Vormärz und Revolution von 1848
In der heutigen Folge sprechen wir über:
- Bürgertum
- Vereine
- Freiheitslied
- Zensur
- Nationalversammlung
- Nationalstaat
- Verfassung
- Wahlrecht
- Menschen- und Bürgerrechte
- Gegenrevolution
Willkommen bei geschichtstheora.net. In diesem Podcast bereiten wir uns fachkundig und kurzweilig auf Klassenarbeiten im Fach Geschichte vor. Heute geht es um den sogenannten Vormärz, also die Zeit nach dem Wiener Kongress und der Restauration, in der liberale und nationalistische Ideen in Deutschland auf dem Vormarsch sind und der Adel nach wie vor versucht, die Deutschen irgendwie klein zu halten und ihre Herrschaften zu sichern. Und an diesen Vormärz schließt sich dann, deswegen heißt er auch Vormärz, 1848 eben die Märzrevolution an.
Bürgertum
Wie macht man Politik, wenn man dafür im Gefängnis landen kann? Man wird kreativ. Das Bürgertum im 19. Jahrhundert lebt in einer Welt der Zensur. System Meta nicht und so. Wenn du etwas Kritisches in der Zeitung geschrieben hast, dann war die Zeitung am nächsten Tag verboten. Ein berühmtes Bild aus dieser Zeit ist der Denkerclub. Das ist eine Karikatur, die ihr vielleicht kennt, auf der Männer mit Maulkörben um einen Tisch rumsitzen. Und das war bittere Realität. Also nicht die Maulkörbe, aber die Idee, dass einem alles verboten wird, was man irgendwie diskutieren will.
Zensur
Weil echte Parteien verboten waren, haben die Menschen sich eine andere Lösung überlegt. Sie haben ihre politischen Versammlungen kurzerhand umbenannt und dadurch getarnt. Statt Parteien gründen sie also zum Beispiel irgendwelche
Vereine
, Schäferhundezuchtvereine oder sonst was. Was also offiziell dann wie ein harmloser Gesangsverein oder ein Turnclub oder sowas aussieht, ist in Wahrheit ein Ort für politische Diskussionen. Wenn die Leute im Gesangsverein, also das
Freiheitslied
singen, dann ist das eigentlich nicht Musik, sondern eigentlich ist das ein politisches Statement für die Einheit Deutschlands. Aber es ist ja nicht so richtig illegal, weil es ja eigentlich nur ein harmloser Gesangsverein ist. Aber irgendwie ja doch, weil es ja liberale Aktivitäten sind. Naja, ihr seht schon, was die sich dabei gedacht haben. Man ist ein bisschen unauffälliger so. Trotzdem war so gut wie jedem wahrscheinlich klar, was da gespielt wurde. Während manche also sich in diesen Vereinen organisieren, ziehen sich andere frustriert ins Privatleben zurück, weil sie keinen Bock mehr auf Politik haben.weil ihnen das jetzt stinkt, weil sie diese Unterdrückerei der Adligen nicht mehr ertragen. Die machen sich dann zu Hause gemütlich und ignorieren die Politik, weil sie das Gefühl haben, sie können sowieso nichts ändern. Dieses Phänomen nennt man dann den Biedermeier, eine Epoche des politischen Stillhaltens, der Frustration und eben den Rückzug ins Private. Das ist eine zerrissene Zeit. Auf der einen Seite haben wir die Auflehnung gegen die Obrigkeit in irgendwelchen obskuren Vereinen. Auf der anderen Seite haben wir die stille Anpassung des Biedermeier an den autoritären Obrigkeitsstaat.
In den heftigen Spannungen zwischen staatlicher Unterdrückung durch das System Metternich auf der einen Seite und dem in der Bevölkerung vor sich hinköchelnden Liberalismus und Nationalismus auf der anderen Seite, der aber nur in so halblegalen Vereinen gepflegt werden durfte, da wurde 1848 das Jahr der Entscheidung. Da flammten nämlich Revolutionen in mehreren europäischen Großstädten auf. In Paris, in Wien, in Berlin brannten die Barrikaden. Die Menschen wollen nicht mehr darauf warten, dass sich politisch was bewegt. Und die Adligen, die werden von diesem Ausbruch dann völlig überrumpelt. Denen fehlt gerade das Militär, um diese Aufstände niederzuschlagen. Das schaffen sie nicht. Und so können die Menschen die Wahl der ersten deutschen
Nationalversammlung
erzwingen.
Nationalstaat
ist so ein Club, der sich überlegt, wie soll unser Staat in Zukunft aussehen. Da saß dann ab dem Jahr 1848 in der Frankfurter Paulskirche ein gewähltes Parlament. Und die tagten dann, das waren so einige hundert gewählte Professoren und vor allem Juristen, und die debattierten über die Zukunft. Soll Deutschland eine Monarchie werden oder eine Republik? Wie mächtig sollte denn ein König sein, wenn es einen geben sollte? Und vor allem, wer gehört alles zu diesem Deutschland dann dazu? Da gibt es die berühmte Frage, ist es jetzt die großdeutsche Lösung, wo man Österreich mit reinnimmt, oder lässt man Österreich raus und nimmt die sogenannte kleindeutsche Lösung? Denn Österreich ist ja Österreich-Ungarn in der Zeit, das ist nicht so unkompliziert, wie man das jetzt da integrieren könnte. Die Abgeordneten aus dieser Frankfurter Paulskirche, die schrieben dann eine beeindruckende
Verfassung
mit ganz…vielen modernen
Menschen- und Bürgerrechte
und legten ein ganz modernes
Wahlrecht
fest. Das hätte ein richtig guter, liberaler, moderner Verfassungsstaat werden können, dieses Deutschland. Aber sie machten einen entscheidenden Fehler. Sie diskutierten nämlich monatelang drüber. Und das gab den Fürsten dann jede Menge Zeit, um ihr Militär wieder zu sammeln. Die Fürsten, also die Könige und Grafen und was auch immer, die waren ja keine Fans von dieser Idee, dass man Deutschland zu einer großen Nation zusammenschließen sollte vom Nationalismus. Die wollten nämlich lieber weiter jeder ihr eigenes kleines Königtum oder Fürstentum behalten, wo sie ganz alleine herrschen und machen konnten, was sie wollten. Da quatscht die ihnen dann kein Parlament rein und es soll ja auch da keine Verfassung geben, an die man sich halten müsste und wählen braucht da ja auch keiner. Bitteschön, was sind denn das für neumodische Zeiten? Naja, jedenfalls, nachdem die Abgeordneten nun monatelang diskutiert hatten, hatten die Fürsten zwischenzeitlich heimlich ihre Armeen wieder organisiert. Und das war dann der Beginn der
Gegenrevolution
. Oder man sagt auch Konterrevolution. Konter kennt ihr vom Fußball, die Gegenbewegung. Als die Abgeordneten der Nationalversammlung also nun nach Berlin fuhren und ganz stolz ihre Verfassung rausholten und dem preußischen König Friedrich IV. Dann hinhielten und hier die Kreiserkrone dabei hatten, da konnte der dann sagen, nein danke, ich will keine Krone vom Dreck der Gasse haben, sondern nur von Gottes Gnaden. Kennt ihr Gottes Gnadentum und so, die Könige finden, ja sie sind nur von Gott eingesetzt und sonst hat da keiner mitzureden. Das ist zwar nicht sehr nett, wenn man das so ausdrückt, aber derKönig hatte ja nun auch wieder jede Menge Soldaten, da konnte ihm das dann egal sein, weil er konnte das ja niederschießen lassen, wenn er wollte. Und damit war die Revolution dann eigentlich gescheitert. Die Fürsten gewannen wieder die Oberhand zurück und viele Revolutionäre landeten im Gefängnis oder mussten fliehen. Aber 1848 war jetzt kein totaler Reinfall, auch wenn das so klingt. Die Paulskirchenverfassung, die blieb das Vorbild für die Verfassung der Weimarer Republik und damit sogar für unser heutiges Grundgesetz. Es war der erste echte Versuch, Deutschland als demokratischen Nationalstaat zu gründen. Und wenn die Fürsten sich damals nicht so adelig angestellt hätten, wer weiß, dann wären uns ja vielleicht 100 Jahre voller Diktaturen und Weltkriege und so erspart geblieben. Mit der Niederschlagung der Revolution von 1848 sind die Hoffnungen auf Freiheit und einen Nationalstaat in Deutschland erstmal dahin. Viele von den führenden Mitgliedern der Revolution, von den schlauesten Köpfen Deutschlands, wandern aus, entweder weil sie sich politisch verfolgt fühlen, frustriert sind mit dem, was im Land passiert, oder weil sie eben tatsächlich verfolgt werden. Es gibt durchaus auch Hinrichtungen von Revolutionären im Jahr nach 1848. Diese Menschen flüchten aus Deutschland und erleben dann zum Großteil nicht mehr mit, wie 1871 ihr Traum anscheinend vielleicht ja doch Wahrheit wird, als Deutschland endlich ein Nationalstaat wird. Aber da läuft es dann doch ein bisschen anders, als man sich das ursprünglich mal 1948 gedacht hatte.
Das hören wir uns nächste Woche an. Geschichtsthema.net ist ein Podcast, den mache ich in meiner Freizeit für Schülerinnen und Schüler, die Lust haben, sich ein bisschen auf den Unterricht vorzubereiten oder ihre Klausuren ein bisschen besser vorzubereiten. Ich weiß leider immer nicht so genau, wer die Podcasts hört und ich freue mich deswegen ganz besonders über alle Bewertungen und jede Form von Feedback, die ich bekomme, aber auch darüber, wenn ihr die Podcasts weiterempfehlt. Denn jeder Hörer, der ist für mich natürlich eine Motivation, weiterzumachen und noch weitere Podcasts aufzunehmen. In diesem Sinne danke ich euch ganz besonders fürs Zuhören und bleibt mir treu.