Das Jahr 1917: Sturz der Imperien, Weltrevolution und Demokratieexport
Das Jahr 1917 ist eine Zäsur der Zeitgeschichte und prägt das kommende Jahrhundert wie kein anderes Datum. Wir reden über:
- Imperium
- Liberalismus
- Demokratieexport
- Kommunismus
- Oktoberrevolution
Der Erste Weltkrieg ist 1917 so gut wie vorbei. Deutschland weiß eigentlich schon, dass dieser Krieg nicht mehr zu gewinnen ist. Die USA sind in den Krieg eingetreten und bestimmen eigentlich das weitere Kriegsgeschehen. Im Prinzip ist alles vorbei. Aber es passieren doch noch ganz viele Dinge, die diesen Krieg zu einem der weltbedeutendsten Ereignisse machen.
Imperium
Dazu gehört die Revolution in Russland, dazu gehört aber auch die neue Rolle, die die USA in der Welt annehmen werden. Wir schauen uns heute an, wie die Imperien am Ende des Ersten Weltkriegs auseinanderbrechen, wie die Weltrevolution von den Kommunisten erwartet wird, wie die Amerikaner versuchen, ihre Demokratie in die Welt zu exportieren und inwiefern dieses Jahr 1917 eine besonders wichtige Zäsur in der Weltgeschichte ist. Willkommen bei geschichtssäuer.net. Ich bin Jens und hier bereiten wir uns auf Klausuren im Fach Geschichte fachkundig und unterhaltsam vor. Schön, dass ihr heute dabei seid.Am Ende dieses Wahnsinns des Ersten Weltkriegs war die Weltkarte nicht mehr dieselbe. Die alten Imperien waren zusammengebrochen, der deutsche Kaiser musste abdanken, der russische Zar wurde von den Kommunisten gestürzt und Österreich-Ungarn zerfiel in viele kleine Länder. Sogar die Siegermächte Frankreich und Großbritannien hatten Schwierigkeiten, ihre Kolonien im Durcheinander des Weltkriegs unter Kontrolle zu behalten, denn von denen wollten ja auch viele nicht mehr mit dem großen Reich zu tun haben, nicht mehr Teil des Imperiums sein. Diese riesigen Reiche, die teilweise jahrhundertelang existiert hatten, die wirkten plötzlich relativ fragil. Es war das Ende einer Ära. Auf den Trümmern der alten Imperien entstanden dann neue Nationalstaaten. Aus den Ruinen des Zarenreichs entstand ein unabhängiges Polen und Finnland und viele andere, aus den Bruchstücken Österreich-Ungarns die Tschechoslowakei und ebenfalls viele andere Nationen, die alle ihre eigene Freiheit wollten, die das Imperium ihnen vorher nicht gegeben hatte.
Jetzt müssen wir nochmal einen kleinen Zeitsprung zurück machen. Mitten im Krieg passiert nämlich in Russland was, das die Welt für das restliche 20. Jahrhundert spalten wird.
Oktoberrevolution
Nämlich die Oktoberrevolution 1917. Die Kommunisten unter Wladimir Lenin stürzen damals den Zaren, den russischen König, oder russischen Kaiser könnte man sagen, und sie übernahmen die Macht in Moskau.Ihre Idee war, wir schaffen jetzt mal das reiche Bürgertum und die Unternehmerklasse alle ab, die Fabriken gehören ab jetzt allen gemeinsam und wir bauen dann so eine völlig neue gerechte Welt auf, in der alle gleich sind.
Kommunismus
Die Bolschewiki, das sind die Kommunisten unter Lehnen, die wollten eine klassenlose Gesellschaft, eine Welt, in der das Privateigentum eigentlich abgeschafft ist. Gleichzeitig gingen die Bolschewiki auch davon aus, dass die meisten anderen Länder auch bald kommunistisch werden würden, wenn die erstmal sehen, wie toll das in Russland ist mit dem Kommunismus. Das nennt man dann die Weltrevolution, die Idee, dass in der ganzen Welt eine Revolution nach der anderen stattfinden wird und dann alles kommunistisch wird. Wenn euch das komisch vorkommt, dann hört euch mal die Folge zum Marxismus an. Jedenfalls, klassenlose Gesellschaft. Das klang für viele arme Arbeiter toll, aber es führte in der Realität ziemlich schnell zu Gewalt und Diktatur. In Russland entstand dann der erste Staat, der den modernen Kapitalismus völlig ablehnte, die Sowjetunion. Das war der Startschuss für einen Konflikt der Ideen, der die Welt über 100 Jahre lang prägte und erst 1990, Spoiler Alert, mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion dann endet.Auf der anderen Seite der Welt traten die USA 1917 in den Krieg ein. Ihr Präsident Wilson war ein Verfechter und Fan des Liberalismus, also der Freiheit.
Liberalismus
Und er wollte sie möglichst in die ganze Welt hinausbringen. Das läuft in der Geschichtsforschung heute unter dem Namen
Demokratieexport
Demokratieexport. Also, dass man versucht, die Demokratie in andere Staaten zu exportieren, so wie Länder heutzutage iPhones oder BMWs in andere Länder exportieren. Seine Idee dahinter war gar nicht so falsch. Wenn alle Länder Demokratien sind, dann gibt es wahrscheinlich keine Kriege mehr, denn der Erste Weltkrieg, der hatte ja vor allem wegen der ganzen Monarchien und Imperien angefangen, wo die Leute unzufrieden waren. Wenn die Leute dagegen alle so leben dürften, wie sie wollen, dann gäbe es bestimmt weniger Kriege, dachte sich Wilson. Er schlussfolgerte, jedes Volk sollte selbst bestimmen, wie es leben will. Damit standen sich dann 1917 aber auf einmal zwei völlig verschiedene Modelle der Welterklärung gegenüber. Auf der einen Seite die US-amerikanische Vision von Freiheit und Demokratie, Wilson, gegen die russisch-sowjetische Vision vom Kommunismus und der Weltrevolution. Beide Seiten wollten die ganze Welt von ihrem System überzeugen und dass es besser ist, aber diese beiden Systeme, die passten überhaupt nicht zueinander. Das war der Moment, in dem die USA zur Weltmacht wurden und die Sowjetunion zu ihrem großen Gegenspieler. Historiker nennen das Jahr in Auken.1917 eine Zäsur. Das ist ein schickes Wort für einen extrem wichtigen Wendepunkt. Denn nach 1917 war nichts mehr wie vorher. Europa war nicht mehr das politische oder wirtschaftliche Zentrum der Welt. Die USA und die Sowjetunion betraten die Bühne als die neuen zwei Großmächte. Man könnte ja nun denken, mit 17 Millionen Toten und vier Jahren Weltkrieg hätte die Menschheit vielleicht was gelernt. Danach hätte sich eigentlich eine Phase des Friedens anschließen müssen. Das stimmt auch in gewisser Weise. Aber Historiker nennen den Ersten Weltkrieg heute die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Denn dieser Weltkrieg und seine Folgen haben die ganzen Katastrophen, die uns im 20. Jahrhundert noch bevorstehen, erst so richtig vorbereitet und möglich gemacht.Das war die letzte Folge unseres Deep Dives zum Imperialismus und dem Ersten Weltkrieg. Nächstes Mal beschäftigen wir uns dann mit dem zarten Pflänzchen der Demokratie, das 1918 in Deutschland aus dieser Krise des Ersten Weltkriegs hervorgeht und werden uns dann die Weimarer Republik etwas näher anschauen. Ich danke euch fürs Zuhören und bleibt mir treu.