Klausurfolge: 1848, Einigung, Kaiserreich
Diese “Klausurfolge” ist ein Zusammenschnitt der vorangegangenen Folgen und eignet sich besonders gut, um sich auf eine Klausur über die Deutsche Einigung im 19. Jahrhundert vorzubereiten. Sie fasst alle Kapitel von der Restauration nach Napoléon bis zum Jahr 1871 zusammen, die im 4. Lernjahr (Klasse 8/9) typischerweise relevant sind.
Willkommen bei geschichtslehrer.net. Ich bin Jens und in diesem Podcast bereiten wir uns fachkundig und kurzweilig auf eure Klassenarbeiten vor. In den nächsten Wochen geht es um das sogenannte lange 19. Jahrhundert. Das ist die Zeit, in der sich Europa völlig verändert. Weg von alten Königen, die alles alleine bestimmen wollen, hin zu Nationalstaaten, Verfassungen und einer Welt, wie wir sie heute kennen. Wir schauen uns an, wie aus einem gigantischen Puzzle aus über 300 kleinen Staaten am Ende das deutsche Kaiserreich wurde.Deutschland im Jahr 1800. Das war ein Flickenteppich aus mehr als 300 winzigen kleinen Staaten und in jedem davon herrschte ein kleiner Fürst, ein Graf, ein König oder sonst irgendein Adliger, der aber auf gar keinen Fall seine Macht mit irgendjemandem teilen wollte und lieber sein eigenes Süppchen kochte, solange ihm da nur keiner reinredete. Deshalb kam es für diese Adligen auch überhaupt nicht in Frage, sich mit den Nachbarn zusammenzutun, um gemeinsam stärker zu sein oder sowas. Aber dann ereignete sich nebenan in Frankreich die Revolution, die französische Revolution. Und ein Mann namens Napoleon kam dort an die Macht und der überzog ganz Europa mit Krieg. Und er brachte neben seinen Soldaten auch einen Haufen moderner Ideen mit nach Deutschland. Dazu kommen wir aber erst gleich. Zuerst mal musste Napoleon dieses Westdeutschland, das er gerade erobert hatte, ja irgendwie beherrschen. Und dazu hat er sich Verbündete gesucht, denen er dann Teile dieser frisch eroberten Gebiete spendierte. Und so kam es, dass die ganzen vielen Kleinstaaten nach und nach zusammengelegt wurden. Und Napoleons Kumpel wurden dann Herrscher in diesen neuen, größeren Staaten. So richtig groß, wie wir uns das heute in Deutschland vorstellen, war das immer noch nicht. Aber immerhin, unser Baden-Württemberg heute, das waren damals zwar noch Baden und Württemberg, aber das war doch schon ein großer Schritt hin zu unseren modernen Ländern im Vergleich zu vorher. Diese Zusammenlegung der vierKleinstaaten zu größeren Einheiten, die nennen wir Mediatisierung. Und warum hat Napoleon diese Mediatisierung vorangetrieben? Er wollte im Südwesten Deutschlands starke Verbündete, wie Baden und Württemberg zum Beispiel, die einerseits groß genug waren, damit sie ihm militärisch zum Beispiel gegen Österreich helfen konnten, aber die andererseits noch klein genug waren, dass sie sich nicht gegen ihn oder gegen Frankreich wenden konnten. Parallel dazu passiert noch ein anderer ähnlicher Prozess, nämlich die Säkularisation. Die Kirche verliert ihre weltliche Macht. Klöster und Kirchengüter wurden einfach verstaatlicht. Das heißt, die Fürsten haben sich diese schönen Ländereien, die der Kirche gehörten, unter den Nagel gerissen, denn die Gelegenheit war gerade gut. Napoleon grub Europa sowieso gerade völlig um, Napoleon mochte die Kirche sowieso nicht und da war es dann nicht so schwer, sich den Besitz der Kirche unter den Nagel zu reißen. Also nochmal. Mediatisierung heißt, die kleinen Staaten werden geschluckt. Und Säkularisation heißt, die Kirche verliert ihren Besitz an die Staaten. Napoleon war für die Menschen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich eine ziemlich zwiespältige Figur. Ein Hoffnungsträger auf der einen Seite und ein Tyrann auf der anderen Seite. Auf der einen Seite hat er mit dem Code Napoleon oder dem Code Civil viele moderne Rechte, wie zum Beispiel die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, die Trennung von Kirche und Staat und sowas eingeführt. Auf der anderen Seite hat er unzählige junge Männer für seine Kriege zwangsrekrutiert.und für die Revolution ein gigantisches Blutbad in Europa veranstaltet. Aber das Wichtigste für euch, durch diesen gigantischen Umbruch entstand im Südwesten erst das Fundament für moderne Flächenstaaten. Ohne Napoleon gäbe es heute mit absoluter Sicherheit kein Baden-Württemberg. Nachdem Napoleon 1815 besiegt war, waren die alten adligen Herrscher erstmal ziemlich froh. Klar, die dachten, das war knapp, wenn jetzt diese ganzen liberalen Ideen auch bei uns durchgedrungen wären, da drehen wir jetzt lieber mal die Zeit zurück und erledigen diesen ganzen neumodischen Blödsinn von wegen Bürgerrechte und Gleichheiten und all sowas. Allerdings war in Europa ja alles ziemlich durcheinander. Also musste man erstmal klären, wer jetzt eigentlich welche Grenzen wo hatte und wer wo herrschen sollte und sowas. Die ganzen Adligen Europas trafen sich also, um das zu klären, um Silvester 1814, 15 rum beim Wiener Kongress in Wien. Zu einer riesigen Party voller schicker adliger Leute. Und das Motto dieser Party war Restauration. Das ist Latein und heißt Wiederherstellung und das meint auch genau das. Wir stellen die absolute Macht der Könige wieder her, so als wenn es die französische Revolution nie gegeben hätte. Anstatt eines modernen deutschen Nationalstaats, wie den sich viele in Deutschland in der Zeit wünschen, gründeten sie dann den Deutschen Bund, so einen lockeren Club von 39 deutschen Einzelstaaten, aber der hatte keinerlei Macht und war deshalb politisch eigentlich völlig bedeutungslos.Die Menschen waren damit aber nicht so richtig zufrieden. Mit zwei wichtigen Ideen hatte Napoleon die Deutschen nämlich angesteckt. Mit dem Liberalismus und mit dem Nationalismus. Liberalismus heißt, wir wollen eine Verfassung, Grundrechte, ein Parlament, das dem König auf die Finger schaut, so eine Art Demokratie. Das hatte Napoleon ja mit voller Absicht gefördert. Er hatte ja in einigen deutschen Staaten den Code Civil eingeführt und liberale Rechte etabliert. Das war ja gerade das Programm der Französischen Revolution. Der Nationalismus dagegen war aus Napoleons Sicht wahrscheinlich eher ein Versehen. Nationalismus meint nämlich, wir gehören zusammen, wir wollen ein Deutschland ohne Grenzen an jeder Ecke, schließlich haben wir doch alle gemeinsam gegen diese dreckigen Franzosen gekämpft, sowas schweißt uns doch zusammen und so. Dass die Deutschen aber wegen seiner Eroberung auf so eine wilde Idee kommen würden, das hatte Napoleon bestimmt nicht gewollt, weil sich das ja direkt gegen Frankreich richtete. Also nochmal, Liberalismus ist die Idee, dass man einen Verfassungsstaat, Rechtsstaat, liberale Grundrechte, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und solche Sachen will und ein bisschen Demokratie. Und Nationalismus ist der Wunsch nach einem gemeinsamen großen Staat. Diese zwei Dinge, die sind ja zunächst mal was ganz unterschiedliches. Aber weil sie beide genau gegen das laufen, was die Adligen in der Zeit wollen, verbünden sich diese beiden politischen Richtungen, Liberalismus und Nationalismus, und können ziemlich gut miteinander. Denn der gemeinsame Feind ist ja eben der Adel, der herrscht.Diese Zeit, in der die Fürsten einen auf Restauration machen und die Bevölkerung im Kopf eigentlich schon viel weiter ist, die nennen wir heute den Vormärz. Ein absolutes Highlight dieser Epoche ist das Hambacher Fest von 1832. Damals zogen über 30.000 Menschen zur Hambacher Schlossruine zu einer Art Großdemonstration. Für diese Zeit eine gigantische Zahl von Menschen. Und da schwenken sie dann schwarz-rot-goldene Fähnchen und verlangen die Einheit Deutschlands und ein freies Europa und so, wobei Freiheit vor allem meint, dass man die Könige und die Fürsten loswerden will. Diese Zeit nennt man auch den Völkerfrühling, weil sich da die Freiheitsbewegungen in verschiedenen deutschen oder europäischen Gebieten gegenseitig unterstützen. Zum Beispiel helfen auch deutsche Liberale den Polen in ihrem Freiheitskampf und sowas. Der österreichische adelige Fürst Metternich, das ist der politische Kopf der Restauration, der reagiert auf diese Entwicklung im Wesentlichen mit Gewalt und Unterdrückung. Und zwar zum Beispiel mit Polizeiüberwachung, mit Zensur der Presse und sowas. Unter seiner Führung entsteht dann in Europa eine Art Geheimdienst, der versucht, liberale Aktivitäten zu unterwandern und zu zerschlagen. Wir nennen dieses Vorgehen heute das System Metternich, eben nach diesem Fürst Metternich, und einen Staat, der so versucht, seine Bürger zu kontrollieren, den nennen wir einen Obrigkeitsstaat. So richtig erfolgreich war er damit aber langfristig dann auch nicht.Wie macht man Politik, wenn man dafür im Gefängnis landen kann? Man wird kreativ. Das Bürgertum im 19. Jahrhundert lebt in einer Welt der Zensur. System Meta nicht und so. Wenn du etwas Kritisches in der Zeitung geschrieben hast, dann war die Zeitung am nächsten Tag verboten. Ein berühmtes Bild aus dieser Zeit ist der Denkerclub. Das ist eine Karikatur, die ihr vielleicht kennt, auf der Männer mit Maulkörben um einen Tisch rumsitzen. Und das war bittere Realität, also nicht die Maulkörbe, aber die Idee, dass einem alles verboten wird, was man irgendwie diskutieren will. Weil echte Parteien verboten waren, haben die Menschen sich eine andere Lösung überlegt. Sie haben ihre politischen Versammlungen kurzerhand umbenannt und dadurch getarnt. Statt Parteien gründen sie also zum Beispiel irgendwelche Vereine, Schäferhundezuchtvereine oder sonst was. Was also offiziell dann wie ein harmloser Gesangsverein oder ein Turnclub oder sowas aussieht, ist in Wahrheit ein Ort für politische Diskussionen. Wenn die Leute im Gesangsverein also das Freiheitslied singen, dann ist das eigentlich nicht Musik, sondern eigentlich ist das ein politisches Statement für die Einheit Deutschlands. Aber es ist ja nicht so richtig illegal, weil es ja eigentlich nur ein harmloser Gesangsverein ist. Aber irgendwie ja doch, weil es ja liberale Aktivitäten sind. Naja, ihr seht schon, was die sich dabei gedacht haben. Man ist ein bisschen unauffälliger so. Trotzdem war so gut wie jedem wahrscheinlich klar, was da gespielt wurde. Während manche also sich in diesen Vereinen organisieren, ziehen sich andere frustriert ins Privatleben zurück, weil sie keinen Bock mehr auf Politik haben, weil ihnen das jetzt stinkt, weil sie diese Unterdrückerei…der Adligen nicht mehr ertragen. Die machen sich dann zu Hause gemütlich und ignorieren die Politik, weil sie das Gefühl haben, sie können sowieso nichts ändern. Dieses Phänomen nennt man dann den Biedermeier, eine Epoche des politischen Stillhaltens, der Frustration und eben den Rückzug ins Private. Das ist eine zerrissene Zeit. Auf der einen Seite haben wir die Auflehnung gegen die Obrigkeit in irgendwelchen obskuren Vereinen. Auf der anderen Seite haben wir die stille Anpassung des Biedermeier an den autoritären Obrigkeitsstaat. In den heftigen Spannungen zwischen staatlicher Unterdrückung durch das System Metternich auf der einen Seite und dem in der Bevölkerung vor sich hinköchelnden Liberalismus und Nationalismus auf der anderen Seite, der aber nur in so halblegalen Vereinen gepflegt werden durfte, da wurde 1848 das Jahr der Entscheidung. Da flammten nämlich Revolutionen in mehreren europäischen Großstädten auf. In Paris, in Wien, in Berlin brannten die Barrikaden. Die Menschen wollen nicht mehr darauf warten, dass sich politisch was bewegt. Und die Adligen, die werden von diesem Ausbruch dann völlig überrumpelt. Denen fehlt gerade das Militär, um diese Aufstände niederzuschlagen. Das schaffen sie nicht. Und so können die Menschen die Wahl der ersten deutschen Nationalversammlung erzwingen. Nationalversammlung ist so ein Club, der sich überlegt, wie soll unser Staat in Zukunft aussehen. Da saß dann ab dem Jahr 1848 in der Frankfurter Paulskirche ein gewähltes Parlament. Und die tagten dann, das waren so einige hundert gewählte Professoren und vor allem Juristen, und die debattierten über die Zukunft. Soll Deutschland eine Monarchie sein?Archie werden oder eine Republik. Wie mächtig sollte denn ein König sein, wenn es einen geben sollte? Und vor allem, wer gehört alles zu diesem Deutschland dann dazu? Da gibt es die berühmte Frage, ist es jetzt die großdeutsche Lösung, wo man Österreich mit reinnimmt, oder lässt man Österreich raus und nimmt die sogenannte kleindeutsche Lösung? Denn Österreich ist ja Österreich-Ungarn in der Zeit, das ist nicht so unkompliziert, wie man das jetzt da integrieren könnte. Die Abgeordneten aus dieser Frankfurter Paulskirche, die schrieben dann eine beeindruckende Verfassung mit ganz vielen modernen Menschen- und Bürgerrechten und legten ein ganz modernes Wahlrecht fest. Das hätte ein richtig guter, liberaler, moderner Verfassungsstaat werden können, dieses Deutschland. Aber sie machten einen entscheidenden Fehler. Sie diskutierten nämlich monatelang drüber. Und das gab den Fürsten dann jede Menge Zeit, um ihr Militär wieder zu sammeln. Die Fürsten, also die Könige und Grafen und was auch immer, die waren ja keine Fans von dieser Idee, dass man Deutschland zu einer großen Nation zusammenschließen sollte vom Nationalismus. Die wollten nämlich lieber weiter jeder ihr eigenes kleines Königtum oder Fürstentum behalten, wo sie ganz alleine herrschen und machen konnten, was sie wollten. Da quatscht die ihnen dann kein Parlament rein und es soll ja auch da keine Verfassung geben, an die man sich halten müsste und wählen braucht da ja auch keiner. Bitteschön, was sind denn das für neumodische Zeiten? Naja, jedenfalls, nachdem die Abgeordneten nun monatelang diskutiert hatten, hatten die Fürsten zwischenzeitlich heimlich ihre Armeen wieder organisiert. Und das war dann der Beginn der Gegenrevolution. Oder man sagt auch Konterrevolution.Da kennt ihr vom Fußball die Gegenbewegung. Als die Abgeordneten der Nationalversammlung also nun nach Berlin fuhren und ganz stolz ihre Verfassung rausholten und dem preußischen König Friedrich IV. Dann hinhielten und hier die Kreiserkrone dabei hatten, Da konnte der dann sagen, nein, danke, ich will keine Krone vom Dreck der Gasse haben, sondern nur von Gottes Gnaden. Kennt ihr Gottes Gnadentum und so? Die Könige finden, ja, sie sind nur von Gott eingesetzt und sonst hat da keiner mitzureden. Das ist zwar nicht sehr nett, wenn man das so ausdrückt, aber der König hatte ja nun auch wieder jede Menge Soldaten, da konnte ihm das dann egal sein, weil er konnte das ja niederschießen lassen, wenn er wollte. Und damit war die Revolution dann eigentlich gescheitert. Die Fürsten gewannen wieder die Oberhand zurück und viele Revolutionäre landeten im Gefängnis oder mussten fliehen. Aber 1848 war jetzt kein totaler Reinfall, auch wenn das so klingt. Die Paulskirchenverfassung, die blieb… Das Vorbild für die Verfassung der Weimarer Republik und damit sogar für unser heutiges Grundgesetz. Es war der erste echte Versuch, Deutschland als demokratischen Nationalstaat zu gründen. Und wenn die Fürsten sich damals nicht so adlig angestellt hätten, wer weiß, dann wären uns ja vielleicht 100 Jahre voller Diktaturen und Weltkriege und so erspart geblieben.Was würdest du machen, wenn zu Hause alles schief geht, wenn du für deine Träume von Freiheit verfolgt wirst oder schlichtweg verhungerst? Millionen Menschen im 19. Jahrhundert sehen aus diesem autoritären, unterdrückerischen, von Armut und Hungersnot gebeutelten Europa nur einen Ausweg. Migration, das ist das lateinische Wort für Wandern oder in diesem Fall für Auswandern. Amerika war damals das Ziel der Träume der meisten Leute, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und so. Es gab zwei Hauptgründe für diese große Auswanderungswelle. Erstens die miese Wirtschaftslage. Durch ganz schlechte Ernten und Überbevölkerung auf dem Land gab es in vielen Dörfern keine Zukunft mehr für viele Menschen. Ganze Familien kratzten also ihr letztes Geld zusammen für eine lebensgefährliche Überfahrt in der stickigen Zwischendeckklasse irgendeines Segelschiffs. Zweitens gab es da aber auch noch die Politik, denn nach der gescheiterten Revolution von 1948 flohen die sogenannten 48ers, 48er, gebildete Leute, die in Deutschland für die Freiheit gekämpft hatten, aber keine bekommen hatten. Manche von diesen Revolutionären wurden in Deutschland hingerichtet, andere flohen und oft eben dann in die USA. Viele von ihnen wurden dann dort später sehr erfolgreiche Politiker oder Geschäftsleute. Diese Menschen, die ließen alles hinter sich, aber sie blieben vernetzt. Sie schrieben Briefe nach Hause, schickten Geld und berichteten von der neuen Welt. Das war eine frühe Form von dem, was wir heute Globalisierung nennen. Wenn ihr in der Klausur…Nach der Bedeutung von Auswanderung gefragt werdet, könnt ihr an dieses Doppelpack denken. Wirtschaftliches Elend und politische Unterdrückung trieben die Menschen weg. Aber sie bauten gleichzeitig ja auch irgendwie eine Brücke über den Ozean, die wir heute noch spüren. Selbst der heutige amerikanische Präsident Donald Trump hat bekanntlich deutsche Vorfahren. Das ist kein Zufall, sondern Einwanderung aus Europa war jahrhundertelang die Lebensader der USA. Am Ende kam die deutsche Einheit dann doch noch, aber ganz anders als die Revolutionäre von 1848 sich das vorgestellt hatten. Nicht durch Reden und Mehrheitsbeschlüsse und in Form einer schönen, liberalen, demokratischen Ordnung, sondern von Adligen kontrolliert und gelenkt und durch Machtpolitik und Kriege durch Eisen und Blut. Das ist das Motto von Otto von Bismarck, dem preußischen Ministerpräsidenten. Der trieb das voran, was wir heute als die Reichsgründung von oben beschreiben. Von oben heißt dann, nicht das Volk oder ein Parlament hat entschieden, dass man in Deutschland gründet, sondern die Fürsten und das Militär haben diese Einheit durch drei gewonnene Kriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich eigentlich als Machtmittel benutzt. Bismarck hat das so angestellt. Er zettelte einen Krieg nach dem anderen an, um Preußen zum ersten Mal zum mächtigsten Staat im deutschen Raum zu machen. Dann zettelte er nochmal einen Krieg mit Frankreich an, damit sich alle Deutschen sozusagen gemeinsam verteidigen mussten. Denn schon Bismarck wusste, nichts bringt die Leute so zusammen wie eine gemeinsame Gewalterfahrung. Am 18. Januar 1871, nach dem Sieg über Frankreich eben,wurde dann also der preußische König, Wilhelm I., im Spiegelsaal von Versailles zum deutschen Kaiser ausgerufen. Merkst du was? Der preußische König wird Kaiser von Deutschland. Da weiß man also schon, wie die Macht zwischen diesen verschiedenen deutschen Staaten verteilt ist. Preußen hat da eine ganz klare Sonderrolle. Und dann machen die das noch ausgerechnet in Frankreich, ausgerechnet in Versailles, im Schloss der französischen Könige. Vielleicht habt ihr mal das Bild von Louis XIV. Gesehen, wie der so in so einem komischen Tanzschritt vor einem Spiegel steht. Das ist genau dieses Schloss. Das war also eine bewusste Demütigung der Franzosen, dass man dort ausgerechnet Deutschland gegründet hat. Deutschland war also endlich ein Nationalstaat. Weil es damit 1871 ziemlich spät dran war, nennt man es einen jungen Nationalstaat im Vergleich zu einem alten Nationalstaat, wie zum Beispiel Frankreich. Das war schon seit Jahrhunderten ein gemeinsamer Staat. Jetzt würde man ja denken, am Ende haben die Revolutionäre von 1848 ja doch noch ihren Willen bekommen, oder? Nationalismus und Liberalismus haben also gesiegt, oder wie sieht das aus? Naja, dieser neue Staat war von Anfang an extrem militaristisch und militärisch und autoritär geprägt. Das war eben wieder ein Obrigkeitsstaat, wo die Adligen mächtig und die Bürger total unwichtig waren. Bismarck hatte Deutschland also geeint, aber er hat die Liberalen, die Freiheit, das Bürgertum politisch total klein gehalten. Dazu gibt es ein Zitat, Bismarck hat Deutschland größer, aber die Deutschen kleiner gemacht.Und das trifft es ganz gut auf den Punkt. Bismarck schuf einen unheimlich mächtigen deutschen Staat. Aber diese Freiheit und die Demokratie, von der man 1848 geträumt hatte, die blieb völlig auf der Strecke. Der gemeinsame Nationalstaat war nun zwar da, aber es war ein Obrigkeitsstaat, in dem von Freiheit wenig zu spüren war. Wir haben heute über das lange 19. Jahrhundert gesprochen. Von 1789, dem Beginn der Französischen Revolution, bis 1914, dem Beginn des Ersten Weltkriegs, verändert sich die politische Landkarte Europas in unfassbarer Geschwindigkeit. Diese großen Veränderungen, die sind Teil des Bildungsplans des dritten Lernjahres in Geschichte und auch in der Kursstufe in Baden-Württemberg. Schaut bitte auch in eurem eigenen Bundesland nochmal in die Bildungspläne, wenn ihr woanders lernt, damit ihr für die Klausur immer gut vorbereitet seid und nicht, dass ihr irgendeinen Fachbegriff verpasst habt. Ich freue mich immer, wenn ihr den Podcast weitergebt, teilt und bewertet, denn jeder Hörer, von dem ich weiß, der ist für mich eine Motivation, weiterzumachen mit diesen Podcasts. Ich freue mich, wenn die euch was bringen und euch weiterbringen. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.