalismus

Nationalismus. Liberalismus heißt, wir wollen eine Verfassung, Grundrechte, ein Parlament, das dem König auf die Finger schaut, so eine Art Demokratie.Das hatte Napoleon ja mit voller Absicht gefördert. Er hatte ja in einigen deutschen Staaten den Code Zivil eingeführt und liberale Rechte etabliert. Das war ja gerade das Programm der Französischen Revolution. Der Nationalismus dagegen war aus Napoleons Sicht wahrscheinlich eher ein Versehen. Nationalismus meint nämlich, wir gehören zusammen, wir wollen ein Deutschland ohne Grenzen an jeder Ecke, schließlich haben wir doch alle gemeinsam gegen diese dreckigen Franzosen gekämpft, sowas schweißt uns doch zusammen und so. Dass die Deutschen aber wegen seiner Eroberung auf so eine wilde Idee kommen würden, das hatte Napoleon bestimmt nicht gewollt, weil sich das ja direkt gegen Frankreich richtete. Also nochmal, Liberalismus ist die Idee, dass man einen Verfassungsstaat, Rechtsstaat, liberale Grundrechte, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und solche Sachen will und ein bisschen Demokratie. Und Nationalismus ist der Wunsch nach einem gemeinsamen großen Staat. Diese zwei Dinge, die sind ja zunächst mal was ganz unterschiedliches. Aber weil sie beide genau gegen das laufen, was die Adligen in der Zeit wollen, verbünden sich diese beiden politischen Richtungen, Liberalismus und Nationalismus, und können ziemlich gut miteinander. Denn der gemeinsame Feind ist ja eben der Adel, der herrscht. Diese Zeit, in der die Fürsten einen auf Restauration machen und die Bevölkerung im Kopf eigentlich schon viel weiter ist, die nennen wir heute den Vormärz. Ein absolutes Highlight dieser Epoche ist das Hamburger Fest von 1832. Damals zogen über 30.000 Menschen zur Hamburger Schlossruine zu einer ArtGroßdemonstration. Für diese Zeit eine gigantische Zahl von Menschen. Und da schwenken sie dann schwarz-rot-goldene Fähnchen und verlangen die Einheit Deutschlands und ein freies Europa und so, wobei Freiheit vor allem meint, dass man die Könige und die Fürsten loswerden will. Diese Zeit nennt man auch den

“Europäischer Völkerfrühling”

“Europäischer Völkerfrühling”, weil sich da die Freiheitsbewegungen in verschiedenen deutschen oder europäischen Gebieten gegenseitig unterstützen. Zum Beispiel helfen auch deutsche Liberale den Polen in ihrem Freiheitskampf und sowas. Der österreichische adelige Fürst Metternich, das ist der politische Kopf der Restauration, der reagiert auf diese Entwicklung im Wesentlichen mit Gewalt und Unterdrückung. Und zwar zum Beispiel mit Polizeiüberwachung, mit Zensur der Presse und sowas. Unter seiner Führung entsteht dann in Europa eine Art Geheimdienst, der versucht, liberale Aktivitäten zu unterwandern und zu zerschlagen. Wir nennen dieses Vorgehen heute das System Metternich, eben nach diesem Fürst Metternich, und einen Staat, der so versucht, seine Bürger zu kontrollieren, den nennen wir einen Obrigkeitsstaat. So richtig erfolgreich war er damit aber langfristig dann auch nicht. Nächste Woche geht es darum, was aus dieser Restauration hervorgeht, wie die Leute sich dann doch anfangen zu wehren gegen die Fürstenherrschaften in Europa und wie sich dann Deutschland ganz grundsätzlich 1848 verändert. Ich danke euch fürs Zuhören bei geschichtslehrer.net. Ich freue mich über jedes Abo und jede Bewertung, die ich für diesen Podcast bekomme, denn ich mache diesen Podcast.Podcast ja für euch und wenn ihr die Podcasts anhört und gut findet, dann bin ich dankbar, wenn ich davon was zu hören bekomme. Schließlich ist das für mich eine große Motivation, wenn ich sehe, dass ich hier nicht nur heiße Luft rede, sondern dass Leute auch die Podcasts anhören und davon irgendwas haben. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.