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Erinnerungskultur im Kaiserreich und die "erste Globalisierung"

Staffel 8, Folge 08 13.02.2026 00:05:30
Fachbegriffe: ObrigkeitsstaatSedantagKaisergeburtstag14. JuliVernetzung: Eisenbahn, Dampfschiff, Telegraf, Weltausstellung

In der heutigen Folge geht es um:

  • Obrigkeitsstaat
  • Sedantag
  • Kaisergeburtstag
    1. Juli
  • Vernetzung: Eisenbahn, Dampfschiff, Telegraf, Weltausstellung

Willkommen bei geschichtslehrer.net. Ich bin Jens und in diesem Podcast bereiten wir uns kurzweilig und fachkundig auf Klausuren im Fach Geschichte vor. Heute geht es um die Erinnerungskultur in Deutschland und Frankreich am Ende des 19. Jahrhunderts. Diese beiden Staaten, die unterscheiden sich sehr stark, vor allem auch im Hinblick darauf, wie sie ihren eigenen Staat begreifen und wie sie ihn feiern. Und das schauen wir uns heute näher an. Außerdem werfen wir noch einen Blick auf die globalisierte Welt am Ende des 19. Jahrhunderts und wie sich die verändert hat im Vergleich zu den Jahrhunderten und Jahrtausenden davor. Das ist Teil unserer Reihe zum langen 19. Jahrhundert. Ich freue mich, dass ihr da seid. Viel Spaß beim Hören.

Wie ein Land tickt, das sieht man besonders gut daran, wofür es sich feiert. Wie ein Land auf seine eigene Geschichte blickt, nennt man Erinnerungskultur. Also woran die Menschen im Land so denken, wenn sie sich an früher erinnern. Im Deutschen Kaiserreich, das ist ein typischer

Obrigkeitsstaat

, da feierte man den

Sedantag

. Und das war der Tag des Sieges über Frankreich. Oder halt den

Kaisergeburtstag

. Da gab es dann Flaggen und Paraden und Jubel für den Kaiser. Die Botschaft dieser Feiern ist ja völlig klar. Sei brav und still und treu und ein netter Untertan, diene dem Kaiser und stell keine dummen Fragen über Gerechtigkeit oder so. Das sagt schon relativ viel über einen Staat aus, wenn das die Message ist, die er seinen Bürgern vermitteln will.

Ganz anders sieht das in Frankreich aus. Frankreich ist damals schon lange eine Republik. Seit der französischen Revolution war Freiheit eigentlich ein Teil vom französischen Staatsprogramm und Staatsverständnis. Der französische Nationalfeiertag ist heute genauso wie damals der

14. Juli

. Da feiern die Franzosen aber nicht den Geburtstag irgendeines Königs oder sowas, sondern den Sturm auf die Bastille, also den Moment, als die französische Revolution anfing, als sich das Volk die Freiheit geholt hat. Das zeigt einen riesen Unterschied. In Deutschland demonstrative Unterwürfigkeit unter den Kaiser, in Frankreich Stolz auf die Kaiser.auf die eigene Nation und Demokratie. Das sind zwei völlig verschiedene Konzepte davon, auf was man stolz ist. Das sind zwei verschiedene Formen von Nationalstolz. Einmal auf den Kaiser, Hurra, man nennt das auch Hurra-Patriotismus, und in Frankreich ein Stolz auf die Freiheit und die Demokratie, also auf bestimmte Werte. Eine völlig andere Vorstellung davon, wofür ein Staat gut ist und wofür man einen Staat feiert. Da prallen eigentlich unterschiedliche Vorstellungen von der Welt aufeinander und zeigen, wie unterschiedlich die beiden Staaten Deutschland und Frankreich im 19. Jahrhundert ticken.

Zum Abschluss des Kapitels müssen wir noch über das Fenster zur Welt reden. Das ist so eine Spezialität des Bildungsplans in Baden-Württemberg. Die Welt am Ende des 19. Jahrhunderts ist schon ziemlich gut vernetzt. Natürlich jetzt nicht so wie heute, man konnte keine WhatsApp-Nachricht an seine Cousine in Amerika schicken und sich ein Video von chinesischen TikTokern ansehen oder so. Aber im Vergleich zu vorher war das schon was. Durch das Dampfschiff konnte man Waren in wenigen Wochen über den Atlantik schippern und durch den Telegrafen konnte man Informationen unterm Atlantik in ein paar Minuten übertragen. Das war schon beeindruckend.

Vernetzung: Eisenbahn, Dampfschiff, Telegraf, Weltausstellung

Wenn im Jahr 1800 in den USA was passiert ist, dann dauert es vier bis acht Wochen, bis die Nachricht auf irgendeinem Segelschiff in Europa ankommt. Jetzt gibt es ein dickes Kabel quer durch den Atlantik, mit dem man primitive Stromsignale übertragen kann, so ähnlich wie Morse-Code. Und damit kann man dann langsam Buchstaben und Sätze übertragen. Das war schon eine andere Welt und ständig kamen neue Erfindungen wie das Telefon nach, mit denen die Welt dann immer noch enger vernetzt wurde. Auf den sogenannten Weltaufer.Ausstellungen haben die Länder damit angegeben, was sie alles erfunden haben. Vom Telefon bis zum Eiffelturm. Die Leute hatten das Gefühl, dass die Technik jeden Tag neue Wunder vollbringt, dass bald alle Probleme gelöst sein würden, wenn es nur so weiterging. Plötzlich war es ganz normal, dass man in Deutschland Kaffee aus Südamerika trinken konnte oder Tee aus Indien. Das war die erste echte Globalisierung. Alles rückt ein Stück weit zusammen. Aus vielen getrennten Kontinenten und Ländern wird eine Welt, in der alles irgendwie miteinander zusammenhängt. Aber in der nächsten Folge werden wir sehen, diese enge Vernetzung und das Wettrennen um Macht und Ressourcen führt dann am Ende auch zum großen Knall in den Ersten Weltkrieg. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das war heute die letzte Folge zur Industrialisierung und dem langen 19. Jahrhundert, das davon begleitet wird. Ich hoffe, ihr habt ein bisschen was mitnehmen können. Wenn ihr euch weiter interessiert für die Zusammenhänge der Industrialisierung und so weiter, dann könnt ihr mal in den Folgen drumherum schauen. Da findet ihr ganz viele andere Informationen. Und es gibt auch die Klausurfolgen. Das sind jeweils dann Zusammenschnitte aus vier bis sechs kleineren Folgen zu einem großen Thema, das typischerweise in Klausuren in Klasse 8 oder in Klasse 11, je nachdem, wo man gerade ist. Vielleicht aber auch, wenn ihr in G9 seid, vielleicht auch Klasse 9 und Klasse 12. Naja, werdet ihr schon wissen, wo ihr seid. Dann, was in den Klausuren so dran. Wo war der Satz angefangen? Ja, ich nehme heute schon zu lange auf. Also, viel Spaß dabei, macht’s gut, vielen Dank fürs Zuhören und tschüss.