Radikalnationalismus und die Außenpolitik des Kaiserreichs
In dieser Folge geht es um folgende Fachbegriffe:
- Radikalnationalismus
- Rüstungswettlauf
- Bündnispolitik
Willkommen bei geschichtsthera.net. Ich bin Jens und in diesem Podcast bereiten wir uns auf Klassenarbeiten im Fach Geschichte vor. In unserer Reihe zum langen 19. Jahrhundert geht es heute um den
Radikalnationalismus
radikalen Nationalismus, den Rüstungswettlauf und die Bündnispolitik. Drei wichtige Voraussetzungen, die uns erst ermöglichen, zu verstehen, wie es zum Ersten Weltkrieg kommen konnte. Schön, dass ihr heute dabei seid. Während sich die Großmächte in Übersee in ihren Kolonien mit Einheimischen und auch in Konkurrenz miteinander bekriegten, wurde auch die Stimmung in Europa immer giftiger. In vielen Staaten in Europa herrschte ein relativ scharfer Radikalnationalismus. Das ist dann nicht nur ich mag mein Land-Nationalismus, sondern mein Land ist das Beste und die anderen sind alle meine Feinde. Das ist Radikalnationalismus. In Deutschland, Österreich-Ungarn, in Frankreich oder in England, da herrschte überall ein ähnlich irrer Patriotismus, den man zusammenfassen könnte als Wir sind die Größten und wenn wir mal gegen die Nachbarn kämpfen müssen, dann putzen wir die weg. Dieser Hass wurde in militaristischen Gesellschaften, wie im Deutschen Kaiserreich, schon in der Schule geschürt. Man hat den Kindern beigebracht, dass Krieg ein tolles Abenteuer ist und dass es eine Ehre ist, fürs Vaterland zu sterben und so. Wenn alle so drauf sind, dann braucht es natürlich nur einen kleinen Funken, damit dann alles in die Luft geht.
Wenn alle sich gegenseitig hassen und ihre Armeen aufbauen, bekommt man natürlich auch selber ein bisschen Angst vor dem Nachbar. Was machen die Menschen, wenn sie Angst vor dem Nachbar haben? Na klar, sie kaufen sich jede Menge Waffen. Das führte zum sogenannten
Rüstungswettlauf
Rüstungswettlauf. Besonders zwischen Deutschland und England gab es da einen irren Wettbewerb, und zwar darum, wer die dicksten Schlachtschiffe hat. Deutschland wollte gern Weltmacht werden, man war ja auch auf dem Weg mit den Kolonien und so in diese Richtung. Und Kolonien sind weit weg, also braucht man Schiffe, um hinzukommen und sie verteidigen zu können. Also wollte Kaiser Wilhelm II. Eine riesige Flotte aufbauen. Die Engländer fanden das nicht so lustig, weil sie bis jetzt die Herrscher auf dem Meer gewesen waren und die größte Flotte hatten. Und die wollten auf gar keinen Fall akzeptieren, dass die Deutschen ihnen da Konkurrenz machen könnten. Also haben auch die Engländer immer noch mehr Kriegsschiffe gebaut. Und am Ende standen sich in Europa lauter bis an die Zähne bewaffnete Armeen gegenüber, die eigentlich nur noch darauf warteten, endlich loszuschlagen.
Eine andere Strategie, um mit der Angst vor den gefährlichen Nachbarn umzugehen, ist, dass man sich Freunde sucht, die einem helfen, wenn man Ärger hat. Bei Staaten nennt man sowas
Bündnispolitik
Bündnispolitik. Deutschland war mit Österreich-Ungarn verbunden und Frankreich mit Russland und England. Eigentlich sollte das ja abschrecken, nach dem Motto, guck mich nicht schief an, sonst hole ich meinen großen Bruder. Es bedeutete aber auch, wenn irgendwo jemand irgendjemandem den Krieg erklärte, dann hingen sofort alle anderen europäischen Großmächte auch mit drin, weil sie ja mit der einen oder mit der anderen Seite verbündet waren. So, 1914 erschoss dann ein Terrorist irgendeinen österreichischen Prinzen. Weil dieser Terrorist aber Serbe war und weil Serbien mit Russland verbündet war, war das politisch brandgefährlich. Österreich erklärte dann Serbien den Krieg, weil dieser Terrorist irgendwas mit Serbien zu tun hatte. Serbien rief seinen großen Bruder Russland zu Hilfe. Russland erklärte Österreich den Krieg. Österreich rief wiederum seinen großen Bruder Deutschland zu Hilfe. Deutschland erklärte Russland den Krieg. Russland rief seinen großen Bruder Frankreich und England zu Hilfe. Und weil die alle durch Verträge aneinandergekettet waren, gab es dann keine Ausstiegsmomente mehr, keine Pause, kein Halten, keine Möglichkeit, das durch Diplomatie zu lösen. Aus einem Streit um ein kleines Entwicklungsland in Österreichs Hinterhof wurde dann innerhalb weniger Tage ein Flächenbrand, ein weltweiter Krieg.
Nächstes Mal schauen wir uns an, wie dieser Erste Weltkrieg funktioniert, die Materialschlachten und die Heimatfront und werden dann in den nächsten Kapiteln uns die Welt nach dem Ersten Weltkrieg, die doch völlig anders aussieht als davor, anschauen. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.