← Alle Episoden

Wirtschaftsliberalismus, Frühindustrialisierung und die Eisenbahn

Staffel 8, Folge 05 23.01.2026 00:06:59
Fachbegriffe: WirtschaftsliberalismusIndustrialisierungFabrikEisenbahn

In dieser Folge geht es um den Beginn der Industrialisierung in Deutschland. Wir sprechen über:

  • Wirtschaftsliberalismus
  • Industrialisierung
  • Fabrik
  • Eisenbahn

Willkommen bei geschichtslehrer.net. Ich bin Jens und heute geht es um das lange 19. Jahrhundert und wir fangen an mit dem Wirtschaftsliberalismus. Schön, dass du dabei bist.

Wirtschaftsliberalismus

Ihr habt eine gute Geschäftsidee und ihr wollt ein Business starten. Aber es gibt hunderte von Gesetzen und Regeln, was erlaubt ist und was nicht. Und die schreiben vor, dass ihr das genauso machen müsst wie alle anderen. Ja, und was ist jetzt mit meiner tollen Idee? Ja, geht halt nicht, sonst kommt die Polizei. Genau das war das Problem vor der Industrialisierung. Die Zünfte regelten ganz genau, welche Sachen wie produziert werden durften und was die kosten durften. Neue, coole Ideen und Erfindungen waren darin nicht vorgesehen und auch nicht erlaubt. Das war blöd, weil es ja jeden Fortschritt abwirkte. Um das Jahr 1770 kam dann ein schottischer Wissenschaftler namens Adam Smith um die Ecke. Adam Smith hatte eine Idee namens Wirtschaftsliberalismus. Liberalismus heißt sowas wie Freiheit. Das kennt ihr schon aus den letzten Folgen. Das Motto des Wirtschaftsliberalismus ist also, lasst die Leute einfach mal machen. Wenn der Staat sich raushält, dann regeln Angebot und Nachfrage den Rest. Man nennt das auch laissez-faire, machen lassen. Die Idee ist, es will ja eigentlich jeder für möglichst wenig Geld möglichst viel haben. Also kaufen die Leute eigentlich immer automatisch das beste Produkt. Sie sind ja nicht doof. Wenn also jemand eine coole Idee hat, wie man Stricksocken billiger oder besser produzieren kann, dann werden die Leute ganz automatisch diese…billigeren oder besseren Socken kaufen und die anderen Sockenfirmen, die es nicht machen, werden es dann auch machen müssen, weil sonst ja keiner mehr deren Socken kauft. Und so wird alles in der Wirtschaft mit der Zeit immer besser und billiger. Dafür, dass das ganz automatisch passiert, weil die Leute, die einkaufen gehen, ja nicht blöd sind, ist in Adam Smiths Bild, Das Bild einer unsichtbaren Hand des Marktes drin. Also die Idee ist, dass der Markt von ganz alleine prima funktioniert, wenn man nicht mit irgendwelchen Regeln und Verboten drin rumfuscht, wie die Zünfte. Das war der Startschuss für den Wettbewerb in der Wirtschaft. Also dass Firmen versuchen, besser zu sein als die Konkurrenz. Man könnte eigentlich sagen, wenn die Handys von Samsung und Xiaomi und Apple und so weiter jedes Jahr etwas besser werden, dann geht das eigentlich auf Adam Smith und auf seinen Wirtschaftsliberalismus zurück.

Industrialisierung

Diese Ideen bringen die frühe Industrialisierung nach Deutschland. Wenn wir mal in das Mittelalter zurückgucken, dann findet die Wirtschaft in Deutschland fast nur auf dem Land statt. Man nennt das eine Agrargesellschaft, eigentlich eine Bauerngesellschaft, wo jeder für sich selber genug Essen und Zeug anbaut und im Wesentlichen alles selber produziert. Und damit hat sich dann auch. In der Frühindustrialisierung, so um 1800, fangen die Leute an, Zeug zum Verkaufen zu produzieren. Also mehr zu produzieren als das, was sie selber brauchen. Überschuss zu produzieren. Das geht, weil die eine oder andere neue Technik die Arbeit auf dem Land produktiver macht. Wenn ich eine coole neue Idee habe, für mein Weizenfeld, sodass ich doppelt so viel Weizen rausbekomme. Dann brauche ich weniger Zeit, um meine eigenen Leute zu versorgen. Dann kann ich meiner Nachbarin Erna was davon verkaufen, was ich übrig habe.habe und mir dafür schicke Socken von meiner anderen Nachbarin kaufen. Das ist doch prima. Da gibt es dann findige Geschäftsleute, die bezahlen andere Leute dafür, dass sie zu Hause einen Haufen Socken stricken und kaufen sie denen dann billig ab, gehen dann damit in die Stadt und verkaufen sie dort teuer. Und so entstehen die ersten Unternehmen. Man nennt die auch Manufakturen, weil das alles noch mit Handarbeit funktioniert. Es gibt dann bald die ersten Maschinen, die funktionieren immer noch mit Körperkraft. Zum Beispiel haben die ersten Nähmaschinen so ein Pedal unten, da drückt man drauf und dann bewegt sich die Maschine. Vielleicht habt ihr sowas bei eurer Oma mal gesehen. Nach und nach kommen dann aber auch richtige Maschinen dazu, so wie wir uns die vorstellen, mit Dampf oder Wasserkraft, die so richtig Power haben.

Fabrik

Und so entstehen dann die ersten Fabriken.

Im 19. Jahrhundert kommt dann der absolute Game Changer, und zwar so um das Jahr 1850 rum,

Eisenbahn

die Eisenbahn. Die Eisenbahn war für das 19. Jahrhundert das, was heute das Internet für uns ist. Sie hat alles vernetzt. Plötzlich konnte man tonnenschwere Produkte wie Kohle, Stahl in riesigen Mengen durch das Land bewegen. Weil man so eine Eisenbahn… Mit unendlich viel Schienen und Loks erstmal aufbauen muss, mussten mehr Fabriken her. Und damit die Bahn fährt, musste man dann auch jede Menge Kohle aus dem Bergwerk holen. Und damit man die Kohle transportieren kann, braucht man ja noch mehr Schienen und Stahl und Maschinen. Also baut man Maschinenfabriken. Und die brauchen auch wieder Kohle für ihre Dampfmaschinen und für Stahl und was nicht alles. Und das Ganze muss auch irgendwie hingeschafft werden. Und so wird aus dem Ganzen am Ende eine Art Kreislauf, bei dem sich alle möglichen Wirtschaftssektoren gegenseitig befeuern. Man nennt das dann eine Schrittmacherindustrie. Ein Bereich der Wirtschaft, eben die Eisenbahn, zieht alle anderen Bereiche der Wirtschaft mit sich. Die Eisenbahn ist die Schrittmacherindustrie des 19. Jahrhunderts. Mit dieser Eisenbahn kommt in Deutschland dann auch so langsam die Hochindustrialisierung, so nennen wir die Epoche ab ungefähr 1860, 70. Alle diese Fabriken werden immer schneller, immer größer, immer effizienter. Wer jetzt immer noch normal arbeitet, so wie früher von Hand, der hat ja überhaupt keine Chance mehr, mit den Hightech-Fabriken mitzuhalten. Wenn ich in der Hightech-Fabrik zum Beispiel einen Stricksochen in 5 Minuten automatisch produzieren kann und dann kann ich ihn ganz billig verkaufen, weil es nicht viel Zeit kostet, dann kostet er 1 Euro im Laden.Dann hat aber der handgestrickte Manufaktursocken von jemandem, der den ganzen Tag von Hand dran herumgestrickt hat, der deswegen dann 10 Euro kostet, weil sonst verhungert er ja, der hat dann keine Chance mehr. Weil die ganzen Leute in den Manufakturen, die werden natürlich bald arbeitslos. Was machen die denn dann alle? Na, diese Leute, die jetzt arbeitslos werden, die suchen Jobs und die finden sie natürlich in diesen Hightech-Fabriken, die ihre eigenen Jobs kurz vorher killt haben. Das heißt, diese Leute ziehen in die Städte, die Fabriken wachsen rasend schnell, die Städte drumherum aber auch, weil ja Massen von Menschen da hinziehen, um Arbeit zu finden. Und wo sollen die auch alle wohnen? Es entstehen riesige Viertel voller Bruchbuden, die man schnell irgendwo hingestellt hat, um die Arbeiter unterzubringen. Und nebendran steht dann eine schicke, riesige Villa des reichen Fabrikbesitzers. Und die Ungerechtigkeit und die Ungleichheit zwischen den armen Arbeitern und den sehr wohlhabenden Fabrikbesitzern, die nimmt immer weiter zu. Wie man das lösen könnte, das gucken wir uns jetzt als nächstes an. Das war es für heute zum Thema Wirtschaftsliberalismus und die Eisenbahn in Deutschland. In der nächsten Folge geht es weiter mit unserem Ritt durch das lange 19. Jahrhundert. Ich freue mich, wenn ihr wieder einschaltet. Gerne dürft ihr auch die Podcasts mit euren Klassenkameraden und Freunden teilen, die sich auch auf Klausuren vorbereiten oder einfach für Geschichte interessieren. Jeder Hörer ist für mich eine Motivation, hier weiterzumachen. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.