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Imperialismus und Kolonien

Staffel 8, Folge 10 27.02.2026 00:05:27

In dieser Folge geht es darum, was den Imperialismus ausmacht und um die Kolonialreiche des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Willkommen bei geschichtslehrer.net. In unserer Reihe zum langen 19. Jahrhundert beschäftigen wir uns heute mit dem Imperialismus und den Kolonialreichen. Schön, dass du heute dabei bist. Die Ausbeutung des Menschen, die ist so alt wie die Menschheit. Schon immer haben sich Menschen überlegt, dass ihr Leben bequemer wäre, wenn sie andere Menschen versklaven und ausbeuten könnten. Schon seit dem 16. Jahrhundert nimmt dieser Trend wieder langsam an Fahrt auf, vor allem mit dem afrikanischen Sklavenhandel. Aber im späten 19. Jahrhundert, so ab 1880 ungefähr, geht es dann so richtig los, dass die Kolonien so richtig staatlich verwaltet und ausgebeutet werden. Denn das frisch vereinigte Deutsche Reich, das kurz vorher vereinigte Italien, die haben beide das Gefühl, dass sie spät dran sind im Wettlauf um die Kolonien. Und deswegen beginnen sie ein großes, brutales Kolonialprogramm, um sich ein Reich unter der Sonne zu schaffen. Also gemeint ist damit eins, dass die ganze Erde umspannt, wo also den ganzen Tag lang immer irgendwo die Sonne scheint. Wir nennen diese Epoche deshalb den Imperialismus. Das Wort kommt vom Imperium, vom Weltreich. Die großen Mächte wie England, Frankreich und später eben auch Deutschland und Italien wollten nicht mehr nur in Europa mitspielen, sondern die ganze Welt kontrollieren. Warum? Naja, die Großmächte…In Europa erklären sich das mit mehreren Argumenten. Erstens, weil man die Kohle, das Gummi und das Gold aus den Kolonien haben wollte. Und zweitens, weil man neue Gebiete suchte, um Zeug zu verkaufen, das im eigenen Land produziert wurde. Die Menschen haben sich vorgestellt, dass so eine Kolonie ja ein neuer Absatzmarkt ist, für all die schmucken Sachen, die man seit der Industrialisierung selber herstellen konnte. So hätte ja das eigene Land noch viel reicher werden können. Außerdem war es gerade eben schick, Kolonien zu haben. Da ging es um Prestige, um Ansehen. Ein Staat, der keine Kolonien hatte, der galt dann als Zweitklassik. Es war ein rücksichtsloses Spiel um Macht und um Geld, bei dem die betroffenen Menschen vor Ort in den Kolonien überhaupt nicht gefragt wurden. Deutschlands Rolle dabei ist ein bisschen sonderbar. Unter Bismarck, den kennen wir schon, der hat 1871 Deutschland vereinigt, waren Kolonien kein großes Thema. Er hielt das für Spinnerei und damit hatte er auch irgendwie recht. Außerdem hatte er gerade erst eine Menge Kriege in Europa geführt, da brauchte er jetzt nicht noch ein Brandherd irgendwo in Übersee. Aber als der Kaiser Wilhelm dann starb und sein Nachfolger von Bismarck nichts mehr wissen wollte und sich einen neuen Kanzler gesucht hat, da stieg dann auch Deutschland so richtig in das Wettrennen um die Kolonien ein.Wie gewinnt man denn nun dieses Wettrennen um die Kolonien? Naja, erstmal baut man sich ein Kolonialreich auf. England war in der Hinsicht der Spitzenreiter. Die haben ja auch diesen Spruch erfunden, in ihrem Reich geht die Sonne nie unter, an empire under the sun. Man nennt das auch das viktorianische Zeitalter, weil die Queen Victoria in dieser Epoche über England herrschte und die war ziemlich ewig an der Macht und sie personifiziert diesen Imperialismus geradezu. Aber auch das Deutsche Reich wollte nun seinen Platz an der Sonne und eroberte jede Menge Kolonien in Gebieten wie dem heutigen Namibia, in Tansania, Kamerun und Togo in Afrika. Deutschland hat dort Plantagen hochgezogen und die Menschen eigentlich wie Sklaven zur Arbeit gezwungen, um Kakao oder Palmöl oder Kautschuk nach Europa zu verschiffen. Und dann ist da auch noch der Pazifik. Das Deutsche Reich besaß dort auch Kolonien, nämlich Deutsch-Neuguinea und Samoa. Das klingt so ein bisschen nach Südsee-Idylle und schöner Insel und Caipirinha, aber das war für das Deutsche Kaiserreich vor allem strategisch wichtig, als militärischer Stützpunkt und für den Handel mit bestimmten Rohstoffen, die man in Europa nicht so leicht kriegen konnte. Sogar in China hatte Deutschland einen Stützpunkt, nämlich Qiaqiu. Die Stadt dort heißt heute Qingdao. Wenn ihr im Supermarkt Tsingtao Bier sehen könnt, dann geht das Original auf die deutschen Bierbrauer zurück, die um 1900 dort in China stationiert waren, wo bis heute eben eine Brauereikultur existiert. In ihren Kolonien herrschten die Europäer.dann aber wie Götter. Sie beuteten das Land aus, zwangen den Einheimischen nicht nur Zwangsarbeit auf, sondern auch ihre Kultur und ihre Sprache. Die Grenzen in Afrika wurden oft mit dem Lineal auf der Landkarte gezogen, ohne Rücksicht auf die Menschen, die da lebten. Viele Konflikte in Afrika, die wir heute in den Nachrichten sehen, haben ihre Wurzeln genau da, in der Zeit der großen Kolonialreiche. Das gilt sogar auch für den Bürgerkrieg im Sudan, der in den Medien in Europa zwar kaum stattfindet, weil Ukraine und so aktuell irgendwie interessanter ist, aber eigentlich ist das die aktuell größte humanitäre Katastrophe der Welt. Und die hat ihren Ursprung um mehrere Ecken rum auch im Kolonialismus und im Imperialismus. Das war die Folge zum Imperialismus und den Kolonialreichen im langen 19. Jahrhundert. Nächstes Mal geht es weiter mit den Begründungen und den Gedankenkonstrukten, wieso die Leute sich überhaupt berechtigt sahen, fremde Reiche und Länder und Menschen zu unterwerfen und zu versklaven. Um den Sozialdarwinismus und um den Rassismus wird es da gehen. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.