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Geschichte Basisfach · Kursstufe · 11.1

Folge 3

Deutschland holt auf

Eisenbahn, Krupp und der Vorteil der Rückständigkeit

Beschäftigte in der Landwirtschaft, Deutschland

  1. 180061,8 %
  2. 185056,8 %
  3. 188242,2 %
  4. 1907 · Industrie: 40 %34 %
  • Rückblick: Pionierland England, Adam Smith und der Wirtschaftsliberalismus
  • Der Wandel kommt spät, aber dann kommt er schnell.

Warum Deutschland spät dran ist

  • im Vergleich zu England zunächst ein „Entwicklungsland“
  • Zersplitterung: kein Nationalstaat vor 1871
  • zahlreiche Binnenzölle
  • unterschiedliche Währungen, Maße und Gewichte
  • absolutistische Eingriffe: Ein- und Ausfuhrverbote, Monopole
  • Zunftordnungen behindern das freie Gewerbe.

Preußische Reformen und ihre Folgen

  1. 1807Oktoberedikt
  2. 1810/11Gewerbefreiheit
  3. 1834Zollverein
  4. 1875/76Notenbank, Mark
  • Anlass: Die Niederlage gegen Napoleon 1806 zeigt Preußens Rückständigkeit.
  • Oktoberedikt: Ende der Leibeigenschaft, Eigentumserwerb, freie Berufswahl
  • Zollverein: einheitlicher Wirtschaftsraum, feste Wechselkurse

Motor Eisenbahn

  • Was in England die Textilindustrie leistete, übernimmt in Deutschland die Eisenbahn.
  • 1835 erste deutsche Eisenbahn Nürnberg–Fürth (6,5 km)
  • England: bereits 1825
  • 1850 ca. 6.000 km Streckennetz in Deutschland

Die Eisenbahn als Schrittmacher

  • Eisenverarbeitung: Schienen und Lokomotiven
  • Bergbau: Kohle zum Schmelzen
  • Maschinenbau: Lokomotiven und Waggons
  • Alle transportieren Kohle und Erz wieder mit der Bahn.
  • Leitsektor (Schrittmacherindustrie): Eine Branche zieht alle anderen mit.
  • Führungsregionen: Ruhrgebiet und Oberschlesien

Begriff

Verkehrsrevolution

Gütertransport wird durch Eisenbahn und Dampfschiff grundlegend schneller und billiger.

  • Berlin–Hamburg: mit dem Pferdewagen mehrere Tage, mit der Bahn Stunden
  • Neue Absatzmärkte werden erschlossen.
  • Rohstoffe wie Kohle und Eisenerz werden großflächig transportierbar.

Beispiel: Krupp in Essen

  • 1826 kleine, verschuldete Gussstahlfabrik
  • 1887 über 20.000 Beschäftigte
  • enge Bindung an militärische Nachfrage: Geschütze für Preußen und das Reich
  • betriebliches Sozialsystem: Werkswohnungen, Krankenkasse

„Zuckerbrot“ zur Bindung der Facharbeiter

Gründerjahre und Gründerkrach

  1. 1870 · Roheisenproduktionvor Frankreich
  2. 1871Reichsgründung
  3. 1873Gründerkrach
  4. 1873 – 1895/96Große Depression
  • 1871: Elsass-Lothringen (Eisenerz), französische Zahlungen
  • Gründerjahre: Boom mit vielen neuen Firmen und Aktiengesellschaften
  • Große Depression: sinkende Preise, verhaltenes Wachstum

Die wirtschaftspolitische Wende von 1879

Freihandel

bis 1879

  • freier Handel über Grenzen hinweg
  • möglichst wenig Staat, im Sinne des Wirtschaftsliberalismus

Protektionismus

ab 1879 · Bismarck

  • Zölle auf Eisen, Industriewaren und Getreide
  • Schutzzölle schützen die eigene Industrie.
  • Kartelle: Absprachen, um Gewinne zu verteidigen
  • (Teil-)Verstaatlichung: Eisenbahn, Post, Telegraf, Gas- und Wasserwerke

Begriff

Zweite Industrielle Revolution

Um 1890: Elektro- und Chemieindustrie werden der neue Leitsektor.

  • Dynamomaschine und Elektromotor ersetzen die Dampfmaschine.
  • führende Unternehmen: Siemens & Halske, AEG
  • Deutschland ist dritte Industrienation der Welt, nach USA und Großbritannien.
  • Landwirtschaft: 1871 etwa die Hälfte der Beschäftigten, 1914 nur noch ein Drittel

Begriff

Vorteil der Rückständigkeit

Alexander Gerschenkron: Nachzügler profitieren gerade von ihrem Rückstand.

  • Technik nicht selbst entwickeln, sondern modernste englische Verfahren übernehmen
  • Was fehlt (z. B. privates Kapital), wird ersetzt.
  • Universalbanken: Kredit und Unternehmensanteile aus einer Hand
  • technische Bildung: Polytechnische Schulen, Technische Hochschulen

England und Deutschland im Vergleich

England

Industrialisierung „von unten“

  • private Unternehmer
  • liberaler Staat
  • bestehender Binnenmarkt

Deutschland

von Beginn an stärker staatlich gelenkt

  • preußische Reformen, Zollverein
  • Schutzzoll, Teilverstaatlichung
  • Fehlende Zeit wird durch staatliche Steuerung ersetzt.
  • Wiedersehen: deutsche Nationalstaatsbildung

Für die Klausur: drei Dinge

  1. Nachzügler: Zersplitterung, dann Reformen, Zollverein (1834), Eisenbahn als Leitsektor: Verkehrsrevolution
  2. Zweite Industrielle Revolution: um 1890, Elektro und Chemie als neue Leitsektoren
  3. Vorteil der Rückständigkeit: erklärt das Tempo. In Deutschland lenkt der Staat stärker als in England.

Nächste Folge

Methodenfolge: Quellenanalyse

Der Text ist mit KI-Unterstützung entstanden. Inhalt und Verantwortung: Jens.

Deutschland holt auf (3/65) – Basisfach Geschichte

Staffel 10, Folge 03 21.10.2026 00:12:09
Fachbegriffe: VerkehrsrevolutionZweite Industrielle RevolutionVorteil der Rückständigkeit

Deutschland holt auf: Eisenbahn, Krupp und der Vorteil der Rückständigkeit

Folge 3 von 65 der Reihe „Basisfach Geschichte in der Kursstufe“ (Halbjahr 11.1, Folge 3). Eine Folge pro Unterrichtsstunde, zur Vorbereitung auf Klausuren und Abitur im Basisfach Geschichte (Kursstufe Baden-Württemberg).

Begriffe: Verkehrsrevolution, Zweite Industrielle Revolution, Vorteil der Rückständigkeit

Kapitel:

00:00 Begrüßung

00:34 Der Nachzügler

02:22 Reformen von oben

03:40 Motor Eisenbahn

06:26 Boom, Krach und der Staat

08:51 Die zweite Runde und der Vorteil der Rückständigkeit

10:56 Für die Klausur

Der Text ist mit KI-Unterstützung entstanden. Inhalt und Verantwortung: Jens.

Mehr: https://geschichtslehrer.net

#Geschichte #Abitur #Kursstufe