Sozialdarwinismus und Rassismus
In dieser Folge geht es um zwei der folgenreichsten “wissenschaftlichen” Theorien des 19. Jahrhunderts, den Sozialdarwinismus und den Rassismus: zwei zutiefst menschenverachtende und ungerechnete Ideologien, in denen schon Jahrzehnte vor Hitlers Geburt der nationalsozialistische Massenmord angelegt ist.
Willkommen bei geschichtslehrer.net. Ich bin Jens und in diesem Podcast bereiten wir uns auf Klausuren im Fach Geschichte vor. Heute geht es um das lange 19. Jahrhundert und ganz konkret darum, mit welchen Begründungen sich die europäischen Staaten eigentlich berechtigt sahen, in Afrika und Asien Kolonien zu gründen, die Menschen zu versklaven und zur Zwangsarbeit zu zwingen und da solche Terrorregimes zu etablieren, wie sie das in den Kolonien häufig getan haben. Es geht um den Sozialdarwinismus und den Rassismus. Schön, dass ihr heute dabei seid.Nun ist so eine imperiale Herrschaft, bei der man ein wehrloses Land überfällt, die Leute versklavt und ausbeutet, ja, irgendwie offensichtlich eine ziemliche Schweinerei. Das war den Leuten damals auch intuitiv irgendwie klar, dass das eine Schweinerei ist. Aber wie haben die Leute das dann vor sich selbst und vor ihren Mitmenschen und Bürgern und Politikern gerechtfertigt? Die haben sich ja selber nicht als Bösewicht gesehen. Dahinter steckt ein ziemlich abgedrehtes Gedankenkonstrukt und das ist der Sozialdarwinismus. Darwinismus kennt ihr bestimmt schon. Das ist das Prinzip der Evolutionstheorie, heißt nach Darwin. In der Evolution setzen sich die Arten durch von Tieren, die sich am besten in ihrem Lebensraum anpassen können und die anderen sterben dann aus, weil sie nicht mehr konkurrenzfähig sind. Das ist Darwinismus. Die Erfinder des Sozial-Darwinismus haben nun Charles Darwin und diese Idee von der natürlichen Auslese bei Tieren einfach auf die Menschen übertragen. Deswegen heißt es Sozial-Darwinismus. Sozial heißt sowas wie gesellschaftlich, also ist es sozusagen der Gesellschafts-Darwinismus. Die Logik geht dabei so, wenn wir, also die Deutschen oder die Europäer, diesen Afrikanern technisch überlegen sind, dann ist das ja genau wie in der Natur. Wir haben uns quasi besser an den Lebensraum angepasst als die und wir haben dann von Natur aus halt das Recht, die anderen zu beherrschen. Der Löwe beherrscht ja auch die Savanne, weil er der Stärkste ist.ist, klar, da sagt ja auch keiner was dagegen, das ist eine ziemlich stumpfe Argumentation, weil man damit ja jede Form von Gewaltherrschaft und von Ungerechtigkeit rechtfertigen kann. Es ist ja einfach nur eine schöne Herleitung dafür, dass der Stärkere einfach immer recht hat. Aber damals war das für viele das Argument, um das schlechte Gewissen wegen der vielen Sauereien und Brutalitäten, die man in den Kolonien so begangen hat, zu beruhigen. Dann konnte man sagen, das ist ja unser gutes Naturrecht, weil Sozialdarwinismus, Überleben des Stärkeren, da sind wir halt die Stärkeren in diesem Kampf. Ich bin der große General der deutschen Soldaten und sende diesen Brief an das Volk der Herero. Die Herero sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet und gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren und Nasen und andere Körperteile abgeschnitten und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage dem Volk, jeder, der einen der Kapitäne an einer meiner Stationen als Gefangenen abliefert, bekommt 1000 Mark. Wer Samuel Maherero bringt, der erhält 5000 Mark. Das Volk der Herero muss aber das Land verlassen. Wenn das Volk das nicht tut, werde ich es mit dem großen Rohr dazu zwingen. Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen. Ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf. Ich treibe sie zu ihrem Volk zurück. Ich lasse auf sie schießen. Das sind meine Worte an das Volk der Herero, der große General des mächtigen deutschen Kaisers. Das schreibt General von Trotha, ein Soldat des Deutschen Kaiserreichs, im Jahr 1904 an die Herero.Volksgruppe in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Dieser Brief, der als Vernichtungsbefehl in die Geschichte eingegangen ist, der leitet einen Genozid ein, der am Ende 50.000 bis 70.000 Tote fordert. Wie kommt einer dazu, so einen Massenmord zu begehen? Hand in Hand mit dem Sozialdarwinismus, von dem wir eben schon gehört haben, ging der Rassismus. Rassismus ist eine Theorie, die besagt, dass Menschen in verschiedene Rassen eingeteilt werden können. Das ist zwar an sich eh schon fraglich, weil Rassen ist eigentlich, wenn man Tiere züchtet, also der Pudel ist eine Hunderasse, aber wenn Menschen wird, wird der nicht absichtlich gezüchtet, deswegen ist das mit dem Rassen eh schon eigentlich der falsche Begriff. Die Vorstellung ist jedenfalls ganz einfach beim Rassismus. In Afrika haben alle Leute schwarze Haut, also sind die eine Rasse. Und in China haben alle Leute gelbe Haut, also sind die eine Rasse. Und in Deutschland sind alle weiß und so kann man sich dann die Menschen in Rassen einteilen, indem man sich anguckt, wie die aussehen. Das ist so Wissenschaft ganz einfach, kann man vielleicht sagen. Dabei blieb es dann halt nicht, sondern im nächsten Schritt haben sich die Leute dann überlegt, die Rassen, die sehen ja nicht nur verschieden aus, die sind bestimmt auch verschieden gut. So ein Afrikaner, der ist bestimmt ein bisschen dumm, weil er ist ja nicht industrialisiert und hat keinen modernen Nationalstaat und so, wie wir das haben. Wenn also die Afrikaner die dümmerer Rasse sind als wir, dann sollten wir die ja auch beherrschen, weil das können sie ja dann nicht selber. Und jetzt wird aus dem Rassismus dann ein echtes Problem. Denn dann ist ja die unterlegene Rasse, unterlegen in Anführungszeichen, weniger wert als die überlegene.in den Anführungszeichen Rasse. Die Europäer fühlen sich dann also als weiße Herrenrasse und sahen die Menschen in Afrika oder in Asien irgendwie als unterlegen an. Und das war nicht nur eine Meinung, sondern das war dann auch eine Begründung oder die Basis für krasse Gewalt. Wenn die Menschen in den Kolonien sich gegen die Unterdrückung gewehrt haben, wurde die mit einer Brutalität niedergeschlagen, das kann man sich heute kaum vorstellen. Und das bekannteste Beispiel aus der deutschen Geschichte dafür ist eben dieser Völkermord an den Herero durch deutsche Truppen im heutigen Namibia. Wo General Trotha zehntausende Menschen in die Wüste getrieben hat und erschossen hat oder verdursten ließ. Drotha und seinen Soldaten fiel das relativ leicht, weil sie sich den Menschen vor Ort halt rassisch überlegen fühlten. Weil sie glaubten ja sogar, sie hätten von Natur aus das Recht, über die Afrikaner zu verfügen, wie es ihnen gerade passt. Man könnte sagen, Rassismus war der Klebstoff, der das imperiale System am Laufen hielt.Das war unsere Folge zum Sozialdarwinismus und zum Rassismus. Zwei Gedankenkonstrukten, mit denen man sich den Imperialismus und die Herrschaft über fremde Völker zu erklären versucht hat. Geschichtslehrer.net ist ein Podcast, den mache ich in meiner Freizeit. Und alles, was ich dafür bekomme, sind ein paar Likes und coole Rückmeldungen. Und darüber freue ich mich aber umso mehr. Wenn euch der Podcast geholfen oder gefallen hat, dann schreibt mir gerne einen Kommentar unter die Folge, abonniert den Podcast, teilt ihn mit euren Freunden und Bekannten oder schreibt mir eine Mail an jens.geschichtslehrer.net. Ich lese alles. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.