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Wilsons "Vierzehn Punkte" und das Ende der großen Imperien

Staffel 8, Folge 16 10.04.2026 00:05:59
Fachbegriffe: Vierzehn PunkteDemokratisierungSelbstbestimmungsrecht der VölkerNachfolgestaatethnische Minderheitimprovisierte Demokratie / gelernte Demokratiejunger Nationalstaat / alter Nationalstaat

Heute sprechen wir über die Begriffe:

  • Vierzehn Punkte
  • Demokratisierung
  • Selbstbestimmungsrecht der Völker
  • Nachfolgestaat
  • ethnische Minderheit
  • improvisierte Demokratie / gelernte Demokratie
  • junger Nationalstaat / alter Nationalstaat

Willkommen bei geschichtslehrer.net. Heute geht es um Wilsons

Vierzehn Punkte

und die Nachfolgestaaten der großen Imperien, die im Ersten Weltkrieg zusammengebrochen sind. Schön, dass ihr dabei seid. 1918 endet der Erste Weltkrieg und die zentrale Frage in den Köpfen aller Politiker ist, wie kann man einen solchen Krieg in Zukunft verhindern? Der US-Präsident Woodrow Wilson schlug dazu die Vierzehn Punkte vor, einen Plan für einen gerechten und dauerhaften Frieden und weil der in Vierzehn Stichpunkten stattfand, waren das die Vierzehn Punkte. Zu den wichtigsten Forderungen gehörten dabei eine offene Diplomatie statt Geheimverträgen, freie Schifffahrt, freier Handel, eine Begrenzung der militärischen Aufrüstung und die Gründung eines Völkerbundes, einer Art Parlament zur friedlichen Konfliktlösung. Das kann man so ein bisschen heute mit den UN vergleichen. Zentral war dabei das Prinzip des

Selbstbestimmungsrecht der Völker

Da steckt eigentlich schon drin, was gemeint ist. Selbstbestimmung der Völker bedeutet, dass jede ethnische Gruppe selbst bestimmen können soll, wo sie leben will. Denn Wilson meinte, dass die Menschen in einem Gebiet immer selber entscheiden sollten, zu welchem Staat oder welche Staatsform sie gehören wollen. Dass fremde Herrscher dagegen willkommen.Grenzen festlegen, war für ihn ein zentraler Grund, weshalb Kriege ausgebrochen sind. Und da hat er auch nicht ganz Unrecht gehabt, denn der Konflikt um Serbien, der zwischen Österreich und Serbien und Russland in den Ersten Weltkrieg geführt hatte, das war genau so ein Konflikt um die Frage der Selbstbestimmung der Völker. Dieses Prinzip führte jetzt nach dem Ersten Weltkrieg, als man es anwenden wollte, überall in Europa zu neuen Staaten und neuen Grenzen. Aber es hatte auch seine Grenzen, seine Limits, weil es nur in Europa und auch da längst nicht überall angewendet wurde. Und von den Kolonien braucht man da gar nicht erst reden. Gleichzeitig verlangte Wilson nach einer weltweiten

Demokratisierung

denn er war überzeugt davon, dass Demokratien keine Angriffskriege führen würden. Deshalb zielte seine Außenpolitik auf einen Demokratie-Export, also darauf, dass andere Staaten die Demokratie… Bräuchten und man sie ihnen bringen müsste. Das Problem dabei war natürlich, dass die anderen Siegermächte, besonders Frankreich, ganz andere Sachen im Kopf hatten. Die wollten stattdessen lieber Sicherheit vor Deutschland und auch Entschädigungen für die Zerstörungen, die angerichtet worden waren im Krieg. Wilsons idealistischer Traum von einer friedlicheren Welt traf also auf die knallharte Realität europäischer Machtpolitik. Das war ein Konflikt, der die gesamte Zwischenkriegszeit prägte.Am Ende des Ersten Weltkriegs brechen die großen Imperien, vor allem Deutschland, Österreich-Ungarn, Russland und auch das Osmanische Reich zusammen und überall in Europa entstehen dadurch plötzlich sogenannte

Nachfolgestaat

Es gibt nun also neue Länder wie die Tschechoslowakei oder ein wiedergeborenes Polen. Diese Staaten nennt man in der Geschichtsforschung

junger Nationalstaat

Die müssen sich ja auch erstmal finden, was für eine Flagge wollen wir, welche Sprache ist bei uns Amtssprache, was für eine Verfassung wollen wir, welche Gesetze gibt es bei uns. Im Vergleich zu einem alten Nationalstaat, wie zum Beispiel Frankreich oder Großbritannien, die gab es schon seit Jahrhunderten, liegt darin für einen neuen Nationalstaat, einen jungen Nationalstaat, eine Menge Sprengstoff. Wilsons Selbstbestimmungsrecht der Völker, das klingt zwar erstmal super, ist in der Praxis aber fast nicht umzusetzen. Die Imperien, die waren ja keine Nationalstaaten mit einer einzigen ethnischen Gruppe gewesen, sondern das waren eben riesige Verbünde von ganz vielen verschiedenen Gruppen, sogenannte Vielvölkerreiche. Man nennt diese Durchmischung dann multiethnische Reiche, also Reiche mit vielen verschiedenen Volksgruppen. Zum russischen Zarenreich zum Beispiel gab es neben den Russen eben auch Millionen von ethnischen Polen und Finnen und Ukrainern und Tataren und Kasachen und viel mehr. In Österreich-Ungarn, das heißt ja schon so, da gab es neben den Österreichern etliche Millionen Ungarn, Tschechen, Slowaken, Slowenen, Rumänen, Bosnier, Kroaten, Italiener und wahrscheinlich noch etliche mehr, die wir jetzt nicht haben.Einfallen. Viele von diesen ehemaligen Minderheiten bekamen nun ihre eigenen Nationalstaaten, aber das heißt ja noch lange nicht, dass die Angehörigen von so einer Ethnie automatisch jetzt in diesem Staat leben, denn wenn die nicht da wohnen, wo zufällig das neue Staatsgebiet hinkommt, dann wohnen die vielleicht weiterhin in Österreich oder in der Ukraine, obwohl sie eigentlich Rumänen sind, oder, oder, oder. In jedem dieser vielen jungen Nationalstaaten gab es also eine ganze Reihe

ethnische Minderheit

also kleine Volksgrüppchen, die zum Beispiel eine andere Religion hatten oder eine andere Sprache sprachen oder eine andere Tradition hatten. Stellt euch mal vor, ihr seid plötzlich Bürger eines neuen Landes geworden, aber ihr sprecht eine ganz andere Sprache und ihr fühlt euch auch gar nicht zugehörig. Dieser Ansatz führt dann zu neuem Hass und Spannung. Das war für die neuen Demokratien keine besonders einfache Ausgangslage.

improvisierte Demokratie / gelernte Demokratie

Das war unsere Folge über die unmittelbare Nachkriegszeit. Nächstes Mal geht es weiter mit Deutschland und dem Versailler Vertrag. Ich freue mich, wenn ihr auch wieder dabei seid. Vielen Dank fürs Zuhören und bleibt mir treu.